Madeira-Sturmvogel

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Madeira-Sturmvogel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Sturmvögel (Procellariidae)
Gattung: Hakensturmtaucher (Pterodroma)
Art: Madeira-Sturmvogel
Wissenschaftlicher Name
Pterodroma madeira
Mathews, 1934

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Madeira-Sturmvogel (Pterodroma madeira) zählt innerhalb der Familie der Sturmvögel (Procellariidae) zur Gattung der Hakensturmtaucher (Pterodroma). Im Englischen wird der Madeira-Sturmvogel zino's petrel, freira oder madeira petrel genannt. Dieses Taxon wird von einigen Autoren als Subspezies von Pterodroma mollis im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der lang geflügelte Madeira-Sturmvogel erreicht eine Körperlänge von etwa 32,0 bis 34,0 Zentimeter mit einer Spannweite von etwa 80,0 bis 86,0 Zentimeter. Das durchschnittliche Gewicht beträgt etwa 290,0 Gramm. Der Madeira-Sturmvogel weist einen grauen Rücken, graue Flügel mit einem dunklen W-Muster und graue Oberschwanzdecken. Die Flügelspitzen erscheinen abgerundet. Die Flügelunterseiten sind schwärzlich gefärbt abgesehen von einem weißen Dreieck an der Vorderkante nahe des Körpers. Der Bauch ist weiß getönt und die Flanken weisen eine graue Tönung auf. Der Kopf hat eine fleckige weißlich-braune Stirn, eine dunkle Kappe und einen dunklen Fleck unter und hinter den braun gefärbten Augen. Der kleine, zarte, oft recht lang und schlank wirkende Schnabel ist von einer schwarzen Färbung und die Beine sind fleisch- bis rosafarben geschönt. Die Zehen und die Schwimmhaut weisen eine schwarzbraune Tönung auf. Der Flug ähnelt sehr dem Großen Sturmtaucher (Puffinus gravis). Er ist kräftig und schnell und bei starkem Wind fliegt der Madeira-Sturmvogel mit abgewinkelten Flügeln. Auf dem Brutplatz hört man den Madeira-Sturmvogel wie einen Waldkauz rufen und viel seltener klingt der Ruf wie das Wimmern eines Welpen. Auf dem Meer hört man den Madeira-Sturmvogel überhaupt nicht. Die Brutrufe klingen sehr ähnlich wie die Rufe des Kapverden-Sturmvogel (Pterodroma feae).

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN brütet der Madeira-Sturmvogel in Höhlen auf gut bewachsenen Felsvorsprüngen in einer Höhe von etwa 1.600 Metern. Die Vögel kehren im späten März oder Anfang April zu ihren Brutplätzen zurück. Von Mitte Mai bis Anfang Juni wird nur ein einziges Ei gelegt und das Junge ist im späten September oder im frühen Oktober flügge. Seit den 1980er Jahren hat sich der Bruterfolg offenbar verbessert. Im Jahr 2004 wurden insgesamt 29 Jungvögel flügge. Die Ernährung des Madeira-Sturmvogel besteht aus kleinen Tintenfischen, kleinen Fischen und aus Krebstieren.

Verbreitung

A reef on Selvagem Pequena, Savage Islands
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A reef on Selvagem Pequena, Savage Islands

Laut der Roten Liste der IUCN gibt es einen geschätzten Brutbestand von 65 bis 80 Paaren im zentralen Bergmassiv der Insel Madeira, Portugal. Subfossile Funde auf Madeira und auf der Nachbarinsel Porto Santo belegen, dass die Art früher weit verbreitet war. Derzeit brüten die Vögel nur auf sechs unzugänglichen Felsvorsprüngen auf der Insel Madeira. Im Jahr 2006 fand man während der Brutzeit von 63 Nestern nur 53 aktive Nester. Der Madeira-Sturmvogel kommt nur in Spanien und Portugal vor.

Ernährung

Der Madeira-Sturmvogel ernährt sich hauptsächlich von Tintenfischen, Krebstieren und von kleinen Fischen. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgen vorzugsweise in der Nacht, entweder einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen. Nicht selten schließen sich Madeira-Sturmvögel auf der Nahrungssuche anderen Seevögeln an. Ist ein Beutetier gesichtet, so stürzt sich der Madeira-Sturmvogel ins Wasser und taucht im Folgenden nach der Beute. Nicht selten werden Beutetiere unmittelbar an der Wasseroberfläche gejagt.

Fortpflanzung

Madeira`s landscapes
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Madeira`s landscapes

Der Madeira-Sturmvogel ist ein Kolonienbrüter und nistet in Erdhöhlen oder unter Felsspalten. Das Weibchen legt ein einziges Ei, das über einen Zeitraum von gut 50 Tagen von beiden Elternteilen bebrütet wird. Auch um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile. Verfüttert wird hochgewürgte und vorverdaute Nahrung. Nach dem Schlupf weist das Küken nur eine spärliche Befiederung auf. Im Alter von 80 bis 85 Tagen erlangt der Jungvogel die Flugfähigkeit. Der Jungvogel kehrt erst nach vier Jahren wieder zur Brutkolonie zurück.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gilt diese Art als stark gefährdet, weil sie eine extrem kleine Population aufweist und nur im zentralen Bergmassiv der Insel Madeira brütet. Eine erfolgreiche Abwehr von Prädatoren sowie die Forschungen, die seit 1986 von dem Freira Conservation Projekt und dem Parque Natural das Madeira durchgeführt werden, führten zu einer Erhöhung der Reproduktion dieser Art. Dieses Programm wurde im Jahr 2001 mit zusätzlichen Mitteln von einem multidisziplinären Europäischen Union LIFE-Projekt, das auch den Kauf von etwa 300 Hektar Land rund um die wichtigsten Brutplätze erwarb und ausgebaut hat. Die Art ist nach portugiesischem Recht geschützt. Die Brutplätze haben ein besonderes Schutzgebiet (SPA) und wurde im Rahmen der EU-Vogelschutzrichtlinien ausgewiesen. Dieses Schutzgebiet befindet sich innerhalb des Parque Natural da Madeira. Ein europäischer Aktionsplan wurde im Jahr 1996 veröffentlicht. Folgende Maßnahmen sind erforderlich, um die Art zu erhalten: Kontrolle der verwilderten Hauskatzen und Ratten. Weitere Forschung, um die Population und die Verteilung dieser Art zu bestimmen. Überwachung der bekannten Brutbestände. Aufbau eines Management-Plan für den Parque Natural da Madeira. Beurteilung der möglichen Auswirkungen der geplanten Radarstationen.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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