Mohrenmakak

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Mohrenmakak

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Gattung: Makaken (Macaca)
Art: Mohrenmakak
Wissenschaftlicher Name
Macaca maura
Schinz, 1825

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Mohrenmakak (Macaca maura) zählt innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zur Gattung der Makaken (Macaca).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Mohrenmakak erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 48 bis 68 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 2,5 bis 4,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 6 bis 14 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das überaus dichte und lange Fell weist eine graubraune bis schwarzbraune Färbung auf. Im Alter wird das Fell zumeist lichter. Dies ist vor allem bei älteren Männchen der Fall. Ähnlich wie beim Menschen verlieren sie insbesondere ihre Kopfhaare. Die sichtbaren Hautstellen weisen je nach Alter der Tiere eine variable Färbung auf. Jüngere Tiere sind im Gesicht meist fleischfarben, ältere Tiere gräulich bis dunkelgrau gefärbt. Das Fell im Schulter- und Bauchbereich ist insgesamt etwas heller gefärbt. Die Schnauze ist leicht hervorstehend. Weibchen zeigen während des Östrus eine rosafarbene Regelschwellung. Die Augen liegen tief in den Augenhöhlen, die Nase ist ausgesprochen flach gehalten. Die Ohren sind zumeist unter dem Fell verborgen oder schauen nur wenig hervor. Sie sind zumeist nur bei Jungtieren deutlich zu sehen. Wie alle Makaken, so verfügen auch Mohrenmakaken über Backenbeutel, in denen sie Nahrung zwischenspeichern können. Ein weiterer Dimorphismus zwischen den Geschlechtern zeigt sich beim Gebiss. Die Eckzähne der Männchen sind deutlich verlängert und bilden eine gefährliche Waffe.

Lebensweise

Mohrenmakaken sind gesellig lebende Primaten. Sie leben in gemischt geschlechtlichen Gruppen von teilweise bis zu 20, gelegentlich auch bis zu 30 Tieren. Eine Gruppe besteht aus einem oder mehreren Männchen, mehreren Weibchen sowie deren Nachwuchs. Sowohl unter den Weibchen als auch unter den Männchen herrscht eine strikte Rangfolge. Paarungsberechtigt ist nur das dominante Männchen. Es paart sich mit mehreren oder allen geschlechtsreifen Weibchen einer Gruppe. Neben der Paarung sind Männchen vor allem für den Schutz der Gruppe zuständig. Mohrenmakaken leben sowohl in den Bäumen als auch auf dem Waldboden. Hier gehen sie vor allem auf Nahrungssuche. Auf Nahrungssuche gehen Mohrenmakaken in der Regel gemeinsam, eher selten einzelgängerisch. Die Nahrungssuche in Gruppen macht Sinn, denn eine Gruppe bietet mehr Schutz vor Fleischfressern. Der Kommunikation untereinander oder gegenüber Fleischfressern dienen neben der Mimik vor allem Lautäußerungen, die abhängig vom Erregungszustand sind.

Verbreitung

Der Mohrenmakak ist auf der indonesischen Insel Sulawesi endemisch. Sulawesi ist mit rund 189.000 km² (halb so groß wie Deutschland) eine recht große Insel, die zwischen Borneo und Neuguinea liegt. Mohrenmakaken leben heute fast ausschließlich in dem nördlichen Teil der Insel. Der natürlichen Lebensraum erstreckt sich über den tropischen Bergregenwald, der heute bis auf einige restliche Flecken überwiegend vernichtet wurde. Im Süden der Insel leben kleinere Populationen auch in lichten Laubwäldern und an deren Ränder.

Prädatoren

Mohrenmakaken haben heute auf Sulawesi kaum noch natürliche Feinde. Diese wurden wie die Mohrenmakaken selbst ebenfalls an den Rand der Ausrottung gebracht oder bereits ausgerottet. Hin und wieder fällt ein Mohrenmakak einem Sulawesi-Roller (Macrogalidia musschenbroekii). Dabei handelt es sich dann meist um Jungtiere oder kranke oder geschwächte Mohrenmakaken. Mohrenmakaken sind ausgesprochen wachsame Tiere. Vor allem die Männchen sorgen für den Schutz der Gruppe. Bei Gefahr flüchten die Tiere zumeist in die Bäume. Drohgebärden wie lautstarkes Geschrei, Entblößen der Zähne und Rütteln an Ästen und Zweigen gehören dabei zum Verteidigungsritual. Aufgrund des Gruppenlebens und der Wachsamkeit haben es Fleischfresser schwer, einen Mohrenmakaken zu erbeuten.

