Mittelmeer-Laubfrosch

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Mittelmeer-Laubfrosch

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Laubfrösche i.w.S. (Hylidae)
Unterfamilie: Hylinae
Gattung: Laubfrösche (Hyla)
Art: Mittelmeer-Laubfrosch
Wissenschaftlicher Name
Hyla meridionalis
Boettger, 1874

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Mittelmeer-Laubfrosch (Hyla meridionalis), auch unter den Synonymen Hyla perezii, Hyla barytonus und Hyla africana bekannt, zählt innerhalb der Familie der Laubfrösche i.w.S. (Hylidae) zur Gattung der Laubfrösche (Hyla). Der generische Name leitet sich aus dem Griechischen hyla (zum Holz gehörend) ab. Im Englischen wird der Mittelmeer-Laubfrosch mediterranean tree frog oder stripeless tree frog genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 50,0 Millimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 65,0 Millimeter aufweist. Der Mittelmeer-Laubfrosch ist schlank, hat lange Beine und eine glatte Haut. Der Kopf ist breiter als lang. Adhäsive Haftscheiben an allen Fingern, so dass die Finger größer wirken als die Zehen. Der Rücken ist meist grün. Jedoch ist auch gelegentlich eine gelbliche, graue, braune oder gefleckte Färbung erkennbar. Der Farbwechsel ist physiologisch. Der Bauch weist mehr eine weißliche Färbung auf. Ein dunkler Streifen erstreckt sich vom Nasenloch bis über das Auge. Das Tympanum, also die Membran des Hörorgans der Froschlurche, ist an beiden Seiten des Kopfes als flaches Oval deutlich sichtbar. Die Iris ist bräunlich-golden und die Pupillen sind horizontal ausgerichtet. Das Männchen weist einen Vokalsack auf. Im Ruhezustand ist der Vokalsack längs gefaltet und weist eine gelbe bis bräunliche Färbung auf. Der Hals des Weibchens ist etwas heller gefärbt als der Bauch.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN kann sich der Mittelmeer-Laubfrosch auf Bäumen, in Sträuchern, Obstplantagen, Weinbergen sowie im Grasland aufhalten. In der Regel trifft man den Mittelmeer-Laubfrosch in der Nähe von Süßwasser-Lebensräumen an. Die Brut und die Entwicklung der Larven erfolgen in Teichen, Bewässerungsgräben, temporären Pools, überschwemmten Wiesen, Lagunen, Brunnen und sogar in Schwimmbädern. In einigen Bereich ist der Mittelmeer-Laubfrosch sympatrisch mit dem Europäischen Laubfrosch (Hyla arborea) und somit werden unfruchtbare Hybriden gezeugt.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN liegt das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art im westlichen Mittelmeer. Der Mittelmeer-Laubfrosch ist in Südfrankreich, Monaco, an den Küsten im nordwestlichen Italien (Ligurien und im südlichen Piemont), Spanien, Portugal und in Nordafrika (Marokko, Nord-Algerien und nördliches Tunesien) verbreitet. In den trockeneren Teilen seines Bereichs (zum Beispiel in Teilen von Nord-Afrika und Iberia) verfügt der Mittelmeer-Laubfrosch aufgrund des begrenzten verfügbaren Lebensraums, der stark fragmentiert ist, nur über einen kleinen Bereich. Die Art ist auch auf den Kanarischen Inseln (Spanien) und auf Madeira (Portugal) (wurde in der Antike auf diesen Inseln eingeführt) zu finden. Ebenfalls wurde der Mittelmeer-Laubfrosch auf Menorca (Spanien) eingeführt. Die Verteilung in Algerien und Tunesien ist wenig bekannt, aber mehrere Autoren haben erwähnen, dass die Art südlich des Tells Atlas vorkommt. Der Mittelmeer-Laubfrosch hält sich in niedrigen bis mittleren Höhen über dem Meeresspiegel auf, selten bis zu 2.650 Meter über dem Meeresspiegel (Marokko). Die Population im Südosten Spaniens und die isolierten Populationen im Baskenland, Spanien, sind meist durch den Verlust von Brutstätten rückläufig. In Italien ist der Mittelmeer-Laubfrosch lokal bedroht.

Ernährung

Mittelmeer-Laubfrosch
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Mittelmeer-Laubfrosch

Die Nahrung besteht aus verschiedenen Arthropoden wie Spinnentiere, Wanzen, Käfer, Schmetterlinge, Fliegen und Ameisen, die aus dem Hinterhalt bei Tag und bei Nacht erbeutet werden.

Fortpflanzung

Die Paarung findet im März und April in Nordafrika statt, während die europäischen Populationen sich von April bis Juni (Frankreich) oder von Dezember bis Januar (Portugal) paaren. Die Männchen rufen sowohl vom Wasser als auch von Land und von den Bäumen aus. Die einzelnen Rufe sind ein tiefes, resonantes "Cra-a-ar". Die Rufe können auch in Duos, in Trios oder auch in Chören auftreten, so dass sie manchmal ohrenbetäubend sind. In der Brutzeit sind die Rufe kilometerweit zu hören. Die Umklammerung (Amplexus) des Weibchens durch das Männchen während der Paarungszeit dauert mehrere Stunden bis zu einigen Tagen. Die Fluchtreaktion ist somit stark reduziert. Für die Eiablage werden Wasserpflanzen nahe der Küste bevorzugt, so dass die austretenden Eier an den Pflanzen haften bleiben. Das Männchen befruchtet sogleich die austretenden Eier. Nach der Spermaabgabe verläßt das Männchen das Wasser und begibt sich auf den Baum, der nahe des Wassers steht, wo das Männchen vor allem in den Nachmittags- oder Abendstunden ruft. Das Weibchen kann insgesamt 800 bis 1.000 Eier ablaichen. Die Eier werden als Eipakete ablegt. Ein Eipaket enthält 10 bis 30 Eier. Der Durchmesser einer Eizelle beträgt 1,1 bis 1,5 Millimeter, die mit einer 3,0 bis 5,0 Millimeter gallertartigen Hülle umgeben ist. Die Kaulquappen schlüpfen nach etwa 8 bis 10 Tagen und weisen eine Gesamtlänge von 5,0 bis 8,00 Millimeter auf. Sie wachsen bis zu 4,0 Zentimeter, mit einem Maximum von 5,5 Zentimeter. Die Metamorphose erfolgt 3 bis 4 Monate nach dem Schlüpfen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Art lokal durch terrestrischen Verlust von Lebensräumen (Infrastruktur-Entwicklung, Intensivierung der Landwirtschaft, Wasserverschmutzung, Verlust der Brutplätze durch Tränken) bedroht. Eine ernsthafte Bedrohung für die Art ist die Einführung von räuberisch lebenden Roten Amerikanischen Sumpfkrebsen (Procambarus clarkii) sowie von Fischen wie der Östliche Moskito-Fisch (Gambusia holbrooki). Die Art scheint eine größere Widerstandfähigkeit gegenüber Eutrophierung aufzuweisen, als viele andere Arten. Möglicherweise fördern eutrophe Gewässer das Wachstum von Rohrkolben und das Wachstum anderer günstiger Vegetationen. Die Art wird in Anhang II der Berner Konvention und im Anhang IV der FFH-Richtlinien geführt. Ferner ist die Art in einer Reihe von nationalen und sub-nationalen Roten Listen und Listen erfasst und in einigen Regionen durch nationale und sub-nationale Gesetzgebungen geschützt. Die Art kommt in vielen europäischen und nordafrikanischen Schutzgebieten vor.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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