Langzehen-Querzahnsalamander

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Langzehen-Querzahnsalamander

Systematik
Klasse: Amphibien (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)
Familie: Querzahnmolche (Ambystomatidae)
Gattung: Eigentliche Querzahnmolche (Ambystoma)
Art: Langzehen-Querzahnsalamander
Wissenschaftlicher Name
Ambystoma macrodactylum
Baird, 1850

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Langzehen-Querzahnsalamander (Ambystoma macrodactylum) zählt innerhalb der Familie der Querzahnmolche (Ambystomatidae) zur Gattung der Eigentlichen Querzahnmolche (Ambystoma). Im Englischen wird er Long-toed-Salamander genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Langzehen-Querzahnsalamander erreichen eine Größe von ca. 12 cm. Reichlich die Hälfte davon entfällt auf den Schwanz. Der Körper ist schlank und lang gestreckt. Die Grundfarbe ist braun bis schwarz. An den Flanken, seitlich am Kopf und den Schwanzseiten sind auf der Grundfarbe unregelmäßig weißlich bis silberne kleine Flecken angeordnet. Diese sind am Kopf auf Ober- und Unterkiefer bis zur Kehle stark verteilt. Am Körper, zur Bauchmitte, hingegen wird die Punktzeichnung weniger. Vereinzelt gibt es Salamander die fast keine Bauchzeichnung auf der Bauchseite in der Mitte haben. Am Schwanz ist diese Zeichnung zum Schwanzende verjüngend. Alle vier Extremitäten sind ebenfalls mit dieser Zeichnung versehen. Der Schwanz ist abgeflacht und verjüngt sich nur etwas bis zum Ende. Die charakteristische Rückenzeichnung beginnt am Hinterkopf und zieht sich als breites Band über den Rücken bis hin zum Schwanz. Am Schwanzende fängt die Zeichnung an sich zu verjüngen und reicht mehr oder weniger intensiv bis ins zweite Schwanzdrittel. Danach löst sich die Zeichnung auf. Das Rückenband ist vom Kopf beginnend breit und hat eine leicht orange- bis gelbliche Färbung (Skamania, Washington). Diese Zeichnung kann je nach Verbreitungsgebiet auch fast vollständig verblassen und es ist nur noch ein verwaschenes Zeichnungsband (Benton, Oregon) zu erkennen. Die Augen sind im ersten Schädeldrittel etwas weiter hinten angeordnet. Die Augen sind dunkel bis schwarz.

Lebensweise

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Langzehen-Querzahnsalamander bevorzugen waldreiche Gebiete mit lockerem Bodengrund. Sie können auch am Rande von Mischwäldern vorkommen. Verstecke bieten ihnen lockeres Laub, hohl liegende Baumstämme, Spalten zwischen Steinen, Staudengewächse, Moosschichten und anderes. Im lockeren Bodengrund verbringen sie den Tag ruhend und kommen mit der Dämmerung aus ihren Verstecken heraus und gehen auf Nahrungssuche. Außerhalb der Fortpflanzung führen die Langzehen-Querzahnsalamander ein Leben weit weg von Gewässern.

Für die Fortpflanzung ist es notwendig dass die Langzehen-Querzahnsalamander eine Winterruhe machen. Die Winterruhe kann je nach Verbreitung unterschiedlich lang sein. Zumeist endet die Winterruhe zwischen Februar und April wenn die Temperaturen über den Gefrierpunkt bleiben. Die Salamander suchen dann stehende oder ganz leicht fließende Gewässer und Gebirgsseen oder langsam fliesende Gebirgsflüsse auf. Diese Gewässer sind absolut sauber. Die Paarung findet im Wasser statt. Die Männchen schwimmen laichbereiten Weibchen hinterher und führen verschiedene Balzbewegungen vor ihnen aus. Dabei setzen sie Spermatophoren ab, welche von den Weibchen aufgenommen werden. Nach wenigen Tagen beginnen die Weibchen mit der Ablage ihrer Eier. Die Anzahl kann zwischen 100 bis 200 liegen. Je höher das Verbreitungsgebiet liegt, desto weniger ist die Anzahl der Eier. Männchen können sich mit mehreren Weibchen paaren. Danach verlassen sie das Gewässer und kehren noch vor oder während der Eiablage zum Landleben zurück. Weibchen verbleiben zumeist etwas länger im Wasser. Die Larven entwickeln sich bis zum Spätsommer und gehen an Land. In höheren Lagen dauert die Larvalentwicklung auch bis zu zwei Jahre. Da überwintern die Larven auch im Wasser und sie machen ihre erste Winterruhe im Wasser durch. Larven aus Verbreitungsgebieten von über 2.100 m können auch noch ein Jahr länger bis zur Metamorphose benötigen. Langzehen-Querzahnsalamander benötigen ca. drei bis vier Jahre bis zum Erwachsensein.

