Kleinkantschil

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Kleinkantschil

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirschferkel (Tragulidae)
Gattung: Tragulus
Art: Kleinkantschil
Wissenschaftlicher Name
Tragulus javanicus
(Osbeck, 1765)

IUCN-Status
Data Deficient (DD)

Das Kleinkantschil (Tragulus javanicus), auch als Mäusehirsch bekannt, gehört innerhalb der Famile der Hirschferkel (Tragulidae) zur Gattung Tragulus. Im Englischen wird der Kleinkantschil java mouse-deer, javan chevrotain, java mousedeer, javan mousedeer, kanchil oder lesser mouse deer genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Das Kleinkantschil erreicht eine Körperlänge von 45 bis 55 Zentimeter, ein Stockmaß von 20 bis 25 Zentimeter, eine Schwanzlänge von gut fünf Zentimeter sowie ein Gewicht von nur 1.500 bis 2.500 Gramm. Weibchen bleiben etwas kleiner und leichter als Männchen. Männchen verfügen im Oberkiefer über verlängerte Eckzähne, die bei geschlossenem Maul seitlich herausragen. Die Eckzähne sind sichelartig leicht nach hinten gebogen. Weibchen haben diese Eckzähne nicht. Das Fell ist überwiegend rotbraun bis orangebraun gefärbt. Ventral ist das Fell cremefarben bis fast weiß. In der Schwanzgegend sowie an der Kehle sind weiße Streifen zu erkennen. Der Körper wirkt gestreckt, der Kopf ist leicht dreieckig. Die Ohren sind mittelgroß und von stehender Form. Die Beine sind filigran und wirken geradezu zerbrechlich.

Lebensweise

Das Kleinkantschil lebt monogam in kleinen Familiengruppen. Gelegentlich sind sie auch einzelgängerisch anzutreffen. Insgesamt sind die Tiere sehr scheu und in Freiheit aufgrund des unzugänglichen Lebensraumes selten zu beobachten. Ihre aktivste Zeit haben Kleinkantschils während der Nacht. Am Tage halten sie sich im Dickicht meist verborgen. Insbesondere die Männchen weisen ein stark territoriales Verhalten auf. Sie markieren ihr Revier mit einem Sekret aus Drüsen, die sich im Kinnbereich befinden. Bei gelegentlichen Kämpfen zwischen zwei Rivalen werden insbesondere die scharfen Eckzähne als Waffe eingesetzt. Zu den natürlichen Feinde zählen Raubkatzen, Greifvögel und große Reptilien.

Verbreitung

Kleinkantschil
vergrößern
Kleinkantschil

Das Kleinkantschil ist in weiten Teilen Südostasiens verbreitet. Es kommt insbesondere in Brunei, Kambotscha, China, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Singapur und Thailand vor. Die Tiere leben in tropischen Regenwäldern sowie gelegentlich auch in Galeriewäldern. In ihrem Lebensraum ist grundsätzlich eine dichte Untervegetation sowie Wasser vorhanden.

Ernährung

Das Kleinkantschil gehört zu den Wiederkäuern. Sein Magensystem besteht üblicherweise aus drei Teilmägen, um die stark faserhaltige Nahrung aufzuspalten. Bei der Aufspaltung helfen Mikroorganismen, die geeignete Enzyme produzieren, damit die Nahrung wie Blätter, Knospen und Strauchwerk verdaut werden können. Hier und da werden auch reife Früchte gefressen.

Fortpflanzung

Geschlechtsreif sind die Tiere mit etwa sechs Monaten. Die Paarungszeit des Kleinkantschil erstreckt sich in den tropischen Verbreitungsgebieten über das ganze Jahr, ist also nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden. Nach einer Tragezeit von rund 135 Tagen bringt das Weibchen an einem geschützten Platz meist ein Jungtier zur Welt. Bereits kurz nach der Geburt ist das Junge in der Lage zu stehen und der Mutter zu folgen. Die Säugezeit beträgt etwa 90 Tage. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei rund zehn bis zwölf Jahren.

Gefährdung, Schutz

In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet wird das Kleinkantschil gejagt. Zum einen wegen der Haut und zum anderen wegen dem Fleisch, das von der Bevölkerung gegessen wird. Ein weiterer Grund für die dramatischen Bestandsrückgänge ist die Vernichtung der natürlichen Lebensräume durch Rodung. Das Kleinkantschil steht aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens, Anhang II, unter weltweitem Schutz. Laut der Roten Liste der IUCN sind genaue Bestandszahlen nicht bekannt. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie als "Data Deficient" geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge