Mauerwinkelspinne

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Mauerwinkelspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Agelenoidea
Familie: Trichterspinnen (Agelenidae)
Gattung: Winkelspinnen (Tegenaria)
Art: Mauerwinkelspinne
Wissenschaftlicher Name
Tegenaria parietina
(Fourcroy, 1785)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:021270]

Die Mauerwinkelspinne (Tegenaria parietina) gehört innerhalb der Familie der Trichterspinnen (Agelenidae) zur Gattung der Winkelspinnen (Tegenaria).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Mauerwinkelspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 11 bis 17 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 11 bis 20 Millimeter. Sie weist eine rötlichbraune Färbung und ein rötliches Mittelband auf dem Hinterleib auf. Das Brustschild ist manchmal ganz einfarbig oder trägt ein breites helles, an beiden Seiten abgerundetes Mittelband, das ebenfalls von drei hellen Punkten flankiert wird, die sich in der Größe jedoch kaum unterscheiden. Die Beine bei dem Weibchen sind etwa dreimal so lang wie der gesamte Körper, bei dem Männchen fast fünfmal so lang. Ferner weisen die Beine eine braune Färbung auf und sind mit einer zarten dunkleren Zeichnung versehen. Das Weibchen der Mauerwinkelspinne kann ein Alter von etwa acht Jahren erreichen. Das Männchen dagegen stirbt meist schon kurze Zeit nach der Paarung.

Lebensweise

Die Mauerwinkelspinne lebt an Baumstümpfen, in Geröll und an Felsen. In den natürlichen Lebensräumen findet sich reichlich Nahrung für diese Art, allerdings oft in Form von großen, schnellen laufenden springenden Insekten (Insecta). Die Fangnetzfläche an der Röhrenmündung ist sehr stark ausgedehnt, und zwar fast immer die untere Seite, so dass ein Teppich entsteht, auf dem die Spinne sehr schnell zu laufen vermag. Von Holzstapeln und aus Zimmerecken befindet sich die dicht gewebte Netzdecke, sie geht in der dunkelsten Ecke in die Röhre über. Die langen Beine verleihen der Mauerwinkelspinne eine recht hohe Geschwindigkeit und befähigen sie, in ihrem großen Netz ein Insekt in kürzester Zeit zu packen. Noch ein anderer Effekt ist durch die langen Beine bedingt. Die Spinne baut einen regelrechten Seidendschungel über ihrer Netzdecke, indem sie die Fäden erhöht an umgebenden Pflanzenteilen, an Steinen und Mauerwerk anheftet, sie zu einem Punkt zieht und dort wieder anheftet. An dem Gespinst kann die Spinne emporhangeln und weitere Fäden ziehen, die sie zum Teil untereinander verbindet. So entsteht über der Netzdecke zunächst ein freier Raum, der, etwa eine Spinnenbeinlänge hoch, dem Tier Bewegungsfreiheit beim Beutefang verschafft. Darüber findet sich ein nicht sehr dichtes, unregelmäßiges Gespinst, das einen ziemlich großen Raum ausfüllt, ein Raumnetz. Eine bedeutende Nahrungsreserve ist damit erschlossen, denn fliegende und springende Insekten (Insecta), die auf flachen Gespinsten meistens entkommen, werden durch das Raumnetz behindert, stürzen auf die Netzdecke ab und sind damit eine leichte Beute der Spinne.

Verbreitung

Die Mauerwinkelspinne lebt in Häusern an ruhigen Stellen und in alten Mauern. Im Freiland hält sich die Spinne etwa in Felsspalten, unter Steinen und loser Rinde abgestorbener Bäume auf. Die Art kommt vorwiegend in Südeuropa vor. Die Mauerwinkelspinne ähnelt sehr der Rostroten Winkelspinne (Tegenaria ferruginea).

Ernährung

Als Lauerjägerin wartet die Mauerwinkelspinne auf ihre Beute und fängt sie dann mit einer raschen Bewegung. Gefangene Beutetiere werden mit einem Giftbiss getötet. Das verabreichte Gift enthält Enzyme und Eiweiße, die die Beutetiere vorverdauen. Die erstaunliche Fähigkeit der Spinne, selbst mehrere Monate ohne Nahrung zu überleben, liegt primär in ihrer relativ geringen Stoffwechselaktivität begründet. Im Herbst speichert sie vor allem Fette, daneben auch Kohlenhydrate und Proteine, die dann in den nahrungslosen Wintermonaten abgebaut werden. Bereits nach 50 Tagen Hunger sind die Kohlenhydrate um 61 Prozent, Fette um 47 Prozent und Proteine um 9 Prozent ihres Ausgangswertes reduziert.

Fortpflanzung

Die Paarung läuft ähnlich ab wie bei der Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica). Das Männchen packt allerdings nicht das Weibchen und zerrt das Weibchen an eine andere Stelle, sondern nähert sich ihm unter heftigen Bewegungen der Taster und des Hinterleibes und führt dann den ersten Taster ein. Bereits nach zwei bis drei Minuten findet der erste Tasterwechsel statt. Das Männchen steigt dabei über das Weibchen hinweg auf die andere Körperseite. In den Pausen der insgesamt mehrere Stunden dauernden Paarung sitzen die Partner friedlich nebeneinander, ohne dass es zu Angriffen durch das Weibchen kommt. Wenige Wochen nach einer erfolgreichen Paarung legt das Weibchen in einem Gespinst aus Seide ihre Eier ab. Das Gespinst wird an einer nicht einsehbaren Stelle abgelegt und befestigt. Die frühen Nymphenstadien häuten sich im Abstand von wenigen Tagen, spätere Stadien benötigen Intervalle von mehreren Wochen. Natürlich sind die Häutungsintervalle stark von der jeweiligen Ernährung abhängig. Bei gutem Nahrungsangebot häuten sich die Jungspinnen jeweils dann, wenn sich ihr Gewicht etwa verdoppelt hat.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

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Update 23. Juni 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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