Marderartige

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Marderartige
Langschwanzwiesel (Mustela frenata)

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Marderartige
Wissenschaftlicher Name
Mustelidae
Fischer von Waldheim, 1817

Die Marderartigen (Mustelidae) zählen innerhalb der Ordnung der Raubtiere (Carnivora) zur Unterordnung der Hundeartige (Caniformia). In der Familie werden in 2 Unterfamilien, den Ottern und den Wieselartigen, rund 55 rezente Arten geführt. Die Marderartigen sind eng mit den Skunks (Mephitidae) verwandt. Sie bilden innerhalb der Raubtiere die artenreichste Familie.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Die Tayras (Eira) und die Echten Marder (Martes), beide Gruppen gehören zu den eigentlichen Mardern und wurden ursprünglich in einer eigenen Unterfamilie geführt, spalteten sich von den anderen Vertretern der Marderartigen bereits im Pliozän, also vor bereits 7 Millionen Jahren, ab. Man teilt die Echten Marder der Gattung Martes in 3 Untergattungen, die Baummarder, die Buntmarder und die Fischermarder ein. Diese Gruppen bildeten sich im frühen Pleistozän vor etwa 2 Millionen Jahren heraus.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Marderartige treten in allen Größen auf. Die kleinste Art ist das Mauswiesel (Mustela nivalis). Es erreicht eine Körperlänge von 14 bis 25 Zentimeter sowie ein Gewicht von 30 bis 110 Gramm. Der Seeotter (Enhydra lutris) ist mit einer Körperlänge von 70 bis 120 Zentimeter, einer Schwanzlänge von 25 bis 35 Zentimeter sowie einem Gewicht von 18 bis 42 Kilogramm die größte Art der Marderartigen. Der Vielfraß (Gulo gulo) steht dem Seeotter mit einer Körperlänge 95 Zentimeter und einer Schwanzlänge von bis zu 20 Zentimeter kaum nach. Der Schwanz bei den Arten der Gattung Martes ist buschig und dient beiom Klettern als Balancierhilfe. Die behaarten Sohlen und die halb einziehbaren Krallen tragen zur Gewandtheit der Echten Marder bei. Marderartige haben aufgrund ihres Körperbaues einen hohen Energiebedarf. Der Körper ist bei den meisten Arten langgestreckt und die Beine sind bei allen Arten ausgesprochen kurz. Bei den Echten Marder (Martes) ist der Körper relativ kurz. Durch den Körperbau bedingt weist der Körper jedoch eine große Oberfläche auf. Dies führt zu einer erhöhten Abstrahlung von Wärme, was letztlich den Grundumsatz erhöht.

Seeotter (Enhydra lutris)
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Seeotter (Enhydra lutris)
Der tägliche Nahrungsbedarf kann bei den kleineren Arten bei bis zu 2 Drittel des eigenen Körpergewichtes liegen. In der Gruppe der Wieselartigen sind die Männchen für gewöhnlich größer als die Weibchen. Dies ist durchaus ungewöhnlich. Der Grund hierfür ist nicht direkt ersichtlich, jedoch haben Wissenschaftler diverse Theorien entwickelt, die den Größendimorphismus erklären wollen. Eine Theorie geht davon aus, dass der Grund für den Größenunterschied auf die unterschiedlichen Beutetiere zurückzuführen sind. Dies hat für Wieselartige durchaus einen Vorteil, da Männchen und Weibchen nicht in Nahrungskonkurrenz zueinander stehen. Männchen können demnach Beutetiere reißen, die für Weibchen zu groß sind. Eine andere Theorie sieht den Größenunterschied nicht als Ursache, sondern als deren Folge an. Danach muss ein kleineres Weibchen nur so viel Nahrung finden, wie sie selbst an Nahrung und für die Milchproduktion benötigt. Da ein Weibchen weniger Beutetiere fangen muss, kann sie mehr Zeit in die Brutpflege investieren. Männchen sind deutlich größer. Sie sind promiskuitiv und kämpfen untereinander um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Hier macht sich Größe selbstverständlich bezahlt, denn je größer, desto größer ist der Erfolg.

