Langschwanzwiesel

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Langschwanzwiesel

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Wiesel (Mustela)
Art: Langschwanzwiesel
Wissenschaftlicher Name
Mustela frenata
Lichtenstein, 1831

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Langschwanzwiesel (Mustela frenata) zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung der Wiesel (Mustela). Im Englischen wird dieser Marder Long-tailed Weasel genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Fossile Funde

Die frühesten fossilen Funde des Langschwanzwiesels stammen aus Kansas, USA, und wurden auf das frühe Pleistozän datiert. Weitere Funde stammen aus dem späten Pleistozän sowie aus dem Holozän. Sie stammen überwiegend aus Kalifornien, Colorado, Florida, Georgia, Idaho, New Mexiko, Ohio, Texas, Tennessee und Wyoming. Von der bereits ausgestorbenen Unterart Mustela frenata gracilis sind Fossilien in Arkansas gefunden worden. Der unmittelbare Vorläufer des Langschwanzwiesels war wahrscheinlich Mustela rexroadensis (Hibbard, 1950). Mustela rexroadensis lebte vom frühen bis zum späten Pleistozän und starb wahrscheinlich vor rund 20.000 Jahren aus. <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Langschwanzwiesel erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 28 bis 42 Zentimeter sowie eine Schwanzlänge von 12 bis 30 Zentimeter. Männchen wiegen zwischen 160 und 450 Gramm, Weibchen zwischen 80 und 250 Gramm. Weibchen bleiben demnach deutlich kleiner und leichter als Männchen. Dorsal weist das sehr weiche Fell eine kräftige bräunliche bis zimtbraune Färbung auf. Ventral ist das Fell deutlich heller, meist cremefarben bis gelblichbraun gefärbt. In einer Saison kommt es zweimal zum Fellwechsel. Im Frühjahr wird das Winterfell innerhalb von 20 bis 35 Tagen durch das Sommerfell ersetzt. Im Herbst wird das Sommerfell innerhalb von 40 bis 70 Tagen durch das sehr dichte Winterfell ersetzt. Der buschige Schwanz endet in einer schwarzen gefärbten Spitze. In der Bewegung wird der Schwanz etwa im Winkel von 45 Grad zum Boden gehalten. Nördliche Unterarten tragen im Winter ein weißliches Fell, das der Tarnung im Schnee dient. Das Fell besteht aus einer dichten Unterwolle, die vor Kälte und Nässe schützt, und aus oben aufliegenden gröberen Deckhaaren. Der Kopf ist ausgesprochen schmal und setzt sich nur wenig vom Hals ab. Die kleinen rundlichen Ohren sitzen weit hinten am Kopf. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Der schlanke Körper wird durch kurze aber kräftige Extremitäten getragen. Die Zehen der Füße enden in kleine Krallen. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über fünf Paare Zitzen. Das Gebiss verfügt über 34 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet 3/3, 1/1, 3/3, 1/2. <2>

Lebensweise

Langschwanzwiesel leben einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur kurz während der Paarungszeit aufeinander. Kurz nach der Paarung trennt sich ein Pärchen jedoch wieder. Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt einzig dem Weibchen. Langschwanzwiesel sind ausgesprochen territorial. Die Reviere der Männchen decken sich für gewöhnlich mit denen der Weibchen. Revierüberlappungen gleicher Geschlechter treten jedoch nicht auf. Die Tiere sind sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. Bei der Ortung von Beutetieren sind den Langschwanzwieseln der hoch entwickelte Geruchssinn und das Gehör behilflich. Aber auch der Sehsinn ist durchaus gut entwickelt. Ein Beutetier wird durch einen Biss in Hals oder Kehle getötet. Trotz der kurzen Beine sind Langschwanzwiesel gute und schnelle Läufer. Auch ihre Kletter- und Schwimmeigenschaften sind gut entwickelt. Im Winter legen Langschwanzwiesel Tunnel unter der Schneedecke an. Sie jagen ihre Beute auf dem Boden, in Bäumen und Büschen und auch im Wasser. Die Kommunikation untereinander erfolgt über den Geruch und über vielfältige Lautäußerungen. Die Laute liegen im Frequenzbereich zwischen 200 und 500 sowie zwischen 750 und 1.000 Hz. <3> Während der Ruhephasen rasten Langschwanzwiesel in Erdbauten, in natürliche Höhlen unter Steinen oder in Felsen oder an ähnlich geschützter Stelle. Das Innere einer Höhle ist mit weichen Gräsern ausgepolstert. In einer solchen Höhle bringt das Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt.

