Mohrenhabicht

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Mohrenhabicht

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Habichte und Sperber (Accipitrinae)
Gattung: Habichte und Sperber (Accipiter)
Art: Mohrenhabicht
Wissenschaftlicher Name
Accipiter melanoleucus
Smith, 1830

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Mohrenhabicht (Accipiter melanoleucus), auch als Trauerhabicht bekannt, zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Habichte und Sperber (Accipiter). Im Englischen wird der Mohrenhabicht black goshawk oder black sparrowhawk genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Mohrenhabicht ist ein mittelgroßer Greifvogel und weist etwa die gleiche Größe wie ein Schildrabe (Corvus albus) auf. Der Mohrenhabicht erreicht eine Körperlänge von etwa 58 Zentimeter und das Gewicht beträgt etwa 540 Gramm. In der Regel ist das Weibchen im Gegensatz zum Männchen größer und schwerer. In der Gefiederfärbung gleichen sich die Geschlechter. Der Kopf und der Schnabel weisen eine schwarze Färbung auf, während die Kehle, der Hals, die Brust und die Unterschwanzdecken weiß gefärbt sind. Das Gefieder des Rückens erscheint in einer schwarz-grauen Tönung. Die Extremitäten weisen eine gelbe Färbung auf. Dieser Greifvogel hat eine proportionierte Beinlänge. Des Weiteren ist die Iris von einer rötlichen Tönung. Die Jugendlichen weisen im Gegensatz zu den Altvögeln braune Streifen auf der Unterseite auf und die Wachshaut sowie die Beine sind von einer gelblichen Tönung.

Lebensweise

Der Mohrenhabicht tritt südlich der Sahara sowie von Liberia bis nach Süden Äthiopiens und bis Südafrika auf. Des Weiteren ist der Mohrenhabicht in Simbabwe, nördlich und östlich von Botswana, im Caprivizipfel (Namibia), in Zentral-Mosambik und in Südafrika in der südafrikanischen Provinz Limpopo und vom Süden bis nach KwaZulu (ehemaliges Homeland im Osten Südafrikas) und bis zur Küste hinunter nach Ostkap und Westkap anzutreffen. Der Mohrenhabicht lebt hauptsächlich in ausgebauten Wäldern, wie tiefe Schluchten und Auenwaldflächen. Des Weiteren kommt der Mohrenabicht in der Sahelzone vor, die vorwiegend mit Akazien bewachsen ist. Ferner werden vom Mohrenhabicht gerne Miombowälder (größtes Trockenwaldgebiet der Erde) mit Bergakazien besiedelt. Miombowälder kommen hauptsächlich in den Ländern Simbabwe, Sambia, Mosambik, Angola, Tansania und Malawi vor. Der Mohrenhabicht kann sich aber auch im bewohnten Grasland, in Fynbos und am Rande der Halbwüste Karoo aufhalten. Karoo ist eine Halbwüstenlandschaft in den Hochebenen des Landes Südafrika. Ferner besiedelt der Mohrenhabicht auch Agrarflächen, Parkanlagen, Gärten, alte Gebäude und Vorstädte. Obwohl der Mohrenhabicht ein standorttreuer Greifvogel ist, so kommt es doch manchmal vor, dass er Wanderungen unternimmt.

Unterarten

Trockenwald Miombo
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Trockenwald Miombo

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Mohrenhabicht in folgenden Gebieten vor: Angola, Benin, Botswana, Burundi, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Kongo, Demokratische Republik Kongo, Côte d'Ivoire, Äquatorialguinea, Äthiopien, Gabun, Ghana, Guinea, Kenia, Liberia, Malawi, Mosambik, Namibia, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Südafrika, Sudan, Swasiland, Vereinigte Republik Tansania, Togo, Uganda, Sambia und Simbabwe. Als Durchzügler hält sich der Mohrenhabicht in Gambia, Guinea-Bissau, Lesotho, Mali, Niger und in Somalia auf. Der Mohrenhabicht lebt vorwiegend in subtropischen und tropischen feuchten bewaldeten Regionen, in subtropischen und tropischen bewaldeten höher gelegenen Regionen, im subtropischen und im tropischen trockenen Buschland. Des Weiteren ist der Mohrenhabicht in Feuchtgebieten (Inland) zu finden wie zum Beispiel Flüsse, Bäche und schmale Buchten mit Wasserfällen anzutreffen. Auch Plantagen und urbanisierte Flächen werden von dem Mohrenhabicht besiedelt.

Ernährung

Trockenwald Miombo
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Trockenwald Miombo

Der Mohrenhabicht ernährt sich fast ausschließlich von anderen Vögeln (Aves). Dazu zählen unter anderem Kormorane (Phalacrocidae), Silberreiher (Ardeidae), Ibisse (Threskyornithidae), Enten (Anseriformes), Rallen (Rallidae), Schnepfenvögel (Scolopacidae), Regenpfeifer (Charadriidae), Triele (Burhinidae), Papageien (Psittaciformes), Turakos (Musophagidae), Eisvögel (Coraciiformes), Bienenfresser (Meropidae), Baumhopfe (Phoeniculidae), Bartvögel (Lybiidae), Lerchen (Alaudidae), Bülbüls (Pycnonotidae), Rabenvögel (Corvidae), Fliegenschnäpper (Muscicapidae), Würger (Laniidae), Buschwürger (Malaconotidae), Stare (Sturnidae), Sperlinge (Passeridae), Webervögel (Ploceidae), Greifvögel (Acciptridae) wie der Schikrasperber (Accipiter badius), Eulen (Strigiformes) wie der Afrika-Waldkauz (Strix woodfordii), Segler (Apodidae) wie der Horussegler (Apus horus), Nashornvögel (Bucerotidae) wie der Südliche Gelbschnabeltoko (Tockus leucomelas), Tauben (Columbidae) wie die Oliventaube (Columba arquatrix), die Felsentaube (Columba livia), die Kapturteltaube (Streptopelia capicola), die Palmtaube (Streptopelia senegalensis), die Nacktgesicht-Grüntaube (Treron calva), Pirole (Oriolidae) wie der Maskenpirol (Oriolus larvatus), Fasanenartige (Phasianidae) wie der Schopffrankolin (Francolinus sephaena), der Coquifrankolin (Francolinus coqui) und der Swainsonfrankolin (Francolinus swainsonii). Des Weiteren verspeist der Mohrenhabicht auch die Küken des Schopfadler (Lophaetus occipitalis). Neben Vögeln gehören auch auf seiner Speisekarte Säugetiere (Mammalia) wie Fledermäuse (Chiroptera), Nagetiere (Rodentia), Hasen (Leporidae) und Mungos (Herpistidae). Die Jagd erfolgt in der Regel von einer Ansitzwarte aus zum Beispiel von einer Baumkrone versteckt zwischen den Ästen oder Zweigen. Der Mohrenhabicht kann einen Vogel mehr als einen Kilometer lang verfolgen, bevor er den Vogel tötet. Ist ein Beutetier in erreichbarer Nähe, so fliegt der Mohrenhabicht kraftvoll auf und schlägt blitzschnell zu. Die Art neigt auch zu Kannibalismus.

Fortpflanzung

Breitblättrige Steineibe (Podocarpus latifolius)
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Breitblättrige Steineibe (Podocarpus latifolius)

Der Mohrenhabicht erreicht die Geschlechtsreife mit etwa zwei Jahren, Weibchen können gelegentlich schon mit einem Jahr die Geschlechtsreife erreichen. Während der Balzzeit kommt es insbesondere bei den Männchen zu kunstvollen Balzflügen. Damit will ein Männchen dem Weibchen beeindrucken und sie in sein Revier locken. Die Balzflüge gehen zumeist mit lautstarkem Geschrei einher. An den Balzflügen nehmen beide Partner teil. Die Paarbildung hält im übrigen ein Leben lang. Hat sich ein Paar gefunden, so wird sogleich mit dem Bau eines Horstes begonnen. Der Horst wird von beiden Geschlechtern in etwa 50 bis 145 Tagen vor der Eiablage gebaut, bestehend aus einer Plattform von größeren Ästen, Reisig oder Rinde. Das Nestinnere wird mit grünen Blättern ausgekleidet, vor allem Blätter von Eukalypten (Eucalyptus), Kathstrauch (Catha edulis), Mimusops zeyheri, Syzygium, Diplorhynchus condylocarpon und von Brachystegia spiciformis. In der Regel wird der Horst in einer Astgabel oder knapp unter der Baumkrone angelegt.

65 bis 90 Prozent werden für den Nistplatz eingeführte Bäume wie Eukalypten (Eucalyptus), Pappeln (Populus) und Kiefern (Pinus) gewählt. Jedoch werden für den Horst auch einheimische Bäume gewählt, darunter zählen unter anderem Afrikanischer Affenbrotbaum (Baobab), Akazien (Acacia) wie Acacia robusta, Süßdornakazie (Acacia nigrescens), Acacia galpinii und Bergakazie (Brachystegia glaucescens), Bittereschengewächse wie Kirkia acuminata, Enziangewächse wie Anthocleista grandiflora, Mangrovenart Avicennia marina, Zürgelbäume (Celtis) wie Celtis africana und Celtis mildbraedii, Mahagonigewächse (Meliaceae) wie Ekebergia capensis, Trichilia emetica, Trichilia dregeana, Korallenbäume wie Erythrina caffra, Ficusarten wie Ficus natalensis und Maulbeer-Feige (Ficus sycomorus), Stechpalmen (Ilex) wie Afrikanische Stechpalme (Ilex mitis), Rosenhölzer wie Philenoptera sutherlandii, Olivenbäume wie Echter Ölbaum (Olea europaea), Steineiben (Podocarpus) wie Breitblättrige Steineibe (Podocarpus latifolius), Myrtengewächse (Myrtaceae) wie Syzygium und Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) wie Euphorbia ingens. Auch werden Horste von anderen Greifvögeln in Beschlag genommen wie vom Fledermausaar (Macheiramphus alcinus), vom Schwarzmilan (Milvus migrans), vom Wahlbergsadler (Aquila wahlbergi), vom Schopfadler (Lophaetus occipitalis), von der Höhlenweihe (Polyboroides typus) und vom Hammerkopf (Scopus umbretta).

Die Eiablage findet in der Regel von März bis Dezember statt. Im Westkap findet die Eiablage von April bis Mai und von August bis September statt, während anderswo der Höhepunkt von Juli bis September ist. Das Weibchen legt 1 bis 4 grünlich gefärbte Eier und das Gelege wird nur allein vom Weibchen für etwa 36 bis 38 Tage lang bebrütet, während das Männchen das Weibchen regelmäßig mit Nahrung versorgt. Die Küken werden von dem Weibchen in den ersten 22 Tagen gehudert, jedoch werden die Küken von beiden Geschlechtern gefüttert. Nach etwa 35 bis 40 Tagen beginnen die Küken um das Nest herum zu klettern. Die Flugfähigkeit erlangen die Jungvögel mit gut 42 bis 60 Tagen. Sie bleiben aber noch weitere drei Wochen bei den Eltern und werden von ihnen auch noch weiter gefüttert. In der ersten Zeit nach Erreichen der Flugfähigkeit entfernen sich die Jungvögel selten weiter wie einige hundert Meter vom Nest.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Mohrenhabicht heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 20.000 Quadratkilometer. Der Mohrenhabicht ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Mohrenhabicht selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Mohrenhabicht als least concern (nicht gefährdet) geführt. Aufgrund eingeführter Bäume, die der Mohrenhabicht für gewöhnlich als Nistplätze verwendet, hat sich die Population dieser Art erhöht. Der Mohrenhabicht wird wegen seiner Neigung Brieftauben und Geflügel zu jagen, oft getötet, aber er scheint dadurch nicht ernsthaft bedroht zu sein.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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