Langbeinfledermaus

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Langbeinfledermaus
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Lanzennasen (Phyllostominae)
Gattung: Macrophyllum (Gray, 1863)
Art: Langbeinfledermaus
Wissenschaftlicher Name
Macrophyllum macrophyllum
(Schinz, 1821)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Langbeinfledermaus (Macrophyllum macrophyllum) zählt innerhalb der Familie der Blattnasen (Phyllostomidae) zur Unterfamilie der Lanzennasen (Phyllostominae) und zur Gattung Macrophyllum. Im Englischen wird die Art Long-legged Bat genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Smith, 2008; Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Die Langbeinfledermaus kann leicht anhand der geringen Größe und der sehr langen Beine identifiziert werden. Ähnlich lange Beine haben Hasenmäuler (Noctilionidae), jedoch sind diese Arten deutlich größer als die Langbeinfledermaus. Weitere markante Merkmale sind die braune Färbung des Felles, das gut entwickelte Nasenblatt und der lange Schwanz, der über das Uropatagium hinaus reicht (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Langbeinfledermaus ist relativ klein, schlank und verfügt über einen langen Schwanz. Das Fell ist dorsal braun gefärbt, ventral zeigt sich eine etwas blassere Färbung. Die spitz zulaufenden Ohren sind relativ lang, ein wenig länger als der Schädel. Die Innenkante der Ohren ist konvex, der Tragus ist lang und spitz, die Augen sind klein. Die Flügel und die Schwanzmembran sind breit, nackt und dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Der Kalkar ist stark vergrößert und fast doppelt so lang wie die Fußlänge. Die Füße sind stark verlängert und mit langen Krallen versehen. Die Langbeinfledermaus erreicht je nach Population und Vorkommen eine Gesamtlänge von durchschnittlich 92,0 bis 92,3 mm, eine Schwanzlänge von 42,0 mm, eine Hinterfußlänge von 14,0 bis 14,8 mm, eine Ohrlänge von 18,0 bis 18,44 mm, ein Gewicht von 8,8 bis 9,6 g, eine Schädellänge von 16,3 bis 17,4 mm, eine Condylobasallänge von 14,3 bis 14,6 bis 14,9 mm, eine Jochbeinbreite von 9,8 bis 9,9 mm und eine Hirnschädelbreite von 8,2 mm. Ein Saggitalkamm fehlt, das Hochbein ist fragil jedoch gut entwickelt. Das Gebiss verfügt über 34 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p2/3, m3/3 (Smith, 2008).

Lebensweise

Die nachtakiven Langbeinfledermäuse halten sich während der Ruhephasen am Tage in Höhlen, Tunnel, Schluchten, unter Brücken oder in der Nähe des Menschen an geschützten Stellen in deren Behausungen auf. Kleine Gruppen mit wenigen Individuen sind die Regel. Bei den Gruppen handelt es sich um Haremsgruppen. Tiere ohne eigenen Harem leben einzelgängerisch. Gelegentlich bilden sich Vergesellschaftungen mit dem Gemeinen Vampir (Desmodus rotundus), Brillenblattnase (Carollia perspicillata), Noctilio albiventris oder Glossophaga soricina. Die Aktivitäten starten die Tiere in der Dämmerung. Die Flügel erstrecken sich in einer Nacht über etwa 2,5 bis 3 Stunden. In einer Nacht fliegen die Tiere bis zu 47 km. Regen wird bei den Flügen vermieden. Langbeinfledermäuse sind gute und schneller FLieger. Über Wasser fliegen die Tiere in sehr niedriger Höhe direkt über der Wasseroberfläche. Die Orientierung und Lokalisierung von Beutetieren erfolgt durch Echoortung. Über das Paarungsverhalten ist nichts bekannt (Smith, 2008).

Verbreitung

Die neotropische Langbeinfledermaus kommt in Mittel- und Südamerika vor. Die Vorkommen erstrecken sich vom südlichen Mexiko bis in das nördliche Argentinien. Im Einzelnen kommt die Art in Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru und Suriname vor. In Südamerika tritt die Langbeinfledermaus nur östlich der Anden in Erscheinung. Die Tiere besiedeln feuchte Wälder mit ausreichend Lichtungen und anderen lichten Plätzen. Die Langbeinfledermaus ist stets in der Nähe eines Gewässers anzutreffen (IUCN, 2014; Smith, 2008).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden zählt insbesondere der Fledermausfalke (Falco rufigularis). Weitere Prädatoren sind nicht bekannt. Zu den nachgewiesenen Parasiten zählen Ektoparasiten der Familie der Fledermausfliegen (Nycteribiidae) und Streblidae sowie Zecken (Ixodida) und andere Milben (Acari, Acarina) wie die Vertreter der Familie der Trombiculidae (Smith, 2008).

Ernährung

Langbeinfledermäuse sind primär Insektenfresser. Die nachtaktiven Jäger erbeuten Insekten mit den langen Beinen knapp über der Wasseroberfläche. Über Land werden keine Insekten gefangen. Die Art ist daher stark an Gewässer gebunden. Je nach Lebensraumqualität beanspruchen die Tiere ein Nahrungshabitat von bis zu 96 ha. Die Art geht für gewöhnlich in kleinen geselligen Gruppen von 3 bis 10 Individuen auf Nahrungssuche. Zur bevorzugten Nahrung gehören Schmetterlinge (Lepidoptera), Schnabelkerfe (Hemiptera), Zweiflügler (Diptera), Wasserläufer (Gerridae) und fliegende Käfer (Coleoptera). Aber auch Webspinnen (Araneae) werden in Gewässernähe gefressen (Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Nach Angaben der IUCN gehört die Langbeinfledermaus heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Zu den größten Gefahren zählt die Vernichtung der natürlichen Lebensräume durch Abholzung der Wälder sowie die Verschmutzung der Flüsse und Bäche in landwirtschaftlichen Regionen durch Pestizide und Überdüngung (IUCN, 2014; Smith, 2008).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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