Laotische Riesenkrabbenspinne

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Laotische Riesenkrabbenspinne
Weibchen mit Kokon

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae)
Unterfamilie: Heteropodinae
Gattung: Heteropoda
Art: Laotische Riesenkrabbenspinne
Wissenschaftlicher Name
Heteropoda maxima
Jäger, 2001

Die Laotische Riesenkrabbenspinne (Heteropoda maxima) zählt innerhalb der Familie der Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) zur Gattung Heteropoda.

Die frühere Bezeichnung der Familie Sparassidae lautete Heteropodidae, Eusparassidae. Die Familie Sparassidae umfasst weltweit etwa 989 Arten in 83 Gattungen.

Inhaltsverzeichnis

Historie

Die Laotische Riesenkrabbenspinne wurde 1930 in freier Wildbahn von einer Höhlenforscherin in Laos entdeckt. Erstmals wurde diese Spinnenart dann im Jahre 1933 beschrieben. Dann geriet die Spinnenart lange in Vergessenheit. Die riesige Spinne aus Laos wurde 70 Jahre lang in einem Wandschrank im Muséum National d'Histoire Naturelle in Paris aufbewahrt, bevor der Mainzer Diplombiologe Dr. Peter Jäger (Kurator der Sektion Arachnologie im Senckenberg Museum in Frankfurt am Main) sie entdeckte, untersuchte und die Art unter dem Namen Heteropoda maxima wissenschaftlich beschrieb.

Um noch weitere Exemplare dieser Art lebend wiederzufinden, begab er sich mit einem wissenschaftlichen Forscher-Team nach Südlaos und entdeckte in einer Kalksteinhöhle in der Nähe von Kouan Pha Vang ein geschlechtsreifes Weibchen, das Dr. Peter Jäger sofort untersuchte.

Es stellte sich nun die Frage, ob die Laotische Riesenkrabbenspinne die grösste Spinne innerhalb der Familie Sparassidae weltweit ist. Aufgrund dessen wurden Vergleiche unterschiedlich grosser Spinnen innerhalb der Familie Sparassidae herangezogen, unter anderem Beregama aurea (Koch, 1875) von Australien, die eine Körperlänge von 41 Millimeter mißt, Heteropoda spp. von Sulawesi, die etwa eine Körperlänge von 40 Millimeter erreicht und Gnathopalystes spp. von den Solomon Inseln, ebenfalls eine Körperlänge von ungefähr 40 Millimeter.

Die Vergleiche zeigten eindeutig, dass die Laotische Riesenkrabbenspinne trotz ihres kleinen Körpers, aber aufgrund ihrer extrem langen Beine zu den grössten Spinnen der Welt gehört.

Beschreibung

Die Laotische Riesenkrabbenspinne erreicht eine Körperlänge von bis zu 46 Millimeter und eine Beinspannweite von 250 bis 300 Millimeter. Wegen ihrer eindrucksvollen Grösse ist sie die bemerkenswerteste Spinne aller Spinnen innerhalb der Familie Sparassidae. Der Körper ist glatt, aber nicht glänzend. Die Laotische Riesenkrabbenspinne ist ein reiner Höhlenbewohner, obgleich die Augen kaum verkleinert erscheinen. Die Sehfähigkeit der Laotischen Riesenkrabbenspinne ist nicht besonders gut ausgeprägt. Sie kann aber grössere Tiere, die nicht weit entfernt sind, wahrnehmen.

Körperbau einer Spinne
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Körperbau einer Spinne

Das Männchen weist ein längliches Cymbium ("Schiffchen", Tarsus des männlichen Pedipalpus, bedeckt dorsal den Bulbus) auf, das dreimal so lang ist als das Tegulum (medianes, grösstes Sklerit des Bulbus, beinhaltet den Spermophor). Die Schienbeine sind ebenfalls verlängert. Chelicerae (Beissklauen), Labium (Mundöffnung) und Gnathocoxae (Kauladen, die zu einem Mundwerkzeug umgewandelten Coxen des Pedipalpus) sind dunkel rot-braun gefärbt. Die extrem langen Beine sind in den Hüften leicht gedreht und sind etwas nach vorne ausgerichtet. Sie sind behaart und mit auffällig langen Dornen besetzt.

