Mausmakis

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Mausmakis
Brauner Mausmaki (Microcebus rufus)

Systematik
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Katzenmakis (Cheirogaleidae)
Gattung: Mausmakis
Wissenschaftlicher Name
Microcebus
Geoffrey, 1828

Mausmakis (Microcebus) zählen in der Unterordnung der Feuchtnasenaffen (Strepsirhini) zur Familie der Katzenmakis (Cheirogaleidae). Im Englischen wird die Gattung Mouse Lemurs genannt. In der Gattung werden 17 rezente Arten geführt. Die letzte Art die erst im Jahre 2008 beschrieben wurde, ist der MacArthurs Mausmaki (Microcebus macarthurii).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Mausmakis erreichen je nach Geschlecht und Art eine Körperlänge von 6,0 bis 12,9 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 11,3 bis 15,8 Zentimeter sowie ein Gewicht von 30,6 bis 77,8 Gramm. Der Zwerg-Mausmaki (Microcebus myoxinus) gilt als die kleinste Art innerhalb der Mausmakis, zugleich auch als kleinste Primatenart überhaupt. Der Berthes Mausmaki (Microcebus berthae) ist nur unwesentlich größer. Beim Berthes Mausmaki und dem Grauen Mausmaki (Microcebus murinus) zeigt sich zwischen den Geschlechtern kein Dimorphismus, weder in der Größe noch beim Gewicht. Beim Zwerg-Mausmaki (Microcebus myoxinus) weisen die Geschlechter saisonale Unterschiede beim Gewicht auf. Während der Fortpflanzungszeit sind die Weibchen schwerer, ansonsten die Männchen. In der Größe weisen beide Geschlechter wie auch die restlichen Arten keinen Dimorphismus auf. In der Fellfärbung kann man Mausmakis in 2 Gruppen einteilen. Ein Teil der Arten weist eine gräuliche Färbung auf, der andere Teil eine rötliche, orangerote bis rötlichbraune Färbung. Eine Unterscheidung der Arten nach der Fellfärbung ist daher ausgesprochen schwierig, wenn nicht unmöglich. Selbst innerhalb einer Art können unterschiedliche Fellfärbungen auftreten. Sicher unterscheiden kann man die Arten nach Olivieri et al. (2007) nur durch morphologische Eigenschaften oder anhand von genetischen Analysen. Der Rücken des Rostrum ist zwischen den Augen bei allen Arten weißlich gefärbt. Ventral ist das Fell cremefarben oder gräulich bis weißlich gefärbt. Das Gebiss der Mausmakis besteht aus 36 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 2/2, 1/1, 3/3, 3/3.

Im folgenden die durchschnittlichen Maße und Gewichte von den Arten, die bislang ausreichend erforscht sind. Von den zwischen 2006 und 2008 entdeckten Arten fehlen die Angaben im Wesentlichen. Maße und Gewichte nach Rasoloarison et al. (2000), Kappeler et al. (2005), Andriantompohavana et al. (2006) und Louis et al. (2006). <2>

Trivialname Wissenschaftlicher Name Körperlänge
in cm <2>
Schwanzlänge
in cm <2>
Gewicht
in g <2>
Berthes Mausmaki Microcebus berthae 8,2 11,6 30,6
Graubrauner Mausmaki Microcebus griseorufus 12,3 13,9 43,7 - 62,6
Goodman-Mausmaki Microcebus lehilahytsara 9,0 - 9,1 n/a 39,6 - 48,0
Grauer Mausmaki Microcebus murinus 9,3 - 12,9 13,0 53,2 - 65,5
Zwerg-Mausmaki Microcebus myoxinus 6,0 - 7,0 11,0 - 15,0 25,0 - 40,0
Goldbrauner Mausmaki Microcebus ravelobensis 9,6 - 12,7 14,5 51,8 - 71,7 (65,9)
Brauner Mausmaki Microcebus rufus ca. 9,0 11,7 43.7
Sambirano-Mausmaki Microcebus sambiranensis 8,3 - 11,7 14,0 40,4 - 48,0 (44,1)
Nördlicher Mausmaki Microcebus tavaratra 8,6 - 12,6 (9,0) 14,6 - 15,5 51,7 - 61,1 (52,3)
Claires Mausmaki Microcebus mamiratra 9,4 15,8 60,8
Simmonss Mausmaki Microcebus simmonsi 9,2 - 9,8 13,2 - 15,2 (14,2) 64,8 - 77,8
Jollys Mausmaki Microcebus jollyae 9,3 12,2 61,3
Mittermeiers Mausmaki Microcebus mittermeieri 8,2 - 8,7 11,3 44,1

