Largha-Robbe

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Largha-Robbe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Cynoidea)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)
Gattung: Echte Hundsrobben (Phoca)
Art: Largha-Robbe
Wissenschaftlicher Name
Phoca largha
Pallas, 1811

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Largha-Robbe (Phoca largha), die auch Largha-Seehund genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Hundsrobben (Phocidae) zur Gattung der Echten Hundsrobben (Phoca). Im Englischen wird die Largha-Robbe Spotted Seal genannt. Die Largha-Robbe ist nah mit dem Seehund (Phoca vitulina) verwandt. Beide Arten teilen sich in weiten Teilen des Verbreitunggebietes auch den Lebensraum. Eine Hybridisierung erfolgt dennoch sehr selten, gilt aber als nachgewiesen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Largha-Robbe erreicht eine Körperlänge von 140 bis 210 Zentimeter sowie ein Gewicht von 65 bis 150 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und auch leichter als Männchen. In Anpassung an ihren Lebensraum, ist der Körperbau äußerst stromlinienförmig ausgelegt. Das Fell weist eine gräuliche bis leicht silbergraue Färbung auf und ist mit zahlreichen und unregelmäßigen dunklen, meist braunen Flecken versehen. Sie weisen meist eine ovale Form auf. Ventral fehlen die Flecken jedoch. Markant sind die großen Augen und die fehlenden äußeren Ohren. Die Ohröffnungen befinden sich hinter den Augen. Sie liegen im Fell verborgen und sind somit nicht sichtbar. Im Bereich der stumpf endenden Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Die Brutflossen liegen ventrolateral im ersten Körperdrittel. Sie dienen beim Schwimmen hauptsächlich der Steuerung, die hinteren Flossen als Antriebsorgan. In Anpassung an den zum Teil sehr kalten Lebensraum hat die Largha-Robbe unter der Haut den sogenannten Blubber. Der Blubber ist eine dicke Speckschicht unmittelbar unter der Haut und bildet eine optimale Isolierung gegen Wärmeverlust.

Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Largha-Robben erstreckt sich hauptsächlich im nördlichen Pazifik über den Kontinentalsockel und über die polaren Gewässer der Beringsee. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Westen von der russischen Küste des japanischen Meeres, von Sachalin bis in den Norden von Hokkaido, weiter nördlich über das Ochotskisches Meer bis nach Kamtschatka. Im Beeringmeer sind Largha-Robben insbesondere im Nordwesten und im Südosten anzutreffen. Im Sommer reicht das Verbreitungsgebiet bis zur Tschuktschensee, einem Randmeer des eisigen Nordpolarmeeres, im Nordosten sogar bis nach Yukon/Kanada. In diesem sehr großen Verbreitungsgebiet treten insgesamt getrennte Populationen auf. Die Paarungsgebiete liegen in der Regel rund um das Ochotskisches Meer. Vom Herbst bis in das Frühjahr hinein leben die Tiere nahe der Packeisgrenze oder auf dem Packeis selbst. Hier bringen sie auch ihren Nachwuchs zur Welt. Fehlen adäquate Eisflächen, so bringen sie auch an Land ihren Nachwuchs zu Welt.

Prädatoren

Prädator: Eisbär (Ursus maritimus)
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Prädator: Eisbär (Ursus maritimus)

Largha-Robben stehen auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser. Dazu gehören im Wasser vor allem der Große Schwertwal (Orcinus orca), Walrosse (Odobenus rosmarus), Stellersche Seelöwen (Eumetopias jubatus) sowie größere Haie (Galeomorphii). An Land lauern vor allem Eisbären (Ursus maritimus) auf die Tiere, je nach Vorkommen aber auch Braunbären (Ursus arctos) und Wölfe (Canis lupus). Polarfüchse (Vulpes lagopus) haben es auf Neugeborene oder Jungtiere abgesehen, oder begnügen sich mit den Resten, die der Eisbär nicht völlig gefressen hat.

