Mondfisch

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Mondfisch

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Stachelflosser (Acanthopterygii)
Ordnung: Kugelfischverwandte (Tetraodontiformes)
Unterordnung: Kugelfischähnliche (Tetraodontoidei)
Familie: Mondfische (Molidae)
Gattung: Mondfische (Mola)
Art: Mondfisch
Wissenschaftlicher Name
Mola mola
Linnæus, 1758

Der Mondfisch (Mola mola) zählt innerhalb der Familie der Mondfische (Molidae) zur gleichnamigen Gattung (Mola). Im Englischen wird er als Ocean sunfish bezeichnet.

Russische Wissenschaftler konnten anhand von versteinerten Fossilien, die im Südwesten Russlands gefunden wurden, feststellen, dass der Mondfisch schon seit der Eozän-Epoche existiert. Das Eozän begann vor 55,8 Millionen Jahren und endete vor 33,9 Millionen Jahren.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Mondfisch ist der größte bekannte Knochenfisch der Welt und ähnelt einem schwimmenden Mühlstein, daher war der zoologische Name Mola mola für den Mondfisch auch namensgebend (lat. mola = Mühlstein). Er erreicht eine Körperlänge von etwa drei Metern, eine Körperhöhe von ungefähr vier Metern und ein Gesamtgewicht von über zwei Tonnen. Er kann ein Höchstalter von über hundert Jahren erreichen. Der Kopf nimmt bis zu einem Drittel des Körpers ein. Der Mondfisch weist eine ungewöhnliche Körperform auf. Er besitzt keine Schwanzflosse, stattdessen weist er einen wellenförmigen Saum (Clavus) auf, der durch die Verlängerung der dorsalen und analen dunklen Flossenstrahlen gebildet wird. Der Körper ist insgesamt oval und seitlich abgeflacht und weist zahlreiche Nuten auf. Der Vortrieb erfolgt durch die grosse Rücken- und Afterflosse, die sich gegenüberstehen und wie riesige Messer vom Körper abstehen. Er bewegt sich wie ein Drückerfisch, indem er die Bauch- und Rückenflosse gleichzeitig nach rechts und dann nach links bewegt. Diese Fortbewegung ähnelt einer Pendelbewegung. Für die Steuerung benutzt er seine kleinen Brustflossen, die fächerförmig ausgebildet und aufwärts gerichtet sind. Wegen der großen Rückenflosse wird der Mondfisch öfter mit einem Hai verwechselt, da er manchmal an der Meeresoberfläche schwimmt und die Rückenflosse dabei aus dem Wasser ragt.

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Die vier Kiemenöffnungen, die von einer starken Hautklappe verdeckt werden, sind verhältnismäßig klein, und gleich dahinter liegen die kleinen Brustflossen. Das Skelett des Mondfisches wird von einer extrem starken, elastischen, sandpapierartigen und schuppenlosen Haut aus Kollagenfasern umspannt, die etwa fünfzehn Millimeter dick und mit Schleim bedeckt ist. Die dicke Haut ist die einzige Verteidigungsmöglichkeit des Mondfisches gegenüber Angreifern. Die Hautfarbe schwankt zwischen einer weißlichen, einer gräulichen, einer silbergrauen und einer bläulichen Färbung und kann auch mit hellen oder dunklen Sprenkeln bedeckt sein. Wie bei den meisten Fischen, so ist auch die Unterseite der Haut etwas dunkler und die Oberseite der Haut zur besseren Tarnung etwas heller gefärbt. Die Augen befinden sich seitlich am Kopf. Im Verhältnis zum riesigen Körper sind die runden, ausgebuchteten Augen und das Maul sehr klein geraten. Das Maul kann der Mondfisch nicht schließen. Vier der Zähne sind zu Knochenplatten zusammengewachsen und bilden eine Art Papageienschnabel. Im Schlund befinden sich weitere krallenartige Zähne. Der Mondfisch nimmt seine Beute auf, indem er sie zusammen mit Wasser einsaugt und sie dann im Schlund mit den krallenartigen Zähnen weiter zerkleinert. Im Laufe der Evolution hat sich die Schwimmblase vollständig zurückgebildet, was zur Folge hat, dass er ständig in Bewegung bleiben muß, um nicht zu sinken. Aufgrund seines kurzen und steifen Körpers besitzt der Mondfisch nicht mehr als sechzehn Wirbel und das Rückenmark ist weniger als 15 Millimeter lang.

Verbreitung

Der Mondfisch erscheint in subtropischen, tropischen und gemäßigten Zonen in allen Weltmeeren. Er lebt hauptsächlich im offenen Wasser. Im Ostpazifik findet man ihn von Britisch-Kolumbien, Kanada bis nach Peru und Chile. Im Ostatlantik kommt er von Skandinavien bis nach Südafrika vor (gelegentlich westliche Ostsee und Mittelmeer). Und im Westatlantik ist er in den Regionen um Neufundland und Kanada verbreitet. Selten bekommt man den Mondfisch zu Gesicht, da er sich in kälteren Wasserschichten in Tiefen von 30 bis 480 Metern und bei Temperaturen unter 7,5 Grad Celsius aufhält, um auch dort nach Beutetieren zu jagen. Wenn er auftaucht, dann nutzt er auch gleich die Gelegenheit zum Sonnenbaden, um sich für seinen nächsten bevorstehenden Tauchgang aufzuwärmen. Beim Sonnenbaden legt er sich tagsüber flach auf das Wasser, daher wird er auch als "Sonnenfisch" bezeichnet. Man nimmt an, dass der Mondfisch auch in Tiefen von bis zu 1000 Metern vorkommt, was aber eher unwahrscheinlich klingt.