Verbreitung

Langschwanzwiesel kommen in weiten Teilen Nord- und Mittelamerikas vor. Einige Unterarten leben auch im nordwestlichen Südamerika. Das Verbreitungsgebiet in Nordamerika erstreckt sich vom südlichen Kanada über weite Teile der USA bis nach Mexiko. In Kanada ist der Langschwanzwiesel vor allem in British Columbia, Saskatchewan, Alberta sowie in den südlichen Teilen der Provinzen Manitoba, Ontario und Québec. Die USA und Mexiko werden bis auf Wüsten wie die Mojave und die Sonora weitflächig besiedelt. In Mittelamerika sind Langschwanzwiesel vor allem in Guatemala, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama verbreitet. <4> Lichte Wälder und deren Ränder sowie Flussläufe und andere Gewässer zählen zu den natürlichen Lebensräumen. Langschwanzwiesel kommen sowohl in gemäßigten als auch in subtropischen und tropischen Klimaregionen vor. Dichte Wälder und reine Wüstenregionen werden hingegen nicht besiedelt.

Prädatoren

Langschwanzwiesel stehen trotz ihrer Wehrhaftigkeit auf der Speisekarte vieler räuberisch lebender Tiere. Unten den Säugetieren (Mammalia) trachten vor allem Rotfüchse (Vulpes vulpes), Kojoten (Canis latrans), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Fichtenmarder (Martes americana) und Rotluchse (Lynx rufus) nach dem Leben der Langschwanzwiesel. Größere Eulen (Strigiformes) wie Virginia-Uhu (Bubo virginianus), Schnee-Eulen (Bubo scandiacus) und Streifenkauz (Strix varia) sowie Greifvögel (Falconiformes) wie Raufußbussarde (Buteo lagopus) und Habicht (Accipiter gentilis) haben es auf Langschwanzwiesel abgesehen. Eher seltener fallen die Tiere Schlangen zum Opfer. In diesen Fällen sind es zumeist Schlangen (Serpentes) wie Klapperschlangen (Crotalidae), Wassermokassinottern (Agkistrodon piscivorus) oder die Massassauga (Sistrurus catenatus). Trotz ihrer relativ geringen Größe gelten Langschwanzwiesel als wehrhafte Tiere. Sie wehren sich selbst gegen deutlich größere Feinde mit Bissen und Hieben ihrer Tatzen. Dennoch fallen vor allem viele Jungtiere den zahlreichen Fleischfressern zum Opfer. <5>

