Landkarten-Höckerschildkröte

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Landkarten-Höckerschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)
Gattung: Höckerschildkröten (Graptemys)
Art: Landkarten-Höckerschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Graptemys geographica
Le Sueur, 1817

Der Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys geographica) zählt innerhalb der Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) zur Gattung der Höckerschildkröten (Graptemys). Im Englischen wird diese Schildkröte Common Map Turtle genannt. Die Art ist monotypisch, es existieren demnach keine Unterarten.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Landkarten-Höckerschildkröte erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 17 bis 25 Zentimeter. Männchen bleiben dabei deutlich kleiner als Weibchen. Sie erreichen selten eine Länge von 16 bis 17 Zentimeter. Namensgebend sind die landkartenartigen hellen Markierungen auf dem Carapax, die wie eine Landkarte ausschauen. Die Markierungen weisen eine gelbliche bis gelblichbraune Färbung auf und sind zumeist dunkel umrandet. Mit zunehmendem Alter nehmen die dunklen Markierungen ab und sind kaum noch erkennbar. Beim Männchen ist der Carapax deutlich ovaler geformt. Der Carapax zeigt sich in einer olivgrünen bis olivbraunen Färbung. Die Mitte des Carapax ist durch einen schwach ausgeprägten Kiel geprägt. Der Kiel ist beim Männchen ein wenig stärker ausgeprägt. Der Plastron weist eine gelbliche Färbung und gelegentlich eine dunkle Pigmentierung auf. Die Extremitäten und der Kopf sind überwiegend olivgrün, olivbraun bis schwarzbraun gefärbt. Vor allem im Bereich des Kopfes zeigen sich feine gelbliche bis gelblichorangene Linien. Hinter den Augen befindet sich je ein größerer Fleck in der gleichen Färbung. Der Kopf ist beim Weibchen recht breit, beim Männchen deutlich schmaler. Die Extremitäten sind bei beiden Geschlechtern kräftig ausgeprägt. Das Männchen verfügt über etwas längere Vorderbeine und einen etwas längeren Schwanz.

Lebensweise

Landkarten-Höckerschildkröten halten während der kalten Jahreszeit eine Winterruhe, die sich meist von Oktober bis in den April erstreckt. Die Winterruhe kann in südlichen Verbreitungsgebieten deutlich kürzer sein. Während der Ruhephasen zieht sich die Landkarten-Höckerschildkröte für gewöhnlich in die Schlammschicht ihres Gewässers zurück. Während der aktiven Zeit, also von Mai bis Ende September sieht man die Landkarten-Höckerschildkröten oftmals beim Sonnenbaden an sonnenexponierten Stellen. Aktiv sind die Tiere sowohl überwiegend am Tage, eher selten auch in der Dämmerung oder in der Nacht.

Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Landkarten-Höckerschildkröte erstreckt sich im nördlichen Nordamerika vom südlichen Québec, Kanada, ostwärts bis in den Nordosten der USA (Vermont). Im Süden reicht das Verbreitungsgebiet von Wisconsin bis ins südliche Kansas und ins nördliche Oklahoma. Weiter ostwärts liegen die Grenzen der Verbreitung im nördlichen Arkansas, im nördlichen Alabama sowie im nördlichen Georgia und South Carolina. Bewohnt werden vorwiegend langsam fließende Flüsse, Seen und Teiche. Gewässer mit reichlicher Vegetation werden dabei eindeutig bevorzugt. Ins Wasser reichende Äste oder ins Wasser gestürzte Baumstämme sowie aus dem Wasser ragende Steine werden gerne zum Sonnenbaden genutzt.

Ernährung

Landkarten-Höckerschildkröten ernähren sich im Wasser als Allesfresser von Schnecken (Gastropoda), Muscheln (Bivalvia), Krebstieren (Crustacea), kleinen Fischen (Pisces) und Wasserinsekten (Insecta). Aber auch Aas und pflanzliche Kost wird keineswegs verschmäht. Schalentiere werden mühelos zwischen den kräftigen Kiefern zerdrückt. Kleinere Beutetiere werden sofort im Ganzen verschluckt.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Landkarten-Höckerschildkröten beginnt im späten Frühjahr. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Paarungszeit von Mai bis Juli. Die eigentliche Paarung findet im Wasser, in der Regel in der Nähe des Untergrundes statt. Eher selten wird die Kopulation am Ufer vollzogen. Die Eiablage erfolgt wie bei allen Reptilien (Reptilia) an Land. Hier sucht sich das Weibchen eine sandige und sonnige Stelle am trocknen Ufer. Mit den Hinterbeinen hebt das Weibchen eine flache Grube aus. Je nach Alter und Ernährungszustand des Weibchens legt sie zwischen 10 und 20 ovale Eier in die Nistgrube. Die Eier weisen eine Länge von 20 bis 32 Millimeter auf. Nach erfolgter Eiablage wird die Grube sorgsam verschlossen und sich selbst überlassen. Während einer Saison kommt es meist zu zwei bis drei Eiablagen. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. In Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur erstreckt sich die Inkubation über 50 bis 70 Tage. Der Schlupf der Jungtiere erfolgt somit im August oder im September. Je nach Temperatur entwickeln sich mehr Weibchen oder mehr Männchen. Zwischen 30 und 35 Grad Celsius schlüpfen überwiegend Weibchen, unter 30 Grad Celsius eher Männchen. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit unter günstigen Umständen bei etwa 14 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In weiten Teilen wird die Landkarten-Höckerschildkröte vom Menschen bejagt. Zum einen wegen des Fleisches, zum anderen als Wildfang für den Haustierhandel. Der Wildfang ist jedoch fast überall verboten. Nur im Bereich des Mississippi ist der Fang mit entsprechender Lizenz erlaubt. Die Bestände sind in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete rückläufig. Schuld daran ist die weitreichende Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Trockenlegung, Uferbebauung und- regulierung sowie Verschmutzung der Gewässer. Auf den Wanderungen zwischen den Gewässern kommen zudem viele Schildkröten im Straßenverkehr ums Leben. Ein weiteres Problem stellt die Überfischung der Gewässer dar. Dadurch wird den Landkarten-Höckerschildkröten die Nahrungsgrundlage teilweise oder ganz entzogen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ignaz A. Basile: Faszinierende Schildkröten. Sumpfschildkröten. Naglschmid, 1995 ISBN 3927913812
  • Andreas S. Hennig: Haltung von Wasserschildkröten. Natur und Tier-Verlag; Auflage 1, Dez. 2004. ISBN 3931587959

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