Micrathena gracilis

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Micrathena gracilis
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Echte Radnetzspinnen (Araneidae)
Gattung: Micrathena
Art: Micrathena gracilis
Wissenschaftlicher Name
Micrathena gracilis
(Walckenaer, 1805)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:016575]

Die Spinnenart Micrathena gracilis zählt innerhalb der Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae) zur Gattung Micrathena. Im Englischen wird die Spinne Spined Micrathena genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Micrathena gracilis erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 4,5 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 8 bis 10 Millimeter. Es wurde aber auch schon bei einem Weibchen aus Durham, Nordkarolina, eine Körperlänge von etwa 11 Millimeter gemessen. Das Weibchen weist eine weiße oder blassgelbe Sprenkelung mit einer schwarzen oder braunen Grundfärbung auf. Auf dem kompakten Hinterleib zeigen sich fünf Paar konisch geformte Höcker, die wie Stacheln aussehen, da sie am Ende spitz zulaufen. Bei den Beinen ist das vierte Femur länger als das erste Femur. Das Männchen dagegen besitzt einen länglichen, flachen Hinterleib, der eine gelblichweiße Färbung aufweist. Ferner sind auf dem Hinterleib nur ein oder zwei Stacheln zu erkennen. Insgesamt wirkt das Männchen im Unterschied zu dem Weibchen kleiner und in der Färbung etwas heller.

Lebensweise

Micrathena gracilis findet sich in dichten Laubwäldern im Osten von Nordamerika bis in den Süden von Costa Rica. Das Männchen konstruiert nach Erreichen der Geschlechtsreife keine Netze, sondern nur einen Paarungsfaden. Das weibliche Netz besteht aus einer kleinen Kugel, die einen Durchmesser von etwa 15 bis 20 Zentimeter aufweisen kann und sich in der Regel etwa drei bis sieben Meter über dem Boden befindet. Die klebrige Spirale ist meist vertikal bis zu 45 Grad oder schräg zum Himmel ausgerichtet. Die Netze befinden sich auf großen, lichten Flächen, meist zwischen schattigen niedrigen Bäumen oder Sträuchern, wo sich eine Vielfalt von Geflügelten Insekten (Pterygota) aufhalten. Das Weibchen lauert bei Tageslicht in der offenen Nabe auf Beute, dabei hängt sie mit dem Kopf nach unten in der Mitte des Netzes und mit dem Hinterleib horizontal und parallel zum Boden. Die braungelbe Unterseite des Hinterleibes ist kaum vom Bodenlaub und von der Vegetation zu unterscheiden. Aufgrund der weißen oder blassgelben Sprenkelung der Oberseite des Hinterleibes sieht man gegen das Licht die Spinne nur noch als Flecken. Insgesamt weist diese Art eine ausgezeichnete Schutzfärbung gegenüber den Prädatoren auf. Die kleine Kugel wird von dem Weibchen täglich erneuert, dabei kann aber der dreieckige oder der rechteckige Rahmen für Tage oder Wochen sich in der gleichen Position befinden. In der Abenddämmerung verspeist das Weibchen die einzelnen Fäden des Netzes, nur der Befestigungsrahmen des Netzes bleibt übrig, wo das Weibchen bis zur Morgendämmerung sich aufhält und dann wieder eine neue Kugel webt. Die Netze werden je nach Lichtverhältnissen bzw. je nach Sonneneinstrahlung nach Osten oder nach Westen ausgerichtet, dabei verringert sich die Körpertemperatur der Spinne, werden die Netze nach Nord-Süd ausgerichtet, steigt die Körpertemperatur. Diese behaviorale Thermoregulation ermöglicht der Art eine Vielzahl von Laubwäldern zu nutzen. Die Netz-Orientierung scheint eine Verhaltensanpassung der Spinne zu sein, um so die Chance auf Beutefang zu maximieren.

Galerie

Verbreitung

Micrathena gracilis kommt in den östlichen Vereinigten Staaten von Amerika sowie westlich von Nebraska und Texas und im Süden von Costa Rica vor. Sie lebt in Laubwäldern auf großen, offenen Flächen. In der Regel hält sich die Spinne hängend mit dem Kopf nach unten im Netz auf, das sie in Sträuchern oder in niedrigen Bäumen webt. Manchmal erstellt sie ein kurzes klebriges Zickzack-Band, das sich über der Nabe des Netzes befindet.

Ernährung

Sceliphron caementarium
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Sceliphron caementarium

Die Fangfäden sind je nach Größe der Beute unterschiedlich lang, wobei vor allem Zweiflügler (Diptera) größer als 3 Millimeter sein können. Allerdings sind die meisten Insekten (Insecta), die sich in den Fäden des Netzes dieser Art verfangen, auffällig kleiner. Das Weibchen bewegt sich sehr langsam, fast unbeholfen, so dass viele Insekten (Insecta) sich von den Fangfäden wieder befreien können. Über zwei Drittel der Beute besteht aus Zweiflüglern (Diptera) und der Rest der Nahrung sind dann Hautflügler (Hymenoptera) wie Wespen (Vespoidea), Ameisen (Formicoidea) und Bienen (Apidae) sowie Käfer (Coleoptera). Im Gegensatz zu anderen Radnetzspinnen (Araneidae) lähmt die Spinne zuerst mit einem Giftbiß die Beute und hüllt sie dann in Seide ein.

Prädatoren

Die stacheligen Höcker auf dem Hinterleib dieser Art dienen als eine Art Panzer zum Schutz vor Prädatoren wie etwa Vögel (Aves), Kröten (Bufonidae), Froschlurche (Anura), Eidechsen (Lacertidae) und Fluginsekten (Pterygota) oder andere Tiere. Wenn die Spinne gestört wird oder Gefahr droht, dann gibt sie einige schrille und brummende Töne von sich. Diese Laute kann man, wenn man nahe genug am Netz steht, sehr gut hören. Trotz des panzerartigen Schutzes fällt die Spinne oft der Schlammwespe Sceliphron caementarium zum Opfer. Im Englischen wird die Schlammwespe Black and yellow mud dauber genannt. Diese Wespe, die eine Körperlänge von etwa 24 bis 28 Millimeter erreicht, lähmt die Spinne mit einem Stich und schleppt sie in eine der Kammern der Schlammnester, wo die Spinne dann mit Schlamm umhüllt wird.

Fortpflanzung

Im erwachsenen Alter baut das Weibchen eine klebrige Spirale, das Männchen dagegen webt nur einen Paarungsfaden, auf dem das Männchen um die potentielle Partnerin wirbt. Das Männchen nähert sich vorsichtig der Partnerin und befruchtet sie. Das Weibchen webt nach der Paarung, die meist im September stattfindet, mehrere flauschige Eikokons und legt im Innern der Kokons die Eier ab. Die Eikokons werden an Pflanzen oder an Sträuchern in der Nähe des Netzes befestigt. Die Eier überwintern in den Kokons und erst im darauffolgenden Jahr schlüpfen die Spiderlinge. Im Juli sind die Jungspinnen vollständig entwickelt und verlassen das Netz der Mutter, um ein eigenes Revier zu suchen. Die Lebensdauer der Spinne beträgt etwa ein Jahr. Das Männchen erreicht dieses Alter kaum, da die Paarung mit dem Weibchen oft für das Männchen einen tödlichen Ausgang nimmt.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Micrathena gracilis
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Micrathena gracilis

Update 31. Mai 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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