Ernährung

Langschwanzwiesel sind reine Fleischfresser. Sie machen vorzugsweise in der Nacht Jagd auf Beute bis in Kaninchengröße. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören unter anderem Hausmäuse (Mus musculus), Grashüpfermäuse (Onychomys), Amerikanische Erntemäuse (Reithrodontomys), Feldmäuse (Microtus), Wiesenhüpfmäuse (Zapus hudsonius), Weißfußmäuse (Peromyscus), Wühlmäuse (Arvicolinae), Baumwollratten (Sigmodon), Amerikanische Buschratten (Neotoma), Lemmingmäuse (Synaptomys), Bisamratten (Ondatra zibethicus), Florida-Wasserratten (Neofiber), Flachland-Taschenratten (Geomys), Gebirgs-Taschenratten (Thomomys bottae) und ähnliche Tiere. Aber auch Ziesel (Spermophilus), Chipmunks (Tamias), Nordamerikanische Rothörnchen (Tamiasciurus), Grauhörnchen (Sciurus carolinensis), Aberthörnchen (Sciurus aberti), Östliche Fuchshörnchen (Sciurus niger), Assapane (Glaucomys volans), Nördliche Gleithörnchen (Glaucomys sabrinus), Schneeschuhhasen (Lepus americanus), Florida-Waldkaninchen (Sylvilagus floridanus) und Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii) werden durchaus häufig erbeutet. In Zeiten knapper Nahrung sind sie nicht wählerisch und machen auch Jagd auf Vögel (Aves), deren Eier, Amphibien (Amphibia), Reptilien (Reptilia) und sogar Insekten (Insecta). An Vögel und deren Eier stehen vor allem Baumammern (Spizella arborea), Virginiawachteln (Colinus virginianus), Goldspechte (Colaptes auratus), Singammern (Melospiza melodia), Junkos (Junco hyemalis), Blauflügelenten (Anas discors) auf der Speisekarte. <6> In strengen Wintern kommt es vor, daß sie nur unter der Schneedecke nach Kleintieren jagen. Dazu graben sie regelrechte Gänge unter der Schneedecke. Die Jagd mit dem einhergehenden Energieverbrauch macht es erforderlich täglich zu fressen. Der Langschwanzwiesel nähert sich einem Opfer anschleichend. Dann schlägt er blitzschnell zu und tötet das Opfer mit einem Genickbiss oder einen Biss in den Hals. Bei der Beutesuche verlässt sich der Langschwanzwiesel hauptsächlich auf seinen gut entwickelten Geruchssinn. Aber auch das Gehör und der Sehsinn spielen bei der Jagd eine große Rolle. Im Spätsommer und Herbst werden auch Beeren und Früchte zu einem kleinen Teil gefressen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife stellt sich beim Langschwanzwiesel mit sechs bis zwölf Monaten ein. In den gemäßigten Regionen von Nordamerika erstreckt sich die Paarungszeit über den Spätsommer. Die Geschlechter leben einzelgängerisch. Sie treffen nur für kurze Zeit während der Paarungszeit auf einander und trennen sich kurz darauf wieder. Das Paarungsverhalten kann als polygam bezeichnet werden, da sich ein Männchen zumeist mit mehreren Weibchen paart. Bei den Langschwanzwieseln kommt eine verzögerte Schwangerschaft zum Tragen, also eine sogenannte Keimruhe, bei der die Entwicklung der Eizellen vorübergehend ruht. Die Embryonalentwicklung respektive die fetale Entwicklung beginnt erst im zeitigen Frühjahr des Folgejahres. Es wird angenommen, dass der Organismus des Weibchens auf die länger werdenden Tage reagiert und die letzte Trächtigkeitsphase einleitet. Je nach Paarungszeit erstreckt sich die gesamte Schwangerschaftsperiode über 205 bis 337 Tage. Die reine Embryonalentwicklung erstreckt sich dabei über etwa 30 Tage. <7> Ein Weibchen bringt in ihrem Nest zwischen vier und fünf, selten bis sechs Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt für gewöhnlich Ende April oder im Mai. Die Jungtiere kommen binnen weniger Minuten zur Welt. Meist liegen zwischen dem ersten und dem letzten Jungtier kaum sechs Minuten. Die Jungtiere sind anfangs noch nackt und blind und wiegen lediglich um die drei Gramm, ihre Augen öffnen sie in der vierten oder fünften Lebenswoche. Ende der zweiten Lebenswoche ist ihnen das erste Fell gewachsen. In der sechsten Lebenswoche erfolgt das Absetzen von der Muttermilch und die Jungen nehmen ihre erste feste Nahrung zu sich. Ab diesem Zeitpunkt gehen sie mit ihrer Mutter auf die Jagd und erlernen so die Jagdtechniken. Die Selbständigkeit erreichen die Jungen für gewöhnlich mit zwei Monaten. Die meisten Jungtiere überleben aufgrund der zahlreichen Fleischfresser nicht das erste Lebensjahr.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Langschwanzwiesel steuern in ihrem Lebensraum durch ihren gesunden Appetit die Populationen von Nagetieren (Rodentia) und halten so das ökologische Gleichgewicht in der Lage. Langschwanzwiesel selbst bilden allerdings auch die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Fleischfressern. Somit ist der Langschwanzwiesel ein wichtiger Teil im Ablauf des komplizierten Ökosystems. In der Nähe des Menschen sind Langschwanzwiesel nicht gerne gesehen, da sie sich nicht selten auch über das Geflügel der Farmer hermachen. Auf der anderen Seite halten sie auf den Bauernhöfen und Farmen die Populationen von Mäusen (Mus) und ähnlichen Tieren klein. Daher werden Langschwanzwiesel von Farmern zumeist geduldet. In einigen Regionen werden Langschwanzwiesel wegen ihres Felles bejagt. Der Pelz hat jedoch bei weitem nicht die wirtschaftliche Bedeutung wie der Pelz eines Amerikanischen Nerzes (Mustela vison). Langschwanzwiesel gelten heute als noch nicht gefährdet. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Unterarten

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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