Lasiodora klugi

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Lasiodora klugi

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Lasiodora
Art: Lasiodora klugi
Wissenschaftlicher Name
Lasiodora klugi
(C. L. Koch, 1841)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002198]

Die Art Lasiodora klugi zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Lasiodora. Im Englischen wird die Art bahia scarlet birdeater genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Lasiodora klugi erreicht eine Körperlänge von etwa 9 bis 10 Zentimeter, wobei die Beinspannweite bis zu 22 Zentimeter betragen kann. Das Gewicht dieser Art kann etwa 113 Gramm betragen. Die Grundfärbung variiert zwischen dunkelbraun und schwarz. Ihr gesamter Körper sowie die Extremitäten sind mit einem sehr dichten und langen Haarkleid ausgestattet. Die längeren Haare sind etwas gekräuselt. Zwischen den Beingliedern zeigt sich deutlich eine helle Beringelung und an allen Beinen zwei helle Längsstreifen. Männliche Tiere wirken insgesamt schlanker und zierlicher. Die Behaarung ist überwiegend hellbraun, die Abdominalbehaarung beim Männchen geht eher vom Rotbraun ins Rötliche über. Der Körper einer Vogelspinne teilt sich in Vorderkörper und Hinterkörper. Die vier Beinpaare, die Taster (Pedipalpen) sowie die Beißklauen (Cheliceren) befinden sich im vorderen Teil des Körpers. Oberhalb der Beißklauen befinden sich die acht Augen. Von der Anzahl der Augen kann man nicht auf die Sehfähigkeit schliessen, denn trotz der acht Augen kann die Vogelspinne verhältnismäßig schlecht sehen. Das Opisthosoma (Hinterleib) ist durch das Fehlen eines Chitinskeletts ungeschützt und daher sehr empfindlich. Die zwei Paare Spinnwarzen befinden sich am Ende des Hinterleibes. Die Geschlechtsorgane liegen auf der Unterseite. Die Extremitäten sind in sieben Segmente unterteilt. Mit ihnen ist die Vogelspinne recht schnell unterwegs. Die Beißklauen am Vorderkörper dienen dem Beutefang. Mit ihnen injiziert die Vogelspinne ihrer Beute ein Gift, das lähmend wirkt. Für Menschen ist dieses Gift nicht gefährlich. Allenfalls Allergiker können Probleme bekommen. Lasiodora klugi kann ein Alter von 12 bis 15 Jahren erreichen. In Gefangenschaft kann dies deutlich übertroffen werden. Es sind Tiere mit einem Alter von 20 Jahren bekannt. Die Lebenserwartung des Männchens beträgt etwa 3 bis 6 Jahre. Das Männchen lebt nach der letzten Reifehäutung nur noch ein paar Wochen oder Monate.

Lebensweise

Lasiodora klugi ist eine bodenbewohnende Vogelspinne, sie klettert aber auch sehr gerne. Sie lebt wie fast alle Vogelspinnen einzelgängerisch und ist eine nachtaktive Spinne, die sich nie weit von ihrer Höhle entfernt. Sie zählt zu den sogenannten Bombadierspinnen und ist leicht reizbar. Schon bei geringem Anlass kann sie ihre Brennhaare, die sich auf dem Opisthosoma (Hinterleib) befinden, einsetzen. Die Brennhaare können ein Jucken und Brennen der Haut und der Atemwege verursachen. Allerdings zieht die Spinne es vor zu flüchten, bevor sie ihre Brennhaare abstößt. Ansonsten ist sie eine zurückhaltende und friedliche Vogelspinne und beißt selten zu. Kommt es doch zu einem Biss, muss die Wunde sofort desinfiziert werden, da sich auf den Cheliceren häufig Bakterien befinden, die eine Infektion auslösen können. Der Giftbiss selbst ist nicht so gefährlich wie die Infektion durch Bakterien.

Lasiodora klugi
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Lasiodora klugi

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Lasiodora klugi befindet sich in Brasilien und umfaßt die Gebiete Rio de Janeiro, Bahia, Minas und den Nordosten von Sao Paulo. Ihre Lebensräume sind die klimatisch gemäßigten Wälder des östlichen Südamerikas. Am Tage herrschen Temperaturen von 23 Grad bis 26 Grad Celsius und in der Nacht Temperaturen von 20 Grad bis 22 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent.

Ernährung

Zum Nahrungserwerb verläßt sich Lasiodora klugi auf ihren Tastsinn. Nachts sitzt sie, mit dem Wohngespinst immer in Kontakt, vor ihrer Höhle und wartet auf Beute. Diese sehr große Vogelspinnenart frisst alles was sie überwältigen kann. Dazu gehören neben größeren Insekten (Insecta) auch kleine Säugetiere (Mammalia) wie Mäuse (Mus). Vor Skorpionen (Scorpiones), Kriechtieren (Reptilia) und Vögeln (Aves) in passender Größe macht Lasiodora klugi auch nicht halt.

Fortpflanzung

Lasiodora klugi erreicht die Geschlechtsreife mit etwa 5 Jahren. Bis zur Geschlechtsreife durchläuft Lasiodora klugi mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie in der Regel etwa 1.000 bis 2.000 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge