Molukkenkakadu

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Molukkenkakadu

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Kakadus (Cacatuidae)
Gattung: Eigentliche Kakadus (Cacatua)
Art: Molukkenkakadu
Wissenschaftlicher Name
Cacatua moluccensis
Gmelin, 1788

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Molukkenkakadu (Cacatua moluccensis) gehört zur Familie der Kakadus (Cacatuidae), die der Ordnung der Papageien (Psittaciformes) zuzuordnen sind.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Mit ca. 55 cm Länge gehört der Molukkenkakadu (Erstbeschreibung Gmelin 1788) zu den größten Vertretern der Papageien; ist der größte Vertreter der sogenannten Weißen Kakadus. Das Männchen, Hahn genannt, hat ein leicht rosafarbenes bis weißes Gefieder. Es ist aber kein Geschlechtsmerkmal zwischen den Geschlechtern. Die Haubenfedern sind rosarot, werden von weißen Deckfedern überzogen. Unter der Haube ist keine Befiederung vorhanden. Stellt der Molukkenkakadu seine Federhaube auf sind die rosafarbenen Haubenfedern sehr gut zu sehen. Die Schwanzfedern sind überwiegend weiß und an den Innenseiten gelblich bis cremefarben. Die Iris ist dunkelbraun, bei Jungvögeln bis zur Geschlechtsreife dunkelgrau, der Schnabel schwarz und gebogen. Der Oberschnabel ist ca. dreimal so groß wie der Unterschnabel. Im oberen Viertel des Oberschnabels befinden sich links und rechts die Nasenlöcher. Zwischen Ober- und Unterschnabel befinden sich Muskeln und Sehnen welche die Beweglichkeit des Schnabels ermöglicht. Der Oberschnabel läuft spitz aus. Der Unterschnabel ist wie ein "u" geformt. Die Augen sind von einem unbefiedertem Augenring umgeben. Die Augenlider sind ebenfalls unbefiedert. Das Weibchen (Henne) weist insgesamt einen geringeren Rosaschimmer auf. Die Schwanzfedern können mehr ins gelbliche gehen. Wie beim Männchen, so ist auch beim Weibchen die Iris dunkelbraun. Von der Größe her ist sie etwas kleiner als das Männchen. Die Krallen sind schwarz, kräftig und leicht nach innen gebogen. Zwei Zehen werden nach vorn gestellt und sind eng zusammen und zwei Zehen werden nach hinten gestellt und stehen weiter auseinander. Die Beschuppung der Füße beginnt bei den Krallen mit jeweils ein bis zwei Verstärkungen und verläuft bis zum zweiten Gelenk gleichmäßig. Die Fußunterseiten sind groß, geraut, durch einzelne Segmente mit Furchen getrennt. Die Fußgelenke sind knöchrig und stark. Die Füße sind grau, schwarz. Die Bürzeldrüse ist sehr gut ausgebildet und etwa Erbsengroß.

Lebensweise

Molukkenkakadus leben in der Regel einzeln, paarweise oder allenfalls in Gruppen von wenigen Tieren. Tagsüber halten sie sich gerne in hohen Bäumen auf. Wie viele Kakadu-Arten ist auch die Art der Molukkenkakadus stark gefährdet. Neben der Bedrohung durch Wegfall ihrer Lebensräume, ist der Hauptgrund für den starken Rückgang der Populationen der Fang für den Handel.

Molukkenkakadus fallen in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet nicht immer ohne weiteres auf. Die Anwesenheit der Molukkenkakadus verraten sie selbst durch ihren enormen Krach den sie, vor allen Dingen morgens und abends, machen.

Verbreitung

Die südlichen Molukkeninseln sowie die Seram-Inseln gehören zum Verbreitungsgebiet dieser großen Vögel. Auf den Inseln Saparua und Haruku kamen sie ebenfalls vor, sind dort wahrscheinlich ausgerottet worden. Eine Einbürgerung auf der Insel Ambonia schlug fehl. Sie bevorzugen lichte, offene Wälder sowie Mangroven- und Sumpfgebiete und sind in Höhen von bis zu 1.000 Metern anzutreffen.