Ernährung

Largha-Robben ernähren sich als reine Fleischfresser hauptsächlich von Fischen (Actinopterygii), Kopffüßern (Cephalopoda) und Krebstieren (Crustacea). Dazu gehören je nach Verbreitungsgebiet beispielsweise Lodden (Mallotus villosus), Echte Heringe (Clupea), Pollack (Pollachius pollachius), verschiedene Aalmuttern (Zoarcidae) und Sandaale (Ammodytidae). An Krebstieren stehen insbesondere Flohkrebse (Amphipoda) und Krill (Euphausiacea) auf der Speisekarte. Die Nahrungssuche erfolgt tauchend meist in Tiefen von 50 bis 100 Metern. Auf Nahrungssuche gehen Largha-Robben ausschließlich einzelgängerisch. Sie unternehmen dabei zum Teil weite Wanderungen.

Fortpflanzung

Largha-Robben erreichen die Geschlechtsreife im Alter von drei bis fünf Jahren. Männchen brauchen in der Regel ein Jahr länger als Weibchen. Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr, meist zwischen April und Mai. Die Paarungs- und Fortpflanzungsgebiete liegen am Rande des Packeises. Die eigentlichen Paarungen erfolgen jedoch erst, wenn der Nachwuchs vom Vorjahr zur Welt gekommen ist. Während der Paarungszeit kommt es in den Kolonien unter den Männchen zu heftigen Gefechten um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Dabei teilen sie schmerzhafte Bisse aus. Nicht selten enden die Kämpfe ausgesprochen blutig. Die Kolonien können durchaus mehrere Hundert oder gar einige Tausend Individuen umfassen. Das eigentliche Verpaaren erfolgt etwa 10 Tage nach der Geburt des Nachwuchses. Die Kopulation erfolgt in der Regel unter Wasser. Mit der Befruchtung tritt zunächst eine Keimruhe ein. Das heißt, die embryonale Entwicklung wird zunächst unterbrochen. Im Fall der Largha-Robbe beginnt die eigentliche Tragezeit erst nach fünf bis sechs Monaten. Nach einer Netto-Tragezeit von etwa 210 Tagen bringt das Weibchen ein, sehr selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt außerhalb des Wassers auf Eisschollen.

Die Geburtslänge liegt bei 75 bis 90 Zentimeter, das Gewicht liegt bei etwa 7 bis 12 Kilogramm. Die Jungtiere weisen ein leicht gelbliches, zuweilen auch weißes Fell auf. Das Fell ist äußerst dicht und hält die Jungtiere auf dem Eis warm. Aufgrund der sehr fettreichen Muttermilch wachsen sie ausgesprochen schnell und nehmen pro Tag zwei Kilogramm an Gewicht zu. Pro Tag saugen die Jungen sechs- bis siebenmal, insgesamt mehr als eine Stunde am Tag. Die gesamte Säugezeit erstreckt sich über etwa 4 Wochen. Danach werden die Jungtiere von ihren Müttern verlassen. Kurze Zeit später, meist nach ein bis zwei Wochen, folgen die Jungtiere den Müttern ins Meer und ernähren sich fortan selbständig. Die adulte Ausfärbung stellt sich bei dem Jungtier im Alter von etwa ein bis zwei Jahren ein. Die Lebenserwartung liegt bei 25 bis 35 Jahren. Die Jungensterblichkeit ist im ersten Jahr mit 45% jedoch sehr hoch. Dies liegt hauptsächlich an den zahlreichen Fleischfressern. Viele Jungtiere verhungern aber auch.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die genauen Bestände der Largha-Robbe sind nicht bekannt. Die aktuellen Schätzungen liegen zwischen 200.000 und 250.000 Individuen. Damit gehört die Art noch nicht zu den bedrohten Robbenarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet geführt. Indigene Völker stellen den Tieren seit Jahrhunderten wegen des Fleisches, der Knochen und des Felles nach. Die Verluste in den Populationen halten sich jedoch in Grenzen. Schlimmer wiegt die kommerzielle Jagd auf die Tiere, der jährlich mehrere Tausend Tiere zum Opfer fallen. Die Fischereiindustrie sieht die Largha-Robben vor allem als Nahrungskonkurrenten, da zum Teil auch begehrte Speisefische gefressen werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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