Krabbenfresser

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Krabbenfresser

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)
Gattung: Lobodon
Art: Krabbenfresser
Wissenschaftlicher Name
Lobodon carcinophagus
Hombron & Jacquinot, 1842

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Krabbenfresser (Lobodon carcinophagus) zählt innerhalb der Familie der Hundsrobben (Phocidae) zur Gattung Lobodon.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Krabbenfresser erreichen eine Körperlänge von 200 bis 245 Zentimeter sowie ein Gewicht von 200 bis 280 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Die Fellfärbung schwankt saisonal. Im Sommer ist das Fell dunkelbraun, die Unterseite weist eine hellbraune Färbung auf. Der Rücken ist undeutlich mit dunklem Muster versehen. Die Brustflossen sind sehr dunkel gefärbt, meist zeigen sie eine dunkelbraune bis schwarzbraune Färbung. Das Winterfell ist sehr hell, fast weißlich gefärbt. Das Fell der Welpen ist hellgrau bis weißlich gefärbt. Krabbenfresser verfügen zwar über ein kräftiges Gebiss, jedoch benötigen sie dieses nicht um Beutetiere zu greifen. Durch die Zähne drücken sie lediglich Wasser aus dem Maul. Gefressen werden Krill und kleine Fische im Ganzen, ohne zu kauen. Das Gebiss erfüllt dabei die Funktion eines Siebes. Die Körper der Krabbenfresser sind häufig mit tiefen Narben und Wunden überzogen. Diese stammen in der Regel von Angriffen durch Seeleoparden.

Lebensweise

Krabbenfresser leben während der Paarungszeit in kleinen Familiengruppen. Dabei schliessen sich eine Vielzahl an Familien zu größeren Kolonien zusammen. Eine Kolonie kann dabei aus 100 bis 1.000 Tieren bestehen. Eine Familie besteht aus einem Weibchen, einem Männchen und einem Welpen. Unmittelbar nach der Paarung fällt eine Familie jedoch auseinander. Weiteres ist im Kapitel Fortpflanzung zu entnehmen. Außerhalb der Paarungszeit leben Krabbenfresser einzelgängerisch. Sie sind zwar auch am Tage aktiv, jedoch auf Nahrungssuche gehen die Tiere ausschließlich in der Nacht. Die Nahrungssuche erstreckt sich dabei üblicherweise über die ganze Nacht. Die übliche Tauchtiefe beträgt etwa 10 bis 30 Meter, in seltenen Fällen können sie aber auch über 400 Meter tief tauchen. Die Tauchzeiten liegen zwischen fünf und zehn Minuten. Die nächtliche Nahrungssuche ist eine Anpassung an ihre Hauptnahrung - den Antarktischen Krill. Im späten Sommer oder im Herbst verlassen Krabbenfresser ihre Sommerquartiere und ziehen nordwärts in die Winterquartiere. Im Winter könnten sie in der Antarktis nicht überleben.

Verbreitung

Ein Krabbenfresser in seinem Lebensraum
vergrößern
Ein Krabbenfresser in seinem Lebensraum

Der Krabbenfresser kommt ausschließlich an der Küste der Antarktis vor. Hier lebt er an den Küsten oder an der Packeisgrenze. Im Herbst ziehen die Tiere in die Winterquartiere. Diese liegen an den Küsten von Neuseeland, Tasmanien, dem südlichen Australien, Südafrika oder Südamerika, insbesondere die Region von Patagonien. Im Frühjahr treffen Krabbenfresser wieder in der Antarktis ein. Die Paarungsgebiete liegen in der Antarktis und der Küste vorgelagerten Inseln. Friert im Bereich des Packeises das Wasser zu, so nutzen Krabbenfresser die Eislöcher der Weddelrobben, um zu atmen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fressfeinden zählen insbesondere der Seeleopard (Hydrurga leptonyx) und der Große Schwertwal (Orcinus orca). Aufgrund der hohen Anzahl der Krabbenfresser wirkt sich der verursachte Schwund durch Prädatoren so gut wie gar nicht aus.

