Münstersches Meerschweinchen

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Münstersches Meerschweinchen

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Überfamilie: Meerschweinchenartige (Cavioidea)
Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
Unterfamilie: Eigentliche Meerschweinchen (Caviinae)
Gattung: Wieselmeerschweinchen (Galea)
Art: Münstersches Meerschweinchen
Wissenschaftlicher Name
Galea monasteriensis
Solmsdorff, Kock, Hohoff & Sachser, 2004

Verbreitungsgebiet

Das Münstersche Meerschweinchen (Galea monasteriensis), auch Hellbraunes Wieselmeerschweinchen genannt, zählt innerhalb der Familie der Meerschweinchen (Caviidae) zur Gattung der Wieselmeerschweinchen (Galea). Erst im Jahre 2004 wurde dem Münsterschen Meerschweinchen der Artstatus zuerkannt. Die Forschungen an dieser Art wurden an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt durchgeführt. Die Art unterscheidet sich insbesondere im Knochenbau und im Paarungsverhalten von den anderen Arten ihrer Gattung.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Münstersche Meerschweinchen erreicht eine Körperlänge von 20 bis 22 Zentimeter sowie ein Gewicht von 330 bis 360 Gramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Insgesamt ist die Art kleiner und deutlich schlanker gebaut als ein klassisches Hausmeerschweinchen. Das Fell ist überwiegend gräulich bis rötlichgrau gefärbt. Ventral ist das Fell heller, fast weißlich gefärbt. Um die Augen ist das Fell weißlich. Zum nah verwandten Grauen Wieselmeerschweinchen (Galea musteloides) zeigen sich bei genauerer Betrachtung zum Teil erhebliche Unterschiede. Das Männchen des Münsterschen Meerschweinchens verfügt über ein kleineres Skrotum (Hodensack) und leichtere Hoden. Auch die schmalere Kopfform und die kürzeren Hinterfüße bilden ein gut sichtbares Unterscheidungsmerkmal. Im Forschungsinstitut Senckenberg wurde festgestellt, dass ein Münstersches Meerschweinchen über kurze Gehörkapseln, eine breitere Schädelbasis und einen schmaleren Hirnschädel verfügt.

Das Münstersche Meerschweinchen lebt in monogamen Familiengruppen. Gegenüber Artgenossen verhalten sich die Tiere, insbesondere die Männchen, ausgesprochen aggressiv. Münstersche Meerschweinchen sind dämmerungs- und tagaktiv und verbringen die Nacht in ihren Bauten. Bei einer schnelleren Gangart scheinen die Tiere leicht zu hüpfen. Zudem sind sie gewandte Kletterer. Erhöhte Aussichtspunkte werden immer gerne aufgesucht, um die nähere Umgebung in Augenschein zu nehmen.

Verbreitung

Die ersten Exemplare des Münsterschen Meerschweinchens wurden in der Provinz Cochabamba in Brasilien gefunden. Die genaue Ausdehnung des Verbreitungsgebietes ist jedoch noch nicht abschließend bekannt. Die Provinz Cochabamba erstreckt sich über Höhenlagen von 2.500 bis 4.000 Meter über NN. Grasland und grasige und felsige Hänge in den Höhenlagen bilden den natürlichen Lebensraum des Münsterschen Meerschweinchens.

Gefährdung, Schutz

Der der Artstatus erst vor kurzem zuerkannt wurde und die Forschungen teilweise noch nicht abgeschlossen sind, kann abschließend noch nichts zu den Bestandszahlen der Tiere gesagt werden. Es ist aber davon auszugehen, dass das Münstersche Meerschweinchen in seiner Art, ähnlich wie bei den anderen drei Arten seiner Gattung, noch nicht bedroht ist.

Ernährung

Das Münstersche Meerschweinchen ernährt sich rein vegetarisch von Gräsern und Kräutern. Gelegentlich werden auch Sämereien gefressen. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere in der Regel in der Dämmerung.

Fortpflanzung

Die Geschlechter des Münsterschen Meerschweinchens erreichen die Geschlechtsreife zu unterschiedlichen Zeit. Weibchen sind bereits im Alter von gut einem Monat geschlechtsreif. Männchen benötigen für die Erlangung der Geschlechtsreife rund zwei bis drei Monate. Anders als andere Arten aus der Familie der Meerschweinchen (Caviidae) leben Münstersche Meerschweinchen in einer monogamen Beziehung, die in der Regel ein Leben lang hält. Zudem lässt sich eine abweichende Kopulationshaltung gegenüber anderen Arten der Gattung Wieselmeerschweinchen feststellen. Dies dürfte an der unterschiedlichen Form der Geschlechtsorgane, insbesondere des Männchens, liegen. Nach einer Tragezeit von gut 55 Tagen bringt ein Weibchen im Schnitt zwei bis fünf Jungtiere zur Welt. Je nach Wurfgröße weist der Nachwuchs ein Gewicht von 30 bis 50 Gramm auf. Die Säugezeit erstreckt sich lediglich über einen Zeitraum von drei Wochen. Kurze Zeit später wird die Selbständigkeit erreicht. Bei der Aufzucht des Nachwuchses ist auch der Vater involviert. Es ist zu beobachten, dass er insbesondere mit den Jungen spielt. Die Lebenserwartung im Freiland ist nicht bekannt, in Gefangenschaft liegt sie bei vier bis fünf Jahren.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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