Mertens-Wasserwaran

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Mertens-Wasserwaran

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Autarchoglossa
Überfamilie: Waranartige (Platynota)
Familie: Warane (Varanidae)
Gattung: Varanus
Art: Mertens-Wasserwaran
Wissenschaftlicher Name
Varanus mertensi
Glauert, 1951

Der Mertens-Wasserwaran (Varanus mertensi) gehört zur Familie der Warane (Varanidae) sowie zur Gattung der Warane (Varanus). Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach nicht bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der schlank gebaute und mittelgroße Mertens-Wasserwaran erreicht eine Gesamtlänge von 100 bis 150 Zentimeter, wobei Extremlängen von bis zu 150 Zentimetern nur selten erreicht werden. Der Schwanz erreicht in etwa die 1,5-fache Länge des Körpers. Er ist aufgrund der aquatilen Lebensweise lateral abgeflacht und weist dorsal einen deutlich sichtbaren Kiel auf. Der Kopf ist schlank, die Augen liegen seitlich am Kopf und die Nasenlöcher sitzen oberhalb der Schnauze. Sowohl die Lage der Nasenlöcher als auch der Schwanz stellen eine Anpassung an die aquatile Lebensweise dar. Beim Tauchen werden die Nasenlöcher durch Klappen verschlossen. Die Haut des Mertens-Wasserwarans ist olivgrün bis dunkel olivgrün gefärbt. Die Kehle ist gelblich gefärbt, ventral zeigt sich eine cremefarbene Färbung. Dorsal zeigen sich unregelmäßige cremefarbene bis leicht gelbliche Flecken, die eine schwärzliche Umrandung aufweisen. Vom Unterkiefer bis hinter die Ohröffnungen verläuft ein gräulicher bis leicht bläulicher schmaler Streifen. Die dorsale Beschuppung ist am Körper eher klein, die Kopfschuppen und die ventrale Beschuppung sind hingegen recht groß. Um die Körpermitte sind zwischen 150 und 190 Schuppenreihen angeordnet. Die Beschuppung ist üblicherweise eher glatt und nur im Bereich des Schwanzes leicht gekielt.

Lebensweise

Mertens-Wasserwarane gehören zu den aquatilen Waranen und verbringen daher die meiste Zeit im Wasser. Die Tiere sind ganzjährig aktiv, eine inaktive Periode wie bei einigen terrestrischen Arten ist beim Mertens-Wasserwaran nicht nachgewiesen. Sie gelten als ausgezeichnete Schwimmer, wobei der lateral abgeflachte Ruderschwanz eine herausragende Rolle spielt. An Land kann man die Tiere nur selten beobachten. Dies ist meist nur beim Sonnenbaden der Fall. Weibchen gehen auch zur Eiablage an Land. Dann liegen die Tiere am Ufer oder auf Sandbänken und tanken Sonne. Warane gehören wie alle Reptilien zu den poikilothermen (wechselwarmen) Tieren und können daher ihre Körpertemperatur nicht selbständig halten. Die Körpertemperatur ist demnach nicht konstant. Fühlt sich ein Mertens-Wasserwaran gestört, taucht er ins Wasser ein. Während der Paarungszeit kommt es unter den geschlechtsreifen Männchen zu Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit einem Weibchen. Die Kämpfe erinnern an Ringkämpfe, die mit den vorderen Extremitäten ausgetragen werden. Unter Wasser läuft der Mertens-Wasserwaran am Grund oder schwimmt, wobei der Schwanz als Antriebsorgan fungiert. Seine Augen sind bei den Tauchgängen offen.

Verbreitung

Mertens-Wasserwarane sind im nördlichen Australien endemisch. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Westen von den Kimberleys, östlich bis Cape York Peninsula (Kap-York-Halbinsel). Die Tiere sind aufgrund ihrer semiaquatilen Lebensweise grundsätzlich nur in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer anzutreffen. Sie besiedeln sowohl Küstenregionen als auch stehende oder fließende Binnengewässer. An Land kommen Mertens-Wasserwarane nur selten, die meiste Zeit halten sie sich im Wasser auf, wo sie auch auf Nahrungssuche gehen. Im Grunde betreten sie die Ufer ihrer Heimatgewässer nur zum Sonnenbaden. Hier liegen sie dann auf Steinen, Baumstämmen oder an ähnlich exponierten Stellen.