Lebensweise

Mausmakis bewegen sich quadrupedal (Quadrupedie, lat. quadrus vier und pes Fuß) auf allen vier Extremitäten fort. Sie laufen und springen in der Regel nur in den Bäumen, sehr selten auch am Boden. Zwischen den Arten treten kleine Unterschiede in der Bewegung auf. Der Goldbraune Mausmaki (Microcebus ravelobensis) ist von allen Arten der beste Springer. Die Unterschiede in der Bewegung zwischen den einzelnen Arten beruhen im Wesentlichen auf morphologische Unterschiede und auf unterschiedliche Lebensraumtypen.

Soziale Organisation und Verhalten

Das Sozialverhalten der Mausmakis ist durchaus als komplex zu bezeichnen. Auch wenn noch nicht alles verstanden wird, so konnte belegt werden, dass Mausmakis - gleich welcher Art - die Nahrungssuche und -aufnahme einzelgängerisch bestreiten. Ansonsten leben die Tiere zum Teil in sozialen Gruppen. Forscher wie Radespiel (2000( und Weidt (2004) stellten fest, dass artabhängig sowohl Gruppen mit mehreren Männchen, Gruppen mit mehreren Weibchen, aber auch gemischte Gruppen vorkommen können. Man geht davon aus, dass sich die Tiere untereinander erkennen können. Über welchen Sinn die Erkennung erfolgt, ist jedoch unbekannt. Bei einigen Arten verbringen mehrere Individuen in stabilen Gruppen die Nachtruhe miteinander, wieder andere schlafen alleine. Gruppen bestehen beispielsweise beim Grauen Mausmaki (Microcebus murinus) aus 2 bis 5 Individuen. Soziale Interaktion beschränkt sich meist auf die Zeit kurz vor und kurz nach der Ruhephasen. Hierzu gehört beispielsweise die gegenseitige Körperpflege, das sogenannte grooming. Auch kurze Verfolgungsjagden und spielerische Raufereien gehören dazu. Raufereien können während der Paarungszeit durchaus auch einen ernsten Charakter aufweisen.

Kommunikation

Einer der wichtigste Sinne ist der olfaktorische Sinn, also der Geruchssinn. Die Reviermarkierung erfolgt über spezielle Duftdrüsen, über Speichel, Urin und Kot sowie über Drüsen im Genitalbereich. Urin geben Mausmakis über Hände und Füße. Im Zuge der Bewegung wird im Folgenden der Geruch im Geäst verteilt. Der Geruchssinn spielt bei den Männchen auch während der Paarungszeit eine Rolle. Weibchen geben während des Östrus über Drüsen in der Anal-/Genitalregion Druftmarken ab, die von Männchen gewittert werden können. Der Schlafplatz wird ebenfalls markiert. Die Markierung erfolgt zu Beginn der Ruhephasen. Im Lautrepertoire haben Forscher wie Schilling (2000) 7 bis 8 verschiedene Laute ermittelt. Darüber hinaus gehen einige Arten der Mausmakis auch Laute im Ultraschallbereich ab. Bekannt sind beispielsweise trillernde und zirpende Laute. Der Sehsinn spielt, trotz der großen Augen, nur eine untergeordnete Rolle in der Kommunikation.

Aktivitätsmuster

Mausmakis sind ohne Ausnahme nachtaktiv. Männchen sind meist das ganze Jahr über aktiv. Die Weibchen einiger (nicht aller) Arten fallen während der kühlen Jahreszeit in eine Art Winterschlaf. Diese Ruhephase kann sich über mehrere Monate erstrecken. Es wurde eine Spanne von 6 bis 24 Wochen festgestellt (Atsalis, 2007). Es ist jedoch kein echter Winterschlaf, sondern ein Torpor, also ein physiologischer Schlafzustand, der mit einer Lethargie vergleichbar ist. Um möglichst viel Energie zu sparen senken die Weibchen ihren Grundumsatz und die Körpertemperatur deutlich ab. Die Körpertemperatur fällt dabei auf die Umgebungstemperatur. Dies ist im madegassischen Winter etwa eine Temperatur von 15 Grad Celsius. Um den Torpor zu überstehen, legen sich die Weibchen im Sommer eine dicke Fettschicht an bzw. verdoppeln ihr Gewicht nahezu. Dies ist auch der Grund, warum die Weibchen vieler Mausmakiarten kurz vor dem Winter ein höheres Gewicht als die Männchen aufweisen. Die täglich Ruhephasen am Tage ähneln ebenfalls einem Torpor, bei dem sowohl der Grundumsatz als auch die Körpertemperatur gesenkt wird. Mausmakis verbringen ihre Ruhephase in Baumhöhlen oder größeren Astlöchern. Manche Arten wie der Zwerg-Mausmaki (Microcebus myoxinus) schlafen in dichter Vegetation (Schwab, 2000).

