Hirschkäfer

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Hirschkäfer
Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Schröter (Lucanidae)
Gattung: Lucanus
Art: Hirschkäfer
Wissenschaftlicher Name
Lucanus cervus
(Linnaeus, 1758)

Der Hirschkäfer (Lucanus cervus), auch unter den Bezeichnungen Hornschröter, Feuerschröter oder Donnergugi bekannt, zählt innerhalb der Familie der Schröter (Lucanidae) zur Gattung Lucanus. Im Englischen wird der Hirschkäfer european stag beetle genannt.

Das Julius-Kühn-Institut (JKI) wählte am 03.11.2011 in Kooperation mit dem NABU den Hirschkäfer zum Insekt des Jahres 2012.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Von über 6.000 in Deutschland vorkommenden Käferarten ist der Hirschkäfer mit 25,0 bis 75,0 Millimeter Körperlänge der größte Käfer. Auch europaweit gilt er als die größte Art. Weibchen bleiben insgesamt etwas kleiner als Männchen. Der mächtige Nacken- sowie der Halsschild sind schwarz gefärbt. Die Flügeldecken weisen eine braune bis kastanienbraune Färbung auf. Die Fühler sind blattartig aufgefächert. Neben der Größe gibt es noch einen weiteren deutlichen Geschlechtsdimorphismus; das Männchen verfügt über stark vergrößerte Mandibeln, die zum sogenannten Geweih ausgebildet sind, welches sich aus seinem Oberkiefer entwickelt hat. Weibchen verfügen nicht über ein solches Geweih, sie haben normalgroße Mandibeln.

Lebensweise

Aufgrund ihrer Größe könnte man meinen, das es sich bei dem Hirschkäfer um einen rein terrestrischen Käfer handelt. Er kann aber trotz seiner imposanten Größe fliegen. Er ist allerdings ein träger, ja fast schlechter Flieger, der einen Aktionsradius von rund fünf bis zehn Kilometer aufweist. Meist ist er allerdings recht standorttreu und hegt nur mäßige Ausbreitungstendenzen. Der Hirschkäfer gehört zu den dämmerungs- und nachtaktiven Käferarten. Seine Flugzeit beschränkt sich auf die Monate von Mai bis Ausgust. Insbesondere durch die massive Flurbereinigung ist der Hirschkäfer in Deutschland selten geworden.
Hirschkäfer - Weibchen
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Hirschkäfer - Weibchen
Hirschkäfer - Weibchen
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Hirschkäfer - Weibchen
Da die meisten Wälder mittlerweile forstwirtschaftlich genutzt werden und das Totholz aus dem Wald geschafft wird, ist der Lebensraum immer kleiner geworden. Aufgrund der Bundesartenschutzverordnung steht der Hirschkäfer seit langem unter Naturschutz.

Unterarten

  • Lucanus cervus cervus – West-Europa, Zentral-Europa, Ost-Europa West
  • Lucanus cervus akbesianus – Syrien, Türkei
  • Lucanus cervus judaicus – Syrien-Türkei
  • Lucanus cervus turcicus – Bulgarien, Griechenland, Türkei

Verbreitung

Der Hirschkäfer ist in weiten Teilen Europas beheimatet. Er ist insbesondere in Mittel-, Süd- und Osteuropa zu Hause. Er bewohnt meist reine Eichenwälder mit reichlich Unter- und Totholz, seltener auch Mischwald. Sogenannte Saftstellen dienen dem Hirschkäfer als Nahrungsquelle.

Ernährung

Adulte Hirschkäfer ernähren sich von Baumsäften, vorzugsweise der Eiche (Quercus). Sie nehmen den Baumsaft aus Wunden in der Rinde auf. Die Larven leben von vermodertem Totholz der Eiche. Das Totholz ist meist von Pilzen befallen, so dass selbst Holz einen Nährwert aufweist.

Fortpflanzung

Hirschkäfer erreichen die Geschlechtsreife mit Beendigung des Puppenstadiums. Die Paarungszeit erstreckt sich über die Monate Juni bis August. Während der Balz kommt es zwischen den Männchen regelmäßig zu Kommentkämpfen, bei denen keiner der Männchen wirklich zu Schaden kommt und bei denen sie ihr prächtiges Geweih einsetzen und damit versuchen den Widersacher auf den Rücken zu werfen. Der Gewinner hat das Recht auf die Paarung mit dem Weibchen. Das Weibchen legt meist 12 Eier tief in die Rinde toter Eichenbäume. Die Anzahl kann im Einzelfall auch 15 Eier übersteigen. Die Eier werden an verschiedenen Stellen abgelegt. Aus den Eiern schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen die Larven. Sie leben meist vier bis fünf, selten auch bis acht Jahre im modernden Holz und gedeihen dort prächtig. Ihre Endlänge kann bis zu 10,0 Zentimeter betragen, wobei die Endlänge der Larven sowie die Körperlänge der erwachsenen Käfer umweltbedingt sehr stark schwanken kann. Zur Verpuppung, dem letzten Entwicklungsstadium, verlassen die Larven den toten Baum und graben sich in den Waldboden ein. Hier kommt es zur Verpuppung. Die meisten Käfer schlüpfen bereits im Herbst, bleiben dann aber bis zum nächsten Frühjahr im Boden und überwintern dort. Der fertige Käfer hat etwa eine Lebensdauer von sechs bis acht Wochen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Kosmos-Naturführer: Welches Insekt ist das?, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-09874-5
  • Dr. Franz Bachmaier, Dr. Wolfgang Dierl, Dr. Eberhard Ernst, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Hubert Markl, Dr. Werner Rathmayer, Prof. Dr. Peter Rietschel, Prof. Dr. Friedrich Schaller, Dr. Richard Zur Strassen, Dr. Heinz Wundt, Dr. Dr. Fritz Zumpt: Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs. Insekten. Zweiter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
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