Lichtenstein-Antilope

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Lichtenstein-Antilope

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia
Familie: Hornträger (Bovidae)
Gattung: Sigmoceros
Art: Lichtenstein-Antilope
Wissenschaftlicher Name
Sigmoceros lichtensteinii
Peters, 1849

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Lichtenstein-Antilope (Sigmoceros lichtensteinii) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Sigmoceros. Ursprünglich war die Lichtenstein-Antilope der Gattung Alcelaphus zugeordnet. Aufgrund morphologischer und genenitscher Unterschiede wurde die Art in eine eigene Gattung ausgelagert (Wilson & Reeder, 1993). Im Englischen lautet der Name dieser Antilope Lichtenstein's Hartebeest. Die Art wurde zu Ehren von Martin Lichtenstein benannt. Lichtenstein war ein deutscher Physiker, Forscher und Zoologe.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Lichtenstein-Antilope erreicht eine Körperlänge von 165 bis 205 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 125 bis 135 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 40 bis 50 Zentimeter sowie ein Gewicht von 120 bis 190 Kilogramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Das dichte Fell, dessen Länge im Mittel 20 bis 25 Millimeter beträgt, weist eine sandfarbene bis hellbraune Färbung auf. Am Hinterteil zeigt sich ein hellgefärbter Bereich, der Schwanz ist am Ansatz weiß und setzt sich ansonsten dunkelbraun ab. Die Schultern liegen aufgrund des erhöhten Widerristes etwas höher als die Rückenlinie. Der Kopf ist ausgesprochen lang gezogen, die Augen liegen weit oben am Kopf und geben der Lichtenstein-Antilope ein eigenartiges Aussehen. Die Ohren sind lang und trichterförmig, sie sitzen unmittelbar unterhalb der Hörner seitlich am Kopf. Die Innenseite der Ohren ist mit weißem Fell versehen. Die Beine sind lang und für hohe Laufgeschwindigkeiten ausgelegt. Beide Geschlechter verfügen über Hörner, die eine schwarze Färbung aufweisen. Sie sind gefurcht und am Ende stark nach hinten gebogen. Die Hörner können je nach Geschlecht und Unterart eine Länge von 45 bis 60 Zentimeter erreichen. Die Hörner verlaufen zunächst seitwärts, dann nach oben und knicken dann scharf nach hinten hin weg.

Lebensweise

Lichtenstein-Antilopen leben in geselligen Familienherden, die aus einem dominanten Männchen sowie mehreren Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Eine Herde besteht in der Regel aus 5 bis 15 Individuen. In einer Herde herrscht eine Hierarchie, die von dem Männchen angeführt wird. Es ist als wahrscheinlich anzunehmen, dass auch unter den Weibchen eine Rangfolge herrscht. Geschlechtsreife Männchen leben in kleinen Junggesellenherden. Lichtenstein-Antilopen wandern meist nur wenig umher. Allenfalls während der Trockenzeit kommt es zu kleineren Wanderungen. Die Tiere sind tagaktiv und ruhen während der Nacht. Die Hauptaktivität wird dabei in den frühen Morgen- und Abendstunden entfaltet. Dies gilt vor allem für die Nahrungsaufnahme. Während der Mittagszeit ruhen die Tiere in der Regel in schattigen Bereichen. Eine Herde beansprucht ein Streifrevier in einer Größe von ein bis zwei km². Das Männchen kümmert sich dabei um die Verteidigung des Reviers. Lichtenstein-Antilopen sind wachsame Antilopen, die bei der geringsten Gefahr die Flucht ergreifen. Über kurze Strecken können die Tiere durchaus Geschwindigkeiten von 70 km/h erreichen. Der Sehsinn ist hoch entwickelt und dient vor allem der Lokalisierung von Fleischfressern. Der Geruchssinn ist hingegen nur mäßig ausgeprägt.

