Milben

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Milben
Rote Samtmilbe (Trombidium holosericeum)

Systematik
Domäne: Eukaryoten (Eucaryota)
Reich: Tiere (Animalia)
Unterreich: Vielzeller (Metazoa)
Abteilung: Gewebetiere (Eumetazoa)
Unterabteilung: Bilateria
Stammgruppe: Urmünder (Protostomia)
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Unterklasse: Milben
Wissenschaftlicher Name
Acari oder Acarida
Leach, 1817

Die Unterklasse der Milben (Acari, Acarida) zählt innerhalb des Unterstammes der Kieferklauenträger (Chelicerata) zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida). In der Unterklasse werden in 546 Familien weit mehr als 50.000 Arten geführt. Damit sind die Milben innerhalb der Klasse der Spinnentiere die größte Gruppe.

Inhaltsverzeichnis

Stammesgeschichte und Verwandtschaft

Die Stammesgeschichte und die Verwandtschaft der Milben und deren Ordnungen zu anderen Ordnungen der Spinnentiere liegen noch weitestgehend im Dunkeln. Milben stellen zweifelsfrei einen sehr alten Zweig der Spinnentiere dar. Die ältesten Fossilien stammen aus Quarzablagerungen aus dem Devon, einer Zeit vor mehr als 350 Millionen Jahren. In der Körperform ähneln Milben durchaus den Weberknechten (Opiliones). Weitere Übereinstimmungen ergeben sich bei der Verlagerung der Geschlechtsöffnung nach vorne und die Ausbildung eines echten Begattungsorgans bei den Männchen (Penis). Keinerlei Übereinstimmung zwischen den Milben und den Weberknechten zeigt sich hingegen beim Bau der Mundwerkzeuge. Diese unterscheiden sich auch grundlegend zu allen anderen Spinnentieren.

Beschreibung

Aussehen und Anatomie

Milben sind ausgesprochen kleine Tiere. Die meisten Arten erreichen kaum eine Länge von 1 Millimeter. Vorherrschend ist eine artabhängige Größenordnung von 0,5 bis knapp 2 Millimeter. Zu den kleinsten Arten gehören Vertreter der Haarbalgmilben (Demodex). Sie erreichen eine Länge von weniger als 0,1 Millimeter. Ähnlich klein sind auch die Arten der Familie der Gallmilben (Eriophyidae). Auf der anderen Seite treten auch wahre Giganten in Erscheinung. Zecken (Ixodida) gehören zu den größten Arten der Milben. Arten der Gattung Amblyomma erreichen eine Körperlänge von bis zu 30 Millimeter. Derartig groß werden jedoch nur die Weibchen, und auch nur dann, wenn ihr Körper mit Blut voll gesogen ist. Die geringe Größe hat für Milden Vorteile, jedoch auch klare Nachteile. Zu den Nachteilen gehört zweifelsohne die relativ große Oberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen. Milben sind mit diesem ungleichen Verhältnis einer erhöhten Transpiration ausgesetzt. Milben lösen dieses Problem jedoch auf vielerlei Weise: zahlreiche Arten leben in Lebensräumen mit einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit. Um derartige Lebensräume zu finden, verlassen sich Milben auf ihren hoch entwickelten Feuchtigkeitssinn. Andere Arten kompensieren Flüssigkeitsverlust durch Transpiration durch die Aufnahme von Flüssigkeit. Zahlreiche Milben sind einfarbig oder gar farblos. Andere Arten sind fast transparent und man kann durch die Chitinhülle innere Organe erkennen. Es gibt jedoch auch unzählige Arten, die sich durch eine ausgesprochen bunte Färbung und Musterungen auszeichnen. Die Färbung geht entweder auf die Eigenfärbung oder Hautfarbstoffen zurück. Besonders farbenprächtig sind üblicherweise die Arten in den Subtropen und Tropen. Bei ihnen sind jedoch keine Pigmente in der Hypodermis vorhanden. Es handelt sich dabei um sogenannte Interferenzfarben, die durch die besondere Struktur der Cuticula verursacht werden. Unter der Haut eingelagertes Guanin verstärkt diesen Eindruck.

Die ursprüngliche Gliederung der Spinnentiere ist bei zahlreichen Arten der Milben nicht immer ersichtlich oder verwischt gänzlich. Auch bei den Laufbeinpaaren unterscheiden sich Milben von den Spinnen. Die Laufbeinpaare sind bei zahlreichen Arten nicht gleichmäßig am Körper verteilt, sondern in 2 Gruppen am Vorder- und Hinterende. Einige Arten verfügen zwar über eine ursprüngliche Verteilung der Beine, jedoch deutlich verkürzt. Dies ist beispielsweise bei den Haarbalgmilben (Demodex) zu beobachten. Bei Demodex handelt es sich um eine Anpassung an den Lebensraum. Die Tiere leben in zum Teil sehr engen Gängen und könnten mit langen Beinen nichts anfangen. Auch ihr Körper ist deutlich länglicher als bei anderen Milbenarten. Demodex bewegt sich in engen Gängen fast wurmartig fort. Die Körperform der Milben ist so unterschiedlich wie ihre Diversität. Neben den bereits angesprochenen länglichen Arten treten auch kugeligartige Vertreter in Erscheinung. Hier sind beispielsweise die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei) zu nennen. Diese mit etwa 0,4 Millimeter sehr kleinen Parasiten leben in Gängen unter der Haut von Wirbeltiere (Vertebrata). Die rundliche Form erleichtert den Krätzemilben das Umkehren innerhalb eines Fressganges. Fast alle Arten der Milben weisen im adulten Stadium 4 Laufbeinpaare auf. Eine Ausnahme bilden hier die Gallmilben (Eriophyidae), denen die beiden hinteren Laufbeinpaare fehlen. Die Beine sind jedoch zum Teil höchst unterschiedlich, in Anpassung an die jeweiligen Lebensräume, gebaut. Auch die Borsten, Fortsätze und Sinnenhaare an den Laufbeinen sind unterschiedlich lang und unterschiedlich zahlreich vorhanden. Einige Arten verfügen im Bereich der Fußglieder über Krallen oder Haftlappen. Besonders interessant ist der Bau der Laufbeine bei den Arten, die im Fell oder Federn anderer Tiere leben. Manche Arten klemmen sich mit kompliziert gebogenen Fortsätzen an den Laufbeinen zwischen Federstrahlen oder an Haare. Andere Arten verfügen über Fußglieder, die an eine Greifzange erinnern. Milben, die sich auf der äußeren Chitinschicht von beispielsweise Insekten (Insecta) tragen lassen, verfügen über spezielle Haftlappen, mit denen sie sich auch auf glatten Panzern festhalten können. Im Wasser schwimmende Milbenarten setzten ihre Laufbeine zum Schwimmen ein. Sicht stehende Haare vergrößern dabei die Ruderfläche und erhöhen somit den Vortrieb.

