Langbeiniger Zartkiefer

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Langbeiniger Zartkiefer
Zeitraum
Ober-Jura
155 bis 145 Mio. Jahre
Fossilfundorte
  • Jachenhausen bei Riedenburg
  • Kehlheim in Bayern
  • Solnhofener Plattenkalken
Systematik
Klasse: Sauropsida
Unterklasse: Diapside Reptilien (Diapsida)
Infraklasse: Archosauromorpha
Überordnung: Herrscherreptilien (Archosauria)
Ordnung: Echsenbeckensaurier (Saurischia)
Unterordnung: Säugerfüßige (Theropoda)
Infraordnung: Hohlschwanz-Saurier (Coelurosauria)
Familie: Compsognathidae
Unterfamilie: Compsognathinae
Gattung: Zwerg-Dinosaurier (Compsognathus)
Art: Langbeiniger Zartkiefer
Wissenschaftlicher Name
Compsognathus longipes
Wagner, 1861

Der Langbeinige Zartkiefer (Compsognathus longipes) war eine fleischfressende Dinosaurier-Art und gehört zur Ordnung der Echsenbeckensaurier (Saurischia). Ein vollständiges Skelett vom Langbeinigen Zartkiefer wurde 1859 in den Solnhofener Plattenkalken gefunden. Besonders auffallend ist seine große Ähnlichkeit mit dem Urvogel Archaeopteryx siemensi. Er lebte mit diesem Urvogel zur selben Zeit in der selben Region. Der Münchener Paläontologe Andreas Wagner beschrieb diesen Fund 1861 und gab ihm den Namen Compsognathus longipes. Skelettreste vom Langbeinigen Zartkiefer wurden aber auch schon 1855 von dem Gerichtsarzt und Sammler Josef Oberndorfer aus Kehlheim entdeckt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Compsognathus longipes hat mehrere Bedeutungen wie "Langbeiniger Zartkiefer", "Hübscher Kiefer" oder auch nur "Zierkiefer". Dass nicht alle Dinosaurier groß waren, zeigt unter anderem der Compsognathus, der eine Gesamtlänge von 60 Zentimeter aufwies und somit als der kleinste Dinosaurier der Erde gilt. Neben dem Archaeopteryx und Plateosaurus ist er der bekannteste in Deutschland gefundene vollständig erhaltene Dinosaurier. Der Fund erregte damals großes Aufsehen. Compsognathus longipes gehört zu den leichtgebauten räuberischen fleischfressenden Coelurosauria. Dies zeigen Reste in der Leibeshöhle des Jachenhausener Compsognathus longipes, die vermutlich von der Brückenechse Homoeosaurus stammen könnten.

Compsognathus longipes ähnelte wegen seiner kurzen Hände und der sehr langen Beine einem australischen Känguru. Der Münchner Paläontologe Andreas Wagner erkannte jedoch typische Merkmale eines Reptils und gab ihm den Namen Compsognathus longipes. Er war auch der Erstautor, der den Fund 1861 beschrieb. Nach Auffassung des Würzburger Diplom‑Geologen Matthias Mäuser handelt es sich bei Compsognathus longipes von Jachenhausen bei Riedenburg um ein Weibchen.

Er deutete zehn kugelige, etwa 0,9 Zentimeter große Gebilde auf der Fossilplatte als Eier. Wenn der Befund vom Würzburger Diplom‑Geologen Matthias Mäuser zutrifft, war der Dinososaurier Compsognathus longipes von Jachenhausen bei Riedenburg ein ausgewachsenes Tier. Das wurde bisher angezweifelt, weil ein in Canjuer in Südfrankreich geborgener Compsognathus corallestris etwa um die Hälfte größer ist.

Fossile Funde

Abguss der Fossilplatte
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Abguss der Fossilplatte

Compsognathus longipes wurde 1859 in Jachenhausen in der Nähe von Kehlheim (Bayern) in den Solnhofener Plattenkalken entdeckt. Besonders auffallend ist seine große Ähnlichkeit mit dem Urvogel Archaeopteryx siemensi. Compsognathus longipes war ein Theropoder Dinosaurier, der während der späten Juraperiode mit dem Urvogel Archaeopteryx siemensi in der selben Region lebte, ungefähr 155 Millionen bis 145 Millionen Jahren. Nur zwei Compsognathus-Fossilien sind gefunden worden. Das eine Fossil Compsognathus longipes in Jachenhausen bei Riedenburg in der Nähe von Kehlheim (Deutschland) und das andere Fossil Compsognathus corallestris in Canjuer, Var (Südfrankreich). Das Original der Fossilplatte Compsognathus longipes wird in der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Historische Geologie in München aufbewahrt.