Unterarten

Die Rückenzeichnung ist bei dieser Unterart eher hellgelb, gelbbraun oder bronzefarben und ist größer ausgeprägt. Die Zeichnung geht bis zu den Flanken und setzt sich auf den Extremitäten fort. Die Zeichnung beginnt verwaschen auf dem Schädel und löst sich zum Schwanz hin nicht besonders auf. Der Schädel ist etwas gedrungener. Die weißen bis silbernen Pünktchenzeichnungen an den Flanken sind weniger ausgeprägt. Am Oberkiefer fehlt diese fast ganz.
Die Grundfarbe ist sehr dunkel eher schwarz. Das Rückenband beginnt mit schwachen Zeichnungselementen auf dem Kopf. Über den Rücken zieht sich die Zeichnung sehr aufgelockert und erinnert an Ornamente. Beginnend an der Schwanzwurzel verjüngt sich die Zeichnung sehr stark und verläuft nur noch auf der Schwanzoberschneidenseite. Zum Ende lockert sich die Zeichnung auf. Die Färbung der Rückenzeichnung ist eher gelb bis dotterfarben. An den Flanken sind auch hier weiße bis silberne etwas größere Pünktchen vorhanden. Diese wechseln sich mit dottergelben Pünktchen ab. Über den Kopf verlaufen diese bis oberhalb der Augen, sind an den Extremitäten vorhanden und verlieren sich bereits im ersten Schwanzdrittel. Es gibt auch vereinzelt Exemplare wo diese Zeichnung ganz fehlt.
Das Rückenbank ist gelb und zieht sich vom Kopf bis hin zum Schwanzende. Auf dem Kopf und dem Schwanzende lockert sich die Zeichnung auf. Die Rückenzeichnung ist sehr breit und wird oberhalb der Flanken mit noch wenigen Zeichnungselementen wirkungsvoll unterstützt. Die gelblich-silberne Pünktchenzeichnung beginnt am Unterkiefer und zieht sich über die Flanken bis hin zum Schwanz. Sie ist nicht besonders stark ausgebildet. Auf den Extremitäten sind locker und unregelmäßige Zeichnungselement vorhanden welche die gleiche Farbe wie das Rückenband haben.
Die größe Zeichnungsvariation ist bei dieser Unterart zu finden. Die Rückenzeichnung beginnt immer auf dem Schädel. Dort kann sie bereits eine Art Band aufweisen, aufgelöst oder verwaschen sein. Das gelbliche Rückenband zieht sich bis zum Schwanzende hin und löst sich dort zumeist auf. Die weißlich bis silberne Pünktchenzeichung an den Flanken, auf den Extremitäten und dem Schwanz sind wesentlich weniger vorhanden wie bei m. macordactylum. In manchen Gebieten treten auch fast schwarze Salamander auf.

Verbreitung

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Die Langzehen-Querzahnsalamander bewohnt das südöstlichen und nordwestlichen Alaska, British Columbia, den Süden von Washington und Oregon bis nach Kalifornien Nordosten und Osten Alberta, Idaho und den Wester von Montana.

Ernährung

Langzehen-Querzahnsalamander verfolgen ihre Nahrung und erbeuten Insekten (Insecta), Regenwürmer (Lumbricidae) und verschiedenen Gliederfüßern (Arthropoda). Die Larven jagen aktiv alle Insekten und deren Larven im Wasser hinterher. Sie ernähren sich von Wasserflöhen, Mückenlarven, Kleinstlebewesen im Larvenstadium (Zooplankton).