Wie bereits erwähnt zeichnen sich Milben durch eine spezielle Gliederung des Körpers aus. Gleiches gilt für die stark abgewandelten Mundwerkzeuge. Das Prosoma (Cephalothorax) ist meist (nicht bei allen Arten) zwischen dem zweiten und dritten Laufbeinsegment zweigeteilt. Die beiden hinteren Laufbeinpaare bilden zusammen das Hysterosoma und sitzen am Opisthosoma (Hinterleib). Die beiden vorderen Laufbeinpaare bilden zusammen mit den Mundwerkzeugen das sogenannte Proterosoma. Der vordere Teil des Proterosoma besteht zum einen aus der Körperspitze, dem Akron, sowie den Cheliceren und den Pedipalpen. Eine andere Bezeichnung Proterosoma ist Gnathosoma und ist für Milben kennzeichnend. Das Gnathosoma ist ein waagerecht nach vorn gerichteter und nach vorne offener Mundvorraum, dessen Seitenwände und der Boden von den lang gezogenen Hüften der Pedipalpen und dessen Decke von einer Duplikatur des Stirnrandes gebildet werden. Ventral im Mundvorraum liegt unter einer lang gestreckten Oberlippe die eigentliche Mundöffnung. Oberhalb der Oberlippe setzten für gewöhnlich mit einer langen, manschettenartigen Gelenkhaut an. Die Gelenkhaut ermöglicht ein Vor- und Zurückziehen der Mundwerkzeuge. Bei einigen Arten kann auch das Gnathosoma mehr oder weniger stark vorgeschoben oder zurückgezogen werden. Das Gnathosoma ist innerhalb der einzelnen Ordnungen nicht einheitlich und hat mannigfaltige Abwandlungen ausgebildet. Einige wenige Milbenfamilien zeichnen sich durch dreiteilige Cheliceren aus. Bei diesen Arten enden die Cheliceren in Scheren. Bei zahlreichen Arten, die sich parasitär von beispielsweise Blut leben, sind die Mundwerkzeuge mehr oder weniger stark zu Stechorganen umgebildet. Bei diesen Arten bestehen die Cheliceren nur noch aus 2 Gliedern und sind recht schlank gebaut. Die spitze der zweigliedrigen Cheliceren zeichnen sich durch spitze Scherenfinger aus. Die Cheliceren werden im Zuge eines Stechvorganges zusammengelegt. Bei anderen Arten sind die beweglichen Scherenfinger zurückgebildet oder sind völlig verloren gegangen und das verbliebene Grundglied hat sich zu einem nadelspitzen Stilett umgewandet.

Anatomische Besonderheiten

Die Atmungsorgane der Raubmilben (Gamasida) befinden sich oberhalb der Beinhüften unter dem Panzer und liegen in dem sogenannten Peritremas. Dieses Peritremas verläuft dabei als cuticuläre Rinne vom Stigma aus, von dem nur ein Paar vorhanden ist, weit nach vorne. Systematiker nutzen die Lage und die Länge auch zur systematischen Bestimmung.

Bei den Vertretern der Zecken (Ixodida) sind die Hüften der Laubbeine fest mit der Bauchhaut verwachsen. Hinter dem vierten Hüftenpaar befindet sich auf jeder Körperseite je ein Stigma. Dieses Stigma fehlt jedoch den Larven. Die Jugendentwicklung durchläuft neben einem Larven- nur ein Nymphenstadium. Einige Arten durchlaufen innerhalb des einen Nymphenstadiums jedoch mehrere Häutungen.

Die Vertreter der Actinedida besitzen Körperborsten, deren Achse aus doppellichtbrechendem Actinopilin bestehen. Die Atmungsorgane, also die Tracheen, haben sich artabhängig in unterschiedlicher Weise in verschiedenen Körperregionen entwickelt. Auch Genitaltracheen sind bei einigen Arten bekannt. Die Beinhüften sind mit dem Sternum zu einer plattenartigen Coxisteralregion verschmolzen. Die Postembryonalentwicklung erfolgt in ursprünglich 6 Stadien. Dies sind eine regressive Prälarve, die jedoch in der gesprengten Eihülle verbleibt, und eine Larve sowie 3 Nymphenstadien.

Die größtenteils weichhäutigen Laufmilben (Trombidiformes) weisen meist Stigmen auf, die an der Chelicerenbasis liegen. Hiervon weichen nur die Haarbalgmilben (Demodex), die Spinnmilben (Tetranychidae) und die Gallmilben (Eriophyidae) ab. Genitaltracheen treten hingegen nur bei wenigen Arten auf. Die adulten Tiere weisen artabhängig eine Anzahl von 12 bis 16 Segmenten auf, die entweder ganz oder teilweise miteinander verschmolzen sind. Die Larven der Laufmilben ähneln im Wesentlichen den adulten Tieren und ernähren sich wie diese parasitär.

Bei den Hornmilben (Oribatida) ist der Körper artabhängig in 14 bis 16 Segmente unterteilt. Diese sind meist völlig miteinander verschmolzen. Die Verschmelzung setzt sich auch im Hysterosoma fort. Die Larven und auch die 3 Nymphenstadien sind überwiegend weichhäutig. Die adulten Hornmilben sind bis auf wenige Arten kräftig gepanzert. Die Panzerung weist mindestens eine harte Chitinschicht auf. Die Stigmen liegen je nach Art an verschiedenen Körperstellen und stehen meist in Verbindung mit Einsenkungen in der Cuticula, Trichobothrien oder Porenöffnungen.

Sinne und deren Leistung

Milben besitzen einen durchaus gut entwickelten chemischen Sinn. Die Rezeptoren dieses Sinnes befindet sich in der Regel an den Tarsen der Vorderfüße. Über diesen Sinn werden nicht nur Wirtstiere allgemein erkannt, sondern mitunter auch spezielle Wirtstiere. Eine wichtige Orientierungshilfe ist auch der Tastsinn. Die Tastsinneshaare sind dabei auf dem gesamten Körper verteilt und befinden sich nicht nur am Rumpf, sondern auch an den Laufbeinpaaren. An den Laufbeinen konzentrieren sich die Tastsinneshaare insbesondere an den vorderen Laufbeinpaaren, da speziell diese dem Tasten dienen. Bei einigen Arten kommt auch ein Erschütterungssinn zum Einsatz, der zum Lokalisieren von Beute- oder Wirtstieren dient. Der Tast- und der Erschütterungssinn sind eng miteinander gekoppelt. Nicht alle Milbenarten verfügen über Augen. Sind diese vorhanden, so handelt es sich der Lage nach meist um Seitenaugen. Diese weisen meist nur eine geringe Sehleistung auf. Aber auch augenlose Milben scheinen sich dem Licht zuzuwenden. Man geht davon aus, dass sich die Tiere mittels Hautlichtzellen orientieren, die über den Körper verteilt liegen. Bei einigen Arten sind Augen nur in bestimmten Entwicklungsstadien vorhanden. Bei der Herbstgrasmilbe (Neotrombicula autumnalis) weisen nur die Larven seitlich jeweils 2 Augen auf. Die räuberisch lebenden Nymphen und adulten Tiere dieser Art verfügen über keine Augen mehr.

Vorkommen und Lebensraum

Hausstaubmilben (Dermatophagoides) sind häufige Untermieter in menschlichen Behausungen.
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Hausstaubmilben (Dermatophagoides) sind häufige Untermieter in menschlichen Behausungen.

Milben besiedeln alle Erdteile und alle Klimazonen. Man trifft auf diese Tiere selbst in subarktischen Regionen und in Hochgebirgen bis zur Schneegrenze. Milben sind jedoch nicht nur an Land zu finden, sondern auch im Wasser. Man kennt heute mehr als 4.000 Arten, die ständig im Wasser, zum Teil sogar im Meer leben. Nachgewiesen sind Milben bis in Tiefen von etwa 400 Metern. Raubmilben (Gamasida) halten sich üblicherweise in Vermoderungsschichten oder Moospolstern von Wiesen und Wäldern auf. Einige Arten leben auch in Nestern von Vögeln (Aves), Hummeln (Bombus) oder Wespen (Vespoidea). Wieder andere leben an Kothaufen oder Aas, wo sie sich von Fadenwürmern und ähnlichem ernähren.

Das größte Verbreitungsgebiet weist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) auf. Er kommt weltweit vor und besiedelt vorzugsweise Lebensräume mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Als Parasit befällt der Gemeine Holzbock hauptsächlich Säugetiere und überträgt dabei mitunter zahlreiche Krankheiten. Er ist besonders für die Übertragung der Lyme-Borreliose und der Frühsommer-Meningoenzephalitis bekannt. Darüber hinaus kann es auch zu mehr oder weniger schweren Lähmungserscheinungen, insbesondere der Lähmung der Atmungsmuskulatur kommen. Auslöser sind hierfür vor allem verschiedene Neurotoxine.