Ernährung

vergrößern

Krabbenfresser ernähren sich fast ausschließlich vom Antarktischen Krill (Euphausia superba). Daher ist ihr Name eigentlich nicht zutreffend, da Krabbenfresser keine Krabben, sondern Krill fressen. Nur selten ergänzen andere wirbellose Tiere den Speiseplan. Ein Krabbenfresser schwimmt mit geöffnetem Maul durch einen Schwarm Krill. Hat sich genügend Nahrung im Schlund angesammelt, so wird das Gebiss geschlossen und das Wasser durch die Zahnlücken hinausgepresst. Danach wird die Nahrung geschluckt. Hin und wieder verirren sich auch kleine Fische ins Maul, diese werden ebenfalls gefressen. Fische bis zu einer Länge von 10 bis 12 Zentimeter können problemlos geschluckt werden. Gekaut werden weder der Krill noch kleine Fische. Bei den Tauchgängen kann ein Krabbenfresser in Tiefen von über 400 Meter vorstoßen. Tauchzeiten von gut 10 Minuten sind dabei die Regel. Krabbenfresser gehen überwiegend in der Nacht auf Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Krabbenfresser erreichen die Geschlechtsreife mit drei bis vier Jahren. Die Paarungszeit und auch die Geburt des Nachwuchses erfolgt in der Antarktis im Frühjahr. Dies ist in der Regel ab September der Fall. Die Geburt und auch die Paarung erfolgt auf dem Packeis. Die Verpaarung erfolgt unmittelbar nachdem der Nachwuchs entwöhnt ist. Ein Männchen bleibt bis zu diesen Zeitpunkt beim Weibchen und beschützt sie und ihren Nachwuchs gegenüber Rivalen. Die Tragezeit beträgt zwischen 11 und 12 Monaten. In der Gesamttragezeit ist eine Keimruhe von rund drei Monaten enthalten. Ein Welpe weist bei der Geburt eine Länge von 100 bis 120 Zentimeter sowie ein Gewicht zwischen 20 und 30 Kilogramm auf. Durch die sehr fetthaltige Muttermilch legen sie sehr schnell an Gewicht (bis zu 4 Kilogramm am Tag) zu. Die Säugezeit erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa drei bis vier Wochen. Bis zum Ende der Säugezeit hat das Muttertier rund die Hälfte ihres Körpergewichtes verloren, da sie während der Säugezeit keine Nahrung zu sich nimmt. Nach dem der Nachwuchs entwöhnt ist, erfolgt die erneute Begattung. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 20 Jahren, jedoch ist auch ein Alter von bis zu 30 Jahren möglich. In Gefangenschaft können die Tiere ein Alter von über 35 Jahren erreichen. Weibchen sind bis zum 25. Lebensjahr gebärfähig.

Ökologie

In den letzten Jahrzehnten hat die Krill-Fischerei stark zugenommen. Die Bestände des Arktischen Krills sind zwar noch nicht gefährdet, aber wenn die Ausbeutung der Nahrungsressourcen so weitergeht, wir sich dieses schnell ändern. Davon sind vor allem die Krabbenfresser betroffen, die zahlreich die Antarktischen Gewässer bewohnen und auf den Arktischen Krill angewiesen sind.

Gefährdung und Schutz

Krabbenfresser gehören nicht zu den bedrohten Tierarten. Sie gelten innerhalb der Familie der Hundsrobben (Phocidae) zu der zahlenmäßig stärksten Art. Die genauen Bestände können zwar nicht ermittelt werden, Forscher schätzen die Gesamtpopulation jedoch auf bis zu 40 Millionen Tiere.
Krillfresser: Buckelwal(Megaptera novaeangliae)
vergrößern
Krillfresser: Buckelwal
(Megaptera novaeangliae)
Hauptgrund für die hohe Zahl der Tiere dürfte der unzugängliche Lebensraum sein, der heute noch nicht vom Menschen in Beschlag genommen wurde. Jedoch hat bereits die Wasserverschmutzung bis in die Antarktis Einzug gehalten. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln wie DDT wurden bereits in Krabbenfressern nachgewiesen. Krabbenfresser sind auf ihre Hauptnahrung den Antarktischen Krill (Euphausia superba) angewiesen. Die Art lebt oder stirbt mit der Erhaltung der Reserven an Krill.

In dieser Nahrungskette sind auch andere Tiere angesiedelt. Dazu gehören insbesondere Hundsrobben wie Seeleoparden (Hydrurga leptonix), Weddellrobben (Leptonychotes weddellii), Rossrobbe (Ommatophoca rossi), Antarktische Seebären (Arctocephalus gazella). Aus der Familie der Wale (Cetacea) zählen Nördliche Zwergwale (Balaenoptera acutorostrata), Blauwal (Balaenoptera musculus), Finnwal (Balaenoptera physalus), Seiwal (Balaenoptera borealis) und Buckelwal (Megaptera novaeangliae) zu den Krillfressern. Darüber hinaus ernähren sich viele Fischarten und Vögel von Krill. Wird diese Nahrungskette unterbrochen, so steht gleich eine Vielzahl an Arten vor dem Aussterben. Vor allem die Krill-Fischerei des Menschen zieht massige Auswirkungen nach sich.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge