Mohnbiene

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Mohnbiene

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
Überfamilie: Bienen und Grabwespen (Apoidea)
Familie: Megachilidae
Gattung: Mauerbienen (Osmia)
Art: Mohnbiene
Wissenschaftlicher Name
Osmia papaveris
(Latreille, 1799)

Die Mohnbiene (Osmia papaveris), auch unter den Synonymen Apis papaveris und Hoplitis papaveris sowie unter der Bezeichnung Mohn-Mauerbiene bekannt, zählt innerhalb der Familie Megachilidae zur Gattung der Mauerbienen (Osmia). Im Englischen wird die Mohnbiene leaf-cutting bee genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa 12,0 bis 16,0 Millimeter, während das Männchen im Gegensatz zum Weibchen etwas kleiner ist. Zwischen beiden Geschlechtern besteht nicht nur in der Größe ein Dimorphismus, sondern auch im Aussehen. Beim Weibchen ist der Kopf auffallend breit und plump und leicht mit einem grauen Erzglanz versehen. Auf Scheitel und Stirn zeigt sich eine rein rostrote Färbung. Der Clypeus ist licht rotgelb behaart. Die Behaarung in diesem Bereich ist dicht und gleich lang. Auf dem dritten bis fünften Hinterleibssegment ist die Behaarung schwarz getönt und die Fransung der Endränder eher braun gefärbt. Das Endsegment ist dicht und anliegend gelblich-greis befilzt. Die Mittelschienen enden in einen aufgebogenen Haken, der über den bogenförmigen Außenrand deutlich hervortritt. Beide Endsporen der Hinterschienen sowie der einzelne der mittleren sind schwarz gefärbt. Vom ersteren ist der hintere so lang wie die halbe Schiene, fast gerade, erst dicht vor dem Ende sich zuspitzend. Der hintere Metatarsus wirkt gegen die Spitze hin etwas verschmälert. Beim Männchen schimmern der kleine Kopf und der Thorax graublau erzfarben. Die dünnen Fühler sind nicht viel kürzer als Kopf und Thorax zusammengenommen. Der Hinterleib ist gegen die Spitze hin auffallend verbreitert und erscheint am Ende des fünften Ringes wie quer abgestutzt. Das sechste Segment ist in der Mitte eingekerbt. Das siebente in der Mitte ist leicht ausgeschnitten und daher stumpf zweilappig. Die beiden Lappen sind breit abgerundet. Die beiden Endsporen der Hinterschienen sind eigentümlich gestaltet, fast stabförmig, bis auf die ganz kurze, nach außen gekrümmte Spitze gleich breit, leicht geschwungen, der hintere von mehr als 2/3 der Metatarsuslänge.
Kornblume (Centaurea cyanus)
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Kornblume (Centaurea cyanus)
Der hintere Metatarsus ist gegen die Spitze hin stark beilförmig erweitert. Der Vorderrand ist im Verlauf der ersten zwei Drittteile bogig ausgeschnitten, im letzten aber wieder mit dem Hinterrande parallel. Sein Endrand ist gleich demjenigen der beiden folgenden Tarsenglieder rotgelb gefranst. Vorherrschend ist jedoch die Farbe Gelb und auf den Thoraxsegmenten gellbbraun behaart. Clypeus in der Mitte verlängert und glatt, sonst ziemlich matt. Das Abdomen ist kurz, oval, viel kürzer als bei der Natterkopf-Mauerbiene (Osmia adunca). Das erste Segment ist ebenfalls gelblich behaart.

Lebensweise

Die Arten der Mauerbienen (Osmia) zeigen eine große Mannigfaltigkeit in der Anlage des Nestes. Die Mohnbiene kleidet dieses einfache Erdheim mit Abschnitten der purpurnen Blütenblätter des Klatschmohnes (Papaver rhoeas) aus, trägt dann Pollen und Nektar, meistens von der Kornblume (Centaurea cyanus), hinein. Dies erfolgt insbesondere in den Monaten Juni und Juli, wenn der Klatschmohn und die Kornblume blühen. Schneiden und Transport dauern höchstens zwei Minuten. Die Schnittränder sind entsprechend der Kieferschneide im Vergleich zu den Blattschneiderbienen (Megachile) rauh gezackt. Bei der Mohnbiene ist möglicherweise ein besonderer Schutzdienst durch die toxischen Eigenschaften der Mohnblätter vorhanden. Nur eine einzelne flaschenförmige Zelle für jeweils nur einen ihrer Nachkommen gräbt die Mohnbiene in den sandigen Boden. Unten in der Zelle wird ein Futterbrei angelegt und darauf wird ein einziges Ei gelegt. Jedoch erleichtert sich das Weibchen die Bauarbeit, indem sie mehreren Erdzellen einen gemeinsamen Ausgang gibt, so werden mehrere Eier in einem Nest vereinigt. Die Nester werden kolonienweise angelegt und die Weibchen unterstützen sich gegenseitig gegen Angreifer.

Verbreitung

Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas)
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Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas)

Das Verbreitungsgebiet der Mohnbiene erstreckt sich von Westeuropa bis nach Osteuropa. In Deutschland kommt die Mohnbiene sehr selten vor. Nur im Rodachtal lebt ein kleine Population. Die Mohnbiene bevorzugt nur bestimmte Lebensräume und wird deshalb nur an wenigen Stellen in Deutschland beobachtet. Die Mohnbiene ist eine vom Aussterben bedrohte Wildbienenart und wird in der Roten Liste in Deutschland geführt.

Ernährung

Die Mohnbiene ernährt sich rein vegetarisch von Pollen und Nektar. Über die Aufnahme von Pollen deckt sie ihren Eiweißbedarf. Die Mohnbiene weist dabei ein polylektisches (unspezialisiertes) Pollensammelverhalten auf. Meist sucht die Mohnbiene ihre Nahrung auf den Blüten von Korn- und Wildblumen sowie vom Klatschmohn.

Fortpflanzung

Nur eine einzelne flaschenförmige Zelle für jeweils nur einen ihrer Nachkommen gräbt die Mohnbiene in den sandigen Boden. Ähnlich wie die Blattschneiderbienen (Megachile) tapeziert sie die Zelle mit Blattstücken aus, wozu sie hauptsächlich Blätter von Mohnblüten verwendet. Nachdem sie die Mohnblätter oben eingefaltet hat, bedeckt sie das kleine Nest noch mit einer Sandlage, die sie sorgfältig glättet. Mehrere Einzelzellen befinden sich stets im nahen Umkreis. Die Larven spinnen bereits nach 14 Tagen einen Kokon zum Verpuppen und sind nach weiteren 14 Tagen in der Lage, das Nest zu verlassen. Nach der Paarung, bei der das Männchen anschließend stirbt, verkriechen sich die Weibchen in Erdlöcher oder in Baumspalten, um zu überwintern. In besonders langen Sommern können die Weibchen aber auch noch im selben Jahr mit der Erzeugung von Nachkommen beginnen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Karl Weiß: Bienen und Bienenvölker. Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (24. September 1997). ISBN 3406418678
  • Günter Naturbildarchiv Eine Kinderstube aus rotem Samt (Osmia papaveris)
  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
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