Mazama Taschenratte

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Mazama Taschenratte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Geomyinae
Tribus: Thomomyini
Gattung: Gebirgs-Taschenratten (Thomomys)
Art: Mazama Taschenratte
Wissenschaftlicher Name
Thomomys mazama
Merriam, 1897

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Mazama Taschenratte (Thomomys mazama) zählt innerhalb der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung der Gebirgs-Taschenratten (Thomomys). Im Englischen wird diese Taschenratte Western Pocket Gopher oder Mazama Pocket Gopher genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, fossile Funde

Fossile Funde der Mazama Taschenratte liegen nicht vor. Forscher wie Dalquest und Scheffer (1945) glauben jedoch, dass die Wurzeln dieser Art im auslaufenden Pleistozän liegen. Die Nördliche Taschenratte (Thomomys talpoides) gilt dabei als die unmittelbare Ahnin der Mazama Taschenratte. Gegen Ende des Pleistozän war die Mazama Taschenratte bis in den Bundesstaat Washington, USA verbreitet. Mit der Zeit bildete die Mazama Taschenratte in Oregon und Kalifornien zahlreiche Unterarten aus. <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Mazama Taschenratte erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Kopfrumpflänge von 19,5 bis 23 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 5,5 bis 7,0 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 2,7 bis 2,9 Zentimeter sowie ein Gewicht von 80 bis 120 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Der Körper wirkt bei beiden Geschlechtern sehr kräftig. Diesen Eindruck verstärken die kurzen und kräftigen Extremitäten, deren Füße mit scharfen Krallen versehen sind. Mit den Krallen graben sich die Tiere mühelos ihre Erdbauten. Das ausgesprochen weiche und dichte Fell weist je nach Verbreitungsgebiet und Unterart eine schwarzbraune, dunkelbraune, graubraune, rötlichbraune, hellbraune oder auch fast gelblichbraune Färbung auf. Selbst innerhalb einer Unterart kann es zu unterschiedlichen Farbmorphen kommen. Die Extremitäten sind deutlich heller gefärbt. Seitlich der Schnauze befinden sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Im Wangenbereich befinden sich große Backenbeutel, die dem Zwischenspeichern von Nahrung dienen. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 1/1, 3/3. <2> Markant sind dabei die kräftigen Schneidezähne, die sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer liegen. Mit ihnen können Mazama Taschenratten mühelos auch harte Wurzeln zerschneiden.

Lebensweise

Mazama Taschenratten halten sich überwiegend unter der Erde in ihren selbstgegrabenen Erdbauten auf, an die Erdoberfläche kommen sie nur gelegentlich zur Nahrungssuche. Die Gänge, die zu den Wohnkammern führen weisen einen Durchmesser von 3,8 bis 4,4 Zentimeter auf. Die Gänge und Tunnel verlaufen meist in niedriger Tiefe von 10 bis 15 Zentimeter unterhalb der Grasnabe. Die Wohnkammer erreicht einen Durchmesser von gut 25 Zentimeter und eine Höhe von etwa 15 Zentimeter. Eine solche Wohnkammer befindet sich in einer Tiefe von 48 bis 150 Zentimeter. Die durchschnittliche Tiefe beträgt rund 90 Zentimeter. Kleinere Kammern dienen als Kotplatz oder als Vorratslager. Die Wohnkammern sind mit weichen Pflanzenteilen und getrockneten Gräsern ausgepolstert. <3> Die Tiere halten während der kalten Jahreszeit keine Winterruhe, jedoch legen sie für Mangelzeiten Nahrungsvorräte an. Mazama Taschenratten leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen sich im Grunde nur kurz während der Paarungszeit. Sie sind durchaus als territorial zu bezeichnen, die beanspruchten Reviere weisen zumeist eine Größe von 140 bis 200 Quadratmeter auf. Die Tiere sind überwiegend in der Nacht aktiv, dies gilt vor allem für die Nahrungssuche, die in der Nacht hauptsächlich an der Erdoberfläche stattfindet. Wurzeln und Knollen werden jedoch auch unterirdisch gefunden.

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Mazama Taschenratte erstreckt sich über die westlichen US-Bundesstaaten Oregon und Kalifornien. Mazama Taschenratten leben bevorzugt in Höhenlagen von über 2.800 Metern über NN. Gebirgstäler, Hochebenen, lichte Wälder und deren Ränder sowie Heidelandschaften zählen zu den natürlichen Lebensräumen. Der Lebensraum ist meist durch einen üppigen Pflanzenwuchs gekennzeichnet. Typische Pflanzen im Lebensraum sind unter anderem Adlerfarne (Pteridium aquilinum), Brombeeren (Rubus ursinus), Rot-Erlen (Alnus rubra), Oregon-Ahorn (Acer macrophyllum), Douglasien (Pseudotsuga menziesii), Grautannen (Abies concolor), Zucker-Kiefern (Pinus lambertiana), Gelb-Kiefern (Pinus ponderosa), Gewöhnliche Kratzdisteln (Cirsium vulgare), Stachelbeeren (Ribes), Gewöhnliches Tellerkraut (Montia perfoliata), Flammenblumen (Phlox) und viele andere.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Mazama Taschenratten gehören insbesondere Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes) wie der Fleckenkauz (Strix occidentalis), Waldohreule (Asio otus), Schleiereule (Tyto alba) und Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Aber auch größere Säugetiere (Mammalia) stellen den Tieren nach. Nicht selten graben Räuber die Mazama Taschenratten aus ihren Bauten heraus. Unter den Säugern treten insbesondere Rotfüchse (Vulpes vulpes), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Langschwanzwiesel (Mustela frenata), Hermeline (Mustela erminea), Amerikanische Nerze (Mustela vison) und Kojoten (Canis latrans) als Fleischfresser in Erscheinung. Unter den Reptilien gelten Schlangen wie die Kiefernatter (Pituophis melanoleucus) als natürliche Fleischfresser. Darüber hinaus sind eine Reihe von Ekto- und Endoparasiten bekannt, die den Mazama Taschenratten das Leben schwer machen. Dazu gehören beispielsweise Flöhe (Siphonaptera), Kieferläuse (Mallophaga) aus der Gattung Geomydoecus sowie Milben (Acari). <4>

