Mittelamerikanischer Graukehl-Nachtaffe

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Mittelamerikanischer Graukehl-Nachtaffe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Nachtaffen (Aotidae)
Gattung: Nachtaffen (Aotus)
Art: Mittelamerikanischer Graukehl-Nachtaffe
Wissenschaftlicher Name
Aotus lemurinus
Geoffroy, 1846

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Mittelamerikanische Graukehl-Nachtaffe (Aotus lemurinus) zählt innerhalb der Familie der Nachtaffen (Aotidae) zur Gattung der Nachtaffen (Aotus). Im Englischen wird die Art Gray-bellied Night Monkey oder Lemurine Owl Monkey genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Mittelamerikanische Graukehl-Nachtaffe erreicht je nach Unterart eine Körperlänge von 37 bis 44 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 44 bis 49 Zentimeter sowie ein Gewicht von 800 bis 1.300 (1.000) Gramm. In der Fellfärbung und der Größe weisen die Geschlechter keinen Dimorphimus auf. Das dichte, weiche und wollig wirkende Fell ist gräulich bis graubraun gefärbt. Ventral variiert die Fellfärbung von gelblichbraun bis orangebraun. Der lange Schwanz, dessen Länge die Körperlänge immer übersteigt, ist bräunlich bis dunkelbraun gefärbt. Die Spitze des Schwanzes ist meist schwarz. Markantes Merkmal der Mittelamerikanischen Graukehl-Nachtaffen ist der rundliche Kopf und die großen Augen, die ein Indiz für die Nachtaktivität gewertet werden können. Die Pupillen der Augen weisen eine dunkelbraune Färbung auf, die Iris ist orange gefärbt. Die Augenbrauen sind kontrastreich weiß, zuweilen auch cremefarben gefärbt. Im Stirnbereich, leicht über den Augen, ist ein dunkelbrauner Fleck zu erkennen. Die Hände und Füße weisen jeweils fünf Finger und Zehen auf, die recht lang erscheinen und unbehaart sind.

Lebensweise

Mittelamerikanische Graukehl-Nachtaffen sind ausgesprochen nachtaktiv. Ihre aktivste Zeit entfalten sie in den frühen Morgen- und Abendstunden. Am Tage ruhen sie an geschützten Stellen hoch oben in den Bäumen, meist in Baumhöhlen oder an ähnlichen Plätzen. Mittelamerikanische Graukehl-Nachtaffen sind gesellige Primaten, die in kleinen Familiengruppen leben. Die Gruppen bestehen aus einem monogamen Pärchen sowie deren Nachwuchs, der durchaus aus mehreren Würfen stammen kann. Die durchschnittliche Gruppenstärke liegt bei 3 bis 5 (4) Tieren. Der Nachwuchs verlässt meist erst im Alter von 2,5 bis 3,5 Jahren den Familienverband. Um die Versorgung des Nachwuchses kümmern sich beide Elternteile. Jungtiere werden in der ersten Zeit am Bauch, später auch auf dem Rücken getragen. Mittelamerikanische Graukehl-Nachtaffen verfügen über ein breites Spektrum an Lauten. Bei Gefahr warnen sie die anderen Gruppenmitglieder beispielsweise durch schrille, kreischende Laute.

Unterarten

Verbreitung

Mittelamerikanische Graukehl-Nachtaffen sind in Teilen vom südlichen Mittelamerika und im Nordwesten von Südamerika verbreitet. Ihr Verbreitungsbiet reicht von Costa Rica, über Panama bis nach Kolumbien. Kleinere Populationen sind auch in Brasilien und im Nordosten von Südamerika anzutreffen. Tropische Regenwälder und dichte Sekundärwälder gehören zu den natürlichen Lebensräumen. In einigen Regionen sind die Tiere auch im halbariden Buschland anzutreffen. Sie halten sich fast ausschließlich in Bäumen, zumeist in den oberen Baumregionen auf. Den Boden betreten sie nur um einen Baum zu wechseln.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern zählen insbesondere nachtaktive Eulen (Strigiformes), Kleinkatzen (Felinae) und in Bäumen lebende Schlangen (Serpentes). Am Boden werden die Tiere gelegentlich auch von größeren Katzen (Felidae) gerissen. Tagaktive Greifvögel (Falconiformes) kommen als Räuber nur selten in Frage, da sich Nachtaffen am Tage meist in Baumhöhlen oder ähnlichem versteckt halten. Neben der Nachaktivität bietet die tarnende Fellfärbung einen gewissen Schutz.

Ernährung

Mittelamerikanische Graukehl-Nachtaffen gehören zu den Allesfressern. Zur bevorzugten Nahrung, die ausschließlich in der Nacht gesucht wird, gehören insbesondere Blätter, Früchte und Nektar. Zu einem kleineren Teil nehmen sie auch tierische Kost in Form von Insekten (Inseta), Spinnentiere (Arachnida), kleinere Säugetiere (Mammalia) sowie die Eier und Küken von Vögeln (Aves) zu sich. Die Nahrungssuche erfolgt während der Nacht, vorwiegend hoch oben in den Baumkronen.

Fortpflanzung

Familie mit Jungtier: Mittelamerikanischer Graukehl-Nachtaffe (Aotus lemurinus)
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Familie mit Jungtier: Mittelamerikanischer Graukehl-Nachtaffe (Aotus lemurinus)

Der Mittelamerikanische Graukehl-Nachtaffe erreicht die Geschlechtsreife mit rund 2,5 Jahren. Die Tiere leben in der Regel in monogam geprägten Familiengruppen. Nach einer Tragezeit von 130 bis 135 (133) Tagen bringt das Weibchen meist 1 bis 2 (1) Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs weist ein Geburtsgewicht von 95 bis 105 (98) Gramm aufweist. Zwillingsgeburten sind eher selten. Nach der Geburt kümmern sich beide Elternteile um den Nachwuchs. Der Vater trägt das Jungtier, er spielt mit ihm und kümmert sich auch ansonsten rührend um den Nachwuchs. Das Weibchen übernimmt im Wesentlichen nur das Säugen während der Säugezeit. Die Säugezeit beträgt sechs bis zehn Monate. Die Jungtiere bleiben in der Regel bis zur Geschlechtsreife bei den Eltern. Sie können ein Alter von mehr als 10 Jahren erreichen. In Gefangenschaft auch mehr als 15 Jahre.

Gefährdung und Schutz

Mittelamerikanische Graukehl-Nachtaffen gehören mittlerweile zu den bedrohten Arten. Die Hauptgründe liegen im Wildfang für medizinische Zwecke, in der Bejagung durch die indigene Bevölkerung und in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Vor allem die Abholzung der Regenwälder und die Brandrodung setzen der Art in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes massiv zu. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Mittelamerikanischen Graukehl-Nachtaffen in Anhang II unter weltweitem Schutz. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet (VU, vulnerable), eine Unterart auch als stark gefährdet (EN, endangered) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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