Steatoda nobilis

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Steatoda nobilis

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Haubennetzspinnen (Theridiidae)
Gattung: Fettspinnen (Steatoda)
Art: Steatoda nobilis
Wissenschaftlicher Name
Steatoda nobilis
(Thorell, 1875)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:008093]

Die Art Steatoda nobilis, auch unter der Bezeichnung Kugelspinne bekannt, zählt innerhalb der Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae) zur Gattung der Fettspinnen (Steatoda). Im Englischen wird die Art biting spider oder false black widow genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Steatoda nobilis wird oft fälschlicherweise für die Schwarze Witwe (Latrodectus mactans) gehalten, was dazu führte, dass sie im Englischen den Namen false black widow erhielt. Steatoda nobilis erreicht eine Körperlänge je nach Geschlecht von etwa 7 bis 14 Millimeter. Sie weist im Allgemeinen ein glänzendes, rundes, bauchiges, übergroßes und dunkelbraunes Abdomen auf. Das Weibchen zeigt in der Regel ein helles marmoriertes Abdomen. An den dorsalen Seiten des Abdomens befindet sich ein cremefarbenes Band. Das Männchen ist im Gegensatz zum Weibchen kleiner und weist tendentiell ein kleines und mehr längliches braunes Abdomen auf. Die Beine sind hellbraun und dunkelbraun gefärbt mit weniger strukturierten Markierungen. Typisch für die Art ist die Beborstung der Hintertarsen. Diese tragen unterseits eine regelmäßige Reihe kammartig gezähnter Borsten, die bei den Baldachinspinnen (Linyphiidae) und Radnetzspinnen (Araneoidea) fehlen. Dieses Merkmal besitzen aber auch die Höhlenspinnen (Nesticidae). Die Taster des Männchens sind deutlich größer als bei dem Weibchen. Auch das Stridulationsorgan ist gut entwickelt. Als Stridulation bezeichnet man bei Spinnen eine spezielle Form der Lauterzeugung. Sie wird durch Reiben zweier gegeneinander beweglicher Körperteile ermöglicht. Das Stridulationsorgan bei der Spinne besteht aus zahlreichen, parallelen Rillen im Bereich des hinteren, dorsolateralen Vorderleibes. Eine scharfe Kante des Hinterleibes reibt an diesen Rillen und erzeugt die entsprechenden Töne.

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Steatoda nobilis

Lebensweise

Steatoda nobilis baut ihr Netz zumeist in Zimmerecken oder in Fensterrahmen, wo sie auf Beute lauert. Bemerkenswert sind ihre großen und weitmaschigen Deckennetze. Die Spannfäden weisen bei diesen Netzen nach oben. Die Fangfäden sind nach unten gerichtet. Die unteren Bereiche der Fangfäden sind mit Klebetröpfchen versehen, die zum Halten von Beutetieren vorgesehen sind. Bei Gelegenheit begibt sie sich aber auch auf den Boden und geht dort auf die Jagd nach Insekten (Insecta). Die Spinne ist sehr genügsam und kann auch über längere Zeit ohne Nahrung auskommen. Sie gilt als ausgesprochen standortteu. Die reifen Tiere findet man von Juni bis November. Obwohl der weiblichen Spinne nachgesagt wird, dass das Weibchen Menschen beißt, ist dies höchst unwahrscheinlich. Da sich das Weibchen in der Regel auf ihrem Netz, das sich in den Rissen von Wänden oder unter Fensterbänken befindet, aufhält. Ungeachtet der Tatsache, dass der Biss bei den meisten Menschen sich unterschiedlich auswirkt und im Grunde genommen als kleiner Bienenstich empfunden wird, sind hier derzeit nur wenige konkrete Ereignisse seit 1979 in Großbritannien dokumentiert und geben deshalb kaum Anlass zur Beunruhigung.

Verbreitung

Steatoda nobilis hat eine Menge ungerechtfertigter und ungenauer Aussagen über die Gefahr für den Menschen und über ihre Ausbreitung in Großbritannien. Fakt ist, dass diese Art durch Bananen in England eingeführt wurde. Die Verbreitung in England befindet sich mehr im südlichen Teil. Jedoch wurde vor kurzem berichtet, dass die Art auch in Bristol, North Wiltshire, Gloucester, Berkshire und Norfolk gesichtet wurde. Man vermutet aber, dass die Beobachtungen mehr auf die Fettspinne (Steatoda bipunctata) beruhen. Diese Spinne ist die häufigste "Falsche Witwe", die sich in Gärten, Häusern und Nebengebäuden aufhält. Das eigentliche Verbreitungsgebiet von Steatoda nobilis befindet sich auf Madeira und auf den Kanarischen Inseln. Sie hält sich an Mauern, an Zäunen und an der Rinde von Bäumen auf.

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Ernährung

Steatoda nobilis ernährt sich ausschließlich von kleinen Insekten (Insecta), die sie mit ihren großen und weitmaschigen Deckennetzen fängt. Es verirren sich meist kleine Geflügelte Insekten (Pterygota) in die Netze. Dazu gehören beispielsweise Mücken (Nematocera), Fliegen (Brachycera) und Tiere ähnlicher Größe. Mitunter geht sie jedoch auch am Boden aktiv auf Beutefang. Beutetiere können dabei deutlich größer sein als sie selbst.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich über den Sommer bis zum Spätherbst. Das Männchen spinnt in unmittelbarer Nähe zu einem Weibchen ein Gespinst. Durch Auf- und Abbewegungen des Hinterleibes erzeugt das Männchen leise, zirpende Töne. Diese Geräusche sollen das Weibchen anlocken und stimulieren. Zeigt ein Weibchen Interesse, so klettert sie aus ihrem Netz unter das Gespinst des Männchens. Von oben aus führt das Männchen nun seinen ersten Taster in die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) des Weibchens ein. Dieser Vorgang kann sich über eine Stunde erstrecken. Danach erfolgt eine weitere Stridulation und im folgenden kommt der zweite Taster zum Einsatz. Kurze Zeit nach der Begattung spinnt das Weibchen einen Kokon und bewahrt ihn am Rande ihres Netzes auf. In den Kokon legt sie ihre Eier. Als Teil der Brutpflege schützt sie im folgenden den Kokon. Nach dem Schlupf verbleiben die Spiderlinge noch einige Zeit im Netz der Mutter, bevor sie in die Selbständigkeit entlassen werden.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

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Update 13. Dezember 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge