Lederschildkröte

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Lederschildkröte

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten
Familie: Lederschildkröten (Dermochelyidae)
Gattung: Dermochelys
Art: Lederschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Dermochelys coriacea
(Vandelli, 1761)

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea), auch unter den Synonymen Dermatochelys coriacea, Testudo coriacea, Sphargis coriacea, Sphargis mercuridis und Testudo coriacea bekannt, zählt innerhalb der Familie der Lederschildkröten (Dermochelyidae) zur Gattung Dermochelys. Innerhalb der Gattung Dermochelys ist die Lederschildkröte die einzige Art. Im Englischen wird die Lederschildkröte leatherback turtle, leatherback, luth oder trunkback turtle genannt. Es gibt keine bekannte Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Ans Meer gebunden ist auch die Familie der Lederschildkröten (Dermochelyidae). Wirbel und Rippen liegen frei, von dem aus mosaikartigen Knochenplatten gebildeten Außenskelett getrennt. Kopf und Gliedmaßen zeigen Anpassungen an das Leben auf hoher See, aber in etwas anderer Art als bei den Meeresschildkröten (Cheloniidae). Die Lederschildkröte trägt in ihrem Bau urtümliche Züge. Sie ist die schwerste aller lebenden Arten, ein Gigant von fast 2 Meter Länge und 500 bis 600 Kilogramm Gewicht. Von den anderen Schildkröten unterscheidet sie sich nicht nur durch die Größe, sondern auch durch ihren schmalen, ledrigen Panzer und durch die krallenlosen Flossen. Die Vordergliedmaßen sind besonders lang und ohne Nägel. Der Rückenpanzer ist vorn abgerundet und hinten schwanzartig zugespitzt, sieben erhabene, aus Höckern zusammengesetzte Längsrippen laufen über ihn hinweg. Er ist überzogen von einer dicken Haut, deren Oberfläche lederartig wirkt, und die auch etwas an Walspeck erinnert. Der Bauchpanzer ist weich, biegsam und weist fünf Längskiele auf. Der Kopf ist verhältnismäßig groß und der dicke Hals wirkt ziemlich kurz. Bei jungen Tieren sind Kopf, Hals und Füße noch mit Schildchen bedeckt, die glatte dunkelbraune oder schwarze Haut tritt erst später zutage.

Lebensweise

Die Lederschildkröte lebt einzelgängerisch und wird in allen tropischen und subtropischen Meeren der nördlichen und südlichen Halbkugel beobachtet, sie wird gelegentlich auch in gemäßigte Zonen verschlagen. Wie alle Meeresschildkröten (Cheloniidae) geht auch die Lederschildkröte nur zur Eiablage an Land. Die Lederschildkröte gehört zur Ordnung der Schildkröten (Testudinata) und nicht zur Familie der Meeresschildkröten (Cheloniidae). Die Lederschildkröte unternimmt extrem weite Wanderungen durchs Meer. Markierte Tiere haben nachweislich den Atlantik überquert. Die Art vermag auch in kälterem Wasser zu leben, da sie begrenzt Körperwärme erzeugen kann.

Prädatoren

Profil der Lederschildkröte
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Profil der Lederschildkröte

Die Eier der Lederschildkröte werden durch eine Vielzahl von Prädatoren erbeutet, darunter zählen unter anderem Geisterkrabben (Ocypode), Warane (Varanus), Regenpfeiferartige (Charadriiformes), wie Steinwälzer (Arenaria), Strandläufer (Calidris) und einige Arten aus der Gattung Pluvialis. Viele Säugetiere (Mammalia) graben nach den Eiern in den Sandgruben, zu ihnen zählen unter anderen die Waschbären (Procyon), die Nasenbären (Nasua), verwilderte Hunde (Canidae), Ginsterkatzen (Genetta), Mangusten (Herpestidae) und Schweine (Suidae). Die meisten dieser genannten Prädatoren verzehren dann auch die juvenilen Lederschildkröten, die dann nach dem Schlupf bei Einbruch der Dunkelheit zum Meer eilen, wo dann auch schon die Greifvögel (Falconiformes), Möwen (Laridae) und Fregattvögel (Fregata) nach ihnen schnappen. Im Meer sind die kleinen Lederschildkröten den Kopffüßern (Cephalopoda), Requiemhaien (Carcharhinidae) und anderen großen Fischen ausgeliefert. Adulte Lederschildkröten sind groß und mächtig genug, um große Prädatoren wie Schwertwale und große Haie abzuwehren. Des Weiteren sind Lederschildkröten starke und schnelle Schwimmer. Wenn ein Hai eine adulte Lederschildkröte angreift, so kann sich diese sehr aggressiv verteidigen, meist zieht der Hai dabei den kürzeren. Auch Boote, die die Fluchtdistanz der Lederschildkröte nicht einhalten, werden von ihr ohne Weiteres angegriffen.

Verbreitung

Die Lederschildkröte weist ein weltweites Verbreitungsgebiet auf. Man findet sie von den tropischen bis zu den subpolaren Ozeanen. Die Nester befinden sich meist an tropischen, seltener an subtropischen Stränden. Über die Verbreitung der Schlüpflinge und der Jungtiere ist wenig bekannt. Lederschildkröten mit einer Panzerlänge von 100 Zentimeter scheinen in Regionen, die wärmer als 26 Grad Celsius sind, weniger vorzukommen. Häufig sieht man Lederschildkröten mit weniger als 145 Zentimeter Panzerlänge und einige Jugendliche, die in der Nähe bleiben, um die Küsten von St. Lucia, östlichen tropischen Pazifik, Mexiko, Barbados, USA (Ost-und Westküste von Georgia, South Carolina, Texas, Rhode Island, Kalifornien) Puerto Rico, Amerikanisch-Samoa, Bonaire, Chile, Spanien, Venezuela, Schottland und England.

Weibchen bei der Eiablage
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Weibchen bei der Eiablage

Laut der Roten Liste der IUCN zählen folgende Länder zum Verbreitungsgebiet der Lederschildkröte: Albanien, Angola, Antigua und Barbuda, Aruba, Australien, Bahamas, Bahrain, Barbados, Benin, Brasilien, China, Kolumbien, Kongo, Demokratische Republik, Costa Rica, Côte d'Ivoire, Kuba, Dominica, Dominikanische Republik, Ecuador , El Salvador, Eritrea, Fidschi, Französisch-Guayana, Ghana, Grenada, Guadeloupe, Guatemala, Guyana, Haiti, Honduras, Indien, Indonesien, Italien, Liberia, Malaysia, Martinique, Mexiko, Mosambik, Myanmar, Niederländische Antillen, Nicaragua, Panama; Papua-Neuguinea, Puerto Rico, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Senegal, Salomonen, Süd Afrika, Sri Lanka, Suriname, Taiwan, Provinz von China, Thailand, Togo, Trinidad und Tobago, Turks-und Caicos-Inseln, Vereinigte Staaten, Venezuela, Britische Jungferninseln und Virgin Islands. In Israel ist die Lederschildkröte ausgestorben.

Die Lederschildkröte kommt in folgenden Fischfanggebieten vor: nordöstlicher Atlantik, nordwestlicher Atlantik, südöstlicher Atlantik, südwestlicher Atlantik, ostzentraler Atlantik, westzentaler Atlantik, östlicher Indischer Ozean, westlicher Indischer Ozean, Mittelmeer und Schwarzes Meer, südöstlicher Pazifik, südwestlicher Pazifik, westzentraler Pazifik, mittelöstlicher Pazifik, nordwestlicher Pazifik und nordöstlicher Pazifik.

Ernährung

Die Lederschildkröte ist ein reiner Fleischfresser und ernährt sich von gallertartigen wirbellosen Tieren, vor allem von Quallen, wie zum Beispiel die hochgiftige Seewespe (Chironex fleckeri) und Salpen (Thaliacea) zählen zu ihrer Hauptnahrung. Gelegentlich nimmt die Lederschildkröte auch kleine Krebstiere (Crustacea) und Fische (Pisces) sowie Tintenfische (Coleoidea), Seeigel (Echinoidea) und auch Schnecken (Gastropoda) zu sich. Ihr Maul besitzt nach hinten weisende Haken, einen scharfkantigen Kiefer und die Speiseröhre ist mit kurzen Dornen gesäumt, so dass die schlüpfrige Beute nicht entkommen kann. Meist frißt sie nahe der Oberfläche, sie kann aber bis zu 400 Meter, vermutlich sogar bis 1.000 Meter, tief tauchen und die Luft eine halbe Stunde anhalten.

Fortpflanzung

Junge Lederschildkröte
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Junge Lederschildkröte

Die im offenen Meer lebenden Tiere sammeln sich zur Brutzeit an den Küsten, wo die Männchen um die Weibchen, die zur Eiablage kommen, kämpfen. Studien haben gezeigt, dass die Männchen an den gleichen Niststrand zurückkehren, wenn sie in der vergangenen Saison erfolgreich waren. Ihr Heimfindevermögen bringt die Weibchen zuverlässig an bestimmte Strandabschnitte. Um nicht gesehen zu werden, legen sie ihre Eier in dunklen, mondlosen Nächten. Für die Eiablage hievt sich das Weibchen schwerfällig an den Strand. Die Weibchen graben ihre Nester in tropische Sandstrände. In der Regel legt das Weibchen 50 bis 170 Eier in die Sandgrube. Allerdings sind ein Großteil dieser Eier ohne Dotter und entwickeln sich nicht mehr weiter. Nach der Eiablage bedeckt das Weibchen das Nest mit Sand, um den Raub der Eier zu verhindern und um die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit zu mäßigen. Nachdem das Weibchen den Legeprozess abgeschlossen hat, kehrt sie wieder in das Meer zurück. Durchschnittlich verbringt ein Weibchen pro Jahr weniger als zwei Stunden an Land. An vielen Orten werden jedoch diese Strände durch den Tourismus beeinträchtigt. Verwilderte Hunde, Menschen und die natürlichen Feine der Lederschildkröte zerstören häufig die Gelege. Zum Erhalt und Schutz dieser Art werden die Eier gesammelt und an einem sicheren Platz künstlich ausgebrütet und die Jungen dann ins Meer entlassen. Die Nesttemperatur bestimmt das Geschlecht der Jungtiere. Beträgt die Temperatur etwa 29,5 Grad Celsius dann entwickeln sich gleichermaßen männliche oder weibliche Jungtiere, liegt die Temperatur bei 28,75 Grad Celsius oder weniger dann entwickeln sich männliche Jungtiere, liegt die Temperatur über 29,75 Grad Celsius dann entwickeln sich nur weibliche Jungtiere. Die juvenilen Schildkröten wiegen etwa 35 bis 50 Gramm und wachsen sehr schnell und haben in 7 bis 13 Jahren die erwachsenen Größe erreicht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Gerade geschlüpfte Lederschildkröte eilt zum Meer
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Gerade geschlüpfte Lederschildkröte eilt zum Meer

In der Roten Liste der IUCN ist die Lederschildkröte als vom Aussterben bedroht eingestuft. Wie die meisten anderen Wirbeltiere (Vertebrata) leiden auch Kriechtiere (Reptilia) unter Veränderungen ihres Lebensraumes, aber für die Gruppe gilt - vielleicht mehr als für alle anderen -, dass die Jagd viele Arten an den Rand der Ausrottung gebracht hat. Am meisten davon betroffen sind die Meeresschildkröten (Cheloniidae) und die Schildkröten (Testudinata), zu der die Lederschildkröte zählt und nicht zu den Meeresschildkröten (Cheloniidae), auch wenn sie sich im Meer aufhält. Da die Tiere Luft atmen müssen, sind sie im Meer leicht zu fangen und durch ihr Brutverhalten sind Weibchen und Eier schutzlos den Jägern und Sammlern am Strand ausgesetzt. Des Weiteren sind Umweltprobleme und Lebensraumveränderungen eine weitere große Bedrohung für diese Art.

Die Populationen der reproduzierenden Weibchen im Pazifik haben sehr stark abgenommen, in den letzten zehn Jahren etwa 70 bis 80 Prozent. Der Status der Populationen im Atlantik ist unklar. Eine primäre Bedrohung dieser Art ist der kommerzielle Fischfang, da die Lederschildkröten versehentlich in die Schleppnetze geraten, sich nicht befreien können und dann ertrinken. Ein weiteres bedeutendes Problem ist das Ernten der Eier. Ferner fressen die Lederschildkröten Plastiktüten, die sie irrtümlich für Quallen halten. Diese Plastiktüten sind unverdaulich, sie blockieren den Verdauungstrakt und die Tiere sterben qualvoll. Um das Stehlen der Eier zu verhindern, wurden einige Küstenabschnitte zum Naturschutzgebiet erklärt. Im Juli 2004 wurde mit der "Marine Turtle Conservation Act" in den Vereinigten Staaten ein Gesetz unterzeichnet. Der Zweck dieses Gesetzes war es, bei der Erhaltung der Meeresschildkröten, einschließlich der Lederschildkröten, behilflich zu sein sowie die Erhaltung der Lebensräume zu unterstützen.

Obwohl das Fleisch einer adulten Lederschildkröte manchmal giftig ist, werden adulte Tiere und die Eier in einigen Orten als Lebensmittel eingesetzt und an einigen Stellen wird aus dem Körper der adulten Tiere auch Öl für medizinische Zwecke extrahiert und als Imprägniermittel verwendet. Die Lederschildkröte vertilgt in riesigen Mengen Quallen, die für Schwimmer, Fischer und vor allem für die Fischzucht als Schädlinge betrachtet werden. Eine Studie hat ergeben, dass adulte Lederschildkröten etwa 1.000 Kilogramm Quallen pro Jahr verzehren können und frühere Studien ergaben sogar 2.900 bis 3.650 Kilogramm Quallen pro Jahr.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Fritz J. Obst: Die Welt der Schildkröten. Müller Rüschlikon, Auflage 2, (1988). ISBN 3275008552
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag
  • Tiere. Herausgegeben von David Burnie. Titel der englischen Originalausgabe: Animal. Dorling Kindersley Limited, London 2001. Ein Unternehmen der Penguin-Gruppe. Deutschsprachige Ausgabe by Dorling Kindersley. Verlag GmbH, München, 2001. ISBN 3-8310-0202-9

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