Ernährung

Neben Samen, Früchten, Beeren und Nüssen fressen Molukkenkakadus auch tierische Nahrung wie Maden, Würmer, Engerlinge, Insekten (Insecta) und deren Larven. Einige Molukkenkakadus verzehren auch die kleinen Nachkommen von Kleinsäuger. Oft fallen sie auch in Obstplantagen ein und richten dort zum Teil große Schäden an. Da bevorzugen sie vor allen Dingen die nicht reifen Kokosnüsse. Diese werden aufgebissen, geschabt oder zernagt und das Fruchtfleisch sowie die Milch aufgenommen. Zusätzlich ernähren sich Molukkenkakadus von Blüten, Knospen, Blütenständen und Rinden in den unterschiedlichsten Reifestadien. Reifes und süßes Obst wird aus den Plantagen der Bauern gefressen. Es wird nur das Fruchtfleisch aufgenommen. Alle Schalen und Hülsen werden nicht verzehrt.

Fortpflanzung

Molukkenkakadus werden mit ca. 3 bis 4 Jahren geschlechtsreif. Weibchen können mitunter ein Jahr länger brauchen. Bis dahin leben sie in gemeinsamen Schwärmen mit anderen Molukkenkakadus. Die Schwärme können aus verschiedenen Familienmitgliedern, fremde Vögel, nicht brutfähige Kakadus oder auch die Eltern zusammengesetzt sein. Die Anzahl der Individuen kann bis zu zwei Dutzend betragen. Da auch Molukkenkakadus sehr gesellige Papageien sind, ist davon auszugehen das vor ihrer enormen Bestandsreduzierung wesentlich größere Schwärme in ihren Lebensräumen zu finden waren. Mit dem Beginn der Geschlechtsreife finden sich die Paare innerhalb eines Schwarms zusammen. In der Vorbereitung der sogenannten Verpaarung beschäftigen sich die Paare zunehmend selbst miteinander, pflegen sich gegenseitig das Gefieder, unternehmen alleinige Ausflüge und reagieren auf Nebenbuhler recht barsch. In freier Natur gibt es ausschließlich verschieden geschlechtliche Verpaarungen. Eine einmal eingegangene Verpaarung hält ein Kakaduleben lang. Es ist ungeklärt ob eine Neuverpaarung nach dem Tod eines Partners wieder erfolgt. Molukkenkakadus finden und verpaaren sich mit dem Beginn der Geschlechtsreife. Ältere Verpaarungen oder Verpaarungen mit unterschiedlichen Altersunterschieden sind in der Natur noch nicht beobachtet worden. Es ist eher davon auszugehen das ältere und verwitwete Kakadus nur noch Bestandteil eines Schwarms sind oder ebenfalls verenden. Die eigentliche Paarungs- und Fortpflanzungszeit fällt in die frühen Sommermonate. Brutwillige Paaren binden sich enger aneinander, sondern sich weiter vom Schwarm ab, füttern sich gegenseitig und gehen auf die Suche nach geeignetes Nistmöglichkeiten. Dazu suchen Molukkenkakadus an Waldrändern, Lichtungen und offenen Waldgebieten hohe und eher abgestorbene Bäume auf. Im oberen Teil werden dann die Nisthöhlen mit den starken Schnäbeln ausgehöhlt. Kurze Zeit danach werden die Weibchen begattet und es werden ein bis zwei Eier gelegt. Die Brut erfolgt hauptsächlich vom Weibchen. Das Männchen versorgt die Henne mit Nahrung. Die Aufzucht der Jungen wird von beiden Eltern betrieben. Die Brutdauer beträgt im Mittel 30 Tage. Die Nestlingszeit ca. 12 Wochen. Nach weiteren 6 bis 8 Wochen sind die Jungvögel selbständig. Zu diesem Zeitpunkt schließen sich die Vögel ihrem Schwarm an. Es gibt nur eine Brut pro Saison.

Die Fortpflanzung in Gefangenschaft gestaltet sich etwas anders. Zum einem werden vom Menschen Paare verpaart, die Balz beginnt in Mitteleuropa bereits im Frühjahr, es werden ausschließlich fertige Nisthilfen angenommen und die Beendigung der Aufzucht wird durch den Menschen durchgeführt in dem die Jungtiere von den Elterntieren getrennt werden. Die Zucht gelingt in Menschenhand jedoch äußerst selten und ist auch durch recht unterschiedliche und widersprüchliche Angaben wiedergegeben. Zum einem kann es daran liegen das es sich dabei um sogenannte Zufallszuchten handelt, Züchter mit dem Zuchtbeginn die Vögel ganz in Ruhe lassen und nur noch füttern und säubern oder Züchter bewusst falsche Angaben zur Zucht machen.

Gefährdung, Schutzstatus

Molukkenkakadus bevorzugen den Lebensraum welcher auch von Menschen intensiv forstwirtschaflich genutzt wird. Durch die Rodung der Wälder im Lebensraum der Molukkenkakaus wird der Lebensraum der Kakadus immer mehr beschnitten. Erschwerend kommt noch hinzu das Molukkenkakadus als Schädlinge bei den einheimischen Bauern angesehen werden. Sie richten bei der Futtersuche enorme Schäden an. Erwachsene Molukkenkakadus werden gejagt, gefangen und verkauft. Jungvögel sind für die Fänger nicht erreichbar, da die Kakadus in zu großer Höhe ihre Bruthöhlen haben. Bei der Abholzung werden auch Bäume gefällt wo Nisthöhlen angelegt sind. Diese Jungvögel werden geraubt und in die Zivilisation verkauft. Molukkenkakadus wurden 1989 im Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens aufgenommen.

Molukkenkakadu als Heimtier

Die Anschaffung von Molukkenkakadus in Privathand als Haustier ist generell in Frage zu stellen. Der erste und wichtigeste Grund dafür ist die Seltenheit der Vögel. Es gibt wahrscheinlich nur noch ca. 2.000 Molukkenkakadus in freier Wildbahn. Die Nachzucht des Molukkenkakadus ist äußerst schwierig und muss dringend von professionellen und erfahrenen Züchtern betrieben werden. Aus den Jahren 2005, 2006, 2007 und 2008 liegen keine nachweisbaren Nachzuchten vor. Ein weiterer sehr wichtiger Grund ist die Luftfeuchtigkeit. In einer Wohnung ist diese viel zu gering. Besonders in der kalten Jahreszeit wird weniger gelüftet und durch heizen eine zusätzliche höhere und zeitgleich trockenere Luftfeuchtigkeit geschaffen. 70% Luftfeuchtigkeit und unterschiedliche, den Jahreszeiten angepasste, Temperaturen sind für die Vögel wichtig. Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit erkranken die Vögel an Aspergillose. Aspergillose ist die verbreitetste Papageienkrankheit. Dabei handelt es sich um eine (Schimmel-) Pilzerkrankung. Die Pilze sind bei fast jedem Papagei in den (hinteren) Luftsäcken, an den Lungenrändern und im Atmungstrakt vorhanden. In geringer Zahl führt dies auch nicht zur Erkrankung. Wird der Befall der Pilze stärker, es bildet sich ein Pilzrasen in den Luftsäcken, breitet sich bis zur Lunge aus und befällt schließlich den gesamten Atmungstrakt, wird der erkrankte Vogel matt, lustlos, magert ab, bekommt ein stumpfes Gefieder und wird bei fortschreitender Erkrankung sehr schwer- und kurzatmig, atmet mit geöffnetem Schnabel, ist nach kurzen Flügel oder anderen Aktivitäten schnell erschöpft, röchelt beim Atmen und es tritt Flüssigkeit aus der Nase aus, ist die Erkrankung bereits fast am Endstadium angelangt und der Papagei muss dringend medizinisch behandelt werden. Im sehr weit fortgeschrittenem Fall der Erkrankung kann es zur Bildung von Pilzgranulome oder der Verdickung des Lungengewebes kommen. Wenn ein Pilzgranulom sehr ungünstig sitzt oder die Verdickung des Lungengewebes an einer sehr ungünstigen Stelle auftritt, dann kann es im schlimmsten Fall zum plötzlichen Erstickungstod des Papagei kommen. Die schwere der Erkrankung ist jedoch von verschiedenen Faktoren abhängig. Hier zählen die zu niedrige Luftfeuchtigkeit, falsche Ernährung und Pflege zu den Hauptfaktoren. Besonders ist darauf zu achten das Papageien keine Nüsse selbst knacken und schälen dürfen. Nüsse werden unreif und feucht geerntet und gelangen so in den Handelskreislauf. An den Schalen der Nüsse befinden sich die Pilze, Aspergillus flavus und sspec, welche beim schälen der Nüsse eingeatmet werden und somit die Pilzausbreitung in den Luftsäcken begünstigen. Geschälte und gesäuberte Früchte der Nuss können problemlos verfüttert werden. Die Diagnostik von Aspergillose ist mittels Abstrich, Röntgen und Endoskopie gut durchführbar. Bei Krankheitsanzeichen müssen ebenfalls Leber und Niere mit untersucht werden. Diese Organe können durch Mykotoxine geschädigt sein. Mykotoxine sind die Stoffwechselprodukte der Pilze (Aspergillus spec.). Eine Behandlung ist langfristig angelegt und nicht ganz so einfach. Eine völlige Heilung wird wahrscheinlich nie erreicht, der Zustand kann jedoch so hergestellt werden das der Papagei fast beschwerte frei leben kann. Hier ist es nun um ein Vielfaches wichtiger das alle Haltungsparameter (Luftfeuchtigkeit, gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, genügend Licht, unterschiedliche Temperaturen, Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf) auf den erkrankten Vogel abgestimmt werden. Ein Vogel aus einer guten "Gefangenschaftshaltung" wird seltener oder nicht mehr so stark erkranken. Sie haben ein ausgezeichnetes und sehr widerstandsfähiges Immunsystem. Vögel untereinander können sich nicht gegenseitig anstecken oder infizieren und es ist auch nicht möglich das ein erkrankter Papagei einen Menschen mit Aspergillose anstecken kann. Unabhängig davon kann jeder Papagei, besonders anfällig sind Kakadus, Graupapageien, Aras und Amazonen, und jeder Mensch an Aspergillose erkranken.