Ökologie

Langzehen-Querzahnsalamander stellen ein wichtiges Bindeglied in der Nahrungskette dar und sind für die aktive Bekämpfung von Insekten ein wichtiger Bestandteil des ökologischen Systems. Zum einem sind sie für die natürliche Bekämpfung von Insekten zuständig, zum anderen vervollständigen sie aber auch das ökologische Gleichwicht in dem sie selbst als Nahrung zum Opfer fallen. Da die Langzehensalamander über kein allzu starkes Hautsekret verfügen und relativ klein und schlank sind, können sie auch ohne Problem gegessen werden. Vor allen Dingen die Jungsalamander und Larven haben viele Feinde.

Gefährdung und Schutz

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Langzehen-Querzahnsalamander sind in ihrem Bestand nicht gefährdet. Eine exakte Bestandsdichte und Entwicklung der Salamander in ihren Vorkommensgebieten kann nicht angegeben werden. Das ist bedingt durch die enorm große Verbreitung und die nachtaktive Lebensweise. Das Vorkommensgebiet erstreckt zudem auf Gebiete, welche für eine wirtschaftliche Nutzung durch den Menschen nicht sonderlich attraktiv erscheint. Somit bleiben Verschmutzungen oder Veränderungen in den natürlichen Lebensräumen zumeist aus.

Prädatoren

In ihrem Verbreitungsgebiet werden die Langzehen-Querzahnsalamander von Schlangen (Serpentes), Vögeln (Aves), Anuren (Anura) und Marderartigen (Mustelidae) als Beutetiere verfolgt. Andere Feinde sind der Mensch, Katzen und Hunde. Larven fallen Fischen und anderen Gewässerbewohnern zum Opfer.

In einigen Verbreitungsgebieten kommt es zu Flächenbränden. Diese Brände überlebt der Langzehen-Querzahnsalamander zumeist unbeschadet. Er wird das schützende und feuchte Erdreich, sein Versteck wahrscheinlich nicht verlassen wenn es 'oben' brennt und warm ist. Trifft das Feuer jedoch auf aktive Langzehen-Querzahnsalamander in der Dämmerung oder Nacht, so verbrennen sie.