Das Fell ist bei zahlreichen Arten bräunlich bis graubraun gefärbt, wobei die Bauchseite meist weißlich bis leicht gelblich gefärbt ist. Bei nördlichen Populationen oder Arten, insbesondere in subarktischen Regionen wie dem Hermelin (Mustela erminea), stellt sich im Winter ein weißes Fell ein. Besonders markant ist der Tigeriltis gefärbt. Eine dunkelbraune, tigerartige Fleckung zieht sich vom Rücken bis zu den Flanken, wo die Fleckung deutlich abnimmt. Auf dem Oberkopf und an den Kopfseiten zeigen sich auffällige weißliche Bänder. Bei anderen Arten wie beispielsweise dem Schwarzfußiltis (Mustela nigripes) sind die Beine deutlich dunkler gefärbt als das restliche Fell. Die Schwänze sind in der Regel lang und buschig. Auch hier können sich artabhängig Flecken oder andere Musterungen zeigen. Oftmals ist die Schwanzspitze dunkler gefärbt. Die Ohren der Marderartigen sind meist klein und rundlich geformt. Nur der Vielfraß (Gulo gulo) weist leicht spitz zulaufende Ohren auf.

Der Schädel der Marderartigen ist länglich, leicht keilförmig und dorsal deutlich abgeflacht. Sowohl die Schädelform als auch die Bezahnung stellt eine Spezialisierung an die Lebensweise dar, ist jedoch innerhalb der Familie bei weitem nicht einheitlich. Die Anzahl der Zähne ist daher bei den einzelnen Arten höchst unterschiedlich. Im folgenden einige Beispiele der zahnmedizinischen Formel:

Trivialname Wissenschaftlicher Name Zahnformel
Mauswiesel Mustela nivalis i3/3, c1/1, p3/3, m1/2 = 34
Vielfraß Gulo gulo i3/3, c1/1, p4/4, m1/2 = 38
Honigdachs Mellivora capensis i3/3, c1/1, p3/3, m1/1 = 32
Europäischer Dachs Meles meles i3/3, c1/1, p3-4/3, m1/2 = 34-36
Weißnackenwiesel Poecilogale albinucha i3/3, c1/1, p2/2, m1/1 = 28
Langschwanzwiesel Mustela frenata i3/3, c1/1, p3/3, m1/2 = 34

Otter und Wiesel verfügen unterhalb der Haut über kein oder kaum schützendes Unterhautfettgewebe. Ihr einziger Schutz gegen niedrige Temperaturen ist daher das dichte Fell. Das Fell besteht aus längeren Deckhaaren, die jeweils von 9 bis 24 Haaren des Unterfells umgeben sind. Bei allen Marderartigen kommt es jährlich zweimal zu einem Fellwechsel. Das Fell der Otter ist von allen Marderartigen am dichtesten. Pro cm² weist das Unterfell der Otter bis zu 70.000 Haare auf. Die langen Grannen der Deckhaare schließen dabei eine Luftschicht ein, die die Tiere auch in eiskaltem Wasser vor Kälte schützt.

Lebensweise

Wiesel jagen mitunter unter der Erde oder im Winter auch unter dem Schnee, wobei sie sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv sein können. In der Regel sind größere Arten jedoch eher nachtaktiv. Alle Marderartigen sind ausgesprochen territorial. Männchen und Weibchen bewohnen getrennte Reviere. Die Reviere der Männchen sind größer und überlappen sich mit denen der Weibchen. Zu Begegnungen kommt es jedoch nur während der Paarungszeit. Eine Ausnahme hiervon bildet das Weißnackenwiesel (Poecilogale albinucha) und die Grisons (Galictis). Bei diesen Arten kommt es mitunter auch zur Gruppenbildung, wobei die Zusammensetzung der Gruppen in Freiheit nicht bekannt ist. Die Größe der Reviere richtet sich im Wesentlichen nach dem Vorhandensein von Beutetieren. Dabei gilt: je mehr Beutetiere vorhanden sind, desto kleiner ein Revier. Markiert werden Reviere mit Kot und Urin. Einige Nerzarten markieren ihr Revier zusätzlich mit einem Sekret aus Drüsen, die sich im Bereich der Brust oder Kehle befinden.
Weißnackenwiesel (Poecilogale albinucha)
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Weißnackenwiesel (Poecilogale albinucha)
Echte Marder markieren ihr Revier mit einem Analdrüsensekret und Urin. Die Reviergröße liegt zwischen wenigen km² und bis zu 1.500 km² beim Vielfraß.

Zu den wenigen geselligen Marderartigen gehören einige Arten der Otter, die mitunter paarweise oder in Familiengruppen leben. Dies ist insbesondere bei Fleckenhalsottern (Lutra maculicollis) der Fall. Es sind bereits Gruppen mit bis zu 20 Tieren gesichtet worden. Zudem ist diese Art sehr anpassungsfähig und ist sowohl tag-, dämmerungs- als auch nachtaktiv. Otter sind im Allgemeinen sehr gute und gewandte Schwimmer. Sie erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 10 km/h. Beim Schwimmen werden die vorderen Beine an den Körper angelegt. Vor allem bei Seeottern (Enhydra lutris) kann man eine gewisse Intelligenz nicht absprechen. Mit den vorderen Tatzen nehmen sie Beutetiere und Steine auf. Die Steine benötigen sie zum Knacken hartschaliger Tiere wie Muscheln und Seeigeln. Dazu schwimmen sie in Rückenlage an der Wasseroberfläche, legen einen flachen Stein auf den Bauch und schlagen beispielsweise mit einer Muscheln darauf bis sie bricht. Diese primitive Art des Werkzeuggebrauches findet man nur bei wenigen Säugetieren. In der Nähe des Ufers schlagen sie Muscheln und ähnliches aber auch gegen Felsen. Seeotter verbringen auch die Nachtruhe auf dem Wasser. Dazu liegen sie mit dem Rücken nach unten flach auf dem Wasser und schlafen.

Ebenfalls gesellig leben Europäische Dachse (Meles). Sie leben gesellig in kleinen Familienverbänden von 6 bis 12, selten auch bis 20 Tieren. Angeführt wird eine Familie von einem dominanten Pärchen, das sich für ein Leben lang verpaart hat. Geschlechtsreife Männchen ohne eigene Familie leben einzelgängerisch. Weiblicher Nachwuchs bleibt meist in der Familie. Männchen hingegen verlassen den Bau nach etwa zehn Monaten.

Verbreitung

Marderartige besiedeln bis auf die Antarktis und Australien alle Erdteile der Erde und sind in allen Klimazonen anzutreffen. Besiedelt werden je nach Vorkommen tropische bis arktische Zonen. Die Lebensräume richten sich stark nach dem Vorkommen. So werden sowohl lichte Wälder, tropische Bergwälder, die Tundra und landwirtschaftliche Flächen als auch Halbwüsten, Wüsten und Steppen besiedelt. Einige Arten wie beispielsweise der Steinmarder (Martes foina) tauchen mitunter auch in städtischen Regionen sowie in Gärten und Parks auf. Otter treten sowohl in Binnengewässern als auch im Meer auf, wo sie jeweils auch an Ufern bzw. an Küsten zu beobachten sind.

Prädatoren

Prädator: Europäischer Luchs (Lynx lynx)
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Prädator: Europäischer Luchs (Lynx lynx)

Auch wenn Marderartige selbst zu den Raubtieren (Carnivora) gehören, stehen sie auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser. Dies sind aufgrund der Größe der Marderartigen meist größere Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes). Regional, vor allem aber zwischen den Klimazonen, unterscheiden sich die Feinde sehr stark. Im tropischen Afrika stellen beispielsweise den Kapottern (Aonyx capensis) und anderen Ottern insbesondere Nilkrokodile (Crocodylus niloticus), Leoparden (Panthera pardus) und größere Schlangen (Serpentes). Andere Otter wie zum Beispiel der im Meer lebende Seeotter (Enhydra lutris) wird von Weißen Haien (Carcharodon carcharias), Großen Schwertwalen (Orcinus orca) und von Kalifornischen Seelöwen (Zalophus californianus) gejagt. In Südamerika gelten Krokodilkaimane (Caiman crocodilus), Breitschnauzenkaimane (Caiman latirostris), Große Anakondas (Eunectes murinus), der Jaguar (Panthera onca) sowie größere Greifvögel, verwilderte Haushunde und kleinere bis mittelgroße Katzen (Felidae) als die gefährlichsten Fleischfresser der Marderartigen. Auf dem Indischen Subkontinent stellen im Wasser insbesondere Leistenkrokodile (Crocodylus porosus) und andere Krokodile (Crocodilia) den Mardern nach.

