Maifisch

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Maifisch

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Heringsartige (Clupeomorpha)
Ordnung: Heringsartige (Clupeiformes)
Unterordnung: Clupeoidei
Familie: Heringe (Clupeidae)
Unterfamilie: Alosinae
Gattung: Alosa
Art: Maifisch
Wissenschaftlicher Name
Alosa alosa
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Maifisch (Alosa alosa), auch als Alse oder Alose bekannt, zählt innerhalb der Familie der Heringe (Clupeidae) zur Gattung Alosa. Im Englischen wird der Maifisch Allis Shad genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF), Sitz in Offenbach, hat den Maifisch zum Fisch des Jahres 2004 gewählt. Mit dieser Wahl möchte der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) auf eine in vielen deutschen Flüssen als ausgestorben geltende und daher weitgehend unbekannte Fischart aufmerksam machen.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Maifisch kann eine Körperlänge von etwa 70 bis 75 Zentimeter erreichen. Das Gewicht beträgt etwa 5,1 Kilogramm. Der Zwischenkiefer in der Mittellinie ist durch einen tiefen Ausschnitt voneinander getrennt und die Zwischenkiefer- und Oberkieferknochen bilden den Rand der Oberkinnlade. Die Zwischen- und Oberkiefer sind mit sehr feinen, spitzen und leicht abfallenden Zähnen besetzt, während der Unterkiefer, das Pflugscheinbar (Vomer), die Gaumenbeine und das Zungenbein keine Zähne aufweisen. Der seitlich zusammengedrückte Leib ist mit einer schneidenden und sägeförmig gezähnelter Bauchkante besetzt. Die Augen werden von einem knorpelartigen halbmondförmigen vorderen und hinteren Augenlid teilweise bedeckt. Die Mundspalte reicht fast bis hinter die Augen. Die Kiemenbögen sind an ihrer konkaven Seite mit sehr vielen dicht stehenden langen und dünnen Lamellen besetzt. Dicht hinter der Kiemenspalte, auf der Schulter, zeigt sich ein verwischter dunkler Fleck. Die sehr weiten Kiemenspalten reichen bis zur Kehle. <1>

Der Maifisch wird häufig mit anderen Süßwasserfischen verwechselt, indem er als naher Verwandter der Echten Heringe (Clupea) nicht zu verkennen ist. Charakteristisches Merkmal des Maifisches ist der seitlich zusammengedrückte Körper. Sein Vorder- und Mittelleib kann im Vergleich zu seinem mehr gestreckten Schwanzende als hoch bezeichnet werden. Die Kiefer sind besonders stark seitlich zusammengedrückt. Das Kinn ragt bei geschlossenem Maul ziemlich weit hervor. Die Ränder zwischen Ober- und Unterkiefer besitzen nur im jüngeren Alter dieser Art eine äußerst feine Bezahnung, die allmählich dann ausfällt, so dass bei älteren Maifischen die Kiefer zahnlos erscheinen. Ganz eigentümlich verhalten sich zwei augenlidartige Membranen, die von knorpeliger Beschaffenheit sind. Sie bedecken von beiden Seiten die vordere Fläche der Augäpfel. Beide Membranen sind halbmondförmig ausgeschnitten, wodurch der mittlere Teil des Augapfels in Form eines vertikalen oben und unten zugespitzten Ovals frei und unbedeckt bleibt. Von diesem vorderen und hinteren Augenlid greift oben und unten eines über das andere Augenlid hinweg, auch setzt sich die Basis des vorderen Augenlides über das Gesicht bis zu den Nasenlöchern fort, während das hintere Augenlid die Einlenkung des Kiemendeckel-Apparates überzieht. <1>

Profilaufnahme - Maifisch
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Profilaufnahme - Maifisch

Im Verhältnis zur Körperlänge des Maifisches sind die paarigen Flossen sehr kurz und die Rücken- und Afterflosse sehr niedrig. Hinter der Rückenflosse befindet sich keine Fettflosse. Die Schwanzflosse ist dagegen ziemlich lang und wird durch einen sehr tiefen Einschnitt in zwei ansehnliche Spitzen geteilt. Die Schuppen, welche am Körper sehr zahlreich vorhanden sind, weisen verschiedene Größen auf, von denen die größten Schuppen die Seiten des Körpers einnehmen. Der Hinterrand der Schuppen ist meistens fein und unregelmäßig eingekerbt. An der Basis der Rücken- und Afterflosse haben die Schuppen eine rautenförmige Gestalt angenommen und eine lange hohe Kante gebildet, wodurch eine Art Rinne entstanden ist, in welche sich ein Teil der genannten Flossen verbergen kann. Von der Basis der Schwanzflosse aus setzt sich die Beschuppung bis weit über die Hälfte auf dieser Flosse fort. Die Schuppen sind aber hier sehr klein und länglich oval und fehlen in der Mitte des Schwanzes. Diese nackte Stelle wird oben und unten durch eine markante, sehr lange Schuppe abgegrenzt, welche aus mehreren kleineren, dachziegelförmig einanderklebenden Schuppen zusammengesetzt ist. <1>