Gefangenschaftspflege

Langzehen-Querzahnsalamander sind sehr hübsche und zierliche Terrarieninsassen. Ihre leichte Pflege und Zutraulichkeit machen sie zusätzlich beliebt. Man richtet den Salamandern ein großes Waldsalamanderterrarium ein.
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Ein hoher Bodengrund, reichlich Versteckmöglichkeiten in Form von Rindenstücken, hohl liegenden Steinen, Schieferplatten oder anderem muss vorhanden sein. Eine Bepflanzung des Terrariums kann mit nicht zu stark wurzelnden Pflanzen vorgenommen werden. Ist das Terrarium groß genug, so können auch klein bleibende Farne eingepflanzt werden. Die Pflanzen werden beim graben im Erdreich durch die Salamander nicht beschädigt. Außerhalb der Paarungszeit ist keine Badegelegenheit notwendig. Bietet man diese an, so ist auf besonders sauberes Wasser zu achten. Die Salamander vergraben sich tagsüber. Richtet man die Fütterung so ein dass sie zur Dämmerung erfolgt, so werden die Salamander recht schnell zutraulich und kommen von alleine zur Oberfläche und jagen die angebotenen Futtertiere. Sie ernähren sich von allen Wirbellosen, Insekten, Fliegen, Maden, kleinen Engerlingen, Spinnen, Grillen und Würmer. Es muss jedoch darauf geachtet werden das sie nicht zu viel Nahrung zu sich nehmen. Wie alle Querzahnsalamander haben auch die Langzehen-Querzahnsalamander einen recht ordentlichen Appetit und neigen etwas zur Verfettung. Im Herbst kann man ruhig reichlich füttern und die Salamander können sich so auf die Winterruhe vorbereiten. Mit dem Absinken der Temperaturen werden die Salamander inaktiv. Die Überwinterungstemperatur kann, je nach Herkunftsgebiet der Salamander, bis zu 2°C betragen. Ist man sich nicht sicher woher die Salamander stammen, so sind Beobachtungen zum Verhalten sehr wichtig. Nehmen gut genährte Salamander mit der Vorbereitung zur Winterruhe ab einem bestimmten Temperaturbereich keine Nahrung mehr zu sich, so verbleiben die Salamander in diesem Temperaturbereich noch ca. drei bis vier Wochen. Danach senkt man die Temperatur um einige Grad weiter ab. Die Dauer der Überwinterung richtet sich ebenfalls nach der aus welchem Gebiet die Salamander stammen. Ist dies auch nicht bekannt, so kann man mit ca. 10 Wochen eine gute Zwischenlösung finden. Zeigen die Salamander, zum Beispiel bei Temperaturanstieg oder Hochdruckgebieten, eher auf, so bricht man die Winterruhe ab und überführt die Salamander in ein Aquaterrarium. Der Wasserteil kann überwiegen und der Wasserstand kann eine Höhe von 0 bis ca. 10 cm betragen. Das Wasser muss unbedingt besonders sauber sein. Im Wasser können sich einige große Steine zum Verstecken und Wasserpflanzen befinden. Daran werden dann auch die Eier abgelegt. Die Nachzucht in Gefangenschaft ist bislang nicht sehr häufig geglückt, zumindest liegen keine lückenlos dokumentierte Berichte dazu vor. Woran es liegt, lässt sich nicht eindeutig erklären. Es kann aber ein entscheidender Punkt bei der Wasserqualität festgemacht werden.
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Die Gestaltung der sommerlichen Temperaturen richtet sich ebenfalls nach den Herkunftsgebieten. Werden die Temperaturen von ca. 22°C nicht überstiegen, kann man nichts falsch machen. Steigen die Temperaturen darüber hinaus, so sollte man für eine Abkühlung, einen wesentlich höheren Bodengrund und ausreichende Feuchtigkeit sorgen. Werden die Langzehen-Querzahnsalamander von der Färbung blaß, muss dringend eine Temperaturabsenkung vorgenommen werden. Ein kühler Keller ist dazu gut geeignet.

Bei der Fütterung der Langzehen-Querzahnsalamander ist darauf zu achten das sich die Salamander nicht gegenseitig beißen. Da sie sehr verfressen sind, schnappen sie auch gern nach den Mitinsassen. Mit ihren scharfen Kiefern können Verletzungen auftreten. Verbeißt sich ein Salamander in ein Bein eines anderen Salamanders, so kann die Verletzung derartig stark sein, dass der gebissene Salamander die verletzte Extremität verliert. Eine medizinische Behandlung ist dringend notwendig. Der verletzte Salamander muß für einige Zeit steril und einzeln gepflegt werden.

Eine zusätzliche Beleuchtung ist nicht erforderlich. Steht das Terrarium hell genug, so gedeihen auch die Pflanzen im Behälter gut.

Galerie

Anhang

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Petranka, Salamander of the United States and Canada , ISBN 1-56098-828-2
  • Chivers, D.P., Wildy, E.L. and Baustein, A.R. 1997. Eastern long-toed salamander (Ambystoma macrodactylum columbianum) larvae recognize cannibalistic conspecifics. Ethology 103: 187-197.
  • Russell, A.P., Powell, G.L. and Hall, D.R. 1996. Growth and age of Alberta long-toed salamanders (Ambystoma macrodactylum krausei): a comparison of two methods of estimation. Canadian Journal of Zoology 74: 397-412.
  • Verrell, P. and Pelton, J. 1996. The sexual strategy of the central long-toed salamander, Ambystoma macrodactylum columbianum, in south-eastern Washington. Journal of Zoology 240: 37-50.
  • Widley, E.L., Chivers, D.P., Kiesecker, J.M. and Blaustein, A.R. 1998. Cannibalism enhances growth in larval long-toed salamanders (Ambystoma macrodactylum). Journal of Herpetology 32: 286-289.

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