Micoureus paraguayanus

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Micoureus paraguayanus
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Beutelrattenartige (Didelphimorphia)
Familie: Beutelratten (Didelphidae)
Unterfamilie: Eigentliche Beutelratten (Didelphinae)
Gattung: Wollige Zwergbeutelratten (Micoureus)
Art: Micoureus paraguayanus
Wissenschaftlicher Name
Micoureus paraguayanus
Tate, 1931

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Micoureus paraguayanus (Syn. Marmosa paraguayanus) zählt innerhalb der Familie der Beutelratten (Didelphidae) zur Gattung der Wolligen Zwergbeutelratten (Micoureus). Im Englischen wird die Art Tate's Woolly Mouse Opossum genannt (IUCN, 2014). Es sind 2 Unterarten bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Systematik

Die systematische Einordnung gilt als umstritten. In einigen Systematiken wird die Art in der Gattung Micoureus geführt, in anderen in der Gattung Marmosa. Dieser Artikel richtet sich nach Wilson & Reeder (2005) und ordnet die Art in die Gattung Micoureus ein. Grundlage für die unterschiedliche Systematik sind phylogenetische Studien. Innerhalb der Gattung der Wolligen Zwergbeutelratten (Micoureus) werden heute 6 Arten geführt (Wilson & Reeder, 2005; Smith, 2009, 2011).

Erkennung und Unterschiede

Micoureus paraguayanus kann mit anderen Arten der Beutelratten (Didelphinae) verwechselt werden. Hier sind insbesondere Vertreter der Gattungen Gracilinanus und Cryptonanus sowie Micoureus constantiae und Thylamys macrurus zu nennen. Die Arten der Gattungen Gracilinanus und Cryptonanus sind jedoch deutlich kleiner. Auch die gräuliche bis rotgraue Fellfärbung und der zweifarbige Schwanz sind einzigartig. Der Schwanz von Micoureus paraguayanus zeichnet sich durch eine dunkle Basis und eine sehr helle Schwanzspitze aus. Das Fell von Micoureus constantiae ist dichter und weist eine mehr gräuliche Fellfärbung auf. Die Weibchen von Micoureus constantiae besitzen 15 Milchdrüsen, die Weibchen von Micoureus paraguayana hingegen nur 11. Die Schwanzschuppen sind rautenförmig und spiralartig angelegt. Thylamys macrurus hat nur einen einfarbigen Schwanz und lateral ist das Fell heller gefärbt (Smith, 2009).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Micoureus paraguayanus ist eine große und stämmig gebaute Art innerhalb der Beutelratten. Sie erreicht eine Gesamtlänge von 270 bis 460 (389) mm, eine Körperlänge von 120 bis 200 (169) mm, eine Schwanzlänge von 150 bis 260 (219) mm eine Hinterfußlänge von 22,5 bis 29,5 (25,1) mm, eine Ohrlänge von 25 bis 30 (28) mm sowie ein Gewicht von 53 bis 230 g. Die Schnauze ist relativ kurz, das Felll ist dicht und wirkt wollig. Der Kopf wirkt im Profil leicht dreieckig. Das Fell weist eine gräuliche Grundfärbung mit einem leicht rötlichen Schimmer auf, ventral zeigt sich eine cremefarbene bis gelbliche oder weißliche Färbung. Die Seiten des Kopfes sind gelblich bis ockerfarben, die Augenringe sind deutlich schwarz gefärbt. Die Nasenspitze sowie die Füße sind leicht rosa. Die Fußsohlen sind glatt, der Schwanz ist nur spärlich behaart. Die Augen groß und dunkel gefärbt, die Ohren sind groß und zur Spitze hin leicht abgerundet. Das Gebiss besteht aus 50 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i5/4, c1/1, p3/3, m4/4. Eckzähne sind lang und leicht gekrümmt (Smith, 2009).