Lebensweise

Fortbewegung

Milben bewegen sich bis auf wenige Ausnahmen durch Laufen fort. Der Fortbewegung am Boden dienen ihnen die 3 hinteren Laufbeinpaare. Das vordere Laufbeinpaar fungiert meist hoch erhoben als Taster. Die wurmartigen Milbenarten, wie die bereits angesprochenen Gallmilben, bewegen sich kriechend fort, wobei sie mit feinen Härchen an der ventralen Seite vom Boden abstützen. Wassermilden schwimmen oder bewegen sich an Land laufend fort. Für die Ausbreitung der Milben spielt die Fortbewegung aufgrund der geringen Größe keine große Rolle. Statt der aktiven Fortbewegung haben sich Milben eher auf eine passive Fortbewegungsmethode, insbesondere durch Verschleppung, spezialisiert. Sehr kleine Milben, die sich auf Blättern aufhalten, werden mitunter auch durch den Wind fortgetragen. Bei den meisten Milbenarten erfolgt die Ausbreitung jedoch durch Probiose. Die genaue Art dieser ökologischen Interaktion von artfremden Organismen wird auch als Phoresie (tragen) bezeichnet. Bei dieser Art der Probiose läßt sich ein Organismus (Phoret oder Gast) von einem anderen (Phorent oder Wirt) tragen. Sie bilden also eine vorübergehende „Transportgesellschaft„. Bei Milden, die am Boden oder in Bodennähe leben, übernehmen die Aufgabe des Wirtes meist andere Gliederfüßer (Arthropoda). Dies können beispielsweise Käfer (Coleoptera), Landasseln (Oniscidea) oder Weberknechte (Opiliones) sein. Je nach Art sind die Milben oder deren Nymphen mit speziellen Haftorganen wie Haftplatten, Schlepphaaren oder ähnlichem ausgestattet.

Ernährung

Milben zeichnen sich anders als andere Spinnentiere nicht zwangsläufig nur durch eine räuberische Lebensweise aus. Sie ernähren sich auch von Pflanzen und Abfällen. Zahlreiche Arten wie etwa die Zecken (Ixodida) leben auch parasitär. Aufgrund ihrer geringen Größe können Milben in kleinste Lebensräume vordringen und Nahrungsreservoire nutzen, an die sonst kein anderes Tier heran kommt. Darüber hinaus benötigen Milben nur geringe Mengen an Nahrung. Nicht selten löst ein neu erschlossenes Nahrungsreservoir eine wahre Massenwanderung aus. Von der Form der Mundwerkzeuge kann jedoch nicht immer auf die Art der Nahrungsaufnahme geschlossen werden. Nach einhelliger Meinung und der jweiligen Ernährungsweise werden Milben in Fleischfresser, Pflanzenfresser, Abfallfresser und Parasiten eingeteilt.

Fleisch- und Aasfresser

Die Ordnung der Actinedida ist überwiegend von Fleisch- und Aasfressern geprägt. Man spricht hier auch von trombidiformen Milben oder auch von Laufmilben (Trombidiformes). Auf ihrer Speisekarte stehen überwiegend Fadenwürmer (Nematoda), Springschwänze (Collembola), kleine Insekten (Insecta), deren Larven und auch andere Milben (Acari). Im Wasser lebende Milben ernähren sich auch von winzigen Krebstieren (Crustacea). Je nach Bau der Mundwerkzeuge werden mitunter bestimmte Beutetiere bevorzugt. Nahrungsspezialisten treten daher sehr häufig in Erscheinung. Falls scherenförmige Cheliceren vorhanden sind, dienen sie zum Greifen, Festhalten und Zerteilen der Beutetiere. Bei manchen Arten sind jedoch nur stilettförmige Cheliceren vorhanden,. In diesen Fällen kommt es zu einer reinen Außenverdauung, ähnlich den anderen Spinnentieren.

Pflanzenfresser

Spinnmilben (Tetranychidae) und Gallmilben (Eriophyidae) gehören zu den Pflanzenfressern. Sie saugen mit ihren stilettartigen Cheliceren Blätter aus. Andere Pflanzenfresser unter den Milben schneiden mit ihren scherenartigen Cheliceren kleine Pflanzenteile ab und führen diese dem Mundvorraum zu. Dies ist beispielsweise in der Ordnung der Hornmilben (Oribatida) der Fall, wobei sie auch Alpen, Pollen sowie verrottende Pflanzenteile und morsches Holz fressen. Sogenannte Vorratsmilben ernähren sich auch von Mehl, Getreide und getrocknete Früchte.

