Langschwanzsylphe

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Langschwanzsylphe
Männchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kolibris (Trochilinae)
Gattung: Flaggensylphen (Ocreatus)
Art: Langschwanzsylphe
Wissenschaftlicher Name
Aglaiocercus kingii
(Lesson, 1832)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Langschwanzsylphe (Aglaiocercus kingii), auch unter dem Synonym Trochilus kingi bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kolibris (Trochilidae) zur Gattung der Flaggensylphen (Ocreatus). Im Englischen wird die Langschwanzsylphe long-tailed sylph genannt. Dieses Taxon wurde in zwei Spezies gesplittet: Aglaiocercus kingii und Aglaiocercus berlepschi.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 15,0 bis 18,0 Zentimeter und Gewicht von etwa 5,5 Gramm, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 10,0 Zentimeter und Gewicht von etwa 4,5 Gramm erreicht. Die Schnabellänge beträgt etwa 1,3 Zentimeter. Das Obergefieder des Männchens ist glänzend dunkelgrün. Die Stirn ist ebenfalls glitzernd grün gefärbt, während der Hals matt grün getönt ist. Der Schwanz ist tief gegabelt. Die äußeren Federn sind sehr lang bis zu 15,0 Zentimeter und sind brillant metallisch violett-blau gefärbt. Die Spitzen sind mehr bläulich. Die Farben variieren mit dem Einfallswinkel des Lichts. Gelegentlich schimmern die mittleren und äußeren Schwanzfedern blau-violett und weisen grün gefärbte Spitzen auf. Dies ist besonders bei der Unterart Aglaiocercus kingii caudatus der Fall. Zwischen den Geschlechtern besteht ein deutlicher Farb-Dimorphismus. Die Stirn des Weibchens weist eine glitzernde blau-grüne Färbung auf. Das Obergefieder ist leuchtend grün. Die weiße Kehle ist sommersprossig grün und die Brust weist eine zimt-rotbraune Färbung auf. Die Seiten und der Bauch sind von einer grünlichen Tönung.

Lebensweise

Die tagaktive Langschwanzsylphe lebt einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen sich nur kurz zur Paarungszeit und trennen sich unmittelbar nach der Kopulation wieder. Die Langschwanzsylphe gilt als durchaus territorial und verteidigt ihr Nahrungs- und Bruthabitat vehement gegenüber Artgenossen und Eindringlingen. Weibchen sind gegenüber Artgenossen jedoch deutlich toleranter. Während der Nacht ruht die Langschwanzsylphe an geschützten Stellen in dichter Vegetation. Der Flugstil ist ausgesprochen kräftezehrend. Daher ist die Langschwanzsylphe permanent damit beschäftigt, Nahrung aufzunehmen. Beim Fliegen ist immer ein charakteristischer Summton zu hören, der durch die hohe Schlagfrequenz der Flügel produziert wird.

Unterarten

Langschwanzsylphe - Weibchen
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Langschwanzsylphe - Weibchen

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Langschwanzsylphe in folgenden Ländern vor: Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru, und Venezuela. Die Langschwanzsylphe hält sich folgenden Lebensräumen auf: Subtropische und tropische feuchte Montanwälder, subtropische und tropische feuchte Heideflächen, subtropische und tropische Heideflächen in höher gelegenen Regionen, subtropisches und tropisches trockenes Grünland sowie subtropisches und tropisches Grünland in höher gelegenen Regionen. Die Langschwanzsylphe tritt ziemlich häufig und weit verbreitet am Osthang der Anden in einer Höhe von etwa 1.200 bis 2.500 Meter, lokal bis 2.800 Meter auf.

Ernährung

Langschwanzsylphe - Männchen
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Langschwanzsylphe - Männchen

Die Langschwanzsylphe ernährt sich im Wesentlichen vom Blütennektar, Blütenpollen sowie in geringen Mengen von kleinen Spinnentieren (Arachnida), Kleinstinsekten (Insecta) und deren Larven. Sie nimmt dabei eine Vielzahl von blütentragenden Pflanzen auf. Nektar wird im Flug aus den Blüten aufgenommen. Kleinstinsekten werden grundsätzlich nur im Flug gefangen. Mit dem Schnabel fährt sie beispielsweise in eine Blüte und nimmt den Nektar dort mit der Zunge auf. Bedingt durch den hohen Stoffwechsel muss eine Langschwanzsylphe im Laufe eines Tages fast das eigene Körpergewicht an Nahrung zu sich nehmen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Langschwanzsylphe mit ein bis zwei Jahren. Die Paarung und Brut erfolgen je nach Verbreitungsgebiet unterschiedlich. In die Gabelung eines aufsteigenden Ästchens baut die Langschwanzsylphe ein Nest in Gestalt eines napfförmigen Gebildes. Das Hauptmaterial des Nestes ist rötliche oder weiße Baumwolle dicht ineinandergefilzt und ziemlich dickwandig, nach außen mit etwas Kelchschuppen oder Moos versehen, welche mit zarten Baumwollfäden überzogen sind, die auch um die Zweige geführt sind und das Nest an sie befestigen. Über das Ganze sind fast deckend flache Parmilienstückchen aufgelegt, die nur den oberen Rand frei lassen. Das Gelege besteht aus zwei weißen Eiern. Das Brutgeschäft und die Aufzucht der Jungen wird nur von dem Weibchen gewährleistet. Nach etwa 15 bis 16 Tagen schlüpfen die Küken. Die Küken sind zuerst nackt und nach etwa fünf Tagen wachsen die ersten Federn. Die Jungen werden ein- bis zweimal pro Stunde mit Nahrung versorgt. Das Weibchen verbringt etwa die Hälfte des Tages mit hudern und füttern der Jugen und die andere Hälfte des Tages ist das Weibchen auf Nahrungssuche. Nach etwa 22 bis 24 Tagen sind die Jungen flügge, aber sie halten sich dann noch immer in der Nähe des Nestes auf. Die Selbständigkeit haben die Jungvögel nach etwa zwei bis drei Wochen erreicht und verlassen dann den Nistplatz.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Langschwanzsylphe heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Langschwanzsylphe selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird sie als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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