Beschreibung

Die gesamte Körperlänge betrug nur 60 Zentimeter. Der Körper des Compsognathus longipes war schlank, seine Beine lang. Vermutlich war er ein schneller und wendiger Läufer. Die Knochen waren wie bei allen Coelurosauriern hohl, aber sehr stabil. Sein langer und dünner Schwanz unterstützte schnelle Richtungsänderungen und sorgte für eine Stabilität bei den schnellen Wendungen. Compsognathus longipes hatte kurze Arme mit zwei bekrallten Fingern an jeder Hand. An den vogelähnlichen Hinterfüßen befanden sich drei Zehen, die nach vorne gerichtet waren und eine winzige vierte Zehe war nach hinten gerichtet. Er hatte einen kleinen, spitzen Kopf. Im länglichen Kiefer befanden sich kleine messerscharfe, feingekerbte Zähne. Der Schädel erreichte eine Größe von etwa 7,5 Zentimeter. Wie die anderen Dinosaurier besaß Compsognathus longipes ein relativ großes Kleinhirn, was seine Wendigkeit auch erklärt. Der lang gestreckte Hals erlaubte eine gute Rundumsicht. Er wog wahrscheinlich nicht über 3,6 Kilogramm und erreichte gerade mal die Höhe eines Haushuhns. Sein Schenkelbein (Schenkelknochen) war nur 11 Zentimeter lang.

Verbreitung

Lage der Ozeane und Landmassen im Unterperm
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Lage der Ozeane und Landmassen im Unterperm

Wie schon in den vorangegangenen Abschnitten erwähnt, fand man Compsognathus longipes aus der Jura-Zeit in Jachenhausen in der Nähe von Kehlheim (Bayern) in den Plattenkalken, die auch Lithographischer Schiefer genannt werden. Im Ober-Jura, vor etwa 150 Millionen Jahren, lag die Landmasse welche heute Deutschland ist, in der Nähe des Äquators und die Thetys reichte bis in die heutige Region des Altmühltals. Dazu gehören die Orte Jachenhausen, Solnhofen und Eichstätt.

In dieser Zeit waren große Teile Mitteleuropas von einem warmen, subtropischen Schelfmeer bedeckt. Durch den damals hohen Meeresspiegel waren die Landmassen zu Inseln geschrumpft. Das heutige Fundgebiet des Compsognathus longipes entsprach zu dieser Zeit einer dem Festland vorgelagerten flachen Lagunenlandschaft mit zahlreichen Riffen. In den wannenförmigen Vertiefungen zwischen den Riffbauten lagerte sich feinkörniger Kalkschlamm ab, der sich über Jahrmillionen zu Kalkstein, den Solnhofener Plattenkalken, verfestigte. In ihm sind unzählige Fossilien, meist Meerestiere, versteinert. Aufgrund seiner feinkörnigen Struktur bildet der Plattenkalk selbst kleinste Details ab.

Da die Region, in der auch Compsognathus longipes entdeckt wurde, in der Jura-Zeit unter Wasser lag, kann es sich hierbei nicht um den ursprünglichen Lebensraum von Compsognathus longipes handeln. Vermutlich wurde Compsognathus longipes und auch alle Urvögel, die in der selben Region gefunden wurden, als Kadaver in die Lagunen eingeschwemmt. Das Wasser der Lagunen hatte wenig oder gar keinen Sauerstoff (anoxic). Aufgrund des sauerstoffarmen Wassers fand der Zerfall nach dem Tod sehr langsam statt und es bestanden günstige Voraussetzungen für die Konservierung toter Organismen.

Ernährung

Langbeiniger Zartkiefer
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Langbeiniger Zartkiefer

Mit seinen zweifingrigen Händen konnte er flink Beutetiere ergreifen. Da sich in seiner Leibeshöhle Reste einer Brückenechse der Gattung Homoeosaurus befanden, geht man davon aus, daß er sich überwiegend von kleineren Reptilien ernährte. Außer kleinen Reptilien standen wahrscheinlich auch noch Insekten und kleinere Säugetiere auf seinem Speiseplan.

Fortpflanzung

Auch bei Compsognathus longipes ist wenig über die Fortpflanzung bekannt. Es wird vermutet, dass es sich auf dem Abguss der Fossilplatte um ein Weibchen mit zehn kugeligen, etwa 0,9 Zentimeter in der Größe abgebildeten Eier handelt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Hazel Richardson: Dinosaurier und andere Tiere der Urzeit. Aussehen, Merkmale, Biologie, Verbreitung. Blv Buchverlag; Auflage: 1 (August 2004) ISBN 3405167655

Links

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