Ernährung

Mohrenmakaken ernähren sich zwar als Allesfresser, jedoch besteht der Hauptteil der Nahrung aus pflanzlicher Kost. Sie fressen insbesondere Sämereien von Bambus, Waldfrüchte wie Feigen, junge Triebe und Sprossen. An tierischer Nahrung nahmen sie Insekten (Insecta), Larven und kleinere Wirbeltiere zu sich. In der Nähe des Menschen plündern Mohrenmakaken nicht selten Felder, insbesondere Maispflanzungen. Mohrenmakaken sind selten einzelgängerisch auf Nahrungssuche. Die Regel ist die Nahrungssuche in Gruppen. Auf den täglichen Fresswanderungen werden in der Regel bis zu einem, selten auch mehr Kilometer zurückgelegt. Die Wanderungen sind während der Trockenzeit deutlich länger, während der Regenzeit entsprechend kürzer.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Mohrenmakaken erreichen die Geschlechtsreife mit rund 2,5 bis 4 Jahren. Männchen sind hingegen erst im Alter von 3 bis 5 Jahren geschlechtsreif. Zu Geburten kommt es in der Regel jährlich oder alle zwei Jahre. Weibchen können bis zum 15. oder bis zum 17. Lebensjahr Nachwuchs zur Welt bringen. In den tropischen Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit über das ganze Jahr. Die Spitze der Geburten fällt jedoch über die Regenzeit. Die Weibchen weisen einen Zyklus (Östrus) von 30 Tagen auf. Während dieser Zeit schwillt das Hinterteil der Weibchen deutlich sichtbar an. Paarungsberechtigt sind nur die dominanten Männchen innerhalb einer Gruppe. Ein dominantes Männchen begattet meist mehrere Weibchen. Mohrenmakaken leben somit polygam. Ist jedoch das dominante Männchen einer Gruppe nicht in der Nähe, so kann es durchaus vorkommen, dass sich rangniedrigere Männchen an den Weibchen zu schaffen machen und sie begatten. Nach einer Tragezeit von 165 bis 185 Tagen bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Es weist in etwa ein Gewicht von 480 bis 520 Gramm auf. Um das Neugeborene kümmert sich in der ersten Zeit ausschließlich die Mutter. Sie trägt das Jungtier in den ersten Wochen am Bauch. Später beteiligen sich auch andere Weibchen an der Aufzucht. Männchen sorgen nur für den Schutz des Nachwuchses, kümmern sich aber nicht direkt um ihn. Ab einem Alter von zwei bis drei Monaten erkunden die Jungtiere spielerisch die nähere Umgebung. Die Mütter haben allerdings immer ein wachsames Auge auf die Kleinen. Die Säugezeit erstreckt sich in der Regel über acht bis zwölf Monate. Ab diesem Zeitpunkt erlangen sie auch ihre Unabhängigkeit, spätestens jedoch im Alter von gut 18 Monaten. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen Männchen die Geburtsgruppe, Weibchen verbleiben hingegen in der Gruppe, in der sie geboren wurden. Die Lebenserwartung der Mohrenmakaken liegt bei rund 30 Jahren. In Freiheit ist ein Alter von deutlich über 20 Jahren die Regel.

Gefährdung und Schutz

Mohrenmakaken gehören heute zu den stark gefährdeten Makakenarten. Daher werden sie in der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet geführt (EN, endangered). Der Hauptgrund für diesen kritischen Gefährdungsgrad dürfte die Vernichtung der natürlichen Lebensräume sein. Weite Teile des tropischen Regenwaldes auf Sulawesi sind zugunsten von Agrarflächen und Siedlungsraum abgeholzt worden und sind somit unwiederbringlich verloren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge