Mantelschnecke

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Mantelschnecke

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Wasserlungenschnecken (Basommatophora)
Überfamilie: Lymnaeoidea
Familie: Schlammschnecken (Lymnaeidae)
Unterfamilie: Lymnaeinae
Gattung: Mantelschnecken (Myxas)
Art: Mantelschnecke
Wissenschaftlicher Name
Myxas glutinosa
(O. F. Müller, 1774)

IUCN-Status
Data Deficient (DD)

Die Mantelschnecke (Myxas glutinosa) zählt innerhalb der Familie der Schlammschnecken (Lymnaeidae) zur Gattung der Mantelschnecken (Myxas). Im Englischen wird die Mantelschnecke glutinous snail geannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Die Deutsche Malakozoologische Gesellschaft wählte in Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) die Mantelschnecke zum Weichtier des Jahres 2015.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Im adulten Stadium beträgt die Höhe der Schale 13,0 bis 16,0 Millimeter und und in der Breite mißt sie 11,0 bis 15,0 Millimeter. Die oberen Wirbel sind fast leer, so dass die Schale eine kurze stumpfe Spitze bildet. Der letzte Umgang wirkt wie aufgeblasen. Die Öffnung beträgt mehr als 90% der Schalenhöhe. Der Nabel ist geschlossen. Die Schale weist eine braune oder grüne Färbung. Sie ist extrem dünn und sehr transparent sowie glänzend.

Lebensweise

Die Mantelschnecke scheint die Lebensräume Gewässer und Substrate zu wählen, jedoch müssen diese frei von Verschmutzung sein. Sie bevorzugt sehr klares ruhiges Wasser und kann in Kanälen, Seen sowie in Flüssen gedeihen.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Mantelschnecke in folgenden Ländern heimisch: Österreich, Weißrussland, Belgien, Tschechische Republik, Estland, Finnland, Deutschland, Kasachstan, Lettland, Litauen, Republik Moldau, Niederlande, Norwegen, Polen, Russische Föderation, Schweden, Ukraine und Großbritannien.

Ernährung

Die Mantelschnecke ernährt sich von Grünalgen, Kieselalgen, abgestorbenen Pflanzenteilen, Detritus und von Aas. Vorwiegend ernährt sie sich jedoch von Detritus.

Fortpflanzung

Wie fast alle Lungenschnecken (Pulmonata) ist auch die Mantelschnecke ein Zwitter. Die Reproduktion unterliegt einer Oogenese (Eireifung) und erfolgt im Frühjahr mit zunehmendem Tageslicht und die Spermatogenese erfolgt im Spätsommer und im Frühherbst, wenn das Tageslicht abnehmend ist. Die Eier werden in Eipakete mit einer Länge von 35,0 Millimeter an Wasserpflanzen abgelegt, deren Durchmesser etwa 1,6 x 1,3 Millimeter beträgt. Die glasklaren Laichschnüre beinhalten 50 bis 60 Eier, deren Durchmesser 1,6 x 1,3 Millimeter beträgt. Die Eier entwickeln sich mit steigender Temperatur von mehr als 10 Grad Celsius, jedoch entwickeln sich die Eier nicht, wenn die Wassertemperatur 36 Grad Celsius erreicht hat. Nach etwa 30 Tagen schlüpfen die Jungschnecken und entwickeln sich relativ schnell zu geschlechtsreifen Mantelschnecken. Im Spätsommer erfolgt schon die Eiablage und danach leben sie nur noch ein halbes Jahr. Jedoch gibt es einige Mantelschnecken, die überwintern und im Frühjahr laichen. Ihr Leben dauert dann etwa ein Jahr.

Gefährdung und Schutz

Die genauen Bestandszahlen sind nicht bekannt. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie als "Data Deficient" (Daten mangelhaft) geführt. Diese Art ist stark rückläufig und ist vor kurzem in den meisten europäischen Ländern aufgrund der Verschlechterung oder Zerstörung ihres Lebensraums verschwunden. Die Art lebt nur in Europa, jedoch ist sie in Westeuropa und in Osteuropa sehr selten geworden. Auf den Britischen Inseln gilt sie als bedroht und in Nordirland ist die Art ausgestorben. Des Weiteren gilt sie in der Tschechischen Republik als ausgestorben. In Deutschland ist sie vom Aussterben bedroht und in Polen sowie in den Niederlanden ist die Art noch vorhanden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dr. Václav Pfleger: Schnecken und Muscheln Europas. Land- und Süßwasserarten. Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart 1984 ISBN 3-440-05261-3
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Rupert Riedl, Prof. Dr Erich Thenius: Weichtiere Stachelhäuter. Dritter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
  • Rosina Fechter/Gerhard Falkner: Weichtiere. Europäische Meeres- und Binnenmollusken. Herausgegeben von Gunter Steinbach, Illustriert von Fritz Wendler. 1990 Mosaik Verlag GmbH, München 54321, Gesamtherstellung Mohndruck Graphische Betriebe GmbH, Gütersloh. Printed in Germany. ISBN 3-570-03414-3
  • Mantelschnecke (Myxas glutinosa)

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