Lasiodorides striatus

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Lasiodorides striatus

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Lasiodorides
Art: Lasiodorides striatus
Wissenschaftlicher Name
Lasiodorides striatus
(Schmidt & Antonelli, 1996)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002219]

Die Art Lasiodorides striatus zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Lasiodorides. Im Englischen wird die Art peru giant stripe knee tarantula, stripeleg giant bird eater, goliath tarantula stripeleg oder orange striped birdeater genannt.

Lasiodorides striatus weist große Ähnlichkeit mit der Gestreiften Guatemala-Vogelspinne (Aphonopelma seemanni) auf. Lasiodorides striatus wurde jahrelang unter den Bezeichnungen Pamphobeteus wallaci, Pamphobeteus melanotarsum und Pamphobeteus striped gehandelt. Erst im Jahre 1996 wurde diese Art von Dr. Günter Schmidt und von Daniele Antonelli neu klassifiziert.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Lasiodorides striatus erreicht eine Körperlänge von etwa 8,0 bis 9,0 Zentimetern bei einer Beinspannweite von etwa 15 Zentimetern. Die Art ist in der Regel sehr dunkel, fast schwarz gefärbt. Die Beine weisen beigefarbene Streifen auf. Das Opisthosoma ist mit langen hellen Haaren bedeckt. Es sind zwei getrennte Receptacula seminis (Organe zur Aufbewahrung des Spermas beim Weibchen) vorhanden. Bei Beugung von Bein I kommt der Metatarsus auf dem retroventralen Ast der Tibia-Apophysen zu liegen. Der Femur IV retrolateral ist mit dünnen spitzen schwach gefiederten Haaren besetzt. Der Metatarsus IV ist mehr als nur im apikalen Viertel skopuliert. Die Jungspinnen weisen nach fünf bis sechs Häutungen eine graue Färbung mit einem glänzenden Fleck auf dem Opisthosoma auf. Des Weiteren ist der Carapax rötlich gefärbt. Nach und nach nehmen sie die Färbung der adulten Tiere an. Das Männchen besitzt im adulten Stadium deutlich sichtbare Tibialhaken und Bulben. Das Männchen weist nach der Reifehäutung einen metallisch-violetten Glanz an Femur und Carapax auf. Der gesamte Körper ist mit einer dichten und langen Behaarung bedeckt und überwiegend sind die Härchen mit Nervenzellen verbunden und dienen somit als Tasthaare, die auf Berührung und Vibrationen empfindlich reagieren. Hauptsächlich weisen die Beine eine starke Behaarung auf. Die übrigen Härchen werden in Brennhaare, Hörhaare, Geschmackshaare und Hafthaare unterschieden. Die Brennhaare bei der Art sind besonders stark und verursachen einen anhaltenden Juckreiz. Die Lebenserwartung des Weibchens beträgt etwa 15 Jahre, während das Männchen nach der letzten Reifehäutung nur noch ein paar Wochen oder Monate lebt.

Lebensweise

Lasiodorides striatus ist eine bodenbewohnende Vogelspinne. Sie lebt wie fast alle Vogelspinnen einzelgängerisch und ist eine nachtaktive Spinne, die sich nie weit von ihrer Höhle entfernt. Sie zählt zu den sogenannten Bombadierspinnen und ist leicht reizbar. Schon bei geringstem Anlass kann sie ihre Reizhaare, die sich auf dem Opisthosoma (Hinterleib) befinden, einsetzen. Die Reizhaare können ein Jucken und Brennen der Haut und der Atemwege verursachen. Allerdings zieht die Spinne es vor zu flüchten, bevor sie ihre Reizhaare abstreift. Ansonsten ist sie eine zurückhaltende und friedliche Vogelspinne und beißt selten zu. Kommt es doch zu einem Biss, muss die Wunde sofort desinfiziert werden, da sich auf den Cheliceren häufig Bakterien befinden, die eine Infektion auslösen können. Der Giftbiss selbst ist nicht so gefährlich wie die Infektion durch Bakterien.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Lasiodorides striatus befindet sich in Peru. Ihre Lebensräume sind die Trockengebiete und die Strauchsteppen von Peru. Am Tage herrschen Temperaturen von 23 Grad bis 26 Grad Celsius und in der Nacht Temperaturen von 20 Grad bis 22 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent.

Ernährung

Zum Nahrungserwerb verläßt sich Lasiodorides striatus auf ihren Tastsinn. Nachts sitzt sie, mit dem Wohngespinst immer in Kontakt, vor ihrer Höhle und wartet auf Beute. Diese Art frisst alles was sie überwältigen kann. Dazu gehören neben größeren Insekten (Insecta) auch kleine Säugetiere (Mammalia) wie Mäuse (Mus). Vor Skorpionen (Scorpiones), Kriechtieren (Reptilia) und Vögeln (Aves) in passender Größe macht Lasiodorides striatus auch nicht halt. Gelegentlich stehen auch Frösche (Ranidae) auf ihrer Speisekarte.

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft Lasiodorides striatus mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation kann das Weibchen bis zu 1.000 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ablegen. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge