Leierhirsch

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Leierhirsch

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Gattung: Edelhirsche (Cervus)
Art: Leierhirsch
Wissenschaftlicher Name
Cervus eldii
oder Rucervus eldii
McClelland, 1842

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Leierhirsch (Cervus eldii; alternativ: Rucervus eldii) zählt innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung der Edelhirsche (Cervus). Der Leierhirsch wird gelegentlich auch in der Gattung Rucervus unter dem Synonym Rucervus eldii geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Leierhirsch erreicht eine Körperlänge von 150 bis 175 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 115 bis 125 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 20 bis 30 Zentimeter sowie ein Gewicht von 80 bis 150 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das Fell ist graubraun bis rotbraun gefärbt. Die Kehle, der obere Teil des Halses, das Innere der Ohren, die Bauchseite und teilweise die Innenseite der Extremitäten sind weißlich gefärbt. Die großen trichterartigen Ohren sitzen weit hinten am Kopf. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal neben der Größe sind die Geweihe der Männchen. Jede Seite des Geweihes endet in zwei Enden. Ein Teil des Geweihes verläuft im großen Bogen nach hinten, der vordere, kleinere Teil verläuft in einem Bogen nach vorne. Die Geweihe werden nach der Brunftzeit abgeworfen und wachsen jedes Jahr nach. Weibchen verfügen über keine Geweihe.

Lebensweise

Leierhirsche leben überwiegend einzelgängerisch und sind vorzugsweise in der Dämmerung oder in der Nacht aktiv. Lediglich Weibchen und deren Nachwuchs leben in kleinen Gruppen. Die Gruppen umfassen in der Regel um die zehn, selten auch bis 20 Tiere. Nur selten bilden sich größere Gruppen. Dies dient in erster Linie zum Schutz vor Raubtieren. Die einzelgängerisch lebenden Männchen treffen nur während der Paarungszeit auf Herden mit Weibchen. Während der Paarungszeit kommt es unter den Hirschen zu rivalisierenden Kämpfen, in denen um das Paarungsrecht mit den Weibchen einer Herde gefochten wird. Leierhirsche wandern nur wenig. Nur bei der Nahrungssuche und während der Paarungszeit kommt es zu kleineren Wanderungen. Die Reviere umfassen meist eine Größe von fünf bis fünfzehn Quadratkilometer. Markiert wird ein Revier durch Sekrete aus Geruchsdrüsen, die sich insbesondere an den Extremitäten befinden. Aber auch Urin dient durchaus der Reviermarkierung.

Unterarten

Trivialname Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Manipur-Leierhirsch Cervus eldii eldii M'Clelland, 1869 CR Indien
Thailand-Leierhirsch Cervus eldii siamensis Lydekker, 1915 EN / DD Kambotscha, Indien, Laos, Myanmar,
Thailand, Vietnam
Myanmar-Leierhirsch Cervus eldii thamin Thomas, 1918 LR Myanmar, Thailand

Verbreitung

Der Leierhirsch ist mit seinen drei Unterarten auf dem indischen Subkontinenten sowie in Teilen Südostasiens verbreitet. Er ist insbesondere in Indien, Kambotscha, Indien, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam anzutreffen. Leierhirsche leben vorzugsweise in tropischen und subtropischen Sekundärwäldern, deren Ränder, in bewaldeten Flusstälern und Auenwäldern. Auch saisonal überflutete Sumpfgebiete gehören durchaus zu ihrem Lebensraum. In der Nähe des Menschen trifft man sie nicht selten auch auf landwirtschaftlichen Flächen an. Hier sind sie allerdings keine willkommenen Gäste, da insbesondere Getreidefelder heimgesucht und teilweise verwüstet werden.