Revier und Revierverhalten

Mausmakis sind territorial und beanspruchen ein Revier in einer artabhängigen Größe von 0,01 km² bis 0,05 km². Die Reviere der Männchen sind deutlich größer und überschneiden sich mit denen der Weibchen. Bei einigen Arten überschneiden sich auch die Territorien einzelner Männchen. Während der Regenzeit sind die Reviere bei allen Arten deutlich größer als während der Trockenzeit. Mausmakis bewegen sich in einer Nacht zwischen 1.000 und 4.500 Metern durch das eigene Revier. Männchen sind deutlich aktiver in ihren Bewegungen als Weibchen.

Vorkommen und Lebensraum

Grauer Mausmaki(Microcebus murinus)
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Grauer Mausmaki
(Microcebus murinus)

Verbreitung

Mausmakis sind auf Madagaskar endemisch. Madagaskar liegt im Indischen Ozean vor der Ostküste Afrikas. Innerhalb der Arten und Populationen hat Olivieri et al. (2007) festgestellt, dass die gräulichen Formen jeweils ein größeres Verbreitungsgebiet aufweisen als die rötlichen Formen. Der Grund hierfür ist nicht bekannt. Einige Arten kommen sympatrisch vor, dass heißt ihre Verbreitungsgebiete überschneiden sich und besiedelt auch den gleichen Lebensraum oder die gleiche ökologische Nische. Einige Arten kommen auch oder ausschließlich auf Inseln vor, die der Küste Madagaskars vorgelagert sind. Hier ist insbesondere der Claire's Mausmaki (Microcebus mamiratra) zu nennen, der ausschließlich auf Nosy Be anzutreffen ist. Nosy Be liegt etwa 10 km vor der Nordwestküste Madagaskars. Der Name Nosy Be bedeutet „Große Insel“. Andere Arten leben nur in einer kleinen Region Madagaskars. Meist liegen diese Flecken in Nationalparks und sind nur wenige Quadratkilometer groß.

Lebensraum

Die meisten Arten der Mausmakis besiedeln mehr oder weniger dichte Wälder. Dies können je nach Art tropische Regenwälder, Küstenwälder, lichte Laubwälder oder auch Galeriewälder sein. Einige Arten leben auch in Baum- und Strauchsavannen, Mangroven und Sumpfgebieten. Selbst urbanisierte Wälder und Plantagen werden von einigen Arten besiedelt. Je nach Art werden verschiedene Lebensraumtypen bewohnt oder ein breites Spektrum an Lebensraumtypen genutzt. Mausmakis kommen artabhängig von der Ebene bis in Höhen von gut 2.000 Metern über NN vor. Die klimatischen Bedingen hängen vom Vorkommen und der Höhenlage ab. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt beispielsweise im trockenen Südosten bei rund 450 mm, die durchschnittlichen Temperaturen bei 13,1°C bis 22,5°C. Im Nordwesten der Insel liegen die Temperaturen je nach Jahreszeit zwischen 16°C und 37°C. Die Regenzeit fällt auf Madagaskar in die Monate Dezember bis März, die Regenzeit erstreckt sich von April bis in den November hinein.

Sympatrie

Mausmakis leben in ihrem Lebensraum zum Teil sympatrisch mit anderen Arten. Im Südosten Madagaskars sind dies beispielsweise Östliche Wollmakis (Avahi laniger), Große Katzenmakis (Cheirogaleus major), Fingertiere (Daubentonia madagascariensis), Breitschnauzen-Halbmakis (Prolemur simus), Graue Halbmakis (Hapalemur griseus), Braune Makis (Eulemur fulvus), Rotbauchmakis (Eulemur rubriventer), Varis (Varecia variegata), Diademsifaka (Propithecus diadema) und einigen Wieselmakis (Lepilemur). Auch wenn die Tiere oftmals den gleichen Lebensraum besetzen, so sind sie meist in verschiedenen Nischen zu finden, ernähren sich von unterschiedlicher Nahrung oder sind zu unterschiedlichen Zeiten aktiv.

