Mauswiesel

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Mauswiesel

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Wiesel (Mustela)
Art: Mauswiesel
Wissenschaftlicher Name
Mustela nivalis
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Mauswiesel (Mustela nivalis), das auch Zwergwiesel oder Kleinwiesel genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung Wiesel (Mustela). Im Englischen wird das Mauswiesel least weasel genannt.

Das Mauswiesel wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) in Kooperation mit dem NABU zum Wildtier des Jahres 2013 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Mauswiesel erreicht je nach Unterart eine Körperlänge von 14,0 bis 25,0 Zentimeter sowie ein Gewicht von 30,0 bis 110,0 Gramm. Mit diesen Maßen gehört das Mauswiesel zu den kleinsten Raubtieren der Erde. Die eleganten Tiere haben einen sehr schlanken und langgestreckten Körper. Die Extremitäten sind ausgesprochen kurz. Der kleine und flache Kopf sitzt auf einem langen Hals. Das Fell weist je nach Jahreszeit eine Länge von 10,0 bis 15,0 Millimeter auf. Im Winter ist es deutlich länger. Im Winter ist das Fell in nördlichen Regionen in der Regel weiß gefärbt. Ansonsten ist das Fell bräunlich gefärbt. Kehle, Hals und der Bauch weisen hingegen eine weißliche Färbung auf. Das kräftige Gebiss verfügt über 34 Zähne. Die Augen sind ausgesprochen groß. Dies ist ein Indiz für seine Nachtaktivität. Es ist allerdings auch am Tage aktiv. Die Ohren sind von rundlicher Form. Die Füße der kurzen Extremitäten enden jeweils in fünf Zehen, die mit kräftigen Krallen versehen sind.

Lebensweise

Mauswiesel leben einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur zur Paarungszeit aufeinander. Die Tiere sind ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier vehement. Die Reviere der Männchen sind deutlich größer und überlappen sich mit denen der Weibchen. Mauswiesel sind je nach Region und Jahreszeit sowohl tag- als auch nacktaktiv. Zentraler Punkt in einem Revier ist der Bau der Mauswiesel. Die Erdbauten werden in der Regel selbst gegraben. Mauswiesel sind ausgesprochen sesshafte Tiere, sie wandern kaum umher. Allenfalls bei Nahrungsmangel suchen sich die Tiere ein neues Revier. Die Sinne, insbesondere der Hör- und Geruchssinn, sind hoch entwickelt. Beutetiere werden zumeist über den Geruchssinn lokalisiert. Mauswiesel sind zwar sehr wehrhafte Tiere, jedoch sind sie den meisten natürlichen Feinden aufgrund der geringen Größe deutlich unterlegen. Je nach Verbreitungsgebiet gehören Schlangen und vor allem größere Greifvögel zu den wichtigsten Feinden.

Unterarten

Die Einteilung in nachstehende Unterarten ist nicht unumstritten. Manche Forscher teilen das Mauswiesel nur in die Unterarten Mustela nivalis nivalis und Mustela nivalis vulgaris ein.

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber Vorkommen
Mustela nivalis boccamela Bechstein, 1800 Sardinien
Mustela rixosa campestris Jackson, 1913 USA
Putorius rixosus eskimo Stone, 1900 Alaska
Mustela nivalis minuta Pomel, 1853 Europa
Mustela nivalis namiyei Kuroda, 1921 Japan
Mustela nivalis nivalis Linnaeus, 1766 Osteuropa, westliches Asien
Mustela nivalis numidica Pucheran, 1855 Nordwestliches Afrika
Mustela nivalis pygmaea Allen, 1903
Mustela nivalis rixosa Bangs, 1896 Nordamerika, Kanada und USA
Mustela nivalis subpalmata Heprich & Ehrenberg, 1833 Nordostafrika, insbesondere Ägypten

Verbreitung

Das Mauswiesel ist mit seinen Unterarten in weiten Teilen der Palärarktis verbreitet. Es ist in Europa, dem Nahen Osten, Zentral- und Nordasien, Nordafrika sowie im nördlichen Teil von Nordamerika anzutreffen. In Europa fehlt das Mauswiesel lediglich in Irland. Die einzelnen Unterarten unterscheiden sich in der Größe zum Teil erheblich. Die nördlichen Arten weisen dabei die kleinsten Maße auf. Lichte Wälder, die Tundra, Heidelandschaften, steppenartige Habitate und Halbwüsten zählen zu den natürlichen Lebensräumen. In der Nähe des Menschen sind Mauswiesel auch auf Agrarflächen anzutreffen.

Ernährung

Das Mauswiesel ernährt sich hauptsächlich von kleinen Nagetieren. Dazu gehören insbesondere die Feldmaus (Microtus arvalis), die Wiesenwühlmaus (Microtus pennsylvanicus) und der Steppenlemming (Lagurus lagurus). Aber auch Vögel und deren Brut sowie junge Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) werden gerne gefressen. In einigen Verbreitungsgebieten stehen auch kleinere Reptilien, Insekten und Froschlurche auf der Speisekarte. Beutetiere werden in der Regel durch einen Biss in den Hals getötet. Wird ein Beutetier nicht gleich verspeist, so wird es in einem Nahrungsdepot zwischengelagert. Mauswiesel haben einen hohen Stoffwechsel. Daher brauchen sie täglich Nahrung. Die Verdauung erfolgt meist binnen einer Stunde.

Fortpflanzung

Das Mauswiesel erreicht die Geschlechtsreife je nach Unterart mit vier bis sechs Monaten. Die Paarungszeit beginnt meist schon im zeitigen Februar und kann sich bis in den Spätsommer erstrecken. Meist bringt ein Weibchen in einer Saison zwei Würfe zur Welt. Die Anzahl der Würfe richtet sich stark nach dem Nahrungsangebot. Mauswiesel leben in einer polygamen Beziehung. Nach der Verpaarung verlässt das Männchen ein Weibchen. Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt einzig dem Weibchen. Ein durchschnittlicher Wurf umfasst rund vier bis sechs Jungtiere. Es sind aber auch kleinere und größere Würfe beobachtet worden. Die Tragezeit umfasst durchschnittlich 34 bis 37 Tage. Die Jungtiere sind nur wenig entwickelt. Sie sind nackt, taub und blind. Das Geburtsgewicht liegt sind 1,1 und 1,8 Gramm. Die Säugezeit erstreckt sich in der Regel über 18 bis 20 Tage. Aber bereits ab der Dritten Wochen nehmen die Jungtiere zusätzlich auch feste Nahrung zu sich. Die Endgröße haben die Tiere mit rund 50 bis 55 Tagen erreicht. Im Alter von drei bis vier Monaten verlassen die Jungtiere den Familienverband und suchen sich ein eigenes Revier. Mauswiesel erreichen aufgrund der vielen Fressfeinde und der geringen Größe lediglich ein Alter von zwei bis vier Jahren.

Anhang

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Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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