Gefährdung, Schutz

Myanmar-Leierhirsch (Cervus eldii thamin)
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Myanmar-Leierhirsch (Cervus eldii thamin)

Der Leierhirsch gehört heute zu den gefährdeten Hirschen (Cervidae). Die Art an sich wird in der Roten Liste der IUCN als gefährdet (VU, vulnerable) geführt. Jedoch zeigen die Unterarten einen unterschiedlichen Gefährdungsgrad. Der Myanmar-Leierhirsch (Cervus eldii thamin) gilt als nur gering gefährdet (Least concern). Der Thailand-Leierhirsch (Cervus eldii siamensis) ist mittlerweile stark gefährdet (Endangered). Am schlechtesten steht es um die Nominalform, dem Manipur-Leierhirschen (Cervus eldii eldii), er gilt als kritisch gefährdet (CR, Critically nndangered). Der Leierhirsch wird auch heute noch sehr stark bejagt. Zum einen dient das Fleisch der Versorgung der Bevölkerung, zum anderen landen Teile des Leierhirsches in der traditionellen Chinesischen Medizin. Wilderer (Jäger) stellen den Tieren wegen der Trophäe nach. Aber auch die weitflächige Vernichtung der natürlichen Lebensräume hat zu dem starken Rückgang der Populationen beigetragen. Das Überleben dieser Unterart ist auch gefährdet, weil keine genetische Vielfalt mehr besteht. Mittlerweile hat man in Indien und Thailand mit Zuchtprogrammen begonnen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt den Leierhirsch in Anhang I unter weltweitem Schutz.

Prädatoren

In den natürlichen Verbreitungsgebieten zählen je nach Unterart und Vorkommen insbesondere Tiger (Panthera tigris) und Leoparden (Panthera pardus) zu den natürlichen Hauptfeinden. Rothunde (Cuon alpinus) und Goldschakale (Canis aureus) reißen hin und wieder Kälber. Zum Schutz vor Fressfeinden finden sich Leierhirsche gelegentlich zu größeren Gruppen zusammen. Der Hauptfeind ist und bleibt aber der Homo sapiens.

Ernährung

Auf Nahrungssuche gehen Leierhirsche vor allem nachts, in der Zeit zwischen der Abend- und Morgendämmerung. Leierhirsche leben rein vegetarisch und ernähren sich von Gräsern und Kräutern, jungen Trieben, Laub, Beeren, Waldfrüchten und Wurzeln. Im Winter kann es auch vorkommen, dass sie die Rinde von vereinzelten Laubbäumen schälen. In der Nähe des Menschen lassen sich Leierhirsche auch Getreide und Reis schmecken. Saisonal kann es bei der Nahrungssuche zu Wanderungen kommen.

Fortpflanzung

Der Leierhirsch erreicht die Geschlechtsreife mit gut zwei Jahren. Männchen kommen zumeist erst sehr viel später zu ihrer ersten Paarung, da sie als zweijährige nicht in den rivalisierenden Kämpfen bestehen könnten. Das Paarungsrecht mit einer Weibchenherde beanspruchen nur siegreiche Hirsche. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da sich ein Hirsch mit allen Weibchen einer Herde paart. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten von Januar bis Mai. Nach der Brunftzeit werfen die Hirsche ihre Geweihe ab. Sie wachsen im Laufe eines Jahres wieder nach. Nach einer Tragezeit von 250 bis 270 Tagen bringt ein Weibchen an einer geschützten Stelle ein, selten zwei Jungtiere zur Welt. Die meisten Jungtiere werden zwischen Oktober und November geboren. Die Jungtiere weisen ein Gewicht von knapp fünf bis sechs Kilogramm auf. Bereits kurz nach der Geburt können die Jungtiere stehen und der Mutter folgen. Die Säugezeit erstreckt sich über gut fünf bis sechs Monate. Die weiblichen Jungtiere bleiben zumeist in ihrer Geburtsgruppe, die Männchen verlassen die Gruppe mit Erreichen der Geschlechtsreife. Die Lebenserwartung in Freiheit beträgt etwa zehn bis vierzehn Jahren. In Gefangenschaft ist auch ein Alter von über 18 Jahren möglich.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Hirsche (Cervidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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