Strömer

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Strömer

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Karpfenähnliche (Cyprinoidea)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Gattung: Rohrkarpfen (Leuciscus)
Art: Strömer
Wissenschaftlicher Name
Leuciscus souffia
Risso, 1826

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Strömer (Leuciscus souffia), auch als Laugen, Laube, Grieslaugeln, Riesling, Rinsling oder Ryserle bekannt, zählt innerhalb der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) zur Gattung der Rohrkarpfen (Leuciscus). Im Englischen wird der Strömer Souffia oder Western Vairone genannt. Ferner ist der Strömer unter zahlreichen Synonymen bekannt, wie Telestes souffia, Telestes agassizii, Leuciscus aphya, Squalius aphya, Telestes aphya, Leuciscus agassizii oder Telestes rysela.

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) e.V., Sitz in Offenbach, hat den Strömer zum Fisch des Jahres 1998 gewählt. Mit dieser Wahl will der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) e.V. auf eine Kleinfischart aufmerksam machen, die weithin unbekannt ist. Aufgrund der Gewässerverbauungen (Wehre und Staustufen) wurde der Lebensraum des Strömers dramatisch verändert, so dass heute sein Bestand in einigen Regionen als stark gefährdet angesehen werden muss.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Strömer kann eine max. Körperlänge von etwa 20 bis 25 Zentimeter erreichen. Die Normallänge beträgt etwa 14 bis 15 Zentimeter.

Die Schlundzähne sind in zwei Reihen zu 2/5 und 4/2 angeordnet. Die Rücken- und Afterflosse sind wenig strahlig. Die Rückenflosse beginnt senkrecht über den Bauchflossen und weist mittelgroße Schuppen sowie eine breite schwärzliche Längsbinde beiderseits über der Seitenlinie auf. Die Nase ist wenig gewölbt und die Afterflosse ist kurzstrahlig mit 9 geteilten Strahlen. Die Kopflänge ist nur 5, meist aber 5/12 mal in der Gesamtlänge enthalten. Die größte Körperhöhe beginnt zwischen Rücken- und Bauchflosse und übertrifft etwa eine Körperlänge und kommt der halben Breite zwischen den Deckeln gleich. Die kleinste Höhe am Schwanz beträgt 2/5 der größten. Der Durchmesser des ziemlich großen Auges verhält sich zur Kopflänge wie 1:3 1/2 bis 4. Das Auge steht kaum 1 Diameter von der Nasenkuppe, jedoch 1 1/2 bis 1/2 vom anderen Auge entfernt. Die Stirn zwischen den Augen erscheint daher breit. Die mäßig gewölbte Nase greift etwas über den Unterkiefer und die abgerundete Mundspalte vor. Die Axe schneidet den unteren Rand der Pupille, läßt aber die Mitte des Mundes und die Spitze des Deckels unter sich. Die Rückenflosse beginnt in halber Körperlänge und ist höher als lang, ihre Basis kommt nur der halben Kopflänge gleich. Der erste geteilte Strahl ist der längste, und zwar doppelt so lang als der letzte Strahl. Die Bauchflossen reichen zurücklegt nicht bis an den After. Die längsten Strahlen der tief gegabelten Schwanzflosse kommen einer Kopflänge nahezu gleich. <2>

Die Zahl der Schuppen variiert innerhalb der angegebenen Grenzen und dies verleitete, insbesondere zur Trennung in die beiden Arten Telestes agassizii und Telestes rysela, indem bei der ersten Art als Minimum der Schuppenzahl über der Seitenlinie 9 (ausnahmsweise sogar 8) und längs derselben 48 bis 49 vorkommt. Bei der letztgenannten Art dagegen als Maximum 10 über und 56 längs der Seitenlinie. Das freie Ende der Schuppen zeigt einen Fächer von 8 bis 10 Radien. <2>

Fluss Cetina in Kroatien - Habitat des Strömer
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Fluss Cetina in Kroatien - Habitat des Strömer

Der Rücken weist eine dunkelgraue Färbung auf, die in eine stahlblaue Tönung übergeht, während der Bauch von einer silberglänzenden Färbung ist. Die schwärzliche Seitenbinde zieht über den Kiemendeckel durch das Auge und ist oft bis zur Nasenspitze sichtbar. Am Vorderrumpf nimmt die Seitenbinde meist die Breite von 3 Schuppenreihen ein, verschmälert sich dann, so dass die Seitenbinde über der Afterflosse nur über die Breite von 1 1/2 Schuppen sich erstreckt, verbreitert sich hier aber wieder und nimmt an der Basis der Schwanzflosse fast die ganze Höhe (5 Schuppenreihen) ein. Alle Flossen sind hell gefärbt und ungefleckt. <2>

Flossenformel
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
D. (Dorsale = Rückenflosse) 2-8, A. (Anale = Afterflosse) 2-9, Squ. (Schuppen) 9-10/48-56/5. <2>
Laut fishbase weist der Strömer insgesamt 2 bis 3 Rückenflossenstacheln, insgesamt 7 bis 9 Rückenflossenweichstrahlen, 3 Afterflossenstacheln und 9 bis 10 Afterflossenweichstrahlen und 41 bis 42 Wirbel sowie 17 bis 21 Schwanzflossenstrahlen auf. <1>

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Strömer ein sehr geselliger Süßwasserfisch. Nach drei Jahren laicht der Strömer zum ersten Mal. Die Laichzeit findet in den Monaten von März bis Mai statt, wenn die Temperaturen über 12 Grad Celsius liegen. Der Strömer laicht nur einmal im Jahr. Die Ernährung besteht aus Insektenlarven und Algen.

