Kleines Hasenmaul

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Kleines Hasenmaul

Systematik
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
Familie: Hasenmäuler (Noctilionidae)
Gattung: Noctilio
Art: Kleines Hasenmaul
Wissenschaftlicher Name
Noctilio albiventris
Desmarest, 1818

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Kleine Hasenmaul (Noctilio albiventris) gehört innerhalb der Familie der Hasenmäuler (Noctilionidae) zur Gattung Noctilio. Im Englischen wird diese Art Lesser Bulldog Bat, Southern Bulldog Bat oder Lesser Noctilio genannt. Die Art ist monotyoisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Smith, 2008).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Das Kleine Hasenmaul ist vom Großen Hasenmaul (Noctilio leporinus) leicht anhand der Größe zu unterscheiden. Die Condylobasallänge liegt beim Kleinen Hasenmaul bei weniger als 21 mm, beim Großen Hasenmaul bei mehr als 21 mm. Weitere Unterschiede zeigen sich in der Kiefer- und Zahnmorphologie (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Kleine Hasenmaul erreicht je nach Geschlecht unterschiedliche Maße. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 99,4 bis 104 (99,2) mm, eine Schwanzlänge von 16,4 bis 24,0 (20,2) mm, eine Hinterfußlänge von 15,9 bis 18,5 (17,2) mm, eine Ohrlänge von 22,8 bis 24,8 (23,8) mm, ein Gewicht von 26,5 bis 24,9 (30,7) g, eine Schädellänge von 19,3 bis 20,2 (19,9) mm, eine Condylobasallänge von 18,5 bis 19,1 (18,8) mm sowie eine Jochbeinbreite von 15,33 bis 15,87 (15,6) mm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 89,1 bis 98,3 (93,7) mm, eine Schwanzlänge von 16,37 bis 17,83 (17,1) mm, eine Hinterfußlänge von 15,7 bis 16,9 (16,3) mm, eine Ohrlänge von 21,6 bis 25,78 (23,7) mm, ein Gewicht von 23,1 bis 29,3 (26,2) g, eine Schädellänge von 19,6 bis 19,8 (19,7) mm, eine Condylobasallänge von 17,8 bis 19,15 (18,5) mm sowie eine Jochbeinbreite von 15,38 bis 15,42 (15,4) mm. Die Nase ist deutlich hervorstehend, es fehlt jedoch das typische Nasenblatt. Die Unterlippe ist deutlich gespalten, die langen und schmalen Ohren sind nach vorne geneigt. Die Ohren sind nur an der Basis bräunlich und nackt, nur an den seitlichen Rändern zeigt sich eine spärliche Behaarung. Das Uropatagium erstreckt sich über die großen und kräftigen Füße. Das kurze Fell ist dorsal meist bräunlich gefärbt, lokal auch rötlich bis orangerot. Ventral zeigt sich eine ähnliche Färbung. Die Flugmembran ist braun. Adulte Tiere verfügen über einen gut entwickelten Scheitelkamm. Das Gebiss besteht aus 28 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c1/1, p1/2, m3/3 (Smith, 2008).

Lebensweise

Das Kleine Hasenmaul ist typischerweise nachtaktiv. Die Nahrungssuche beginnt mit einbrechender Dämmerung. Die Flüge in einer Nacht erstrecken sich über 10 bis 13 km. Die Tagquartiere liegen meist in Felsspalten, Baumhöhlen oder an ähnlich geschützten Stellen. An den Schlafplätzen konnten meist bis zu 13, selten auch bis zu 60 Individuen festgestellt werden. Nicht selten kommt es an den Schlafplätzen zur Vergesellschaftung mit anderen Arten wie Gemeine Vampire (Desmodus rotundus), der Langbeinfledermaus (Macrophyllum macrophyllum), Streifen-Fruchtvampire (Platyrrhinus), Eptesicus furinalis und Eptesicus diminutus (Smith, 2008).

Verbreitung

Die Art ist in Mittel- und Südamerika östlich der Anden weit verbreitet. Die Vorkommen erstrecken sich vom südlichen Mexiko bis ins nördliche Argentinien. Im Einzelnen ist das Kleine Hasenmaul in Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay und Peru verbreitet. Die Lebensräume liegen meist auf Seehöhe bis in Höhen von gut 1.100 m über NN nahe der Anden. Die Art besiedelt vor allem größere Binnengewässer wie See und Flüsse. Aber auch Lebensräume wie der feuchten Chaco werden besiedelt (Smith, 2008; IUCN, 2014).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden zählen Artgenossen wie die Große Lanzennase (Phyllostomus hastatus). Das Kleine Hasenmaul ist Wirt für zahlreiche Ekto- und Endoparasiten. Nachgewiesen sind Fledermausfliegen (Streblidae) wie Noctiliostrebla maai, Xenotrichobius noctilionis, Paradyschiria parvuloides und Paradyschiria parvula, Lederzecken (Argasidae) wie Ornithodoros hasei (Smith, 2008).

Ernährung

Kleines Hasenmaul
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Kleines Hasenmaul

Die Art ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta) wie etwa Laufkäfer (Carabidae), Echte Schwimmkäfer (Dytiscidae), Langwanzen (Lygaeidae), Blutzikaden (Cercopidae) und Schmetterlinge (Lepidoptera). Die Beutetiere werden für gewöhnlich nahe der Wasseroberfläche oder an Gewässerrändern abgesammelt. Die Nahrung wird per Echoortung lokalisiert. Die Flughöhe während der Nahrungssuche liegt bei 2 bis 5 m, die Fluggeschwindigkeit bei 4,5 bis 7,5 m/Sek. Die Beutetiere weisen eine durchschnittliche Länge von 10 bis 30 mm auf (Smith, 2008).

Fortpflanzung

Kleine Hasenmäuler pflanzen sich saisonal fort. Die meisten Geburten erfolgen in der Zeit, in der reichlich Nahrung in Form von Insekten vorhanden ist. Ein Weibchen bringt in der Regel ein Jungtier zur Welt. Der Nachwuchs kommt nackt und blind zur Welt und entwickelt sich ungewöhnlich langsam. Die Jungen erlernen das Fliegen nach etwa 35 bis 44 Tagen. Einige Monate später erreichen sie die Unabhängigkeit von der Mutter. Von der Muttermilch werden die Jungen nach 75 bis 90 (80,5) Tagen. Sie nehmen jedoch bereits ab dem Lebenstag 45 die erste feste Nahrung zu sich. Diese nehmen die Jungen aus der Backentasche ihrer Mutter zu sich (Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Kleine Hasenmaul gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten und wird in der Roten Liste der IUCN daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Die Populationen sind in allen Regionen mehr oder weniger stabil. Die Art weist eine große Anpassungsfähigkeit und eine Toleranz dem Menschen gegenüber aus. Größere Bedrohungen sind nicht bekannt (IUCN, 2014).

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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