Mangusten

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Mangusten
Halsstreifenmanguste (Herpestes vitticollis)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Mangusten
Wissenschaftlicher Name
Herpestidae
Bonaparte, 1845

Die Mangusten (Herpestidae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora). Man rechnet 35 rezente Arten in 2 Unterfamilien und 17 Gattungen zu den Mangusten, wobei die madegassischen Arten in einer separaten Unterfamilie geführt werden.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Mangusten und Schleichkatzen ähneln sehr stark den Vorfahren der Raubtiere, den Miacoidea, die im Paläozän und Eozän vor 65 bis 33 Millionen Jahren die Erde besiedelten. Vor allem die Skelettmorphologie und die Gebissstruktur haben sich in den letzten 40 bis 50 Millionen Jahren kaum verändert. Das Gebiss der Mangusten gilt daher als relativ primitiv. Das hoch entwickelte Innenohr nimmt innerhalb der Evolution eine Sonderstellung ein. Daher war die Zuordnung und Stellung der Mangusten (und Schleichkatzen) lange Zeit unklar.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die eng mit den Schleichkatzen (Viverridae) verwandten Mangusten zeichnen sich durch einen schlanken und lang gestreckten Körperbau aus. Zu den kleinsten Arten gehören die beiden Arten der Zwergmangusten (Helogale). Sie erreichen eine durchschnittliche Körperlänge von 24 Zentimeter und ein Gewicht von 320 Gramm. Als größte Art weist die Weißschwanzmanguste (Ichneumia albicauda) eine Körperlänge von gut 58 Zentimeter und ein Gewicht von bis zu 5.000, zuweilen auch bis zu 6.000 Gramm auf.
Zebramanguste (Mungos mungo)
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Zebramanguste (Mungos mungo)
Die Schwanzlänge variiert je nach Art von 18 bis 44 Zentimeter. Das Fell ist in der Regel einfarbig gefärbt. Die Färbung reicht von schwarzbraun über braun, hellbraun oder sandfarben bis rötlichbraun. Aber auch innerhalb einer Art kann es zu Variationen in der Färbung kommen. So treten beispielsweise beim Ichneumon (Herpestes ichneumon) neben bräunliche auch rötliche, rotbraune oder gelblichbraune Variationen auf.

Einige Arten wie beispielsweise Erdmännchen (Suricata suricatta) oder Zebramangusten (Mungos mungo) weisen eine dorsale und laterale Streifung oder Bänderung des Felles auf, andere Arten wie der auf Madagaskar vorkommende Ringelmungo (Galidia elegans) zeigen nur im Bereich des Schwanzes eine farblich abgesetzte Ringelung. Die Extremitäten sind üblicherweise bei allen Arten kurz und zeichnen sich durch nicht rückziehbare Krallen aus. Die Anzahl der Zehen variiert zwischen 4 und 5. Die Häute zwischen den Zehen sind entweder reduziert oder fehlen vollständig. Die kleinen, meist abgerundeten Ohren liegen leicht seitlich, weit hinten am Schädel. Bei einigen Arten ragen die Ohren nur wenig über das Profil des Schädels hinaus. Der Schädel an sich setzt sich nur wenig vom Hals ab und endet in einer spitz zulaufenden Schnauze. Die Schwänze aller Arten sind meist sehr lang und buschig. Ohreinstülpungen wie bei den Schleichkatzen und Perinealdrüsen fehlen den Afroasiatischen Mangusten (Herpestinae) vollständig, bei den Madagaskar-Mungos (Galidiinae) sind beide Merkmale bei einigen Arten vorhanden.

Viele Arten der Mangusten verfügen im Analbereich über große Analtaschen mit 2 oder mehr Drüsenöffnungen. Weitere Drüsen sitzen oftmals in der Kinngegend. Die Drüsensekrete dienen zum einen der Reviermarkierung, zum anderen der Kommunikation untereinander.

