Krauskopfpelikan

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Krauskopfpelikan

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Pelikane (Pelecanidae)
Unterfamilie: Pelecaninae
Gattung: Pelikane (Pelecanus)
Art: Krauskopfpelikan
Wissenschaftlicher Name
Pelecanus crispus
Bruch, 1832

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus) zählt innerhalb der Familie der Pelikane (Pelecanidae) zur Gattung der Pelikane (Pelecanus). Im Englischen wird der Krauskopfpelikan dalmatian pelican genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Krauskopfpelikan ist die größte Pelikan-Art und erreicht eine Körperlänge von etwa 170,0 bis 180,0 Zentimeter. Die Spannweite beträgt etwa 2,0 Meter. Die Flügellänge beim Männchen mißt 72,0 bis 80,0 Zentimeter, während die Flügellänge beim Weibchen 69,0 bis 72,5 Zentimeter beträgt. Der Schnabel des Männchens weist eine Länge von etwa 42,0 bis 51,0 Zentimeter und die des Weibchens 38,0 bis 42,3 Zentimeter auf. Das Gewicht beträgt etwa 9,0 bis 13,0 Kilogramm. Der Krauskopfpelikan ist weltweit der schwerste fliegende Vogel, obwohl die großen männlichen Trappen (Otididae) und die Schwäne (Cygnus) das Gewicht des Pelikans überschreiten können. Die Schwanzlänge des Männchens mißt etwa 23,0 bis 25,0 Zentimeter und die des Weibchens etwa 23,0 Zentimeter. Das Männchen weist eine Schaftlänge von etwa 11,0 bis 15,0 Zentimeter auf und beim Weibchen beträgt die Schaftlänge etwa 11,0 bis 13,0 Zentimeter. Weibchen sind insgesamt etwas kleiner als die Männchen. Markant sind die verlängerten Federn an Hals und Kopf, die während der Brutzeit besonders lang werden. Der Krauskopfpelikan unterscheidet sich vom Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) durch die lockigen Nackenfedern. Des Weiteren weist der Krauskopfpelikan ein grau-weißes Gefieder auf, während der Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) ein reinweißes Gefieder hat. In der Brutzeit weist der Krauskopfpelikan einen rot gefärbten Unterkiefer auf. Das Gefieder der jungen Pelikane ist von einer grauen Färbung.

Lebensweise

Krauskopfpelikan - Flugstudie
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Krauskopfpelikan - Flugstudie

Laut der Roten Liste der IUCN befinden sich die Brutgebiete in Osteuropa, Ost-Zentral-Asien, in Serbien und Montenegro, Albanien, Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Russland, Aserbaidschan, in der Türkei, in der Ukraine, in der Mongolei, im Iran, in Turkmenistand, in Usbekistan und in Kasachstan. Die europäische Population zieht im Winter zu ihren Brutgebieten, die sich in den östlichen Mittelmeerländern, in Russland und in Zentralasien befinden. Ferner brüten sie noch im Iran, im Irak und auf dem indischen Subkontinent. Die mongolische Population brütet entlang der Ostküste von China, einschließlich Hong Kong (China). Nach massiven Rückgängen im 19. und 20. Jahrhundert schätzt man jetzt etwa 10.000 bis 20.000 Individuen (einschließlich etwa 4.000 bis 5.000 Brutpaare). Auch mehrere Kolonien haben sich zunehmend stabilisiert. Die Mehrzahl der Vögel brütet in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion (2.700 bis 3.500 Paare), obwohl sich die größte Kolonie am Lake Mikri Prespa, Griechenland, mit fast 1.000 Brutpaaren befindet. Rund 450 Paare leben im Donau-Delta. Die mongolische Population ist weiter rückläufig und ist fast ausgestorben.