Ernährung

Aufgrund der aquatilen Lebensweise stehen beim Mertens-Wasserwaran hauptsächlich Fische (Actinopterygii), Krebstiere (Crustacea) und Froschlurche (Anura) auf der Speisekarte. Aber auch Insekten (Insecta), Insektenlarven, Spinnentiere (Arachnida), kleine Säugetiere (Mammalia) und Aas wird keineswegs verschmäht.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Mertens-Wasserwarane spätestens im Alter von gut 4 Jahren. Dies entspricht einer Kopf-Rumpf-Länge von 28 Zentimeter beim Weibchen und 32 Zentimeter beim Männchen. Außerhalb der Paarungszeit leben Mertens-Wasserwarane eher einzelgängerisch. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Lebensräumen über die Trockenzeit. Dies ist meist ab Dezember der Fall. Nur in wenigen Regionen kann es auch ganzjährig zur Paarung und Eiablage kommen. Kommentkämpfe unter den Männchen sind die Regel. Ein siegreiches Männchen beansprucht dabei das Paarungsrecht mit einem Weibchen für sich. Nach der Kopulation trennt sich ein Paar wieder. Die Männchen haben im folgenden nichts weiter mit der Aufzucht zu tun. Das Weibchen gräbt unmittelbar vor der Eiablage in Ufernähe einen schräg in den Boden verlaufenden Tunnel, der bis in eine Tiefe von gut 50 Zentimeter reichen kann. Hier hinein legt das Weibchen durchschnittlich 10 bis 14 Eier, die eine Länge von 60 und eine Breite von 35 Millimeter aufweisen. Nach der Ablage der Eier wird das Gelege sorgsam mit Vegetationsteilen abgedeckt. Die Eier reifen je nach Umgebungstemperatur in 182 bis 316 Tagen heran. Bei Temperaturen von 29 bis 32°C inkubieren die Eier innerhalb von 182 bis 277 Tagen, bei einer Temperatur von 27 bis 28°C erstreckt sich die Inkubation über 265 bis 316 Tage. Der Schlupf erfolgt üblicherweise zur Regenzeit. Zu dieser Zeit ist Nahrung reichlich vorhanden. Die geschlüpften Jungtiere weisen eine Kopfrumpflänge von 12 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 18 Zentimeter und ein Gewicht von 26 bis 30 Gramm auf. Der Nachwuchs ernährt sich in der ersten Zeit überwiegend von Insekten und Insektenlarven. Die Lebenserwartung der Mertens-Wasserwarane liegt bei mehr als 20 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Mertens-Wasserwaran gehört noch nicht zu den bedrohten Arten, obgleich in einigen Regionen ein Bestandsrückgang zu verzeichnen ist. In der Roten Liste der IUCN wird die Art nicht geführt. In den letzten Jahren hat die Pestizidbelastung in den natürlichen Verbreitungsgebieten deutlich zugenommen. Mertens-Wasserwarane nehmen diese Gifte über die Nahrung auf. Hier ist insbesondere die Aga-Kröte (Bufo marinus) zu nennen, die lokal den Hauptanteil am Nahrungsaufkommen bildet. Untersuchungen haben ergeben, dass der Mertens-Wasserwaran besonders anfällig ist für die verschiedensten Gifte. In den großen Nationalparks im Norden Australiens geht man heute dazu über, den Bestand der Aga-Kröten einzudämmen, um die Bestände der Mertens-Wasserwarane zu schützen.

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Warane (Varanidae)

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert, Gisela Deckert, Günther E. Freytag: Urania Tierreich, 7 Bde., Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania, Freiburg (1991) ISBN 3332003763
  • Manfred Rogner: Echsen, Bd.2, Warane, Skinke und andere Echsen sowie Brückenechsen und Krokodile. Ulmer (Eugen) (1994). ISBN 3800172534´
  • Daniel Bennett: Warane der Welt. Chimaira (1996) ISBN 3930612054
  • Bernd Eidenmüller: Warane. Lebensweise - Pflege - Zucht. Herpeton, Auflage 2 (2003) ISBN 3936180032

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