Lophostoma silvicolum

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Lophostoma silvicolum

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Lanzennasen (Phyllostominae)
Gattung: Lophostoma
Art: Lophostoma silvicolum
Wissenschaftlicher Name
Lophostoma silvicolum
d'Orbigny, 1836

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Lophostoma silvicolum zählt innerhalb der Familie der Blattnasen (Phyllostomidae) zur Gattung Lophostoma. Dieser Gattung werden 5 Arten zugerechnet. Im Englischen wird die Art White-throated Round-eared Bat genannt. Es sind 4 Unterarten bekannt (Smith, 2008; Wilson & Reeder,2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Lophostoma silvicolum ist eine eher kleine bis mittelgroße Blattnase mit langen spitzen Ohren und einem gut entwickelten hufeisenartigen Nasenblatt. Das Nasenblatt umschließt die Nasenlöcher vollständig. Der Schwanz ist eher kurz. Die Arten der Gattung Lophostoma ähneln sich im Wesentlichen alle. Am leichtesten lassen sich die Arten aufgrund der Gesichtsmorphologie, insbesondere der Schnauze unterscheiden. Von Lophostoma brasiliense kann Lophostoma silvicolum aufgrund der Größe unterschieden werden. Lophostoma silvicolum ist deutlich größer, schwerer und hat längere Unterarme. Auch der weiße Kehlfleck unterscheidet die Art von Lophostoma brasiliense und der sagittale Kamm ist besser entwickelt (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Lophostoma silvicolum ist innerhalb der Gattung eine relativ große Art. Die Ohren sind lang und abgerundet, der Schwanz ist kurz. Das lange und dichte Fell weist eine hellgraue bis rötlichbraune oder fast schwärzliche Färbung auf. Die Fellfärbung variiert lokal zum Teil stark. Im Kehlbereich zeigen sich helle bis weißliche Flecken. Die Schwingen sind spärlich dünn behaart. Die Augen sind klein, das Nasenblatt ist relativ kurz, jedoch gut entwickelt. Die Unterarme sind nahezu nackt, das Uropatagium ist länger als die Beine. Der Schwanz erreicht die hälfte der Länge des Uropatagiums. Die an den Spitzen gerundeten Flügel und das Uropatagium sind schwärzlich gefärbt (Smith, 2008). Zwischen den Geschlechtern zeigt sich ein leichter Dimorphismus. Auch zwischen den Unterarten zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 94,5 vus 101,2 (97,9) mm, eine Schwanzlänge von 15,7 bis 19,7 (17,7) mm, eine Hinterfußlänge von 14,1 bis 15,1 (14,6) mm, eine Ohrlänge von 28,6 bis 30,8 (29,7) mm, eine Traguslänge von 10,3 bis 13,1 (11,7) mm, eine Länge des Calcar von 17,2 bis 19,9 (18,5) mm, eine Schädellänge von 25,9 bis 26,3 (26,1) mm, eine Condylobasallänge von 22,5 bis 22,7 (22,6) mm, eine Jochbeinbreite von 13,1 bis 13,5 (13,3) mm, eine Hirnschädelbreite von 10,8 bis 11,2 (11,0) mm, eine Rostrumlänge von 5,8 bis 6,2 (6,0) mm, eine Unterkieferlänge von 17,8 bis 18,4 (18,1) mm sowie ein Gewicht von 31,5 bis 32,3 (31,9) g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 94,5 vus 100,7 (97,6) mm, eine Schwanzlänge von 15,2 bis 20,2 (17,7) mm, eine Hinterfußlänge von 13,9 bis 15,5 (14,7) mm, eine Ohrlänge von 28,0 bis 29,6 (28,8) mm, eine Traguslänge von 11,1 bis 12,7 (11,9) mm, eine Länge des Calcar von 17,0 bis 18,6 (17,8) mm, eine Schädellänge von 25,6 bis 26,6 (26,1) mm, eine Condylobasallänge von 22,3 bis 23,1 (22,7) mm, eine Jochbeinbreite von 13,0 bis 13,4 (13,2) mm, eine Hirnschädelbreite von 10,9 bis 11,3 (11,1) mm, eine Rostrumlänge von 5,8 bis 6,1 (5,9) mm, eine Unterkieferlänge von 17,7 bis 18,3 (18,0) mm sowie ein Gewicht von 29,5 bis 30,1 (29,8) g. Der Schädel ist robust gebaut, der Hirnschädel ist gerundet. Der Sagittalkamm beginnt tief im Bereich der Stirn. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c1/1, p2/3, m3/3 (Smith, 2008).