Krauskopfpelikan - Flugstudie
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Krauskopfpelikan - Flugstudie

Laut der Roten Liste der IUCN wandert der Krauskopfpelikan in Europa kurze Distanzen und in Asien ist er ein Migrant. Der Krauskopfpelikan beginnt Ende März und April zu brüten, manchmal einzeln, aber meist in dichten Kolonien von bis zu 250 Paaren. Die Erwachsenen bilden monogame Paarbindungen. Zwischen Ende Juli und September verlassen sie die Brutkolonien, allerdings bleiben einige bis November. Im Winter ist der Krauskopfpelikan gesellig, oft tritt er in großen Schwärmen auf. Sie suchen dann gemeinsam nach Nahrung. Auch in kleinen Gruppen ist der Krauskopfpelikan sehr kooperativ. Von Januar bis April kehren die Vögel in ihre Brutgebiete wieder zurück. Die immaturen Vögel und die Nichtbrüter bleiben das ganze Jahr über in ihren Winterquartieren oder sie bleiben in den Brutkolonien. Sie leben häufig nomadisch, vor allem am Kaspischen Meer. Der Krauskopfpelikan lebt vor allem im Binnenland, in Süßwasser-Feuchtgebieten, in Lagunen, an Flussmündungen. Er brütet auf kleinen Inseln in Seen oder im dichten Bewuchs von Rohrkolben (Typha) und Schilfrohr (Phragmites australis), oft in hügeligem Gelände. Einige Paare brüten auch in Mittelmeer-Küstenlagungen. Die Vögel nutzen Lebensräume rund um ihre Brutplätze, darunter nahe gelegene Inseln und Feuchtgebiete. Die Nichtbrüter migrieren im Winter zu den eisfreien Seen in Europa und zu den Lagunen in Indien.

Verbreitung

Krauskopfpelikan
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Krauskopfpelikan

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Krauskopfpelikan in folgenden Ländern verbreitet: Afghanistan, Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, China, Ägypten, Georgien, Griechenland, Hongkong, Indien, Islamische Republik Iran, Irak, Israel, Kasachstan, Kirgisistan, Libanon, Moldawien, Mongolei, Montenegro, Pakistan, Rumänien, Russland, Arabischen Republik Syrien, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan. In Bangladesch ist der Krauskopfpelikan wahrscheinlich ausgestorben. Als Vagrant trifft man den Krauskopfpelikan in folgenden Ländern an: Algerien, Zypern, Tschechische Republik, Italien, Japan, Korea, Republik, Kuwait, Lettland, Norwegen, Oman, Polen, Slowakei, Spanien, Taiwan, Vereinigte Arabische Emirate und Westsahara. Gelegentlich ist der Krauskopfpelikan in Serbien und in Sri Lanka zu beobachten. Ihr bevorzugter Lebensraum bilden große Binnenseen oder Binnenmeere, aber auch Sümpfe, Flußdelta und Lagunen. Auch auf Küsten vorgelagerten Inseln sind sie oft anzutreffen. Insgesamt sind die Vögel sehr scheu, besonders zur Brutzeit.

Ernährung

Laut der Roten Liste der IUCN ernährt sich der Krauskopfpelikan fast ausschließlich von Fisch. In Süßwasser-Feuchtgebieten zählen zu seinem Nahrungsspektrum vor allem Karpfen (Cyprinus carpio), Flussbarsch (Perca fluviatilis), Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus), Rotauge (Rutilus rutilus) und Hechte (Esox lucius) und im Brackwasser zählen unter anderem Aale (Anguilla anguilla), Meeräschen (Mugilidae), Grundeln (Gobiidae) und Garnelen. Im Winterquartier auf dem Nil ernährt sich der Krauskopfpelikan von Welsen (Siluridae).
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Krauskopfpelikan
In der Mikri Prespa Brutkolonie in Griechenland speist er überwiegend endemische Fischarten wie zum Beispiel Chalcalburnus belvica. Als tagaktiver Jäger findet er seine Beute schwimmend auf der Wasseroberfläche. Aufgrund seiner hohlen Knochen kann er nicht tauchen, da sie zuviel Auftrieb geben würden. Mit seinem großen Schnabel schöpft er Fische aus dem Wasser. Es ist oft zu beobachten, daß Krauskopfpelikane gemeinsam auf die Jagd gehen und Strategien anwenden, um Fische ins Flachwasser zu treiben.

Fortpflanzung

Pelikane leben in Einehe und brüten in kleineren Kolonien. Die Nester, die in Wassernähe errichtet werden, sind dabei oft nur 0,5 Meter voneinander entfernt. Meist werden die Nester auf schwimmenden Inseln gebaut. Gelegentlich werden sie auch im offenen Geländer angelegt. Die Nester bestehen für gewöhnlich aus Schilf und Gräsern und sind etwa 1,0 Meter hoch und 0,5 bis 1,5 Meter breit im Durchmesser. Er trampelt oft die Vegetation zwischen Nestern nieder, so dass sich tiefer Schlamm bildet. Die Nester werden für drei Jahre in Folge verwendet. Künstlich angelegte Inseln für Brutplätze haben sich in der Vergangenheit oft bewährt. Im Schnitt legt das Weibchen zwei Eier, wobei in der Regel nur ein Jungvogel überlebt. Nach einer Brutzeit von 30 bis 35 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Sie sind dabei nackt und blind. Nach einigen Tagen öffnen sie aber bereits die Augen. In der ersten Zeit würgen die Elternvögel Nahrung aus ihrem Magen hoch, um damit die Küken zu füttern. Später werden sie mit ganzen Fischen gefüttert, die die Jungvögel gleich aus dem Schlund der Altvögel fischen. Nach drei bis vier Wochen verlassen die Jungvögel das erste Mal das Nest und finden sich zu kleinen Kolonien zusammen. Bei Gefahr flüchten sie zu dieser Zeit auch schon ins Wasser. Nach rund elf Wochen sind sie flügge und suchen ihre Nahrung schon selber. Nach etwa fünfzehn Wochen lösen sich die Kolonien auf. Die Geschlechtsreife wird mit drei bis vier Jahren erreicht.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN befindet sich die größte Kolonie am Lake Mikri Prespa in Griechenland. Jedoch ist ein schneller Rückgang der Population zu beobachten. Aufgrund dessen wird der Krauskopfpelikan in Roten Liste der IUCN als gefährdet gelistet. Im Schwarzmeer- und im Mittelmeerraum werden etwa 4.350 bis 4.800 Individuen geschätzt. In Südostasien und in Südasien werden etwa 6.000 bis 9.000 Individuen geschätzt und im östlichen Asien leben nur noch 50 Individuen. In erster Linie wird der Krauskopfpelikan durch Trockenlegung von Feuchtgebieten und durch das Abschießen sowie durch die Verfolgung der Fischer bedroht. Anhaltende Bedrohungen wie Störungen durch Touristen und Fischer, Veränderungen und Zerstörung von Feuchtgebieten, Wasserverschmutzung, Kollision durch Stromleitungen sowie Raubbau der Fischbestände führen ebenfalls zum Rückgang der Population.
Krauskopfpelikan
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Krauskopfpelikan
Organochlorid-Rückstände, einschließlich DDT wurden in hohen Konzentrationen in den Eiern und in der Beute festgestellt. Weiterhin ist die mongolische Population durch die Jagd der Hirten sehr stark bedroht, da sie die Schnäbel für herkömmliche Traditionen verwenden. In Bulgarien werden die Brutkolonien in Zeiten von Niedrigwasser stets durch Wildschweine geplündert. Ferner sind die Brutkolonien in den Mittelmeer-Lagunen in Albanien und in der Türkei aufgrund der Küsten-Entwicklung und der Veränderungen ebenfalls stark bedroht. Auch im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES, im Anhang I und im CMS im Anhang I und im Anhang II wird der Krauskopfpelikan gelistet. Erhaltungs-Bemühungen haben die größte Bedrohung in Europa etwas minimiert. Die Aufsichtsbehörde sorgte in der Türkei, in Griechenland, in Bulgarien sowie in Rumänien für die Bereitstellung von Brut-Plattformen für die Vögel. Ferner wurden Bildungsprogramme in den wichtigen Standorten durchgeführt und somit wurde die Mortalität reduziert und der Bruterfolg erhöht. Ein europäischer Aktionsplan wurde im Jahr 1996 veröffentlicht. Es sind aber immer noch weitere Maßnahmen in den wichtigen Standorten erforderlich.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

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