Mhorr-Gazelle

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Mhorr-Gazelle

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Gazellen (Gazella)
Art: Damagazelle
Unterart: Mhorr-Gazelle
Wissenschaftlicher Name
Gazella dama mhorr
Bennett, 1833

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Die Mhorr-Gazelle (Gazella dama mhorr) ist eine Unterart der Damagazelle (Gazella dama) und zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Gazellen (Gazella).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Mhorr-Gazellen erreichen eine Körperlänge von 145 bis 170 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 90 bis 120 Zentimeter sowie ein Gewicht von 45 bis 80 Kilogramm. Das Fell ist im Bereich des oberen Rückens, der Brust, der seitlichen Teilen des Halses und am Hals dunkelbraun. Das restliche Fell ist weißlich gefärbt. IN Gegensatz zur Rothalsgazelle sind die Braunanteile bei der Mhorr-Gazelle deztlich höher. Sie sind insgesamt sehr lebhaft und markant gefärbt. Auch der Kopf ist überwiegend weiß, insbesondere die Ohren, Unterkiefer und der Nasenrücken. Am Hals haben sie einen charakteristisch weißen Fleck, der allerdingsdeutlich kleiner ausfällt als bei der Rothalsgazelle. Die Mhorr-Gazelle ist von schlanker Statur mit dünnen langen Beinen und kleinen Hufen. Auch der Hals ist ausgesprochen schlank und lang. Die Hörner, die beim Männchen stärker ausgebildet sind, weisen eine spiralförmige Form auf und sind leicht nach innen gedreht. Die geringelten Hörner können eine Länge von 25 bis 35 Zentimeter erreichen und dienen hauptsächlich den Revierkämpfen.

Verhalten

Mhorr-Gazelle
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Mhorr-Gazelle

Die tagaktiven Mhorr-Gazellen lebten in Freiheit in kleinen Gruppen von bis zu 20 Tieren. Die Zusammensetzung der Gruppen war allerdings nicht einheitlich. Die Gruppen bestanden sowohl aus adulten Tieren als auch aus Jungtieren. Angeführt wurde eine gemischtgeschlechtliche Herde von einem dominanten Männchen. Er herrschte über mehrere Weibchen und deren Nachwuchs. Neben diesen gemischtgeschlechtlichen Gruppen gab es aber auch reine Junggesellengruppen und Herden die nur aus Weibchen und deren Nachwuchs bestanden. Während der jährlichen Wanderung schlossen sich mehrere Gruppen zu großen Herden von bis zu 600 oder mehr Tieren zusammen. Vor allem während der Paarungszeit kam es unter rivalisierenden Männchen zu heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Als Waffen werden die mächtigen Hörner eingesetzt. Zu schweren Verletzungen kam es jedoch zumeist nicht. Heute kann man die Mhorr-Gazelle nur noch in Wildparks und Zoos bewundern.

Verbreitung

Natürlicher Lebensraum - die Sahara
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Natürlicher Lebensraum - die Sahara

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich von Algerien und Marokko bis nach Westafrika in den Senegal. Während des Jahres kam es zu großen Wanderungen zwischen Wüste und der Sahelzone. Mhorr-Gazellen bevorzugten offene Landschaften mit spärlicher Vegetation wie trockene Sandwüsten und Dornbuschsteppen. Baumsavannen gehören ebenfalls zum Lebensraum.

Gefährdung, Schutz

Neben der Vernichtung und Urbanisierung ihrer Lebensräume stand vor allem die starke Bejagung durch Wilderer, Jäger und die einheimische Bevölkerung ganz oben auf der Liste der Gefährdungsfaktoren. Aber auch globale Klimaveränderungen und landwirtschaftliche Expansion hatten zu der Situation beigetragen. Gerade die landwirtschaftliche Ausbreitung sorgte mit den Haustieren dafür, daß die Mhorr-Gazellen immer weiter von den Futterplätzen verdrängt werden.

Prädatoren

Zu den natürlichen Hauptfeinden gehörten in der Vergangenheit neben Großkatzen wie Löwen (Panthera leo), Geparden (Acinonyx jubatus), Leoparden (Panthera pardus) auch Räuber wie Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta), Goldschakale (Canis aureus) und Schabrackenschakale (Canis mesomelas). Größere Greifvögel erbeuten hin und wieder auch ein Kitz. Die Flucht ist die einzige Verteidigung der Mhorr-Gazelle. Aber wie bei allen Tieren, so war der Homo sapiens mit seiner Gier und Arroganz doch der ärgste Feind.

Ernährung

Neben Gräsern und Kräutern gehört auch das Laub der Akazien zur natürlichen Nahrung der Mhorr-Gazellen. Selbst höher hängende Blätter stellen kein Problem dar. Auf den Hinterbeinen stehend kommt eine Mhorr-Gazelle an Laub in Höhen von fast drei Metern. Der Wasserbedarf wird fast ausschließlich über die Nahrung gestillt.

Fortpflanzung

Mhorr-Gazelle
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Mhorr-Gazelle

Die Geschlechtsreife wird bei den Geschlechtern der Mhorr-Gazelle in unterschiedlichen Zeiten erreicht. Während Männchen bereits nach zwölf Monaten die Geschlechtsreife erreichen, benötigen Weibchen zwischen achtzehn und vierundzwanzig Monaten. Die Paarungszeit der meisten Populationen beginnt im August oder November. Während der Paarungszeit legen Männchen ein besonderes territoriales Verhalten an den Tag und kämpfen mit Artgenossen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Die Reviere werden mit Urin markiert und gegenüber Artgenossen verteidigt. Uneingeschränkten Zugang zum Revier eines Männchen haben nur empfängnisbereite Weibchen. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da sich ein Männchen mit allen Weibchen einer Herde paart. Nach einer Trächtigkeit von rund 170 bis 185 Tagen bringt das Weibchen ein, selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Hochtragende Weibchen sondern sich von ihrer Herde zum Werfen ab. Die ersten Tage bleibt das Jungtier im hohen Gras der Savanne verborgen und wird von der Mutter aus einiger Entfernung bewacht. Ist ein Feind in der Nähe, so lenkt die Mutter die Aufmerksamkeit auf sich und leitet den Räuber vom Jungtier weg. Nach einigen Tagen ist das Jungtier kräftig genug, um der Mutter und der Herde zu folgen. Nach ein bis zwei Wochen ist das Junge so schnell unterwegs wie die erwachsenen Tiere. Nach rund sechs Monaten erfolgt die Entwöhnung. Mhorr-Gazellen können in Freiheit ein Alter von zehn bis zwölf Jahren erreichen, in Gefangenschaft auch ein Alter von 18 Jahren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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