Labyrinthspinne

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Labyrinthspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Trichterspinnen (Agelenidae)
Gattung: Labyrinthspinnen (Agelena)
Art: Labyrinthspinne
Wissenschaftlicher Name
Agelena labyrinthica
(Clerck, 1757)

Die Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica) zählt innerhalb der Familie der Trichterspinnen (Agelenidae) zur Gattung der Labyrinthspinnen (Agelena). Im Englischen wird diese Spinne Labyrinth Spider genannt. Von den über 1.100 weltweit vorkommenden Trichterspinnen (Agelenidae) gelten lediglich 40 bis 45 Arten in Mitteleuropa als heimisch. Eine Art davon ist die Labyrinthspinne.

Die Arachnologische Gesellschaft e.V. wählte am 30. November 2010 in Kooperation mit dem NABU die Labyrinthspinne zur Spinne des Jahres 2011. Die Arachnologische Gesellschaft möchte mit der Wahl dieser Spinne die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) vieler Menschen nehmen und auch das Interesse und Verständnis für die Flora (gesamte Pflanzenwelt) und Fauna (gesamte Tierwelt) wecken.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Weibchen der Labyrinthspinne erreichen eine Körperlänge von 10 bis 14 (Ø 12) Millimeter, die Männchen bleiben mit 8 bis 12 (Ø 9) Millimeter ein wenig kleiner. Bis auf einen kleinen Größenunterschied ähneln sich die Geschlechter in Gestalt und Körperfärbung. Der Körper weist im wesentlichen eine schwarzgraue Grundfärbung auf. Der Rückenschild ist deutlich kürzer als das Abdomen. Auf beiden Segmenten zeigt sich eine schwarze bis rotbraune Färbung, die mit hellgrauen bis hellbraunen Mustern durchzogen sind. Auf dem Vorderleib sind vor allem die zwei bräunlichen Längsstreifen markant. Der Hinterleib, der auch als Opisthosoma bezeichnet wird, weist eine graubraune oder schwarzbraune bis dunkelbraune Grundfärbung auf. Zentral auf dem Abdomen ist ein gelblichbraunes Band zu erkennen, von dem aus sich schmale, schräg gestellte Querstreifen erstrecken. Diese Querstreifen reichen annähernd bis zu den Körperseiten. Die Zeichnung des Hinterleibes ähnelt einem Fischgrätenmuster. Die langen Beine sind dunkelbraun, stellenweise auch schwarzbraun gefärbt und sind mit feinen Härchen besetzt. Die Augen liegen in zwei übereinanderliegenden Querreihen im vorderen Bereich des Kopfes. Die Labyrinthspinne verfügt über insgesamt 8 Augen.

Lebensweise

Labyrinthspinnen bauen wie alle Trichterspinnen ein großes Trichternetz. Es wird meist dicht über dem Boden gesponnen und kann einen Durchmesser von 40 bis 50 Zentimeter aufweisen. An den Rändern wird es an Gräsern, Heidekräutern oder anderen Pflanzenteilen befestigt. Gelegentlich entstehen die Netze auch in dichtem Buschwerk, jedoch immer in Bodennähe. Zentral mündet das Trichternetz in eine bis zu 20 Millimeter im Durchmesser breite Gespinströhre. In dieser Röhre hält sich die Labyrinthspinne auf und wartet auf Beute. Hat sich ein Beutetier im Netz verfangen, so wird die Spinne durch Erschütterungen alarmiert. Sie kommt aus dem Netz und stürzt sich zugleich auf ihr Opfer. Durch einen Giftbiss wird ein Beutetier zunächst gelähmt und in die Gespinströhre gezerrt. Hier wird es zerkleinert und gefressen.

Verbreitung

Labyrinthspinnen kommen in weiten Teilen Mitteleuropas vor. Offene und halboffene Habitate wie Ödland, Heidegebiete oder Trockenrasen gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Aber auch an Wald- und Wegrändern kann man Labyrinthspinnen häufig beobachten. Es handelt sich in der Regel um Habitate, die ausgesprochen sonnig und trocken sind. In dichte Bodenvegetation bauen Labyrinthspinnen ihre Trichternetze und leben in ihren Gespinströhren.

Ernährung

Auf der Speisekarte der Labyrinthspinne stehen ausschließlich Insekten (Insecta). Dazu gehören vor allem Geflügelte Insekten wie Bienen (Apoidea), insbesondere die Europäische Honigbiene (Apis mellifera) sowie Fliegen (Brachycera) und Mücken (Nematocera).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten ab Mitte Juli und kann sich bis in den späten August erstrecken. Das Männchen geht mit Beginn der Paarungszeit auf Brautschau und sucht aktiv nach den Nestern der Weibchen. Bevor es das Nest eines Weibchens betritt prüft es deren Paarungsbereitschaft. Ist das Weibchen paarungsbereit, so verharrt sie regungslos in ihrer Gespinströhre. Sie signalisiert ihre Paarungsbereitschaft also durch ihr ruhiges Verhalten. Sie legt dabei ihre Beine eng an den Körper. Das Männchen begibt sich nun in die Gespinströhre und ergreift das Weibchen mit seinen Cheliceren (Kieferklauen) und zieht es in Richtung der Trichtermündung. In seitlicher Lage zum Weibchen führt das Männchen seinen ersten Taster in das Kopulationsorgan (Epigyne) des Weibchens ein. Dieser Vorgang wird mit dem zweiten Taster wiederholt. Die Kopulation kann sich über insgesamt 60 bis 90 Minuten erstrecken. Unmittelbar nach der Kopulation macht sich das Männchen auf und davon, um nicht vom Weibchen verspeist zu werden. Einen Monat nach der Begattung webt das Weibchen einen Eikokon. In diesen legt das Weibchen je nach Alter und Ernährungszustand zwischen 50 und 130 Eier. Der Kokon wird in der Gespinströhre deponiert und bewacht. Die Spiderlinge überwintern im Kokon und schlüpfen im zeitigen Frühjahr des Folgejahres.

Ökologie

In der Nähe von Imkereien sind Labyrinthspinnen keine gern gesehenen Gäste, da sie Honigbienen (Apis mellifera) in großer Zahl verspeisen. Daher koppeln Imker ihr Geschäft nicht selten an eine Schafzucht. Schafe vernichten beim Grasen weitestgehend die Netze der Labyrinthspinnen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
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