Nicht zu unterschätzen ist der enorme Lärm. Die meisten Kakadus sitzen irgendwo gelangweilt tagsüber rum und verhalten sich sehr ruhig.
Neue Liebe auf dem dritten Blick.
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Neue Liebe auf dem dritten Blick.
Einmal eingewöhnt erwacht auch ihr natürlicher Drang den Morgen und den Abend entsprechende zu begrüßen. Dabei ist es auch nicht von Belang ob die Sonne im Sommer früh morgens schon vor 5 Uhr aufgeht und die Abenddämmerung erst nach 21 Uhr einsetzt. Der Kakadu wird beides lauthals begleiten. Schreiende Molukkenkakadus sind über 100 Meter Entfernung gut hören. In einer Wohnung ist unter Umständen nur eine dünne Wand bis zum Nachbarn. Gut die Hälfte aller Molukkenkakadus werden sich auch tagsüber lauthals äußern. Vor allen Dingen dann wenn sie sich langweilen und vernachlässigt fühlen.

Sind Allergiker in der Familie, so muss auf die Kakaduhaltung ebenfalls verzichtet werden. Kakadus weisen eine eigene Federstruktur auf. Sie haben sogenannte Puderdunen. Diese schützen und pflegen das Gefieder und werden mit sehr feinem Staub regelmäßig durch schütteln oder putzen aus dem Gefieder entfernt. Schüttelt sich ein Kakadu, so hat man ringsherum einen weißen Staubfilm. Wird dieser von Allergikern eingeatmet, treten unweigerlich große gesundheitliche Probleme auf.

Für die Pflege von Molukkenkakadus sind sehr großzügige Volieren notwendig. Diese müssen den Vögeln sehr viel Flugraum, Versteckmöglichkeiten, Schutzhaus, mehrere Nistkästen- oder Stämme bieten. Sommerliche Temperaturen werden ausnahmslos gut vertragen. In der kalten Jahreszeit ist darauf zu achten das die Temperaturen nicht wesentlich unter 10°C sinken und die Vögel Schutzhäuser aufsuchen können. Diese müssen dann geheizt werden. Durch die enorme Kraft des Schnabels und dem natürlichen Drang zur Abnutzung des Schnabel und den Drang alles damit zu bearbeiten, müssen die Volieren aus Metall gefertigt sein und müssen mit reichlich Laubgehölzen zum benagen bestückt werden. Brutgelegenheiten müssen unbedingt mit einem zweiten Ausgang versehen werden. Während der Paarungszeit werden die Molukkenmännchen sehr aggressiv und aufdringlich. Sitzt ein Molukkenweibchen im Brutkasten, so muß sie die Gelegenheit haben diesen verlassen zu können. Das geht soweit das sie ihre Partnerinnen töten, so denn diese nicht flüchten können. Man spricht hierbei auch vom Gattenmord. Warum es in Gefangenschaft so ist, wurde bereits mehrfach versucht zu ergründen. Vieles spricht dafür das die Aggressivität durch Platzmangel hervorgerufen wird. In Freiheit können Molukkenkakadus kilometerweit fliegen und sich somit auf die Paarung vorbereiten. Männchen können somit ihren Paarungstrieb durch die Ausschöpfung aller Kraftreserven ausleben. Einmal verpaart bleiben sie ein Leben lang zusammen. Gattenmord ist auch schon bei ausschließlicher Wohnungshaltung aufgetreten. Hier können noch Rangordnungskämpfe, Eifersüchteleien (Kakadus können sehr eifersüchtig sein.) und andere Faktoren die Ursache sein.

Einsam, getrennt, krank.
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Einsam, getrennt, krank.
Importierte Molukkenkakadus sind zumeist verpaart gewesen und hatten vor ihrer Verfrachtung in die zivilisierte Welt mit Sicherheit einen Partner. Diese finden sich mit dem Beginn der Geschlechtsreife. Da in ihrer Heimat seltener die erwachsenen Vögel gefangen werden können, plündern die Bauern die Nester und entnehmen die Jungvögel. Diese Vögel sind meistens etwas auf den Menschen geprägt aber auch zum Großteil geschädigt. Wildfänge behalten zumeist ihr natürliches Wesen und können für die Heimtier- oder Volierenhaltung zur echten Belastung der Besitzer und deren Umfeld werden. Da die Seltenheit der Vögel reizt und manch vermeintlicher Tierfreund die hohen Anschaffungskosten nicht scheut, werden unüberlegte Käufe getätigt. Molukkenkakadus sind mit Sicherheit die schönsten und größten Vertreter der sogenannten weißen Kakadus. Aber genau das ist ihr Verhängnis. Weit über 90% der Molukkenkakadus enden als Wanderpokale. Wanderpokale ist eine Bezeichnung für Molukkenkakadus welche von genervten Besitzer unter allen Umständen wieder abgeschoben worden sind und nun von Hand zu Hand wandern. Diese Vögel sind alle physisch und psychisch geschädigt. Am deutlichsten sieht man es am Verhalten der Kakadus und dem äußeren Zustand. Geschädigte Vögel fangen an sich zur rupfen, werden zu Schreiern und Beißern und zeigen zudem Auffälligkeiten wie Käfigkoller, unkontrollierbare Bewegungsabläufe, eingeschränkte Nahrungsaufnahme. Derartig geschädigte Papageien wieder gesund zu pflegen, stellt jeden der es schon einmal versucht hat vor sehr große Herausforderungen und Probleme.

Kann man allen Umständen trotzen und erträgt den höllischen Lärm, die Zernagewut und den Dreck (Futter, Federnstaub) der Molukkenkakadus, dann hat man nach über kurz oder lang sehr anhängliche Vögel. Molukkenkakadus werden überaus zahm und schließen sich ihren Besitzern sehr eng an. Besonders bei einer Wohnungshaltung oder einer kombinierten Volieren-Wohnungshaltung werden einstmals geschädigte Kakadus ausgesprochen zahm. Beschäftigt man sich mit den Vögel, so kann das ganze Verhalten der Vögel gut beobachten werden. Man muss sich aber auch hier immer im klaren darüber sein das sie ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ablegen.