Lebensweise

Im Gegensatz zu den nah verwandten nachtaktiven Schleichkatzen, verfügen die meisten Arten der tagaktiven Mangusten über ein hoch entwickeltes Sozialsystem. Zudem leben Mangusten nicht wie Schleichkatzen in den Bäumen sondern am Boden. Nur wenige Arten sind auch streckenweise in Bäumen anzutreffen. Einige Arten wie das Ichneumon (Herpestes ichneumon) leben einzelgängerisch oder in Gruppen, die aus einem Weibchen und ihrem Nachwuchs besteht. Die üblichen Sozialeinheiten sind jedoch größere Familiengruppen, die in der Regel von einem Weibchen angeführt werden. Paarungsberechtigt ist nur das dominante Weibchen. Die Sozialstruktur einer Gruppe ist also matriachalisch geprägt.
Schlankmanguste (Galerella sanguinea)
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Schlankmanguste (Galerella sanguinea)
Man kann abschließend festhalten, dass in Gruppen lebende Mangusten meist bestimmte Merkmale teilen: sie sind klein, tagaktiv und bevorzugen offenes Gelände. Einzelgängerisch lebende Arten sind meist deutlich größer und kommen eher in baumreichen Regionen vor. Nicht selten sind sie nicht tagaktiv, sondern eher dämmerungs- oder sogar nachtaktiv. Einige Arten, auch hier sei beispielhaft das Ichneumon angeführt, gelten als gute Schwimmer und gehen daher auch im Wasser auf Beutefang. Andere Arten wie die Schlankmanguste (Galerella sanguinea) leben im Waldland und gelten daher auch als ausgezeichnete Kletterer. In den Bäumen gehen sie zumeist auf die Jagd nach Vögeln, deren Brut und Eier. Auf Nahrungssuche gehen Mangusten im Allgemeinen alleine.

Verbreitung

Mangusten sind in der alten Welt weit verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich nördlich und südlich der Sahara in Afrika, Madagaskar, über den Nahen Osten, Indien und weiten Teile Südostasiens. Einige Arten sind auch in der Karibik, auf den Fidschi-Inseln und auf Hawaii anzutreffen. Hier wurden Mangusten jedoch als Neozoa eingeführt. Es werden zum Teil höchst unterschiedliche Lebensräume wie lichte Wälder, offenes Waldland, Baum- und Strauchsavannen sowie Wüsten und Halbwüsten besiedelt. In der Regel leben Mangusten am Boden, einige Arten leben jedoch auch auf Bäumen oder in teilaquatischer Lebensweise. Viele Arten leben in mittelgroßen bis großen Gruppen. Diese Tatsache kann durchaus die Wahl des Lebensraumes bestimmen. In Savannen mit relativ harten Böden bieten meist Termitenbauen einen Rückzugspunkt. In Waldlandschaften stehen weit mehr Möglichkeiten zur Verfügung: In weichen Böden graben sich Mangusten Bauten mit ausgedehnten Gangsystemen.

Prädatoren

Auch wenn Mangusten weit oben in der Nahrungskette angesiedelt sind, so haben auch sie einige Feinde. Dazu gehören insbesondere Greifvögel (Falconiformes). Aber auch Schlangen (Serpentes) und größere Raubtiere (Carnivora) wie Hyänen (Hyaenidae),
Prädator: der Goldschakal (Canis aureus)
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Prädator: der Goldschakal (Canis aureus)
Leoparden (Panthera pardus) oder Schabrackenschakale (Canis mesomelas) und Goldschakale (Canis aureus) stellen den Tieren regelmäßig nach. Arten wie Erdmännchen oder Schlankmangusten stehen während ihrer Ruhephasen auf den Hinterbeinen und halten Ausschau nach Feinden. In der Regel übernehmen innerhalb einer Gruppe untergeordnete Männchen die Sicherung und Bewachung. Bei Gefahr flüchten sie in ihre Erdbauten oder in dichte Vegetation und verhalten sich still. Erst im allerletzten Moment ergreifen sie die Flucht. Drohgebärden drücken sich zumeist in fauchende Laute und im Aufstellen des Nackenfelles aus. Der eine oder andere kleinere Fleischfresser lässt sich davon imponieren und tritt den Rückzug an.

Einige Arten wie beispielsweise die Südliche Zwergmanguste (Helogale parvula) gehen Zweckgemeinschaften mit anderen Tieren ein. Dazu gehören Vögel wie Drongos (Dicrurinae), Gabelschwanzracken (Coracias caudata) und Nashornvögel (Bucerotidae). Diese ernähren sich auch von Insekten und warten darauf, dass die Mangusten mögliche Beutetiere aufscheuchen, um sich diese dann mit ihnen zu "teilen". Obwohl die Hornvögel versuchen den Südlichen Mangusten mögliche Beute direkt streitig zu machen, profitiert ein Rudel Mangusten immens von dieser Beziehung, da die Vögel laute Alarmrufe abgeben, sobald sich Prädatoren nähern.