Die Farbe des Rückens weist ein metallisch glänzendes Olivgrün auf. Der Kiemendeckel-Apparat und die Schuppen der Körperseite sind von einer goldglänzenden Färbung. Der große dunkle verwischte Schulterfleck, der sich am oberen Winkel der sehr weiten Kiememspalten befindet, besitzt einen olivgrünen Schimmer, ebenso die auf diesen folgenden drei bis fünf kleineren Flecke, welche aber allmählich von vorn nach hinten an Deutlichkeit abnehmen und bei älteren Exemplaren ganz verschwinden. Das Fehlen oder Vorhandensein dieser Flecke sowie die fehlende oder vorhandene Bezahnung der Kieferknochen ist nicht als Art-Unterschied, sondern als Alters-Unterschied aufzufassen. Die Flossen des Maifisches erscheinen durch das dunkelkörnige Pigment mehr oder weniger schwärzlich gefärbt. <1>

Flossenformel des Maifisches
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
D. (Dorsale = Rückenflosse) 4-5/15-16, A. (Anale = Afterflosse) 3/20-24, V. (Ventrale = Bauchflosse) 1/8, P. (Pectorale = Brustflosse) 1/14-15, C. (Caudale = Schwanzflosse) 19. <1>
Laut fishbase weist der Maifisch ingesamt 4 bis 6 Rückenflossenstacheln, insgesamt 13 bis 18 Rückenflossenweichstrahlen, 3 bis 4 Afterflossenstacheln, 18 bis 24 Afterflossenweichstrahlen sowie 57 bis 58 Wirbel auf. <2>

Lebensweise

Verbreitungskarte von 1883 - Maifisch
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Verbreitungskarte von 1883 - Maifisch

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Maifisch ein anadromer Wanderfisch, d. h. er wandert flussaufwärts oder stromaufwärts. Die Wanderfische werden auch als diadrome Fische bezeichnet. Die Männchen migrieren mit Beginn der Geschlechtsreife, die etwa je nach Verbreitungsgebiet und Lebensbedingungen zwischen drei und neun Jahren liegt. Die Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit 1 bis 3 Jahren. Die adulten Tiere wandern etwa Ende Februar in die Küstenbereiche und im Mai migrieren sie in die Flüsse zu ihren Laichgebieten bei Temperaturen von etwa 10 bis 12 Grad Celsius. Die juvenilen Fische bleiben meist in Küstennähe und in den Flussmündungen. Der Maifisch, der sonst im Meer lebt, wandert während der Laichzeit stromaufwärts und laicht in den Hauptflüssen oder in großen und warmen Zuflüssen. Die Laichgründe befinden sich oft in der Nähe von Nebenflüssen. Das Laichen beginnt aber erst, wenn die Wassertemperatur 15 Grad Celsius erreicht hat, die optimale Temperatur liegt zwischen 22 und 24 Grad Celsius. Das Laichen findet in der Nacht nahe der Wasseroberfläche bei starker Strömung in großen Schwärmen statt, wo die Eier dann zu Boden sinken. Das Weibchen kann zwischen 100.000 und 400.000 Eier ablegen. Die erschöpften Fische wandern nach dem Ablaichen wieder zurück ins Meer, jedoch sterben die meisten Fische nach dem Ablaichen. In der Regel wandern die juvenilen Fischen während der Sommerzeit in die Flussmündungen und bleiben bis sie die Geschlechtsreife erreicht haben. Einzelne Fische kehren zu ihren Geburtsplätzen wieder zurück. In den Binnengewässern ernähren sie sich überwiegend von Plankton, jedoch werden auch kleine Fische erbeutet. Die juvenilen Tiere ernähren sich ebenfalls von Plankton. Neben Plankton nehmen sie aber auch Insektenlarven zu sich. Während der Laichzeit nimmt der adulte Maifisch keine Nahrung zu sich. Die Lebenserwartung des Maifisches liegt bei etwa 10 bis 11 Jahren.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Maifisch in Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Gibraltar, Guernsey, Island, Irland, Isle of Man, Jersey, Litauen, Marokko, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, in der Russischen Föderation, in Spanien, Schweden sowie im Vereinigten Königreich vor.

Laut der Roten Liste der IUCN hält sich der Maifisch in der Ostsee, Nordsee und im westlichen Mittelmeer, an der Atlantik-Küste von Großbritannien, Irland, Frankreich, Spanien, Portugal und Marokko auf, von wo aus die adulten Tiere weit flussaufwärts zum Laichen wandern. Früher wanderte der Maifisch bis zum Rhein ca. 850 km bis nach Basel (Schweiz). Jetzt ist der Maifisch, knapp östlich des Rheins, ausgerottet. Am häufigsten ist der Maifisch in der Loire und in der Garonne (Frankreich) noch anzutreffen. Die Binnen-Populationen findet man in einigen künstlichen Seen in Marokko und in Portugal.