Lebensweise

Micoureus paraguayanus ist nachtaktiv, einzelgängerisch und lebt überwiegend im Geäst von Bäumen. Den Boden betreten die Tiere relativ selten, und wenn, dann hälr sich Micoureus paraguayanus im dichten Unterholz auf. Die Art ist ein schneller Läufer und Kletterer. Die maximale Geschwindigkeit dem 6,4-fachen der Körperlänge pro Sekunde. Die Reviergröße der Art liegt bei 0,1 bis 2.45 (0,82) ha. DIe Reviergrößen von Männchen und Weibchen sind in etwa gleich groß. Während der Paarungszeit überlappen sich die Reviergrenzen der Geschlechter. Reviere einzelner Männchen überlappen sich hingegen nicht. Je nach Nahrungsvorkommen bewegen sich die Tiere in einer Nacht zwischen wenige Dutzend bid hin zu mehr als 1.000 m durch ihr Revier. Die Schlafplätze liegen in Baumnestern. Die Nester sind mit trockenen Blättern ausgepolstert und liegen in einer durchschnittlichen Höhe von rund 10 (+ /-2.75m) Metern (Smith, 2009).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist im östlichen Paraguay, in der argentinischen Provinz Misiones und im östlichen Brasilien vom Bundesstaat Minas Gerais bis nach Rio Grande do Sul endemisch. Micoureus paraguayanus besiedelt hauptsächlich den atlantischen Regenwald mit einer Präferenz zu Habiaten mit zahlreichen Palmen und ähnlichen Gewächsen. Besiedelt werden dabei die mittleren Baumzonen bis in Höhen von gut 12 m. In der Nähe des Menschen werden auch Eukalyptusplantagen und ähnliches besiedelt (IUCN, 2014; Smith, 2009).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden von Micoureus paraguayanus zählen vor allem nachtaktive Jäger wie die Schleiereule (Tyto alba). Zu den nachgewiesenen Ektoparasiten können Flöhe (Siphonaptera) wie Adoratopsylla ronnai und Milben (Acari, Acarida) wie Bdellonyssus oder Didelphoecius didelphicola gerechnet werden (Smith, 2009).

Ernährung

Micoureus paraguayanus ernährt sich überwieegend von Insekten (Insecta) und deren Larven aus den Ordnungen der Käfer (Coleoptera), der Geradflügler (Orthoptera), der Schnabelkerfe (Hemiptera), der Schmetterlinge (Lepidoptera), der Zweiflügler (Diptera), der Schaben (Blattodea) und der Hautflügler (Hymenoptera). In kleineren Mengen stehen auch Spinnentiere (Arachnida) sowie Termiten (Isoptera) und Termiten (Isoptera) auf der Speisekarte. In der Nähe eines Gewässers werden auch Ruderfußkrebse (Copepoda) und Asseln (Isopoda) gefressen. Neben der rierischen Kost nehmen die Tiere auch pflanzliches wie die Samen von Ameisenbäumen (Cecropia), Pfeffer (Piper) und Nachtschattengewächsen (Solanaceae) zu sich. Dies haben Kot- und Magenanalysen ergeben (Smith, 2009).

Fortpflanzung

Während der Paarungszeit steigt das Territorialverhalten der Art deutlich an. Die Paarungszeit von Micoureus paraguayanus kann als saisonal bezeichnet werden, da sich diese über die Regenzeit von Oktober bis in den Mai hinein erstreckt. Während dieser Zeit ist Nahrung in ausreichenden Mengen vorhanden. In einer Saison kommt es zu 1 bis 2 Würfen. Ein Wurf besteht aus 6 bis 11 Jungtieren, die bereits nach 6 Monaten die Geschlechtsreife erreicht haben. Die Lebenserwartung liegt bei höchstens 2 Jahren (Smith, 2009).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Micoureus paraguayanus gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Ein Teil der Populationen lebt in Schutzgebieten. Global gesehen stellt vor allem die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Fragmentierung eine Gefahr dar. Zudem ist die Siedlungsdichte der Art eher gering. In einigen Regionen leben auf einer Fläche von 10 ha kaum 20 Individuen (IUCN, 2014; Smith, 2009).

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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