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Prädatoren

Zu den natürlichen Prädatoren des adulten Mondfisches gehören die Großen Schwertwale (Orcinus orca). In geringerem Mass als seine Verwandten, die Kugelfische (Tetraodontidae), wie zum Beispiel Takifugu, kann sich der Mondfisch mit dem tödlichen Gift Tetrodotoxin (TTX, Nervengift) verteidigen. Während der juvenile Mondfisch eher von den Seelöwen, den Delfinen (Delphinidae), den Fächer- und Speerfischen (Istiophoridae) sowie von den Weißen Haien (Carcharodon carcharias) verspeist wird.

Vielmehr hat der Mondfisch aber unter den etwa fünfzig Arten verschiedener Parasiten und Mikroorganismen zu leiden, die die Haut besiedeln, sich tief hineinbohren und somit den Fisch schwächen. Die Parasiten und Mikroorganismen sind auch die Ursache, dass der Mondfisch in der Nacht wie ein Mond silbern leuchtet. Um sich von den lästigen Parasiten zu befreien, lässt der Mondfisch sich an der Wasseroberfläche treiben und hält die Rückenflosse weit über die Oberfläche hinaus. So können die Möwen (Laridae) in dieser Putzerstellung die Ektoparasiten von der Haut des Mondfisches picken. Außerdem sucht er Seetangwiesen oder Riffe auf, in denen sich zahlreiche Junkerlippfische (Julininae), Schwarm-Wimpelfische (Heniochus diphreutes), Kaiserfische (Pomacanthidae) und Falterfische (Chaetodontidae) aufhalten, die ebenfalls die Haut des Mondfisches von Parasiten befreien und sich zugleich davon ernähren. Manchmal springen die Mondfische wie Wale (Cetacea) aus dem Wasser, um sich von den Parasiten zu befreien.

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Ernährung

Der Mondfisch ernährt sich überwiegend von zahlreichen Fischen (Pisces), Salpen (Thaliacea), Weichtieren (Mollusca), Zooplankton, Rippenquallen (Ctenophora), Tintenfischen (Coleoidea), Kalmaren (Teuthida), Larven von Krebstieren (Crustacea), Larven von Tiefseeaalen (Synaphobranchidae) und von Seesternen (Asteroidea).

Fortpflanzung

Das Weibchen kann über 300 Millionen Eier produzieren, die alle in einem Laichgang abgelegt und mit der Strömung fortgetrieben werden. Das Laichgebiet befindet sich unter anderem in der Sargassosee, sie liegt bei den Bermuda Inseln zwischen Florida und den Azoren im südwestlichen Atlantik und gehört teilweise zum Bermudadreieck. Das Meeresgebiet hat etwa die Größe von Australien. Die Larven erreichen eine Körperlänge von nur zwei bis drei Millimeter. Sie sind mit nagelartigen Stacheln oder Dornen bedeckt, die allerdings im Gegensatz zur Körperlänge eine Länge von zehn Millimetern erreichen können. Auch die Brustflosse ist bei dem juvenilen Mondfisch im Gegensatz zum adulten Mondfisch verhältnismäßig groß ausgebildet. Bei einer Körperlänge von 37 Millimetern entwickeln sich die Stacheln im Laufe des Larvenstadiums zurück. Des Weiteren bildet sich auch die Schwanzflosse, die noch im Larvenstadium zu sehen ist, zurück, während der Körper langsam die typische ovale oder auch scheibenförmig komprimierte Gestalt annimmt. Im Laufe ihrer Entwicklung vervielfachen die Larven ihr Körpergewicht. Die juvenilen Mondfische haben eine leicht elliptische Form und weisen eine silbrige Körperfärbung auf. Sie leben gesellig und bilden sogenannte Schulen. Erst mit zunehmendem Alter werden sie dann zu Einzelgängern und weisen dann auch die gleiche Körperfärbung wie der adulte Mondfisch auf. Das Paarungsverhalten, wo und wann der Mondfisch sich paart und die Fortpflanzung des Mondfisches sind noch sehr wenig erforscht.

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Gefährdung und Schutz

Auch wenn der Mondfisch das tödliche Gift Tetrodotoxin (TTX, Nervengift) produziert und somit für den Menschen ungenießbar ist, wird er in Asien gegessen. Umstritten ist jedoch seine Giftigkeit beim Verzehr. Taiwan und Japan sind die größten Abnehmer. Alle Teile des Mondfisches einschließlich die Haut, die Flossenmuskeln, das Rückgrat, die Testikel (paarig angelegtes, inneres männliches Geschlechtsorgan) und die Därme werden wegen ihrer Zartheit verspeist.

In Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika ist er für die Nahrungsmittelindustrie uninteressant, da die Nachfrage bei der Bevölkerung sehr gering ist. Der Verzehr des Mondfisches durch den Menschen hat für den Fisch kaum negative Auswirkungen, eher sind die Populationen durch die Verschmutzung der Ozeane stark gefährdet und somit rückläufig. Des Weiteren verenden jedes Jahr die Tiere als Beifang in den Treibnetzen der Schwertfischfangflotten in großer Zahl. Eine weitere Bedrohung ist der schwimmende Plastikmüll auf dem Meer, der den Mondfisch erdrosseln oder den Magen verstopfen kann, was dann schließlich zu einem qualvollen Tod führt. Um sich für den Schutz und den Erhalt des Mondfisches effektiver einzusetzen, ist es dringend erforderlich, die Wanderrouten und Aufenthaltsorte sowie das Sozialverhalten des Fisches genauer zu erforschen. Nur so kann die Bedrohung minimiert und letztendlich das Aussterben dieser faszinierenden Fischart abgewendet werden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
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