Abfallfresser
Die Abfallfresser unter den Milben ernähren sich als Kommensalen (Kommensalismus, lat. commensalis = Tischgenosse) an und bei anderen Tieren. Sie ernähren sich demnach von Körpersubstanzen, Nahrungsresten und Ausscheidungsprodukten. Die Milben leben artabhängig sowohl mit Wirbeltieren als auch mit Wirbellosen zusammen.
Beliebter Wirt - der Mensch: die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei)
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Beliebter Wirt - der Mensch: die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei)
Im Gefieder der Vögel oder im Fell der Säugetiere ernähren sie sich von Hautschuppen, Hornabfällen oder Ausscheidungen der Talgdrüsen. Die meisten parasitisch lebenden Milben leben entweder immer, für längere Zeit oder zumindest in bestimmten Entwicklungsstadien auf einem Wirt auf. Andere Arten treten nur während der Nahrungsaufnahme auf einem Wirt in Erscheinung. Es gibt Milben, die als Innen- oder Außenparasit leben. Auch wenn sich meist keine Spezialisierung abzeichnet, so gibt es durchaus Milben, die an bestimmte Wirtstiere gebunden sind.
Parasiten

Parasitisch lebende Milben leben von Hautgewebe und Lymphe oder aber von Blut. Die wohl bekanntesten Hautverzeher sind die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei) oder und andere Arten aus der Gattung der Grabmilben (Sarcoptes). Mit den scherenartigen Mundwerkzeugen fressen sich Krätzemilben beim Menschen an dünnen Hautstellen senkrecht in die äußere Hornschicht. Die Hornschicht wird dabei mit den Pedipalpenladen förmlich abgeschabt. Mit den Cheliceren werden ganze Hornstücke abgeschnitten. Unterhalb der Hornschicht werden dann die oberen Epidermiszellen mit den Scheren bearbeitet und durch von der Krätzemilbe ausgeschiedenen Fermente aufgelöst. Der daraus entstehende Nahrungsbrei wird von der Krätzemilbe aufgesaugt. Andere sich derart ernährende Milben haben es jedoch meist nicht auf den Menschen abgesehen, sondern ernähren sich überwiegend von Epidermiszellen bestimmter Tiere wie Mäusen (Mus), Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) und ähnlichen Tieren.

Zur Gruppe der parasitär lebenden Milben gehören auch die Blutsauger. Dazu gehören neben eigentlichen Milden vor allem die Zecken (Ixodida). Beide Gruppen verfügen über lange Cheliceren, die in der Ruhestellung rückwärts bis zu Coxa des dritten Beinpaares reichen. Am Ende der Cheliceren weisen die entsprechenden Arten zwei gezähnte bewegliche Finger auf.
Weibchen eines Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus)
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Weibchen eines Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus)
Die beweglichen Finger werden seitwärts ausgeklappt. Sie arbeiten dabei jedoch nicht scherenartig sondern sägeartig. Ein bekannter Vertreter dieser Parasiten ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Beim Saugen stellt sich der Holzbock schräg zur Haut des Wirtstieres. Im Zuge dessen hebt er seinen Hinterleib anhebt und seinen Stirnrand nach unten senkt. Die Haut wird in dieser Stellung seitlich angesägt. In die entstehende Wunde werden dann die miteinander verwachsenen und mit Widerhaken besetzten Laden der Pedipalpenhüften. Dieses spezielle Organ des Mundapparates wird auch als Hypostom bezeichnet. Gleichzeitig mit dem Einführen des Hypostom gibt der Holzblock Speichel in die Wunde, der betäubend wirkt und die Blutgerinnung hemmt. Ist das Hypostom vollständig in die Wunde eingedrungen beginnt der Saugvorgang. Ein Holzblock kann gewaltige Mengen auf Blut aufnehmen. Ein Zahlenbeispiel für Ixodes Rizinus: ein nüchternes Weibchen erreicht eine Körperlänge von 4 Millimeter und ein Gewicht von 2,5 mg. Vollgesogen erreicht dieses Weibchen eine Körperlänge von 10 Millimeter und ein Gewicht von 400 mg. Um dieses Gewicht zu erreichen braucht ein Holzblock rund 7 bis 13 Tage. Derartige Mengen an Blut können aufgenommen werden, weil der Mitteldarm der Zeckenweibchen 7 Paare der schlauchförmiger Blindsäcke besitzt. In diesen Blindsäcken wird das Blut zum einen gelagert und zum anderen verdaut. Im Darm wird dem aufgesaugtem Blut Wasser entzogen und so um das 4 bis 5-fache verdickt. Im Zuge dessen kommt es zu einer Hämolyse, bei der Erythrocyten (rote Blutkörperchen) abgebaut werden. Parasiten sind keineswegs ungefährlich für die Wirte. Beispielsweise kann Boophilus annulatus mit seinem Speichel Krankheitserreger übertragen, die Piroplasmosen wie die Rinderpiroplasmose auslösen können. Lederzecken (Argasidae) ernähren sich ähnlich wie der Holzblock. Bei ihnen handelt es sich jedoch nur um temporäre Parasiten, da sie ihre Opfer nur stundenweise besuchen und Blut absaugen.