Fluss Soca in Slowenien - Habitat des Strömer
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Fluss Soca in Slowenien - Habitat des Strömer

Laut fishbase ist der Strömer eine kurzlebige Art. Der Strömer bevorzugt kiesige Bereiche im Oberlauf der Flüsse, selten in Seen. Er ist sehr gesellig und ernährt sich von wirbellosen Tieren, insbesondere von Insekten. Der Strömer wird als Fischköder verwendet. Er wird nicht viel gefangen, obwohl das Fleisch des Strömers sehr gut ist. Seine Laichzeit findet von Mai bis Juni statt. <1>

Unterarten

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN weist der Strömer ein sehr großes Verbreitungsgebiet auf, dazu zählen unter anderem der Mittelmeerraum, die Flussmündungen Aude und Var (Frankreich und Schweiz), Soca-Flussmündung (Itaien und Slowenien), Cetina-Flussmündung (Kroatien), oberste Rhein-Flussmündung in Deutschland und der Schweiz, Donau-Kanal, westliche Zuflüsse in Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und ein Teil von Bosnien-Herzegowina und das obere Theiß-System (Rumänien und Ukraine). Es wurden auch Aufzeichnungen in der Ägäis in Bulgarien auf der Grundlage einer falschen Identifizierung einer möglicherweise unbenannten Art gemacht. Beheimatet ist der Strömer in Österreich, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, in der Tschechischen Republik, in Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Liechtenstein, Rumänien, in der Slowakei, in Slowenien, in der Schweiz und in der Ukraine.

Laut der Roten Liste der IUCN hält sich der Strömer im Mittellauf der Bäche und Flüsse mit klarem Wasser und Kies sowie einer mäßig schnellen Strömung auf. Die Laichplätze befinden sich in schnell fließenden Gewässer mit viel Schotter.

Ernährung

Die Strömer ernährt sich vorwiegend von Insektenlarven, Bachflohkrebsen (Gammarus pulex), Weichtieren (Mollusca), Würmern und gelegentlich verspeist er auch Laich oder andere kleinere Fische. Gelegentlich ernährt sich der Strömer auch von Algen. Hin und wieder nimmt der Strömer auch Anfluginsekten von der Wasseroberfläche auf.

Fortpflanzung

Fluss Var im Süden Frankreichs - Habitat des Strömer
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Fluss Var im Süden Frankreichs - Habitat des Strömer

Die Geschlechtsreife erreicht der Strömer etwa mit drei Jahren. Der Strömer ist ein Geröll- und Kieslaicher. Das Männchen ist in der Reproduktionszeit territorial und verteidigt während der Tageszeit seinen Laichplatz gegenüber Eindringlingen und Artgenossen vehement. Auch Weibchen, die keine Paarungsbereitschaft zeigen, werden vom Männchen verjagt. Das Weibchen sucht in der Reproduktionszeit, die von März, April bis Mai oder Juni stattfindet, langsam fließende Gewässer auf und legt die Eier in eine von ihr geschlagene kiesige Laichgrube ab. Anschließend werden die Eier von dem Männchen befruchtet. Nach der Befruchtung werden die Eier von dem Weibchen sorgfältig mit Kies bedeckt und sich selbst überlassen. Nach etwa 18 bis 20 Tagen schlüpfen die Larven und leben zunächst im Kies oder zwischen Steinen versteckt bis ihr Dottersack aufgebraucht ist. Danach nehmen die Jungfische Plankton zu sich.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Aufgrund der Gewässerverbauungen (Wehre und Staustufen) wurde der Lebensraum des Strömers dramatisch verändert, so dass heute sein Bestand in einigen Regionen als stark gefährdet angesehen werden muss. Laut der Roten Liste der IUCN ist der Strömer jedoch noch nicht bedroht und wird somit als eine nicht gefährdete (least concern) Art gelistet.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Leuciscus souffia Antoine Risso, 1826
  • [2] Die Süsswasserfische der Östreichischen Monarchie mit Rücksicht auf die angränzenden Länder. Bearbeitet von Jakob Heckel und Dr. Rudolf Kner. Leipzig. Verlag von Wilhelm Engelmann. 1858.
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Jiri Cihar: Süßwasserfische. Aventinum nakladatelstvi s.r.o., Praha, 1990 ISBN 3-8112-1287-7
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische". Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet". Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5

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