Ein großer Trend in den letzten Jahren sind die sogenannten Handaufzuchten von Papageien. Dazu werden die Jungvögel aus den Nestern der Alttiere genommen und zum Teil oder ganz mit der Hand aufgezogen werden. Damit sind die Jungvögel nicht in der Lage alle natürlichen Verhaltensweisen im Nest, später auch außerhalb des Nestes zu erlernen und sich so natürlich zu entwickeln. Einziger Zweck dieser Handaufzuchten ist es das Käufer gleich einen fertigen und völlig zahmen Papagei zu kaufen bekommen, die Züchter diese Vögel schneller verkaufen können und damit Geschäfte gemacht werden können. Viele Züchter brüsten sich in der Zwischenzeit damit das sie die Vögel nicht ausschließlich mit der Hand aufziehen und mehrere Jungvögel zusammen aufziehen. Die Rechtfertigung das die so aufgezogenen Vögel das soziale Verhalten untereinander erlernen ist schlichtweg falsch. Erreichen diese Vögel die Geschlechtsreife, so stellen sich die Schwierigkeiten ein. Diese äußern sich beginnend mit dem plötzlichen nicht-mehr-zahm sein, dem schreien, rupfen, Futter verweigern. Unerfahrene Papageienbesitzer sind damit völlig überfordert und werden versuchen den Vogel so schnell wie möglich abzustoßen.

Da alle Papageien sehr sozial lebende Tiere sind, ist eine Einzelhaltung generell abzulehnen. Je größer Papageien werden, umso älter können sie werden. Es ist nichts dagegen einzuwenden wenn ein Vogelfreund mit Eintritt ins Rentenalter sich zwei junge Kakadus ins Haus holt, sollte aber bedenken das die Vögel ihren Besitzer wahrscheinlich überleben werden. Gespräche mit den imaginären Erben sollten im Vorfeld geführt werden.

Verschiedene Kakadus sind in der Lage menschliche Laute zu imitieren. Molukkenkakadus können dies fast gar nicht.

Die Ernährung von Molukkenkakaus ist sehr abwechslungsreich zu halten und kann alle Sorten von Papageienfuttermischungen (Nicht zu viele Sonnenblumenkerne.), Obst und Gemüse aufweisen. Darüberhinaus nehmen Molukkenkakadus auch tierisches Eiweiß in Form von Maden, Grillen, Würmer, Schnecken, Käfer bis hin zu neugeborenen Kleinsäugern auf. Gewürzte Lebensmittel sind tabu. Ebenso süße Lebensmittel und andere. Frische Zweige und Äste zum beknabbern dürfen nicht fehlen. Ob das derzetig in Mode gekommene Papageienspielzeug sinnvoll ist oder nicht, sei dahin gestellt. Hat der Molukkenkakadu nichts anderes, so wird er es sicherlich gern nehmen. Es ist darauf zu achten das keine schädlichen Stoffe Verwendung gefunden haben.

Besondere Verhaltensweise

Ein Molukkenkakadu ist nachweislich in der Lage mit selbst hergestellten Hilfsmitteln umzugehen. Ein besonders eindrucksvoller Gebrauch eines Hilfsmittels ist die Verwendung eines Stückchen Holz, welches aus einem Naturstamm zu recht gebissen worden ist. Der Naturstamm wird häufig als Schlafplatz für die Nacht aus- und aufgesucht und regelmäßig erneuert. Je nach Bedarf oder Gefühl beißt sich der Molukke ein Stückchen Holz in einer länglichen Form zu recht und betreibt damit eine ausgiebige Gefiederpflege. Dabei werden die Stellen gepflegt wo der Kakadu selbst mit seinem Schnabel nicht hinkommt und auch kein Partnervogel (Partnervogel fehlt oder hat kein Interesse an der gemeinsamen Gefiederpflege.) die Gefiederpflege an diesen Körperstellen übernehmen kann. Mit unter wird die Pflege auch auf andere Körperteile ausgedehnt. Dabei wird das längliche Holzstückchen sehr geschickt eingesetzt und vorsichtig unter die Federn der zu pflegenden Körperstellen geschoben und mit der Pflege begonnen. Da die Körperpflege, wird sie von einem Partnervogel übernommen, sehr genossen wird, kann man an Hand der Beobachtungen davon ausgehen das dieses Empfinden auch dann vorhanden ist wenn das selbst gefertigte „Werkzeug“ Verwendung findet. Dies geschieht zunehmend mit dem Einsetzen der Dämmerung und kann fast täglich beobachtet werden. Interessanter Weise konnte dieses Verhalten bei dem gezeigten Molukkenkakadu nur mit dem Einsetzen der Dämmerung beobachtet werden. Steht ein Partnervogel oder der Ersatz in Form des Menschen für die Gefiederpflege zur Verfügung und übernimmt die Aufgabe der Gefiederpflege, so kann diese Gefiederpflege auch über den Tag verteilt mehrfach durchgeführt und genossen werden. Hat der Molukkenkakadu einmal Gefallen an der Gefiederpflege mit dem Werkzeug gefunden, so wird er sich diesen Genuß regelmäßig mit dem einsetzen der Dämmerung gönnen. Egal ob ein Partnervogel oder ein Mensch es zuvor tat. Es wäre nur darauf zu achten das frisches Holz zur Verfügung steht und das Werkzeug vorher frisch "hergestellt" werden kann. Nach Gebrauch läßt der Kakadu sein Werkzeug einfach fallen. Hat sich das Werkzeug als nicht gut genug erwiesen, wird sich auch ein neues Werkzeug gefertigt. Eine Bearbeitung des Werkzeuges zwischendurch wird ebenfalls vorgenommen.

Woher der hier gezeigte Molukkenkakadu dieses Verhalten hat, wo er es gesehen oder erlernen oder es auch einfach nur abschauen konnte, ist völlig ungeklärt. Im Vergleich zu den Menschenaffen lernen die Affen untereinander den Gebrauch von Werkzeugen. (Wie Menschenaffen den Erstgebrauch von Werkzeugen erlernten, ist ungeklärt. Es kann aber von einem zufälligen Gebrauch diverser Gegenstände und dem Gedächtnis ausgegangen werden.) Der Molukkenkakadu hatte vorher zwar Partner jedoch zeigte keiner dieser Vögel dieses Verhalten. Aus der freien Natur sind solche Beobachtungen ebenfalls nicht bekannt. Es bleibt also die Frage übrig: Woher hat der Molukkenkakadu die Fähigkeit sich Werkzeug für die Gefiederpflege selbst herzustellen und zu gebrauchen? Eine Antwort könnte uns wahrscheinlich nur der Kakadu geben. Er wirds aber nicht tun. Ob dieses Verhalten einzigartig ist oder bei anderen Molukkenkakadus ebenfalls auftritt, ist derzeitig nicht bekannt. Eine vergleichbare Beobachtung liegt derzeitig jedoch nicht vor.

Der Film liegt als mp4-Format hier vor.

Anhang

Galerie

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Dathe: Handbuch des Vogelliebhabers Bd. 1 - Berlin, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag. 1986 Lizensnummer 101-175/97/83
  • Prof. Dr. Dr. h. c. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Kakadus - Robiller, Franz - Urania Verlag, 1992 - ISBN 3332005049
  • Kakadus - Lantermann, Werner - GU-Verlag, 1988 - ISBN 3774234493
  • Kakadus - Hoppe, Dieter - Ulmer, 1986 - ISBN 3800171554
  • Kakadus - Diefenbach, Karl - Horst Müller Verlag, 1982 - ISBN 3923269064
  • Kakadus und ihre Welt - Strunden, Hans - Hort Müller Verlag, 1989 - ISBN 3923269307
  • Eckstein F.-W. - Haltung und Zucht des Molukkenkakadus - Papageien 2/92
  • Oltmanns, Meinhard - Erfolgreiche Molukkenkakaduzucht - Papageien 3/2000
  • Video Molukkenkakadu (.mp4)

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