Kleines Nacktschwanzgürteltier

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Kleines Nacktschwanzgürteltier
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nebengelenktiere (Xenarthra)
Überfamilie: Dasypodoidea
Familie: Gürteltiere (Dasypodidae)
Unterfamilie: Langnasengürteltiere (Dasypodinae)
Gattung: Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous)
Art: Kleines Nacktschwanzgürteltier
Wissenschaftlicher Name
Cabassous chacoensis
Wetzel, 1980

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Das Kleine Nacktschwanzgürteltier (Cabassous chacoensis) zählt innerhalb der Familie der Gürteltiere (Dasypodidae) zur Gattung der Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous). Im Englischen wird das Kleine Nacktschwanzgürteltier Chacoan Naked-tailed Armadillo genannt (IUCN, 2014). Die Art ist monotypisch (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung, ähnliche Arten

Das Kleine Nacktschwanzgürteltier ist im Grunde eine wesentlich kleinere Version des Riesengürteltiers (Priodontes maximus). Neben der Größe ist ein weiteres Unterscheidungsmerkmal das Fehlen der Panzerplatten auf dem Schwanz. Dieser ist bei dem Kleinen Nacktschwanzgürteltier nackt. Markantes Merkmal sind die stark vergrößerten Grabkrallen an den Vorderpfoten. Im Verbreitungsgebiet kann die Art auch mit Cabassous tatouay und dem Großen Nacktschwanzgürteltier (Cabassous unicinctus) verwechselt werden. Beide Arten sind jedoch deutlich größer. Zudem sind die Ohren beider Arten im Verhältnis zur Größe länger. Cabassous tatouay hat lange, trichterförmige Ohren (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Kleine Nacktschwanzgürteltier ist die kleinste Art der Gattung. Es erreicht eine Körperlänge (n=2) von 30,0 bis 30,6 (30,3) cm, eine Schwanzlänge von 9,0 bis 9,6 (9,3) cm, eine Hinterfußlänge von 6,1 cm, eine Ohrlänge von 1,4 bis 1,5 (1,45) cm, eine Condylobasallänge von 68,5 bis 71,1 (69,8) mm, eine Rostrumlänge von 29,9 bis 31,5 (30,7) mm, eine Gaumenlänge von 39,8 bis 42,2 (41,0) mm, eine Jochbeinbreite von 37,7 bis 42,5 (40,1) mm sowie eine Schädelhöhe von 28,3 bis 31,5 (29,9) mm. Die Schnauze ist kurz und breit, der Kopfschild weist 34 bis 42 (38,7) Hornschuppen auf. Die Hornschuppen auf dem Rückpanzer sind in 12 beweglichen Bändern angeordnet. Jedes Band weist 25 bis 30 Hornschuppen auf. Im Bereich der Wange zeigen sich nur wenige isolierte Hornschuppen. Der Rückenpanzer ist braun bis dunkelbraun, seitlich etwas gelblicher gefärbt. Eine Behaarung ist auf dem Rückenpanzer nicht vorhanden. Ventrolateral zeigt sich jedoch eine Behaarung, die ziemlich lang sein kann. Ventral zeigt sich eine gräuliche Färbung mit einer sehr spärlichen Behaarung. Die Ohren sind ausgesprochen kurz und liegen weit auseinander. Die Ohrmuschel hat einen charakteristisch fleischigen vorderen Rand. Die Vorderfüße sind durch jeweils 5 kräftige, sichelartige Grabklauen gekennzeichnet. Die dritte (mittlere) Klaue ist stark verlängert. Das Gebiss weist 32 Zähne auf (Smith, 2008).

Lebensweise

Über die Lebensweise und das Fortpflanzungsverhalten der Art ist nur wenig bekannt. Beim Kleinen Nacktschwanzgürteltier handelt es sich um eine hauptsächlich unterirdisch grabende (fossorial) Art. Demnach sind Beobachtungen an der Erdoberfläche selten. Man geht davon aus, dass es sich um eine meist tagaktive Art handelt. Dies belegen Beobachtungen im Freiland und in Gefangenschaft. Die Kommunikation untereinander erfolgt meist durch Laute, die an ein Grunzen eines Schweines erinnern. Ein Weibchen bringt ein Jungtier pro Wurf zur Welt (Smith, 2008).

Verbreitung und Lebensraum

Das Kleine Nacktschwanzgürteltier ist eine endemische Art des Gran Chaco vom westlichen Paraguay bis ins nördliche Argentinien. In Argentinien beschränken sich die Vorkommen auf die Provinzen Santiago del Estero, Formosa, Santa Fé, La Rioja und San Luis. Kleine Nacktschwanzgürteltiere besiedeln das trockene Gran Chaco. Charakteristisch sind dornige Büsche und gemischte Gräser mit sandigen Böden. Zu den typischen Gewächsen in diesem Lebensraum gehören der Quebrachobaum (Aspidosperma quebracho-blanco) und Mimosengewächse (Mimosoideae) wie Prosopis flexulosa . Die Nähe zum Menschen und kultivierten Flächen wird gemieden(Smith, 2008).

Ernährung

Kleine Nacktschwanzgürteltiere ernähren sich entomophag überwiegend von Insekten (Insecta) und deren Larven. Die Beutetiere werden mit den kräftigen Grabklauen aus den Erdreich oder Termiten- bzw. Ameisenhügel gegraben. Ameisen (Formicoidea) und Termiten (Isoptera) gehören zur bevorzugten Nahrung (Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Kleine Nacktschwanzgürteltier gehört zu den nahe gefährdeten Arten und wird daher in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie NT, Near Threatened, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen listet die Art nicht. Die größte Gefahr geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Habiate werden weitflächig in landwirtschaftliche Fläche umgewandelt. Angebaut werden insbesondere Erdnüsse , Hirse und Sesam (Smith, 2008; IUCN, 2014).

Systematik

Der Stammbaum der Gürteltiere (exklusive der Gürtelmulle) nach Delsuc et al., 2003:

Gürteltiere (Dasypodidae)
 ├──Langnasengürteltiere (Dasypus)
 └──N.N.
     ├──Euphractinae
     │      ├──Zwerggürteltiere (Zaedyus)
     │      └──N.N.
     │           ├──Sechsbindengürteltiere (Euphractus)
     │           └──Borstengürteltiere (Chaetophractus)
     │
     └──Tolypeutinae
            ├──Kugelgürteltiere (Tolypeutes)
            └──Prionodontini
                 ├──Riesengürteltiere (Priodontes)
                 └──Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous)

Demnach sind Riesengürteltiere (Priodontes) die nächsten Verwandten der Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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