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Maifisch ein Süßwasserfisch, der sich in Feuchtgebieten (Inland) wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten mit Wasserfällen sowie in pelagischen Zonen (Tiefenzonen) bis zu 300 Meter tief und in Flussmündungen aufhält. Jedoch kommt es während der Laichzeit oder wenn der Maifisch seine Nahrungsplätze aufsucht, auch zu Wanderungen.

Ernährung

Der Maifisch verfügt über ein breites Spektrum an planktonischen Krebstieren (Crustacea). Des Weiteren ernährt sich der Maifisch von kleinen Fischen (Pisces). Die juvenilen Tiere nehmen Zooplankton und Insektenlarven zu sich.

Fortpflanzung

Zeichnung - Maifisch
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Zeichnung - Maifisch

Der Maifisch bewohnt so ziemlich alle Meere, welche die europäischen Küsten umspülen. Er ist ein anadromer Wanderfisch und begibt sich im Frühjahr während der Laichzeit flussaufwärts in die Flüsse, um dort seine Laichplätze aufzusuchen. Früher ist der Maifisch im Mai den Rhein hinauf bis Basel und Laufenberg (Katastralgemeinde der Stadt Radenthein in Kärnten) in dessen Nebenflüsse Main und Neckar gewandert. Wegen seines regelmäßigen Erscheinens im Mai erhielt dieser Fisch am Rhein den Namen Maifisch. Während der Laichzeit bilden die Maifische sogenannte Schulen, die sich an der Oberfläche des Wassers versammeln, wobei ihre Rückenflosse aus dem Wasser hervorragt und einen solchen Krach veranstalten als wäre eine Herde Schweine im Wasser. Der Maifisch laicht in den warmen Mainächten auf kiesigen Flussabschnitten und bei starker Strömung. Während dieser Zeit nimmt der Maifisch keine Nahrung zu sich. Das Weibchen kann zwischen 100.000 und 400.000 Eier ablegen. Nach dem Ablaichen kehren die adulten Tiere wieder zurück ins Meer, jedoch sterben sie in der Regel vor Erschöpfung. Nach etwa vier bis fünf Tagen schlüpfen die Larven und treiben während der Sommermonate in Richtung Flussdelta. Bevor die juvenilen Fische das erste Lebensjahr vollendet haben, wandern sie ins Meer. Sie weisen dann schon eine Körperlänge von etwa 10 bis 15 Zentimeter auf.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Maifisch derzeit nur lokal in Frankreich häufig vor, außerhalb Frankreichs sind die Populationen stark rückläufig, vor allem in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts ist der Maifisch in Deutschland durch Umweltverschmutzung nahezu ausgerottet. In der Vergangenheit nahmen die Bestände des Maifisches durch die Verschmutzung, Aufstauung von großen Flüssen und Überfischung in ganz Europa drastisch ab. Allerdings war der Rückgang der meisten Populationen während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zu beobachten. In jüngster Zeit haben sich die Bestände wohl einigermaßen stabilisiert.

Im Allgemeinen ist der Maifisch durch Überfischung, Wasserverschmutzung, Wellenschlag durch vermehrte Schiffahrt sowie durch Dammkonstruktionen wie unpassierbare Staustufen zu den Laichplätzen, Staudämme, Querbauwerke gefährdet. Ein weitere aktuelle Bedrohung für diese Art und auch für andere Arten ist der Kiesabbau in Frankreich. Man könnte die Liste der Bedrohungen weiter fortführen wie Energieproduktion, Bergbau und Gewinnung, Damm- und Wasserwirtschaft sowie Nutzung etc. Der Maifisch wird in der Roten Liste Deutschlands unter der Kategorie Status (D) 1, EU-Code: 1102, Anh. II, V, vom Aussterben bedroht, geführt. Es sollten unbedingt die Laichgebiete dieser Art in den Schutzgebieten gesichert werden. Auch die Durchgängigkeit der Flüsse muß gewährleistet sein, damit der Maifisch ungestört seine Wanderungen flussaufwärts zu den Laichplätzen fortsetzen kann.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Von Carl Th. Ernst Siebold. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelamm 1863
  • [2] Alosa alosa (Linnaeus, 1758)
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische. Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Harald Gebhardt, Andreas Ness: Fische. Die heimischen Süßwasserfische sowie Arten der Nord- und Ostsee. BLV Verlagsgesellschaft mbH., München, Wien, Zürich, 1990 ISBN 3-405-13816-7
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5
  • John R. Paxton, William N. Eschmeyer & David Kirshner: Enzyklopädie der Tierwelt: Fische. Bassermann, Auflage 1, 2003, ISBN 3572013771

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