Prädatoren

Prädator: Fossa(Cryptoprocta ferox)
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Prädator: Fossa
(Cryptoprocta ferox)

Aufgrund der Nachtaktivität stellen den Mausmakis relativ wenige natürliche Feinde nach. Es handelt sich in der Regel um ebenfalls nachtaktive Räuber. Hier sind Schleichkatzen (Viverridae), Madagassische Raubtiere (Eupleridae) wie die Fossa (Cryptoprocta ferox), Madagaskar-Mungos (Galidiinae), verwilderte Haushunde, aber auch Schlangen (Serpentes) wie die Madagaskar-Hundskopfboa (Boa manditra), Eulen (Strigiformes) wie die Madagaskar-Waldohreule (Asio madagascariensis) sowie Greifvögel (Falconiformes) wie Madagaskarhöhlenweihe (Polyboroides radiatus). Am Tage ruhen Mausmakis in Höhen oder an ähnlich geschützten Stellen. In der Nacht werden sie aktiv und stellen dann für nächtliche Räuber eine meist leichte Beute dar. Feldstudien im südlichen Madagaskar haben ergeben, dass rund ein Viertel aller gerissenen Tiere auf Eulen zurückzuführen sind.

Ernährung

Als Allesfresser ernähren sich Mausmakis sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost. Die Zusammensetzung der Nahrung ändert sich dabei je nach Saison. Weit oben auf der Speisekarte stehen neben Früchten, Blätter, Blüten, Knospen, Nektar und Baumsäfte auch tierische Kost wie Insekten (Insecta), andere Gliederfüßer (Arthropoda) und kleinere Wirbeltiere (Vertebrata), (Lahann, 2007). Der Anteil pflanzlicher und tierischer Kost schwankt je nach Art. So ernähren sich beispielsweise Braune Mausmakis (Microcebus rufus) überwiegend von Früchten, Berthes Mausmakis (Microcebus berthae) hingehen mehr von tierischer Kost. Bei Arten, die sympatrisch vorkommen, kann die bevorzugte Nahrung ebenfalls stark schwanken.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird artabhängig meist nach 12, spätestens mit 18 Monaten erreicht. Das Paarungsverhalten der Mausmakis kann als promisk (Promiskuität von lat. promiscus = gemeinsam, promiscere = vorher mischen) beschrieben werden. Es handelt sich dabei um ein kurzfristige Bindung, wobei die sexuellen Kontakte mit verschiedenen Partnern erfolgen.
Zwerg-Mausmaki(Microcebus myoxinus)
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Zwerg-Mausmaki
(Microcebus myoxinus)
Das Paarungsverhalten ist jedoch bei vielen Arten noch nicht ausreichend erforscht. Einige Forscher gehen davon aus, dass das Paarungsverhalten deutlich flexibler ist, also sich nicht nur auf Promiskuität beschränkt (Eberle & Kappeler 2004b). Die Paarungszeit erstreckt sich saisonal meist von September bis in den Januar hinein. Dies ist im Wesentlichen die Regenzeit auf Madagaskar. Auch hier kann es artabhängig zu Abweichungen kommen. Das Paarungsverhalten wird wahrscheinlich durch die länger werdenden Tage ausgelöst. Zu diesem Zeitpunkt zeigen sich bei beiden Geschlechtern morphologische Veränderungen. Die Hoden der Männchen schwellen zu Beginn der Paarungszeit deutlich an. Beim Grauen Mausmaki (Microcebus murinus) schwellen die Hoden beispielsweise bis zum 10fachen der Normalgröße an (Perret, 1992). Beim Vaginabereich der Weibchen zeigen sich ebenfalls morphologische Veränderungen, sowohl in der Größe als auch in der Färbung. Der Zyklus der Weibchen erstreckt sich artabhängig über 52 bis 59 Tage und kann mehrmals (2,25 bis 2,5) im Jahr auftreten. Innerhalb einer Population ist der Östrus der Weibchen meist stark synchronisiert, jedoch zeigt sich nicht bei allen die gleiche Empfänglichkeit. Die Empfänglichkeit ist in aller Regel sehr kurz. Bei einigen Arten wie dem Graubraunen Mausmaki (Microcebus griseorufus) erstreckt sich die Empfänglichkeit nur über einen Tag, bzw. eine Nacht. Während dieser kurzen Zeit paart sich ein Weibchen mit mehreren Männchen (Eberle, 2007). Während der Paarungszeit kommt es unter den geschlechtsreifen Männchen nicht selten zu heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit einem Weibchen. Männchen lokalisieren ein empfängliches Weibchen über den chemosensorischen Sinn. Die kurze Balz ist durch Beriechen und Belecken der Genitalien, kurzen Verfolgungsrennen mit anschließender Kopulation geprägt.