Lebensweise

Lophostoma silvicolum ist nachtaktiv. Die tägliche Aktivitäten wie Nahrungssuche beginnt etwa 1 Stunde nach Sonnenuntergang. Ein nennenswerter Höhepunkt der Aktivität ist nicht zu erkennen. Die Jagdreviere erstrecken sich über 60 bis 135 ha mit einer maximalen Linearbewegung von 0,8- 1,6 km. Je nach Vorkommen kann es zwischen Lophostoma silvicolum und Tonatia bidens zu einem Wettbewerb um Ressourcen kommen. In der Regel wird der Wettbewerb jedoch durch unterschiedliche Flughöhen vermieden. Die Quartiere liegen an geschützten Stellen wie beispielsweise Termitennester. Die Termiten könnten einen Schutz gegen Parasiten darstellen. Der Befall durch Ektoparasiten ist demnach relativ gering (Smith, 2008).

Unterarten

Verbreitung

Lophostoma silvicolum kommt vom mittelamerikanischen Honduras südlich bis nach Bolivien vor. Im Einzelnen werden Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guyana, Honduras, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Suriname und Venezuela besiedelt. Im Hochland der Anden ist die Art nicht anzutreffen. Lophostoma silvicolum lebt von Seehöhe bis in Höhen von gut 1.500 m über NN. Besiedelt werden im Wesentlichen feuchte, lichte Wälder entlang von Bächen und Flüssen. Seltener sind die Tiere in Trockenwäldern anzutreffen (Smith, 2008).

Biozönose

Seinen Lebensraum teilt sich Lophostoma silvicolum lokal mit Lanzennasen (Phyllostominae) wie Tonatia saurophila. Zu den nachgewiesenen Ekto- und Endoparasiten gehören Milben (Acari, Acarida) wie Periglischrus tonatii und Ornithodoros hasei sowie Fledermausfliegen (Nycteribiidae) wie Basilia constricta, Pseudostrebla ribeiroi, Strebla kohlsi, Trichobius dybasi, Trichobius joblingi, Trichobius parasiticus, Stizostrebla longirostris und Mastoptera minuta (Smith, 2008).

Ernährung

Die Art ernährt sich von Früchten und Insekten (Insecta), wobei Insekten den Hauptteil der Nahrung stellen. Lophostoma silvicolum ist hauptsächlich ein Ansitzjäger, der die Beute typischerweise in der Luft erbeutet. Seltener werden Beutetiere von Laub oder vom Boden aufgelesen. Die Nahrung wird in kleinen Habitaten in einer Größe von 3 bis 12 ha gesucht. Zu den beliebten Beutetieren zählen Laubheuschrecken (Tettigoniidae), Geißelskorpione (Uropygi), Käfer (Coleoptera) und Schmetterlinge (Lepidoptera). Die Grundlage für pflanzliche Nahrung bilden Nektar und Pollen beispielsweise von Hundsgiftgewächsen (Apocynaceae) (Smith, 2008).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich lokal über das ganze Jahr, in den meisten Regionen pflanzen sich die Tiere jedoch saisonal fort. In Amazonien wurden die meisten säugenden Weibchen von März bis Juni gesichtet. Das Paarungssystem ist unklar, jedoch gehen Forscher von einer Haremsbildung aus. Dies zeigt sich auch deutlich beim Geschlechterverhältnis. Männchen weisen dabei eine große Quartiertreue auf. Weibchen bringen in der Regel ein einzelnes Jungtier in ihrer Nisthöhle zur Welt (Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Nach Angaben der IUCN gehört Lophostoma silvicolum heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Aufgrund der geografischen Reichweite und der unspezialisierten Lebensraumansprüche kann von größeren Gefahren nicht ausgegangen werden. In Zukunft könnten jedoch von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume durch Abholzung der Wälder und der Habitatfragmentierung Gefahren ausgehen (IUCN, 2014; Smith, 2008).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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