Ernährung

beliebter Snack der Zebramanguste (Mungos mungo): die Ägyptische Kobra (Naja haje)
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beliebter Snack der Zebramanguste (Mungos mungo): die Ägyptische Kobra (Naja haje)

Mangusten ernähren sich je nach Art meist von Insekten (Insecta), Skorpione (Scorpiones), Hundertfüßer (Chilopoda) und anderen Gliederfüßern (Arthropoda). Aber auch kleinere Wirbeltiere (Vertebrata), wie Eier von Vögeln (Aves) und Reptilien (Reptilia), Krebstiere (Crustacea) und Fische (Osteichthyes). Nur wenige Arten nehmen auch pflanzliche Kost wie Früchte und ähnliches zu sich. Größere Mangustenarten wie beispielsweise der Indische Mungo (Herpestes edwardsii) haben sich auf größere Beutetiere wie Mäuse (Myomorpha) und Ratten (Rattus), Echte Eidechsen (Lacertidae) und Schlangen (Serpentes) spezialisiert. Selbst Giftschlangen stellen für einige Arten kein Problem dar, da sie gegen das Schlangengift mehr oder weniger immun sind. Die Nahrungssuche kann zu jeder Tageszeit erfolgen. Die Pfoten dienen nicht nur zum Graben nach Nahrung, sondern auch zum Prüfen und Heranführen zum Maul.

Fortpflanzung

Mangusten erreicht die Geschlechtsreife je nach Art mit etwa 10 bis 24 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich je nach Verbreitungsgebiet und Art über das ganze Jahr, zuweilen auch über bestimmte Jahreszeiten. Einige Arten bilden feste Familienverbände, die von einem Weibchen angeführt werden. Bei anderen Arten kommt es während der Paarungszeit nur kurz zu einer Paarbildung, die sich meist kurz nach der Kopulation auflöst. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Weibchen, bei in Gruppen lebenden Arten alle Mitglieder einer Familiengruppe. Die Paarfindung bei einzelgängerisch lebenden Arten erfolgt über chemische Reize, die vom Weibchen ausgehen und vom Männchen aufgenommen werden. Nach einer kurzen Balz kommt es zur Kopulation. Die Tragezeit erstreckt sich durchschnittlich über 60 Tage. Bei kleinen Arten liegt die Tragezeit bei 42 Tagen, bei großen Arten wie dem Schmalstreifenmungo bei etwa 95 bis 105 Tagen. Ein Weibchen bringt zwischen 1 und 5 Jungtiere an geschützter Stelle, meist in einem Erdbau, in einem Termitenhügel oder an ähnlich geschützten Stellen zur Welt. Der Nachwuchs ist nur wenig entwickelt und wird mit geschlossenen Augen und Ohren geboren. Die Augen öffnen sich üblicherweise nach 2 bis 3 Wochen. Die Säugezeit erstreckt sich über etwa 2 bis 3 Monate, kurze Zeit später ist der Nachwuchs selbständig. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen bei etwa 10 Jahren, in Gefangenschaft bei 15 bis 19 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Stark gefährdet: Schmalstreifenmungo (Mungotictis decemlineata)
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Stark gefährdet: Schmalstreifenmungo (Mungotictis decemlineata)

Mangusten sind weit verbreitet und durchaus erfolgreich. Bislang ist keine der etwa 35 Arten nennenswert oder gar vom Aussterben bedroht. Dies trifft vor allem auf die Afroasiatische Mangusten (Herpestinae) zu. Den Madagaskar-Mungos (Galidiinae) geht es nicht ganz so gut. Das Hauptproblem auf Madagaskar ist alt bekannt. Die tropischen Regenwälder werden seit Jahrzehnten weitflächig abgeholzt und in Siedlungsraum oder Monokulturen umgewandelt. Daher gelten Arten wie der Schmalstreifenmungo (Mungotictis decemlineata) als stark gefährdet und wird als solches in der Roten Liste der IUCN geführt. Von den Afroasiatischen Mangusten gelten die Jackson-Manguste (Bdeogale jacksoni) als gefährdet, die Bengalmanguste (Herpestes palustris) und die Liberia-Manguste (Liberiictis kuhni) als stark gefährdet.