In Europa und dem westlichen Asien zählen zu den natürlichen Fleischfressern der Marder und Wiesel wie die Uhus (Bubo bubo), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Wildkatzen (Felis silvestris) oder auch der selten gewordene Europäische Luchs (Lynx lynx). In Nordamerika sind vor allem Virginia-Uhu (Bubo virginianus), Schnee-Eulen (Bubo scandiacus), Streifenkauz (Strix varia), Raufußbussarde (Buteo lagopus), Habicht (Accipiter gentilis), Klapperschlangen (Crotalidae), Wassermokassinottern (Agkistrodon piscivorus), Massassaugas (Sistrurus catenatus), Kojoten (Canis latrans), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Wölfe (Canis lupus), Rotluchse (Lynx rufus) und Kanadische Luchse (Lynx canadensis) zu nennen.

Ernährung

Bei allen Marderartigen handelt es sich um aktive Jäger. Bei zahlreichen Arten, wie beispielsweise den Echten Mardern (Martes), handelt es sich zudem um ausgezeichnete Kletterer, die auch Vögeln (Aves) oder Eichhörnchen (Sciurus) hoch oben in den Bäumen folgen. Am Boden verfolgen Marderartige Beutetiere auch bis in deren Erdbauten. In aller Regel erbeuten diese eleganten Räuber deutlich mehr Beutetiere als sie fressen können. Überzählige Beutetiere werden fortgeschleppt und meist an geeigneter Stelle versteckt. Die Vorräte dienen in Mangelzeiten der Ernährung. Weit oben auf der Speisekarte der meisten Marderartigen stehen Wühlmäuse (Arvicolinae), Mäuse (Mus), Hasen und Kaninchen (Leporidae), andere kleine Wirbeltiere (Vertebrata). Selbst Insekten werden von einigen Arten nicht verschmäht. Im Wasser lebende Arten wie die Vertreter der Otter (Lutrinae) ernähren sich überwiegend von Fischen, zusätzlich auch von Krebstieren (Crustacea), Muscheln (Bivalvia) und ähnlichen Beutetieren. Der Vielfraß (Gulo gulo) ist in der Lage, selbst mittelgroße Elche (Alces alces) und Rentiere (Rangifer tarandus) zu erlegen. Der Europäische Dachs (Meles meles) ernährt sich hingegen überwiegend von pflanzlicher Kost wie Pilze, Wurzelwerk, Obst und Sämereien. Nur zu einem Viertel steht beim Dachs auch Fleisch in Form von Würmern (Oligochaeta)und Schnecken (Gastropoda) sowie Insekten (Insecta) und ähnlichem auf der Speisekarte.

Vor allem bei den Wieseln, Nerzen und Iltissen sind die Zähne optimal an das Töten und Zerteilen von Beutetieren angepasst. Die Art des Tötens richtet sich im Wesentlichen nach der Größe eines Beutetieres. Größere Tiere werden durch einen Biss in das Genick, in die Kehle oder in den Kopf getötet. Kleinere Tiere werden auch durch Bisse in die Brust außer Gefecht gesetzt. Nur wenige Arten sind stark spezialisiert. Der Schwarzfußiltis (Mustela nigripes) ernährt sich
Schwarzschwanz-Präriehund (Cynomys ludovicianus)
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Schwarzschwanz-Präriehund (Cynomys ludovicianus)
beispielsweise fast ausschließlich von Präriehunden (Cynomys) wie dem Schwarzschwanz-Präriehund (Cynomys ludovicianus). Andere Nager wie der Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii), der Dreizehnstreifenziesel (Spermophilus tridecemlineatus) oder verschiedene Eichhörnchen (Sciurus) bilden nur einen kleinen Teil der Nahrung. Nerze jagen eine große Bandbreite an Beutetieren und machen in der Nähe eines Gewässern auch Jagd auf Flusskrebse (Astacoidea). Selbst Vögel verschmähen Nerze nicht.