Verbreitung

Lichtenstein-Antilopen kamen ursprünglich in weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara vor. Das heutige Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das östliche Angola, Sambia, Malawi, über südliche Regionen der Demokratischen Republik Kongo (einst Zaire), über Tansania und Mosambik. Eine kleine Population ist auch in Sambia anzutreffen. In Angola und Mosambik handelt es sich nur noch um Restpopulationen. In Südafrika lebt eine ausgewilderte Population im Kruger-Nationalpark. Die Lichtenstein-Antilope bewohnt die weiten Baum- und Strauchsavannen und ist auch auf immergrünen Weideflächen und an Waldrändern anzutreffen. Aber auch Feuchtgebiete wie Sümpfe werden durchaus häufig besiedelt.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern gehören insbesondere Löwen (Panthera leo), Leoparden (Panthera pardus), Geparden (Acinonyx jubatus), Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) und Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus). Geparden haben es in der Regel auf Jungtiere und subadulte Tiere abgesehen. Der Schwund in den Populationen durch Fressfeinde ist allerdings zu vernachlässigen. Weit schlimmer wiegt die Intervention durch den Menschen, insbesondere durch die hemmungslose Bejagung.

Ernährung

Die Lichtenstein-Antilope ernährt sich fast ausschließlich von Gräsern und Kräutern. Nur gelegentlich werden auch Blätter von Bäumen und Büschen sowie Sämereien, Hülsenfrüchte und Waldfrüchte gefressen. Während der Trockenzeit unternehmen Lichtenstein-Antilopen zum Teil weite Wanderungen auf der Suche nach Nahrungsgründen. Auf Nahrungssuche geht die Lichtenstein-Antilope zumeist am Tage, vorzugsweise in den frühen Morgen- und Abendstunden.

Fortpflanzung

Die Lichtenstein-Antilope erreicht die Geschlechtsreife mit gut einem Jahr. Ausgewachsen sind sie allerdings erst mit rund vier Jahren. Männchen kommen daher frühestens im vierten oder fünften Lebensjahr zu ihrer ersten Paarung. Die Paarungszeit beginnt je nach Verbreitungsgebiet zu unterschiedlichen Zeiten, erstreckt sich hauptsächlich von Dezember bis Februar. Die meisten Geburten fallen in den Sommer von Juli bis September. Dies entspricht in den meisten Verbreitungsgebieten der Regenzeit. Zu dieser Zeit ist Nahrung reichlich vorhanden.

Die Weibchen leben mit ihrem Nachwuchs in Herden. Die Männchen stoßen nur während der Paarungszeit zu den Weibchenherden. Dabei kommt es unter rivalisierenden Männchen in der Regel zu heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen einer Herde. Die Paarungsbereitschaft der Weibchen ermittelt das Männchen über den Geruchssinn. Die Weibchen geben während ihrer Empfängnisbereitschaft über Drüsen im Analbereich Pheromone ab, die von den Männchen erkannt werden. Nach einer Tragezeit von 235 bis 245 Tagen bringt das Weibchen an geschützter Stelle zumeist ein Jungtier zur Welt. Zu Zwillingsgeburten kommt es dabei nur selten. Die Säugezeit erstreckt sich für gewöhnlich über acht bis zehn Monate. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen die Männchen die Herde der Weibchen. Weibliche Jungtiere verbleiben zumeist in ihrer Geburtsherde. Die Lebenserwartung der Lichtenstein-Antilope liegt unter güsntogen Umständen bei etwa 20 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die starke Bejagung durch den Menschen, insbesondere durch Trophäenjäger und Wilderer, sowie die Vernichtung der natürlichen Lebensräume sind Hauptgründe für die Gefährdung der Lichtenstein-Antilopen. Aber auch die Nahrungskonkurrenz zum Nutzvieh der Menschen stellt ein großes Problem dar. Die Lichtenstein-Antilopen werden so immer weiter zurückgedrängt und ihrer Nahrungsgründe beraubt. Ein halbwegs sicheres Auskommen finden Lichtenstein-Antilopen heute nur noch in den großen Nationalparks.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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