Einige Arten wie die Fuchsmanguste (Cynictis penicillata) zählen zu den Hauptüberträgern der Tollwut. Da sie sich auch in der Nähe von Farmen aufhalten, werden sie häufig von Farmern gejagt. Dabei werden Giftköder ausgelegt oder ihre Bauten begast. In einigen Regionen der Erde wurde Mangusten eingeführt. Man wollte so der Rattenplage Herr werden. Heute gelten die Tiere selbst zu den Schädlingen, da sie einheimische Tiere verdrängen oder sich über das Geflügel der Bauern hermachen.

Systematik der Mangusten

Erdmännchen (Suricata suricatta)
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Erdmännchen (Suricata suricatta)
Östliche Zwergmanguste (Helogale hirtula)
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Östliche Zwergmanguste (Helogale hirtula)
Südliche Zwergmanguste (Helogale parvula)
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Südliche Zwergmanguste (Helogale parvula)
Indischer Mungo (Herpestes edwardsii)
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Indischer Mungo (Herpestes edwardsii)

Familie: Mangusten (Herpestidae)

Unterfamilie: Afroasiatische Mangusten (Herpestinae)
Gattung: Herpestes
Art: Indischer Mungo (Herpestes edwardsii)
Art: Kleiner Mungo (Herpestes javanicus)
Art: Krabbenmanguste (Herpestes urva)
Art: Halsstreifenmanguste (Herpestes vitticollis)
Art: Halsbandmanguste (Herpestes semitorquatus)
Art: Kurzschwanzmanguste (Herpestes brachyurus)
Art: Bengalmanguste (Herpestes palustris)
Art: Indische Rotmanguste (Herpestes smithii)
Art: Langnasenmanguste (Herpestes naso)
Art: Ichneumon (Herpestes ichneumon)
Gattung: Galerella
Art: Schlankmanguste (Galerella sanguinea)
Art: Kapmanguste (Galerella pulverulenta)
Art: Schwarze Schlankmanguste (Galerella flavescens)
Art: Namaqua-Manguste (Galerella swalius)
Gattung: Atilax
Art: Sumpfmanguste (Atilax paludinosus)
Gattung: Mungos
Art: Zebramanguste (Mungos mungo)
Art: Gambia-Manguste (Mungos gambianus)
Gattung: Kusimansen (Crossarchus)
Art: Dunkelkusimanse (Crossarchus obscurus)
Art: Angola-Kusimanse (Crossarchus ansorgei)
Art: Kongo-Kusimanse (Crossarchus alexandri)
Art: Flachkopf-Kusimanse (Crossarchus platycephalus)
Art: Crossarchus transvaalensis
Gattung: Liberiictis
Art: Liberia-Manguste (Liberiictis kuhni)
Gattung: Zwergmangusten (Helogale)
Art: Östliche Zwergmanguste (Helogale hirtula)
Art: Südliche Zwergmanguste (Helogale parvula)
Gattung: Ichneumia
Art: Weißschwanzmanguste (Ichneumia albicauda)
Gattung: Bdeogale
Art: Buschschwanzmanguste (Bdeogale crassicauda)
Art: Schwarzfußmanguste (Bdeogale nigripes)
Art: Jackson-Manguste (Bdeogale jacksoni)
Gattung: Dologale
Art: Listige Manguste (Dologale dybowskii)
Gattung: Rhynchogale
Art: Meller-Manguste (Rhynchogale melleri)
Gattung: Cynictis
Art: Fuchsmanguste (Cynictis penicillata)
Gattung: Paracynictis
Art: Trugmanguste (Paracynictis selousi)
Gattung: Suricata
Art: Erdmännchen (Suricata suricatta)
Unterfamilie: Madagaskar-Mungos (Galidiinae)
Gattung: Galidia
Art: Ringelschwanzmungo (Galidia elegans)
Gattung: Galidictis
Art: Breitstreifenmungo (Galidictis fasciata)
Art: Galidictis grandidieri
Gattung: Mungotictis
Art: Schmalstreifenmungo (Mungotictis decemlineata)
Gattung: Salanoia
Art: Schlichtmungo (Salanoia concolor)

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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