Mit ihren langen bedornten Beinen kann die Laotische Riesenkrabbenspinne an Wänden und Decken schnell laufen, da sie sich aufgrund der bedornten Beine an glatten Oberflächen gut festhalten kann. Die Beine weisen eine gelblich-braune Färbung auf und sind distal mit dunklen Flecken versehen. Am zweiten Metatarsus (sechstes, vorletztes Glied der Laufbeine) des Männchens befinden sich verbreiterte Haare. Die Beine beim Männchen sind länger als beim Weibchen. Besonders das zweite Beinpaar weist jeweils eine Länge von etwa 130 Millimeter bei einer Körperlänge von 30 Millimeter auf. Dagegen beträgt die Beinspannweite beim Männchen etwa 300 Millimeter. Das Prosoma (Vorderleib, aus sechs verschmolzenen Extremitäten tragenden Segmenten bestehend) zeigt ein dunkles Grübchen und einige unregelmäßige dunkle Punkte. Des weiteren ein dunkles Querband am Ende des Grübchens, hinter diesem Grübchen befindet sich ein helles Querband, das typisch für die Gattung Heteropoda ist.

Die Färbung des Weibchens gleicht dem des Männchens. Das Opisthosoma beim Weibchen ist wesentlich grösser als das des Männchens. Des weiteren sind die Beine beim Weibchen kürzer als beim Männchen. Die Giftklauen des Weibchens sind mit neun langen Zähnen ausgestattet. Epigyneal (sklerotisierte, aussenliegende Platte über der Geschlechtsöffnung des Weibchens. Enthält die Einführöffnungen für den Embolus) verlaufen eindeutig zwei lange Bänder, die seitlich vorspringen und nicht die mittlere Scheidewand bedecken.

Die Laotische Riesenkrabbenspinne ist für den Menschen kaum gefährlich. Fühlt sich die ansonsten friedliche Laotische Riesenkrabbenspinne bedroht und in die Enge getrieben oder befindet sich ihr Eikokon oder ihr Nachwuchs in Gefahr, so kann sie aggressiv reagieren, indem sie dann empfindliche Bisse verteilt. Sie verfügt über einen besonderen Klammer-Reflex, das heisst, hebt man die Spinne auf, so klammert sie sich fest und läßt sich kaum abschütteln, was dann wiederum einen Beissreflex bei der Spinne auslöst. Dieser Biss, der eine geringe Giftwirkung enthält, verursacht Schwellungen und lokale Schmerzen, die aber nach etwa einem Tag wieder abklingen.

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet der Laotischen Riesenkrabbenspinne befindet sich in den Tropen und Subtropen von Laos in der Provinz von Cammon, dazu gehören die Dörfer Tham, Kouan Pha Vang und Na Kay Khia. Man kann davon ausgehen, dass diese Spinnenart nur dort vorkommt. Die Laotische Riesenkrabbenspinne sucht mit Vorliebe Kalksteinhöhlen auf, in denen sie sich überwiegend aufhält und auch ihren Eikokon und ihren Nachwuchs bewacht. Aufgrund ihres flachgedrückten Körpers ist die große Spinne in der Lage, sich in kleine Vorsprünge und Spalten zu verstecken.

Laotische Riesenkrabbenspinne
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Laotische Riesenkrabbenspinne

Ernährung

Die Laotische Riesenkrabbenspinne baut kein Netz, sondern lauert als Ansitz- oder Lauerjägerin auf ihre Beute. Sie ernährt sich von Insekten und anderen Wirbellosen. Das Beutetier wird mit den vier vorderen Beinen gepackt und mit den Giftklauen wird ein Gift injiziert. Die getötete Beute wird dann ausgesaugt.

Fortpflanzung

Hat ein Männchen ein paarungsbereites Weibchen gefunden, so nähert sich das Männchen dem Weibchen und bewegt dabei seine Taster auf und ab. Paarungsbereite Weibchen verhalten sich eher passiv und abwartend. Das Männchen kann nun das Weibchen besteigen. Dies geschieht meist in der Kalksteinhöhle des Weibchens. Das Männchen führt mit seinen Begattungsorganen die Bulben in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein. Danach verläßt das Männchen seine Partnerin und kümmert sich auch nicht um die Aufzucht.

Nach der erfolgreichen Begattung legt das Weibchen ihre Eier in eine Art Kokon an geschützter Stelle ab. Bis zum Schlupf der Spiderlinge bewacht das Weibchen den Kokon. Das Weibchen der Laotischen Riesenkrabbenspinne verteidigt vehement ihren Eikokon und auch den Nachwuchs, indem sie eine Drohhaltung einnimmt. Wird die Drohhaltung vom Gegner ignoriert, greift die Laotische Riesenkrabbenspinne den Feind an und beißt zu. Nach einer geraumen Zeit schlüpfen die Spiderlinge. Das Weibchen ist ihrem Nachwuchs behilflich und öffnet den Kokon. Selbständig sind sie meist nach der ersten Häutung.

Anhang

Literatur und Quellen

Weblinks

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