Otter haben vor allem in kalten Gewässern einen enormen Nahrungsbedarf. So benötigt ein Meerotter in 10 Grad Celsius kaltem Wasser pro Stunde mindestens 100 Gramm an Nahrung. Meerotter verlassen im übrigen so gut wie gar nicht das Wasser. Sie leben zeitlebens im Meer.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird bei den meisten Arten, vor allem bei den kleineren Arten, gegen Ende des ersten Lebensjahres erreicht. Die kleinen Mauswiesel (Mustela nivalis) sind bereits im Alter von 3 bis 4 Monaten geschlechtsreif. Erst sehr spät, mit gut 15 Moaten, erreicht der Vielfraß die Geschlechtsreife, wobei die Männchen sich nicht selten erst im Alter von 3 Jahren fortpflanzen. In der nördlichen Hemisphäre erstreckt sich die Paarungszeit von Februar bis März.
Schwarzfußiltis: Wenige Tage alter Nachwuchs
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Schwarzfußiltis: Wenige Tage alter Nachwuchs
Die Männchen gehen zu dieser Zeit aktiv auf die Suche nach einem Weibchen und verlassen dabei nicht selten ihre eigenen Reviere. Marderartige können als promisk bezeichnet werden, da sich sowohl Männchen als auch Weibchen in einer Saison mit wechselnden und mehreren Partnern paaren. Nicht selten kommt es unter den Männchen zu Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit einem Weibchen. Nach der Kopulation beginnt in den meisten Fällen die embryonale Entwicklung. Bei einigen Arten wie beispielsweise dem Langschwanzwiesel (Mustela frenata) oder dem Hermelin (Mustela erminea) kann es auch zu einer verzögerten Einpflanzung kommen.

Die verzögerte Einpflanzung kann sich über bis zu einem Jahr erstrecken. Der Grund liegt auf der Hand: die Jungen kommen so zum optimalen Zeitpunkt zur Welt. Die Jungen kommen nach einer reinen Tragezeit von 35 bis 67 Tagen üblicherweise in einem Erdbau zur Welt. Hinzu kommt noch eine eventuelle Keimruhe. Die Wurfgröße liegt artabhängig bei 1 bis 9 Jungtieren. Das Geburtsgewicht variiert von wenigen Gramm bis hin zu 90 Gramm beim Vielfraß. Sie sind blind, taub und weisen meist nur ein spärliches Fell auf oder sind nackt. Die Säugezeit erststreckt sich artabhängig über 6 bis 12 Wochen. Bereits vor Ablauf der Laktationsperiode nehmen die Jungtiere die ersten Fleischbrocken zu sich oder kauen an größeren Brocken herum. Nach der Entwöhnung bleiben die Jungtiere meist noch einige Wochen bei der Mutter, ehe sie sich ein eigenes Revier suchen. Die Lebenserwartung liegt je nach Art zwischen 6 und 10 Jahren, in Gefangenschaft bei bis zu 20 Jahren. Der Vielfraß (Gulo gulo) mit 17 Jahren und Otter (Lutrinae) mit bis zu 20 Jahren erreichen dabei das höchste Alter.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In weiten Teilen der Erde stellt der Menschen Marderartigen, insbesondere den kleinen Wieselartigen wegen des Felles nach. Lokal wurden bereits ganze Populationen ausgerottet. In England ist beispielsweise schon seit mehr als 100 Jahren der Europäische Iltis (Mustela putorius) völlig verschwunden. Heute werden Nerze überwiegend in Farmen gezüchtet. Weltweit werden mit Nerzpelzen mehrere Milliarden US$ umgesetzt. Der Amerikanische Nerz (Mustela vison), der ursprünglich nur in Nordamerika vorkam, ist heute auch in Europa, Asien und in Südamerika verbreitet. Die Populationen in diesen Erdteilen haben sich offensichtlich aus Gefangenschaftsflüchtlingen oder freigelassenen (ausgewilderten) Tieren gebildet. Dies stellt in einigen Regionen mittlerweile für die einheimische Tierwelt ein großes Problem dar. Amerikanische Nerz stehen mittlerweile in Nahrungskonkurrenz zu einheimischen Marderartigen.

Schwarzfußiltis (Mustela nigripes)
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Schwarzfußiltis (Mustela nigripes)
Ein weiterer Aspekt ist die Jagd mit domestizierten Wieseln nach Nagetieren wie Hasen (Leporidae) und Nagetiere (Rodentia). Die meisten Marderartigen gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Nur wenige Arten sind gefährdet, stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Neben der Vernichtung der natürlichen Räume stellt vor allem die Abhängigkeit von bestimmten Beutetieren die größte Gefahr dar. Ein weiteres Problem ist die Nahrungskonkurrenz zwischen den verschiedenen Marderarten, wenn diese ein identisches Areal besiedeln.

Der Schwarzfußiltis gehört zu den seltensten und am stärksten bedrohten Säugetieren der Erde. In der Roten Liste der IUCN wird die Art seit 1996 in der Wildnis als ausgestorben geführt (EW, Extinct in the wild). Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt den Schwarzfußiltis in Anhang I unter weltweitem Schutz. In Freiheit ausgestorben ist die Art vor allem durch die Ausrottung durch den Menschen und Nahrungsmangel, da man gleichzeitig auch die Präriehunde bejagt hat. Die Präriehunde waren die Nahrungsgrundlage für die Schwarzfußiltisse. Seit 1987 gilt die Art in Freiheit als ausgestorben. Die letzten lebenden Exemplare wurden der Natur entnommen und Zuchtprogrammen zugeführt. Neben der Bejagung durch den Menschen beruhte das Aussterben auch auf die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, die bis auf zwei Prozent in Weide- und Agrarland umgewandelt wurden. Ein weiterer Grund war die grassierende Hundestaupe unter den letzten verbliebenden Tieren. Die letzten Exemplare fristen ihr Dasein heute in Gefangenschaft. Man versucht die Art durch gezielte Zuchtprogramme zu stabilisieren. Ob die Rettungsmaßnahmen greifen, bleibt abzuwarten.

Die Gefährdungsstufen laut IUCN im Einzelnen:

Systematik der Marderartigen

Vielfraß (Gulo gulo)
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Vielfraß (Gulo gulo)
Zorilla (Ictonyx striatus)
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Zorilla (Ictonyx striatus)
Fischermarder (Martes pennanti)
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Fischermarder (Martes pennanti)
Feuerwiesel (Mustela sibirica)
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Feuerwiesel (Mustela sibirica)
Tigeriltis (Vormela peregusna)
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Tigeriltis (Vormela peregusna)
Silberdachs (Taxidea taxus)
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Silberdachs (Taxidea taxus)

Familie: Marderartige (Mustelidae)

Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
Gattung: Algarolutra
Gattung: Fingerotter (Aonyx)
Gattung: Cyrnaonyx
Gattung: Seeotter (Enhydra)
Gattung: Enhydriodon
Gattung: Enhydritherium
Gattung: Hydrictis
Gattung: Kenyalutra
Gattung: Limnonyx
Gattung: Neuweltotter (Lontra)
Gattung: Fischotter (Lutra)
Gattung: Lutravus
Gattung: Lutrogale
Gattung: Megalenhydris
Gattung: Mionictis
Gattung: Paludolutra
Gattung: Paralutra
Gattung: Pteronura
Gattung: Sardolutra
Gattung: Satherium
Gattung: Siamogale
Gattung: Sivaonyx
Gattung: Torolutra
Gattung: Tyrrhenolutra
Gattung: Vishnuonyx
Unterfamilie: Wieselartige (Mustelinae)
Gattung: Anatolictis
Gattung: Schweinsdachse (Arctonyx)
Gattung: Baranogale
Gattung: Canimartes
Gattung: Cernictis
Gattung: Circamustela
Gattung: Dinogale
Gattung: Tayras (Eira)
Gattung: Enhydrictis
Gattung: Grisons (Galictis)
Gattung: Vielfraße (Gulo)
Gattung: Zorillas (Ictonyx)
Gattung: Patagonische Wiesel (Lyncodon)
Gattung: Marcetia
Gattung: Echte Marder (Martes)
Gattung: Europäische Dachse (Meles)
Gattung: Honigdachse (Mellivora)
Gattung: Sonnendachse (Melogale)
Gattung: Miomustela
Gattung: Wiesel (Mustela)
Gattung: Neovison
Gattung: Oxyvormela
Gattung: Pannonictis
Gattung: Paramartes
Gattung: Plionictis
Gattung: Pliotaxidea
Gattung: Poecilogale
Gattung: Proputorius
Gattung: Sinictis
Gattung: Sminthosinus
Gattung: Sthenictis
Gattung: Stipanicicia
Gattung: Silberdachse (Taxidea)
Gattung: Tisisthenes
Gattung: Trigonictis
Gattung: Tigeriltisse (Vormela)

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

Allgemeine Quellen
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
Spezielle Quellen
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