Lavamöwe

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Lavamöwe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Unterordnung: Lari
Familie: Möwen (Laridae)
Gattung: Leucophaeus
Art: Lavamöwe
Wissenschaftlicher Name
Leucophaeus fuliginosus
Gould, 1841

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Lavamöwe (Leucophaeus fuliginosus), auch unter dem Synonym Larus fuliginosus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Möwen (Laridae) zur Gattung Leucophaeus. Im Englischen wird die Lavamöwe Dusky Gull oder Lava Gull genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Lavamöwe ist eine verhältnismäßig große Möwe und erreicht eine Körperlänge von etwa 53 Zentimeter. Sie ist wahrscheinlich eng mit der Aztekenmöwe (Larus atricilla) verwandt. Die Lavamöwe ist eine der seltensten Möwen in der Welt. Die gesamte Population lebt auf den Inseln des Galápagos-Archipels. Aktuell gibt es nur noch 300 bis 400 Brutpaare. Die Lavamöwe erhält in ihrem dritten oder vierten Lebensjahr ihr adultes Gefieder. Der Kopf, das Gesicht sowie der Nacken weisen eine aschfahle bis dunkelgraue Färbung auf. Die Armschwingen und die Handschwingen zeigen ebenfalls eine dunkelgraue Tönung. Der Mantel und der Rücken sind aschfahl gefärbt, während der Bauch ein helles Grau aufweist. Der etwas leicht gebogene Schnabel ist von einer schwarzen Färbung, wobei der Schlund scharlachrot ist. Die Extremitäten und die Zehen sowie der Schwanz sind schwarz getönt. Markantes Merkmal der Lavamöwe ist der weiße Augenstreif, der sich oberhalb und unterhalb des Auges befindet. Daneben zeigt sich noch eine roter Augenring. Die Jugendlichen sind in der Regel dunkelbraun gefärbt.

Lebensweise

Die Lavamöwe ist eine überwiegend tagaktive Möwenart, nur selten ist sie auch in der Nacht aktiv. Die Lavamöwe errichtet ihr Nest nicht in Brutkolonien, sondern an abgelegenen geschützten Orten in der Nähe von Lagunen, Schwimmbecken sowie an ruhigen Gewässern. Dies sind in der Regel Seen. Das Brutgebiet ist verhältnismäßig groß und die Altvögel sind äußerst vorsichtig. Wenn sich ein potentieller Eindringling sich dem Nest nähert, verläßt die Lavamöwe das Nest, auch wenn der Eindringling erst 1 Kilometer entfernt ist. Sie ist außerhalb der Paarungszeit nicht sesshaft, sie legt auf hoher See teils weite Strecken zurück.

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Verbreitung

Die Lavamöwe kommt im Binnenland so gut wie gar nicht vor. Sie bevorzugt die Strände und die Lagunen von Santa Cruz, San Cristobál sowie Isabela, wo sie auch auf Nahrungssuche geht oder brütet. Auch die dem Festland vorgelagerten Inseln werden gerne besiedelt.

Die Lavamöwe ist im gesamten Galápagos-Archipel verbreitet. Dichte Populationen wurden in Puerto Ayora (Santa Cruz) 3,5, Puerto Baquerizo Moreno (San Cristóbal) und Puerto Villamil (Isabela) 5 gefunden.
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Vor der Küste wurden im Süden und Osten von Santa Cruz in acht Gebieten etwa 300 bis 400 Brutpaare geschätzt. Dies wurde aber als überschätzt angesehen. Man vermutet eher, dass es noch weniger Brutpaare gibt. Eine Folgeerscheinung für den Rückgang der Brutpaare ist unter anderem das begrenzte Nahrungsangebot, das einen Großteil des Jahres ausmacht.

Ernährung

Die Lavamöwe ernährt sich vorwiegend von Fischen (Pisces), Krebstieren (Crustacea), wirbellosen Tieren und Algen. Gelegentlich verspeist die Lavamöwe auch Eidechsen (Lacertidae) wie zum Beispiel Acanthodactylus beershebensis aus der Gattung der Fransenfinger-Eidechsen (Acanthodactylus). Ferner fischt und sammelt sie tote Tiere nahe der Küste und in den Lagunen. Die Lavamöwe hat es in ihrem Lebensraum auch auf andere Vögel, deren Brut und Eier abgesehen. Vögel werden sowohl in der Luft als auch am Boden gejagt. Sie tötet ihre Beute mit einem kräftigen Biss in den Nacken. Als Gast folgt sie auch Fischkuttern, um den einen oder anderen Bissen zu ergattern. Die Nahrungssuche erfolgt an Land oder aber über küstennahen Gewässern. Gelegentlich wird auch die Beute anderer Vögel gestohlen oder abgejagt wie zum Beispiel vom Lavareiher (Butorides sundevalli).
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Die Lavamöwe wurde aber auch schon in der Nähe von Häfen beobachtet, wo sie nach Verwertbarem oder nach Aas sucht.

Fortpflanzung

Die Lavamöwe erreicht die Geschlechtsreife mit durchschnittlich drei bis vier Jahren. Sie errichtet ihr Nest nicht in Brutkolonien, sondern an abgelegenen geschützten Orten in der Nähe von Lagunen, Schwimmbecken sowie an ruhigen Gewässern. Dies sind in der Regel Seen. Ein Nest wird in der Regel auf einem Felsvorsprung oder auf dem Erdboden in flachen Mulden errichtet. Das Nest wird von beiden Altvögeln aus Pflanzenteilen, Abfallen und ähnlichem errichtet. Das Weibchen legt zumeist zwei olivefarbene gut getarnte Eier. Die Inkubationszeit der Eier beträgt etwa 30 Tage und wird von dem Weibchen und von dem Männchen gewährleistet. Nach dem Schlupf sind die Küken leicht bedunt. Das Dunengefieder ist überwiegend graubraun gefärbt. Die Küken werden reichlich mit Nahrung versorgt, indem die Küken mit hochgewürgter, vorverdauter Nahrung gefüttert werden. Nach etwa 60 Tagen sind die Jungvögel flügge.
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Sie werden aber noch weiter von den Altvögeln für einen kurzen Zeitraum betreut. Das jugendliche Federkleid der Jungvögel weist in der Regel eine dunkelbraune Färbung auf.

Gefährdung und Schutz

Die Lavamöwe wird in der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft, weil sie in nur noch in geringer Population vorkommt. Obwohl die Population stabil ist, so besteht doch eine potentielle Bedrohung (für viele Galápagos Seevögel) wie zum Beispiel durch Störungen während der Brutpflege, durch das Absammeln der Eier, durch eingeschleppte Säugetiere wie verwilderte Hauskatzen (Felis catus), verwilderte Hunde (Canidae) und Ratten (Rattus). Zu den natürlichen Feinden der Lavamöwe zählen die Meerechsen (Amblyrhynchus cristatus), die regelmäßig den Küken und den Jungvögeln nachstellen. Obwohl ein Großteil der Inseln des Galápagos-Archipels zum Nationalpark gehört, so tritt die größte Dichte dieser Art überwiegend in den drei wichtigsten Häfen auf. Diese städtischen Gebiete sind nicht Teil des Nationalparks. Die Inseln wurden 1979 zum Weltkulturerbe erklärt. Um die Art vor dem Aussterben zu retten, wurden wichtige Maßnahmen eingeleitet wie zum Beispiel eine genaue Zählung der Population und eine langfristige Überwachung dieser Art.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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