Blutsaugende Arten sind nicht nur unter den Zecken (Ixodida) zu finden, sondern auch unter den Raubmilben (Gamasida). Bei den Raubmilben sind blutsaugende Arten vor allem in der Familie Laelapidae zu finden, die insbesondere an kleinen Säugetieren und Vögeln parasitieren. Einige Arten haben sich auf bestimmte Wirte spezialisiert. Bei den blutsaugenden Arten, die auch auf den Menschen übergehen, können mitunter hochinfektiös sein und Fadenwürmer, Fleckfieber oder die Erreger der Rickettsienpocken und ähnliches übertragen. Bei den hautfressenden Arten tritt meist eine Außenverdauung in Erscheinung. Einige Arten, meist solche mit scherenartigen Cheliceren, nehmen jedoch auch geformte Nahrungsbrocken im Ganzen zu sich.

Gemeiner Holzbock auf Nahrungssuche
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Gemeiner Holzbock auf Nahrungssuche
Es stellt sich nun die Frage, wie Parasiten ihre Wirte finden. Tropische Arten sind in dieser Hinsicht zwar nur wenig erforscht, jedoch liegen für einheimische Arten durchaus zahlreiche Untersuchungen vor. Gut erforscht ist beispielsweise der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), der in Mitteleuropa eine sehr häufig Milbenart ist. Die Larven, die frisch aus den Eiern geschlüpft sind, streben dem Licht entgegen. Sie klettern daher auf Vegetation der Sonne entgegen. In entsprechender Höhe warten sie nun auf einen passenden Wirt. Man geht davon aus, dass die Larven einen nahenden Wirt über ihren Erschütterungssinn wahrnehmen. Ein weiterer Sinn, der chemische Sinn spielt bei der Auswahl der Wirte eine ebenso große Rolle. Der chemische Sinn sitzt im sogenannten Hallerschen Organ und befindet sich in becherförmigen Einstülpungen im ersten Tarsenglied im vorderen Laufbeinpaar. Ist ein passendes Wirtstier in unmittelbarer Nähe, so lässt sich die Larve auf dieses fallen. Über einen weiteren Sinn, den Temperatursinn, findet die Larve nun die passende Hautstelle. Die Rezeptoren dieses Sinnes liegt an den Tarsen der hinteren Extremitäten. Ist eine passende Stelle gefunden so sticht die Larven ihre Cheliceren und das Hypostom in die Haut ein und der Saugvorgang beginnt.

Fortpflanzung

Milben haben bezogen auf das Fortpflanzungsverhalten familienabhängig eine große Vielfalt entwickelt. Selbst die Parthenogenese (Jungfernzeugung) ist von einigen Arten bekannt. In der Regel sind Milben jedoch getrenntgeschlechtlich. Auch lassen sich die Geschlechter meist anhand ihrer Geschlechtsorgane mehr oder weniger leicht unterscheiden. Bei einige Arten sind sogar echte Begattungsorgane vorhanden, die unter den Spinnentieren sonst nur von den Weberknechten (Opiliones) her bekannt sind. Die Männchen der meisten Arten klammern sich im Zuge der Paarung mit den eigens dafür umgebildeten Laufbeinen auf dem Rücken eines Weibchens fest. Andere Arten weisen saugnapfartige Gebilde auf, mit denen sich die Männchen festhalten können. Bei Wassermilben kitten sich die Männchen mit einer speziellen Substanz am Weibchen fest. Auch die Übertragung der Samen kommen bei den Milben artabhängig verschiedene Methoden zum Einsatz. Laufmilben (Trombidiformes) übertragen die Samen über einen penisartiges Organ. Andere Milbenarten Verwendungen für die Übertragung von Samen spezielle Gliedmaßen. Diese umgewandelte Extremitäten werden als Gonopoden bezeichnet. Wieder andere Milben verwenden zur Übertragung der Samen die Cheliceren. Bei den im Wasser lebenden Milben setzen die Männchen Spermatophoren (Samenpakete) ab, die vom Weibchen aufgenommen werden.

Die Weibchen setzen ihre Eier meist einzeln oder in kleinen Gruppen ab. Bei einigen Arten werden die Eier mittels einer klebrigen Subtanz an Substrat befestigt. Dies ist in der Regel bei Milben der Fall, die im Gefieder von Vögeln oder im Fell von Säugetieren leben. Die Larven, die aus den Eiern schlüpfen weisen einheitlich 6 Laufbeine auf. Im Verlaufe von bis zu 4 Häutungen durchlaufen die Larven mehrere Stadien, in denen sie als Protonymphen, Deutonymphen oder Tritonymphen bezeichnet werden. Jedoch nur die Larven der Holothyrida, der Hornmilben (Oribatida) und einige andere Milbenarten durchlaufen alle postembryonalen Stadien. Bei den Arten der Mesostigmata treten beispielsweise keine Tritonymphen auf, Laufmilben (Trombidiformes) und auch Süßwassermilben (Hygrobatoidea) bilden nur Deutonymphen aus. Einige Vertreter wie die Arten der Gattung Pyemotes bringen sogar voll entwickelte und geschlechtsreife Nachkommen zur Welt. Die Entwicklungsdauer unterscheidet sich artabhängig zum Teil erheblich. In der Regel spielen bezogen auf die Entwicklungsdauer auch Umweltfaktoren wie Temperaturen eine große Rolle. Bei parasitär lebenden Arten hängt die Entwicklungsdauer auch davon ab, wie schnell ein Wirt im jeweiligen Entwicklungsstadium gefunden wird. Höchst unterschiedlich ist auch die Lebenserwartung. Je nach Art liegt das erreichbare Alter zwischen wenigen Tagen oder wenigen Wochen und 3 Jahren.

Systematik der Milben

Unterklasse: Milben (Acari)

Überordnung: Acariformes
Ordnung: Actinedida
Ordnung: Astigmata
Ordnung: Hornmilben (Oribatida)
Ordnung: Laufmilben (Trombidiformes)
Überordnung: Opilioacariformes
Ordnung: Opilioacarida
Überordnung: Parasitiformes
Ordnung: Raubmilben (Gamasida)
Ordnung: Ixodida
Ordnung: Holothyrida
Ordnung: Mesostigmata

Systematische Einordnung

Kladogramm nach Schultz, 1997 (aus The Tree of Life Project, Arachnida).

        ┌───────────── Palpenläufer (Palpigradi)
     ┌──┤   ┌───────── Webspinnen (Aranea)
     │  └───┤   ┌───── Geißelspinnen (Amblypygi)
     │      └───┤  ┌── Thelyphonida
  ┌──┤          └──┴── Schizomida
  │  │            
  │  └─────────────┬── Kapuzenspinnen (Ricinulei)
──┤                └── Milben (Acari)
  │
  │          ┌──────── Weberknechte (Opiliones)
  └──────────┤  ┌───── Scorpionida
             └──┤  ┌── Pseudoskorpione (Pseudoscorpiones)
                └──┴── Walzenspinnen (Solifugae)

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1

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