Malaienbär

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Malaienbär

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Bären (Ursidae)
Gattung: Malaienbären (Helarctos)
Art: Malaienbär
Wissenschaftlicher Name
Helarctos malayanus
Raffles, 1821

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Malaienbär (Helarctos malayanus) ist die kleinste Art und gehört innerhalb der Familie der Großbären (Ursidae) zur Gattung der Malaienbären (Helarctos). Im Englischen wird die Art Malayan Sun Bear oder Sun Bear genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Der Malaienbär unterscheidet sich von anderen Bären, insbesondere vom Asiatischen Schwarzbär (Ursus thibetanus) und dem Lippenbär (Melursus ursinus), vor allem in der Größe und das glatte Fell. Markant ist auch die sehr lange Zunge und die beweglichen Lippen. Die Pfoten sind anders als bei den beiden anderen Arten nach innen gekehrt. Die Ohren sind kürzer und schmaler (Fitzgerald & Krausman, 2002).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Malaienbär gehört zu den kleinsten Bärenarten. Er erreicht je nach Geschlecht und Unterart eine Körperlänge von 100 bis 140 cm, eine Schwanzlänge von 3 bis 7 cm, eine Schulterhöhe von rund 70 cm, eine Ohrlänge von 4 bis 6 cm, eine Hinterfußlänge von 18 bis 21 cm, eine Schädellänge von 22,61 bis 26,45 cm, eine Condylobasallänge von 21,17 bis 24,13 cm, eine Jochbeinbreite von 17,86 bis 21,46 cm sowie ein Gewicht von 25 bis 65 kg. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das Geburtsgewicht liegt bei etwa 325 g, das Fell der Jungen ist gräulichschwarz gefärbt. Das Fell adulter Tiere ist tiefschwarz gefärbt. Das Fell besteht aus einer sehr dichten Unterwolle und leichterem Deckhaar. Markantes Merkmal ist die orangene bis leicht gräulich oder silbrig gefärbte Schnauze. Diese auffällige Färbung reicht bis zum Jochbein. Im Bereich der Brust zeigt sich ein variabler heller, meist cremefarbener, weißlicher oder ockergelber Fleck. Bei einigen Tieren kann der Fleck jedoch auch völlig fehlen (Novak, 1999; Fitzgerald & Krausman, 2002).

Das Jochbein (Wangenbein, Os zygomaticum) ist breit, eine Sagittalkamm ist gut entwickelt. Das Hinterhauptsbein (Os occipitale) ist groß, stumpf und ragt nach unten. Die Luppen sind beweglich und die Zunge ist sehr lang. Die Länge der Zunge ist eine Anpassung an die Ernährungsgewohnheiten (z.B. Honig und Larven von Bienen). Der Malaienbär stellt somit ein hochspezialisiertes Landraubtier dar. Die Eckzähne sind großund kräftig entwickelt. Das kräftige Gebiss besteht aus 38 bis 40 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p3-4/3, m2/3. Die Vorderpfoten sind nach innen gebogen und die Sohlen sind glatt. Die Zehen enden jeweils in kräftige und stark gebogene Krallen. Dies ist eine Anpassung an die kletternde Lebensweise (Novak, 1999; Fitzgerald & Krausman, 2002).

Lebensweise

Malaienbären leben einzelgängerisch und sind überwiegend nachtaktiv. Die Tiere sind exzellente Kletterer. Um an Nahrung zu kommen, können Malaienbären leicht in Höhen von 5 bis 7 m gelangen. Die anatomische Anpassungen der Füße erleichtert den Tieren das Klettern. Die Orientierung erfolgt sowohl visuell als auch akustisch. Auch der olfaktorische Sinn (Geruchssinn) ist hoch entwickelt (Novak, 1999; Fitzgerald & Krausman, 2002).

Unterarten

Unterarten nach Wilson & Reeder, 2005:

Verbreitung und Lebensraum

Diese kleine Bärenart in Südostasien vor. Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich insbesondere über Bangladesch, Brunei Darussalam, Kambodscha, China, Indien, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Thailand und Vietnam. Besiedelt werden hauptsächlich dichte, feuchte Regenwälder und Sumpfwälder bis in Höhen von gut 2.800 m über NN (IUCN, 2012).

Biozönose

Ausgewachsene Malaienbären haben im Grunde keine natürlichen Feinde. Jungtiere können jedoch einem Tiger (Panthera tigris) zum Opfer fallen (Novak, 1999).

Ernährung

Als opportunistische Allesfresser ernären sich Malaienbären von Früchten, kleinen Wirbeltieren (Vertebrata), Gliederfüßern (Arthropoda) und Honig. Mit den kräftigen Krallen können die Tiere mühelos auch harte Termitenbauten aufreissen. Auf landwirtschaftlichen Flächen haben es die Teiere auf Nutzpflanzen wie Kokospalmen, Maniok und Süßkartoffeln abgesehen (Fitzgerald & Krausman, 2002).

Fortpflanzung

Malaienbaer
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Malaienbaer

Die Geschlechtsreife erreichen Malaienbären im Later von 2 bis 3 Jahren. Die Art pflanzt sich ganzjährig fort, da eine Saisonalität nicht zu erkennen ist. Der Östrus der Weibchen erstreckt sich über 5 bis 7 Tage. Nach durchscnittlich 90 bis 120 Tagen bringt ein Weibchen in ihrer Höhle 1 bis 2 Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs ist bei der Geburt nackt, blind und taub. Die Jungtiere haben ein Geburtsgewicht von bis zu 500 Gramm. Die Augen öffnen sich im Alter von 25 Tagen. Die volle Sehkraft stellt sich jedoch erst mit rund 50 Tagen ein. Etwa zur selben Zeit ist auch das Gehör voll entwickelt. Das bleibende Gebiss ist im Alter von 18 Monaten voll entwickelt. IOm Alter von 2 bis 3 Monaten folgen die Jungtiere erstmals der Mutter auf ihrer Suche nach Nahrung. Malaienbären können ein Alter von bis zu 25 Jahren erreichen (Novak, 1999; Fitzgerald & Krausman, 2002).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Malaienbären gehören heute zu den gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie VU, Vulnerable, geführt. Die Hauptgefahren gehen heute von der Verbichtung der natürlichen Lebensräume und lokal von der massiven Bejagung durch den Menschen aus. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes stellt illegaler Holzeinschlag ein großes Problem dar. Vor der Entwaldung sind auch die lokalen Schutzgebiete nicht verschont. Waldflächen werden vor allem zugusten von Plantagen gerodet. Angepflanzt werden meist Ölpalmen (Elaeis guineensis). Wälder werden für gewöhnlich abgebrannt. Auf Sumatra und Borneo ist es in den letzen Jahrzehnten zudem zu starken Dürreperioden gekommen, die durch das El Niño-phenomän ausgelöst werden. In fast allen Regionen des Verbreitungsgebietes stellt der Mensch den Tieren nach. Auch wenn die Jagd streng verboten ist, fallen jährlich viele Tiere den Wilderern zum Opfer. In den letzen 20 Jahren sanken durch die Bejagung die Populationen um rund 50%. In Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam werden die Tiere unter erbärmlichen Bedingungen "gezüchtet", um ihren die Gallenblase bzw. die Gallenflüssigkeit zu entnehmen. Auch die Pfoten finden in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung. In einigen Regionen werden Malaienbären als Haustiere gehalten (IUCN, 2012).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Bären (Ursidae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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