Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Dornschwanzhörnchenartige (Anomaluromorpha)
Überfamilie: Dornschwanzhörnchenartige (Anomaluroidea)
Familie: Dornschwanzhörnchen (Anomaluridae)
Unterfamilie: Eigentliche Dornschwanzhörnchen (Anomalurinae)
Gattung: Anomalurus
Art: Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen
Wissenschaftlicher Name
Anomalurus derbianus
(Gray, 1842)

IUCN-Status

Das Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen (Anomalurus derbianus) gehört innerhalb der Familie der Dornschwanzhörnchen (Anomaluridae) zur Gattung Anomalurus. Im Englischen wird die Art Derby's Flying Squirrel, Lord Derby's Flying Squirrel oder Lord Derby's Scaly-tailed Squirrel genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen erreichen eine Körperlänge von 27 bis 38 cm und eine Schwanzlänge von 22 bis 28,4 cm. Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind nicht erkennbar. Der Schwanz ist dorsal buschig und endet an der Spitze ebenfalls buschig. Das dichte Fell ist dorsal silbergrau, ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Die Vibrissen sind lang, die Augen und die Backenbeutel sind groß. Sie dienen zum Speichern von Nahrung. Markantes Merkmal aller Dornschwanzhörnchen sind die dornenartigen Schuppen an der Schwanzunterseite, die in 16 bis 18 Reihen verlaufen. Die Flughaut sitzt auf einem knorpeligen Stab, der an einer verbreiterten Elle anliegt. Sie erstreckt sich zwischen den Vorderbeinen und den Hinterbeinen. Die Gleitmenbran ist dorsal dicht behaart (Nowak, 1999).

Lebensweise

Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen leben überwiegend in Bäumen und kommen eher selten bis auf den Waldboden. Die Tiere sind nachtaktiv und leben einzelgängerisch, nur gelegentlich sind die Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen paarweise oder in kleinen Gruppen anzutreffen. Am Tage ruhen die Tiere in Baumhöhlen, größeren Astlöchern oder Nester an ähnlich geschützter Stelle. Die Nester sind mit weichen Pflanzenteilen gepolstert. Beim Wechsel eines Baumes springen Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen in die Luft und können mit Hilfe der ausgebreiteten Membran beachtliche Strecken zurücklegen. Gleitflüge von bis zu 100 Metern sind dabei keine Seltenheit. Mit kräftigen Krallen halten sich die Tiere an Baumstämmen oder Ästen fest (Novak, 1999).

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist südlich der Sahara in weiten Teilen des westlichen, zentralen und östlichen Afrika verbreitet. Die Vorkommen erstrecken sich im Westen von Sierra Leone, über den Kongo östlich bis nach Uganda und ins westliche Kenia. Im einzelnen ist das Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen in Angola, Kamerun, in der Zentralafrikanischen Republik, im Kongo, in der Elfenbeinküste, in Äquatorialguinea, Gabun, Ghana, Kenia, Liberia, Malawi, Mosambik, Nigeria, Sierra Leone, Tansania, Togo, Uganda und Zambia nachgewiesen. In Höhenlagen treten Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen bis in Höhen von gut 2.400 m über NN auf. Besiedelt werden meist dichte Wälder (IUCN, 2013).

Ernährung

Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen sind reine Pflanzenfresser. Typischerweise ernähren sich die Hörnchen von Blättern, Rinde, jungen Trieben, Früchten, Sämereien und anderen Pflanzenteilen. Zu einem kleinen Teil werden auch Insekten (Insecta) gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt in der Dämmerung oder in der Nacht überwiegend in Bäumen, seltener auch auf dem Waldboden. Der Bedarf an Trinkwasser wird hauptsächlich über die Nahrung gedeckt (Novak, 1999).

Fortpflanzung

Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen pflanzen sich in einer monogamen Bindung in den meisten Regionen gegen Ende der Regenzeit fort. Eine einheitliche Paarungszeit ist nicht erkennbar. Dies ist insbesondere in den östlichen Verbreitungsgebieten der Fall. Die Tragezeit ist nicht bekannt, ein Wurf besteht für gewöhnlich aus 1 bis 3 (2) Jungtieren. Zum Säugen des Nachwuchses verfügen Weibchen über ein Paar Zitzen. Der Nachwuchs ist bei der Geburt bereits weit entwickelt, insbesondere das Fell ist vollständig vorhanden. Schon kurz nach der Geburt öffnen die Jungen ihre Augen. Aufgrund der monogamen Lebensweise kümmern sich Weibchen und Männchen um den Nachwuchs. Die Jungen gelten als Nesthocker, verlassen demnach das Nest erst gegen Ende der Säugezeit. Die Lebenserwartung ist nicht bekannt (Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen listet die Art in Anhang III des Abkommens. Größere Bedrohungen sind nicht bekannt. In einigen Regionen kann die Abholzung der Wälder und die Bejagung für die traditionelle Medizin zu Problemen führen (IUCN, 2012).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005 ist das Lord-Derby-Dornschwanzhörnchen unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind Anomalurus beldeni Du Chaillu, 1860, Anomalurus chrysophaenus Dubois, 1888, Anomalurus cinereus Thomas, 1895, Anomalurus erythronotus Milne-Edwards, 1879, Anomalurus fortior Lönnberg, 1917, Anomalurus fraseri (Waterhouse, 1843), Anomalurus griselda Dollman, 1914, Anomalurus imperator Dollman, 1911, Anomalurus jacksoni de Winton, 1898, Anomalurus jordani St. Leger, 1935, Anomalurus laticeps d’Aquilar-Amat, 1922, Anomalurus neavei Dollman, 1909, Anomalurus nigrensis Thomas, 1904, Anomalurus orientalis Peters, 1880, Anomalurus perustus Thomas, 1914 und Anomalurus squamicaudus (Schinz, 1845).

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge