Maultierhirsch

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Maultierhirsch
Männchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Trughirsche (Odocoileinae)
Gattung: Odocoileus
Art: Maultierhirsch
Wissenschaftlicher Name
Odocoileus hemionus
Rafinesque, 1817

Verbreitungsgebiet

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus) zählt innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung Odocoileus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Je nach Geschlecht erreicht der Maultierhirsch eine Körperlänge von 130 bis 170 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 85 bis 105 Zentimeter sowie ein Gewicht von 50 bis 150 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das grobborstige Fell weist eine graubraune Grundfärbung auf. Je nach Verbreitungsgebiet und Jahreszeit kann das Fell auch gräulich bis rotbraun gefärbt sein. Die Kehle, die Innenseiten der Extremitäten sowie der Spiegel sind weißlich gefärbt. Gleiches gilt für die äußeren Kanten der sehr langen und maultierartigen Ohren. Der kurze Schwanz ist weißlich und weist eine schwarze oder dunkelbraune Spitze auf. Der Rücken ist durch einen dunklen Aalstrich geprägt, der aber nicht bei allen Individuen gleich deutlich zu erkennen ist. Im Gegensatz zu den Weibchen verfügen männliche Maultierhirsche über ein imposantes Geweih.

Verhalten

Die Männchen der Maultierhirsche führen ein einzelgängerisches Leben und stoßen nur zur Paarungszeit zu den Weibchen. Die Weibchen leben mit ihrem Nachwuchs in kleinen Gruppen. Während der Jahres erfolgen witterungsbedingte Wanderungen. Zu diesem Zeitpunkt kann es vorkommen, dass sich mehrere Weibchenherden zusammenschließen. Im Frühjahr trennen sich die größeren Herden wieder. Die Sommerquartiere liegen deutlich höher als die Winterquartiere. Im Frühjahr stoßen die Männchen zu den Weibchenherden. Hier kann es unter rivalisierenden Männchen zu heftigen Gefechten um die Weibchen kommen. Der siegreiche Bock hat sich das Paarungsrecht mit einer ganzen Herde erkämpft. Bei der Nahrungssuche durchstreifen Maultierhirsche ein festes Revier und legen am Tag durchaus einige Kilometer zurück.

Die Reviere werden mit einem Sekret aus Körperdrüsen und mittels Urin markiert. Die Sekrete enthalten Pheromone, die von Artgenossen bereits über beträchtliche Entfernung wahrgenommen werden können. Es wird also eine Art Kommunikation hergestellt, obwohl Konkurrenten sich nicht sehen. Auf der anderen Seite signalisieren Weibchen ihre Paarungsbereitschaft über Pheromone, die über den Urin abgegeben werden. Die Sinne, insbesondere der Geruchs- und der Sehsinn sind hoch entwickelt. Auch Fressfeinde werden so frühzeitig erkannt und die Flucht kann rechtzeitig angetreten oder ein sicherer Zufluchtspunkt in hoher Vegetation aufgesucht werden. Nach der Brunft stoßen die Männchen ihr Geweih ab. Aber bereits zur nächsten Paarungszeit ist ihnen ein neues, imposantes Geweih gewachsen.

Zu den natürlichen Hauptfeinden zähen insbesondere der Puma (Puma concolor), Luchse (Lynx), Kojote (Canis latrans) und der Amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus). Maultierhirsche werden in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete auch vom Menschen gejagt.

Unterarten

Unterarten nach Wilson & Reeder, 2005.

Verbreitung

Der Maultierhirsch lebt in Nordamerika. Hier kommt der in den westlichen Landesteilen von Kanada und der USA vor. Im Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis ins zentrale Mexiko, insbesondere in Baja California. Die nur in Mexiko vorkommende Unterart Odocoileus hemionus cerrosensis gilt als gefährdet und wird als solche auch in der Roten Liste der IUCN geführt (EN, endangered). Der Maultierhirsch ist ausgesprochen anpassungsfähig und bewohnt eine Vielzahl von Habitaten. Er ist in lichten Wäldern und Heideflächen in der Ebene als auch in Mittelgebirgen anzutreffen. Während des Winters ziehen die Tiere allerdings in tiefere Lagen. In Mexiko und den südwestlichen Gebieten der USA werden auch die karge Prärie, Halbwüsten und reine Steppen bewohnt. Hier sind sie auch in der Sonora-Wüste anzutreffen. Im Norden leben Maultierhirsche auch in der subarktischen Tundra.

Ernährung

Weibchen
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Weibchen

Wie alle Hirsche, so gehören auch die Maultierhirsche zu den Wiederkäuern. Ihr Magensystem ist somit optimal an das karge Raufutter angepasst. Zur bevorzugten Nahrung gehören junge Triebe, Blätter und Knospen von Laubbäumen sowie Gräser, Kräuter, Moose und Flechten. Insgesamt haben sie ein weites Nahrungsspektrum. Ihr Geruchssinn ist sehr fein ausgebildet und leitet sie zielsicher zu den Nahrungsgründen. Hauptsächlich suchen sie ihre Nahrung in lichten Mischwäldern, Maultierhirsche sind aber auch an Flüssen, Seen und Feuchtwiesen bei der Nahrungssuche anzutreffen. Im Winter leben die Tiere hauptsächlich von Moosen und Flechten, gelegentlich schälen sie auch Rinde von den Bäumen. Im Winter gehen aufgrund der spärlichen Nahrung meist die Fettreserven deutlich zurück. In Wäldern werden vor allem im Herbst schmackhafte Waldfrüchte wie Eicheln, Hülsenfrüchte und Beeren gefressen. Während dieser Zeit fressen sie sich eine Fettschicht an, die im Winter das Überleben sichert.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit der Maultierhirsche beginnt im Winter meist zwischen November und Januar. Der Bulle, der eine Herde erobert hat, bleibt solange bei der Herde, bis alle Weibchen begattet sind. Einige Tage später verlässt er die Gruppe. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat das Männchen nichts zu tun. Die Geschlechtsreife erreichen Maultierhirsche mit rund 18 Monaten. Eine Maultierhirschkuh ist alle 28 Tage für rund 24 Stunden empfängnisbereit. Die Tragezeit beträgt zwischen 195 und 210 Tage. Die Länge der Tragezeit richtet sich stark nach der Witterung und dem Klima. Eine Kuh bringt ein, selten zwei Kälber an geschützter Stelle im Wald zur Welt. Das Geburtsgewicht beträgt drei bis vier, selten bis fünf Kilogramm. Bereits kurz nach der Geburt kann ein Kalb stehen und folgt der Mutter. Während der ersten Wochen nimmt das Kalb rund 1.000 bis 1.500 Milliliter Milch zu sich, später werden es auch deutlich mehr. Mit spätestens vier Monaten erfolgt die Entwöhnung von der Muttermilch. Ausgewachsen sind Maultierhirsche mit rund vier Jahren.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Hirsche (Cervidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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