Mittelamerikanisches Aguti

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Mittelamerikanisches Aguti

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Überfamilie: Meerschweinchenartige (Cavioidea)
Familie: Pakas (Agoutidae)
Unterfamilie: Eigentliche Agutis (Dasyproctinae)
Gattung: Stummelschwanzagutis (Dasyprocta)
Art: Mittelamerikanisches Aguti
Wissenschaftlicher Name
Dasyprocta punctata
Gray, 1842

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Mittelamerikanische Aguti (Dasyprocta punctata) gehört zur Familie der Pakas (Agoutidae) sowie zur Gattung der Stummelschwanzagutis (Dasyprocta).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Mittelamerikanische Aguti erreicht eine Körperlänge von 45 bis 60 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 15 bis 30 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1.500 und 3.800 Gramm. Das dichte Fell weist eine orangebraune Färbung auf. Ventral ist das Fell gelblichweiß gefärbt. Die Hinterbeine sind deutlich kräftiger entwickelt und länger als die Vorderbeine. Die Zehen enden in kräftigen Klauen. Die Vorderfüße weisen vier Zehen auf, die Hinterfüße lediglich drei Zehen. Der Kopf wirkt massig und ist leicht länglich. Die kleinen Ohren sitzen weit hinten am Kopf und weisen innen keine Behaarung auf.

Mittelamerikanische Agutis leben paarweise oder in kleinen Familiengruppen. Ein Paar bleibt in der Regel ein Leben lang zusammen. Die Tiere sind territorial und beanspruchen ein Revier in einer Größe von gut zwei Hektar. In ihrem Revier sind ausreichend Obstbäume und ein Gewässer vorhanden. Um die Verteidigung des Reviers kümmert sich in aller Regel nur das Männchen. Er duldet keine Artgenossen im Revier der Familie und vertreibt sie. Nicht selten kommt es dabei zu aggressiven Kämpfen. Dabei werden vor allem Tritte mit den Hinterbeinen ausgeteilt. Mittelamerikanische Agutis sind tagaktive Tiere, die die Nacht an geschützter Stelle verbringen. Trotz der ausgesprochen zerbrechlich wirkenden Beine gelten Mittelamerikanische Agutis als sehr gute und schnelle Läufer. Neben der Nahrungssuche widmen sich die Tiere am Tage vor allem der Fellpflege. Parasiten und Schmutz werden täglich entfernt. Bei Paaren ist auch die gegenseitige Fellpflege zu beobachten.

Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Mittelamerikanischen Agutis erstreckt über weite Teile von Mittel- und Südamerika. Sie sind insbesondere vom südlichen Mexiko bis ins nördliche Argentinien verbreitet. Im einzelnen kommen sie in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay und Venezuela vor. Der natürliche Lebensraum sind der subtropische und tropische Regenwald. Aber auch in Sumpfgebieten sind sie regelmäßig beheimatet. Im nördlichen Argentinien leben Mittelamerikanische Agutis auch in Feuchtsteppen und der Pampa. In der Nähe menschlicher Siedlungen fallen sie regelmäßig auch in Plantagen und auf anderen landwirtschaftlichen Flächen ein. In Höhenlagen können sie bis in Höhen von über 2.000 Metern vorkommen.

Gefährdung, Schutz

Das Mittelamerikanische Aguti ist noch nicht vom Aussterben bedroht. Jedoch geht die Vernichtung der tropischen Regenwälder in Mittelamerika in großen Schritten voran. Insbesondere die Zerschneidung der Lebensräume setzt den Tieren in hohem Maße zu. In einigen Verbreitungsgebieten wird das Mittelamerikanische Aguti von der einheimischen Bevölkerung massiv bejagt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt (LC, Least Concern). Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Tiere in Anhang III unter Schutz.

Ernährung

Mittelamerikanische Agutis ernähren sich hauptsächlich von Sämereien, Wurzeln, Knollen und Früchten. Hier und da werden aber auch Insekten verzehrt. Die Tiere suchen gezielt unter Bäumen nach Nahrung, von denen gereifte Früchte fallen. In Zeiten reicher Nahrung legen Mittelamerikanische Agutis an verborgenen Plätzen Nahrungsvorräte an. Eher selten nehmen sie auch tierische Nahrung zu sich. Von diesen Vorräten ernähren sie sich in Mangelzeiten. Gleichzeitig verbreiten sie so die Samen von Bäumen und tragen zum Aufforsten bei. Nicht selten folgen Mittelamerikanische Agutis auch baumbewohnende Tiere wie Primaten, die sich von Früchten ernähren und die eine oder andere Frucht dabei fallen lassen. Wie beim Goldaguti setzen sich Mittelamerikanische Agutis auf den Hinterbeinen und nehmen Früchte mit den Vorderpfoten auf und führen sie ins Maul.

Fortpflanzung

Das Mittelamerikanische Aguti erreicht die Geschlechtsreife mit etwa zwölf Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in den tropischen Lebensräumen über das ganze Jahr. Jedoch fallen die meisten Geburten in die beginnende Regenzeit. Dies ist in der Regel von April und Juli der Fall. Zu dieser Zeit ist Nahrung reichlich vorhanden. Mittelamerikanische Agutis leben in einer monogamen Einehe, die in der Regel ein Leben lang hält. Meist kommt es zu einem Wurf in einer Saison, jedoch kann es gelegentlich auch zu einem zweiten Wurf kommen. Nach einer Tragezeit von 105 bis 115 Tagen bringt das Weibchen zwischen ein und drei Jungtiere zur Welt. Selten umfasst ein Wurf auch vier Jungtiere, ein durchschnittlicher Wurf umfasst zwei Jungtiere. Die Geburt erfolgt in einer Höhle. Hier bleiben die Jungtiere auch die erste Zeit verborgen. Als Höhlen dienen sowohl Erdbauten als auch Baumhöhlen. Die Jungtiere sind bei der Geburt bereits weit entwickelt. Sie verfügen bereits über ein Fell und die Augen sind geöffnet. Sie gelten als Nestflüchter, bleiben aber in der Regel im Bau oder in dessen Nähe. Die Säugezeit erstreckt sich über 130 bis 140 Tage. Sie bleiben meist bis zur nächsten Schwangerschaft bei der Mutter. Erst danach gehen sie eigene Wege.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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