Ernährung

Mazama Taschenratten ernähren sich rein vegetarisch. Auf ihrer Speisekarte stehen Gräser, Knollen und Wurzeln, Sämereien, Eicheln und ähnliches. Lokal und saisonal kann sich das Nahrungsangebot deutlich unterscheiden. So werden je nach Verbreitungsgebiet unter anderem Beifußgewächse (Artemisia), Bartfaden (Penstemon), verschiedene Süßgräser (Poaceae), Raublattgewächse (Boraginaceae), Opuntien (Opuntia), Trespen (Bromus) und Kreuzdorn (Rhamnus) gefressen. <5> Trinkwasser nehmen Mazama Taschenratten nicht zu sich, der Wasserbedarf wird ausschließlich über die Nahrung gedeckt. Nahrung wird sowohl auf der Erdoberfläche als auch unter der Erde in Form von Wurzeln und Knollen gesucht.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Mazama Taschenratten im Alter von gut sechs Monaten. Zur ersten Paarung kommt es jedoch erst im ersten Frühjahr nach der Geburt, also im Alter von knapp einem Jahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das ganze Jahr. In den meisten Regionen konzentriert sich die Paarungszeit jedoch über das Frühjahr und den Frühsommer, dies trifft vor allem auf die nördlichen Populationen zu. Je nach Verbreitungsgebiet kann es in einem Jahr zu ein bis zwei Würfen kommen. Das Weibchen bringt nach einer Tragezeit von 18 bis 22 Tagen ein bis sieben Jungtiere zur Welt. Ein durchschnittlicher Wurf beträgt vier bis fünf Jungtiere. Zur Geburt kommt es in den unterirdischen Bauten der Weibchen. Die Jungtiere sind nur wenig entwickelt. Sie sind nackt, blind, wiegen bei der Geburt zwischen drei und vier Gramm und weisen eine Körperlänge von etwa 87 Millimeter auf. Die Augen und Ohren öffnen sie im Alter von 25 bis 26 Tagen. Im Alter von sechs Wochen werden die Jungtiere von der Muttermilch abgesetzt und ernähren sich ab diesem Zeitpunkt von fester Nahrung. Die Selbständigkeit wird nach etwa zwei Monaten erreicht. Ab diesen Zeitpunkt verlassen die Jungtiere ihre Mutter. Ausgewachsen sind die Jungtiere im Alter von gut drei Monaten. Die Lebenserwartung einer Mazama Taschenratte liegt bei ein bis zwei Jahren. Ein Alter von drei oder gar vier Jahren wird aufgrund der vielen Fleischfresser nur selten erreicht.

Ökologie

In der Nähe des Menschen gelten die Mazama Taschenratten als Schädlinge. Man sagt ihnen nach, sie würden die Flora nachhaltig schädigen. Dabei gilt es als erwiesen, dass das Vieh der Farmer deutlich größeren Schaden an der Vegetation anrichtet. Fakt ist zudem, dass Mazama Taschenratten durch ihren Frass an Wurzeln und Pflanzenteilen den Pflanzenwuchs eher antreiben als unterbinden oder schädigen. Auf Getreidefeldern bedienen sich die Tiere nicht selten am Getreide. Auch dies macht sie in den Augen der Farmer zu einem Schädling. Mazama Taschenratten bilden für viele räuberisch lebende Tiere die Nahrungsgrundlagen. Sie sind daher ein wichtiger Teil in der Nahrungskette ihrer Habitate.

Gefährdung und Schutz

Mazama Taschenratten gelten heute als Art noch nicht gefährdet. Sie werden daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Für einige Unterarten sieht es jedoch deutlich schlechter aus. Die Unterarten Thomomys mazama couchi, Thomomys mazama glacialis, Thomomys mazama pugetensis und Thomomys mazama yelmensis, alle aus dem US-Bundesstaat Oregon, gelten als gefährdet. Thomomys mazama louiei aus Oregon gilt als kritisch gefährdet und steht kurz vor der Ausrottung. Schon einen Schritt weiter ist die Unterart Thomomys mazama tacomensis, ebenfalls aus Oregon - sie gilt als ausgestorben (EX, extinct in the wild). <6> Hauptursache ist die weitflächige Zerstörung der natürlichen Lebensräume, die Ausbringung von Pflanzenschutzmittel sowie die Bejagung und Nachstellung durch den Menschen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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