Nach einer artabhängigen Tragezeit von 52 bis 62 Tagen bringt ein Weibchen 1 bis 2 Jungtiere zur Welt. Beim Grauen Mausmaki (Microcebus murinus) kann es auch zu Drillingsgeburten kommen. In einer Saison kommt es in der Regel nur zu einem Wurf. Der zunächst blinde Nachwuchs weist eine Geburtsgewicht von 4,6 bis 7,2 Gramm auf. Die Augen öffnen sich bereits nach 2 bis 3 Tagen. Müssen die Jungen transportiert werden, so trägt ein Weibchen sie im Maul umher. In der ersten 3 Wochen bleiben die Jungen ausschließlich im Nest der Mutter. Ab der vierten Lebenswoche wird von den Jungen die erste feste Nahrung zu sich genommen. Die Entwöhnung von der Muttermilch ist bis zu 6. Lebenswoche abgeschlossen. Unabhängig ist der Nachwuchs im Alter von 2 Monaten. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt im Freiland bei kaum 2 Jahren. In Gefangenschaft liegt die bisher höchste Lebenserwartung bei 18 Jahren (Weigl, 2005).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Madagaskar heute: endlose Monokulturen
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Madagaskar heute: endlose Monokulturen

Alle Arten werden im Washingtoner Artenschutzabkommen in Anhang I geführt. Von den 17 Arten werden in der Roten Liste der IUCN lediglich 15 Arten geführt. Die Gefährdung der einzelnen Arten ist unterschiedlich. Als stark gefährdet (EN, Endangered) gelten der Berthes Mausmaki (Microcebus berthae), der Goldbraune Mausmaki (Microcebus ravelobensis), der Sambirano-Mausmaki (Microcebus sambiranensis) und der Nördliche Mausmaki (Microcebus tavaratra). Die anderen Arten sind entweder nicht gefährdet oder es liegen keine verlässlichen Daten vor. Es ist jedoch auch bei diesen Arten mittelfristig von einer Gefährdung auszugehen. Bei Arten wie dem Goodman-Mausmaki (Microcebus lehilahytsara) ist der Gefährdungsstatus völlig unbekannt. Arten, die nur in einer kleinen Region vorkommen, gelten für gewöhnlich stärker gefährdet als Arten mit einem großen Verbreitungsgebiet und einem breiten Spektrum an Lebensräumen.

Die Hauptbedrohung geht heute auf Madagaskar eindeutig von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume aus. Hier ausgenommen sind auch nicht die wenigen Nationalparks. Weitere Bedrohungen gehen von der Bejagung und von eingeführten Raubtieren aus. Nicht selten werden die Tiere eingefangen und landen im illegalen Haustierhandel. Zu den eingeführten Raubtieren zählen laut Mittermeier (2006) insbesondere verwilderte Haushunde und Hauskatzen (Felis catus). Die Zerstörung der natürlichen Lebensräume hat auf Madagaskar dramatische Formen angenommen. Nur noch in wenigen Regionen ist der Wald unangetastet. Selbst in den Nationalparks wird gerodet und verwüstet. Wälder werden vor allem wegen Brennholz und Bauholz oder wegen neuen landwirtschaftlichen Flächen gerodet. Auch Viehherden werden in die Wälder getrieben und vernichten die untersten Krautschichten.

Systematik der Gattung Mausmakis

Gattung Mausmakis (Microcebus)

Art: Berthes Mausmaki (Microcebus berthae)
Art: Graubrauner Mausmaki (Microcebus griseorufus)
Art: Goodman-Mausmaki (Microcebus lehilahytsara)
Art: Grauer Mausmaki (Microcebus murinus)
Art: Zwerg-Mausmaki (Microcebus myoxinus)
Art: Goldbrauner Mausmaki (Microcebus ravelobensis)
Art: Brauner Mausmaki (Microcebus rufus)
Art: Sambirano-Mausmaki (Microcebus sambiranensis)
Art: Nördlicher Mausmaki (Microcebus tavaratra)
Art: Claire's Mausmaki (Microcebus mamiratra)
Art: Simmons's Mausmaki (Microcebus simmonsi)
Art: Jolly's Mausmaki (Microcebus jollyae)
Art: Mittermeier's Mausmaki (Microcebus mittermeieri)
Art: Microcebus bongolavensis
Art: Microcebus danfossi
Art: Microcebus lokobensis
Art: MacArthurs Mausmaki (Microcebus macarthurii) <1>

Angang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge